Verlag Sanggaffe 21
6AsBr^«S( «rfffnrt Mn 8 Uör morgen» bi» 8 Uhr attnM.
wöchentlich
8*J*Kfe$S rt *J£ t «'**'•. 70 dsg monallch, H vi-rteljihrli-h durch den Brrl-a
viertelMrlich durch alle deutschen Boftanstalten, auSschliehlich i entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- rjcr-yr» M ““I"’“’' 11 "*"'- >-> »n-n Leuen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Au»,
gabrkellen und m den denachbaire» Landorten und im Rheingau die betrestenden Tagbiatt-Träger
12 Ausgaben.
Fernruf r
„Tagblatt-Hau»" Nr. 6650-53.
Bon e Uhr morgen» bi» 8 Uhr abends, außer Sonntag»,
Anzeiarn-PreiS sür die Zeile: lS Pfg, für örtliche Anzligen im ,»rbei!»markl" und „stleiner Anzeiger' in einheitlicher Satzform: 20 Mg, in davon abweichender Satzaubführuna, sowie sür alle übrigen örtlichen Anzeigen: 30 Psg, für olle auswärtigen Anzeigen: I Ml, sur ör:ltche Reklamen; 2 Mk, für auswärtige Reklamen- Ganze, halbe, briitel und viertel Seilen, durchlauseno, nach besonderer Berechnung, — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurze» Zwischenräumen entsprechender Nachlaß,
Berliner Schristlritnng d.S Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersd.rs Güntzelstr, 66. Fcrnlvr,: Amt Uhland 450451.
Zreitag, 5. Zebruar 1915.
morgen »Ausgabe.
Nr. 59. ♦ 63. Jahrgang.
Die deutsche Blockade Großbritanniens!
Die amtliche Bekanntmachung.
W. T.-B. Berlin, 4. Febr. (Amtlich.) Der „Reichs, anzerger" meldet im amtlichen Teile folgendes: Bekanntmachung.
1. Die Gewässer rings Großbritanniens und Irlands einschließlich des gesamten englischen Kanals werden hiermit als Kriegsgebiet erklärt. Bom 18. Februar 1915 an werden die in diesem Kriegsgebiet angetroffenen Kauffahrteischiffe zerstört werden, ohne daß es immer möglich sein wird» die dabei der Besatzung und den Passagieren drohende Gefahr abzuwenden.
2. Auch die neutrale Schiffahrt läuft in dem Krregsgebiet Gefahr, da es angesichts des von der britischen Regierung am 31. Januar angeordneten Mißbrauchs der neutralen Flagge und der Zufälligkeiten des Seekrieges nicht immer vermieden werden kann, daß die aus feindliche Schisse berechneten Angriffe auch neutrale Schiffe treffen.
3. Die Schiffahrt nördlich um die Shetland-Inseln, rm Ostgebiete der Nordsee und in einem Streifen von mmdestrns 30 Seemeilen Breite entlang der niederländischen Küste ist nicht gefährdet.
Berlin, 4. Februar 1915.
Der Chef des Admiralstabs der Marine: gez. v. Pohl.
»
Die Denkschrift der Kaiserlich Deutschen Regierung.
Zur Erläuterung dieser Bekanntmachung wird den verbündeten, neutralen und feindlichen Mächten die nachstehende Denkschrift mitgeteilt:
Seit Beginn des gegenwärtigen Krieges führt Großbritannien gegen Deutschland den Handelskrieg in einer, Weise, die allen völkerrechtlichen Grundsätzen Hohn spricht. Wohl hat die britische Regierung in mehreren Verordnungen die Londoner Seekriegrechtserklärung als für ihre Seestreitkräfte maßgebend bezeichnet, in Wirklichkeit aber sich von dieser Erklärung in wesentlichen Punkten losgesagt, obwohl ihr eigener Bevollmächtigter auf der Londoner Seekriegrechtskonferenz deren Beschlüße als geltendes Völkerrecht anerkannte. Die britische Regierung hat eine Reihe von Gegenständen auf die Liste der Konterbande ge. setzt, die nicht oder doch nur sehr mittelbar für kriegerische Zwecke verwendbar sind und daher nach der Londoner Erklärung, wie nach den allgemein anerkannten Regeln des Völkerrechts überhaupt nicht als Konterbande bezeichnet wer» den dürfen. Sie hat ferner den Unterschied zwischen abso. luter und relativer Konterbande tatsächlich beseitigt, indem sie alle für Deutschland bestimmten Gegenstände als relative Konterbande ohne Rücksicht auf den Hafen, in welchem sie auSgeladen werden sollen, und ohne Rücksicht auf die feindliche oder friedliche Verwendung der Beschlagnahme unterworfen. Sie scheut sich sogar nicht, die Pariser & e e» rechtSdeklaration zu verletzen, da ihre Seestreitkräfte von neutralen Schiffen deutsches Eigentum, das nicht Konterbande war, weggenommen. Über ihre eigene Verordnung zur Londoner Erklärung hinausgehend, ließ sie weiter durch ihre Seeftreitkräfte zahlreiche wehrfähige Deutsche von neutralen Schiffen wegführen und sie zu Kriegsgefangenen machen. Endlich hat sie die ganze Nordsee zum Kriegsschau, platz erklärt und der neutralen Schiffahrt die Durchfahrt durch das offene Meer zwischen Schottland und Norwegen, wenn nicht unmöglich gemacht, so doch aufs äußerste erschwert und gefährdet, so daß sie gewissermaßen eine Blockade der neutralen Küsten und neutralen Häfen gegen jene Völker einführte.
Alle diese Maßnahmen verfolgen offensichtlich den Zweck, durch rechtswidrige Lahmlegung des legitimen neutralen Handels nicht nur die Kriegsführung, sondern auch die Volkswirtschaft Deutschlands zu treffen, und letzten Endes auf dem Wege der Aushungerung das ganze deutsche Volk der Vernichtung preiszugeben.
Die n c u t r a l e n Mächte haben sich den Maßnahmen der britischen Regierung im großen und ganzen gefügt. Insbesondere haben sie nicht erreicht, daß die von ihren Schiffen völkerrechtswidrig weggenommenen deutschen Personen und Güter Bon der britischen Regierung herausgegeben worden sind. Auch schließen sie sich in gewisser Richtung sogar den mit der Freiheit des Meeres unvcreinbarlichen englischen Maßnahmen an. indem sie offenbar unter dem Druck Englands die für ftiedliche Zwecke bestimmte Durchfuhr nach Deutschland auch ihrerseits durch Ausfuhr- und Durchfuhrverbote verhindern. Vergebens machte die deutsche Regierung die neutralen Mächte aufmerksam, daß sie sich die Frage vorlegen müsse, ob sie an den von ihr bisher streng beobachteten Bestimmungen der Londoner Negierung noch länger fest- fettai soll, wenn Großbritannien daö von ihm eingeschlagene'
Verfahren fortsetzen und die neutralen Mächte alle diese Neu- tralitätsverlehungen zuungunsten Deutschlands länger hinneh- mcn würden. Großbritannien beruft sich für seine völkerrechtswidrigen Maßnahmen auf die Lebensinteressen, die für das britische Reich auf dem Spiel stehen, und die neutralen Mächte scheinen sich mit theoretischen Protesten abzufinden, also tatsächlich die Lebensinteressen von Kriegführenden als hinreichende Entschuldigung für jede Art der Kriegs- sührung gelten zu laßen.
Solche Lebensintereffen muß nunmehr auch Deutschland für sich anrufen.
Es sieht sich daher zu seinem Bedauern zu militärischen Maßnahmen gegen England gezwungen, die das englische Verfahren vergelten sollen. Wie England das Gebiet zwischen Schottland und Norwegen als Kriegsschauplatz bezeichnet, so bezeichnet Deutschland die Gewässer rings um Großbritannien und Irland mit Einschluß des gesamten englischen Kanals als Kriegsschauplatz, und wird mit allen zu Gebote stehenden K r i e g s m i t t e l n der feindlichen Schiffahrt daselbst entgegentreten. Zu diesem Zweck wird es vom 18. Februar 1915 an jede feindliche Art Schiffe, die sich auf dem Kriegsschauplatz befinden, zu zerstören suchen, ohne daß es immer möglich sein wird, die dabei den Personen und Gütern drohenden Gefahren abzuwendcn. Die Neutralen werden daher gewarnt, solchen Schiffen weiterhin Mannschaften, Passagiere und Waren cmzuver- trauen. Sodann werden sie darauf aufmerksam gemacht, daß e§ sich auch für die eigenen Schiffe dringend empfiehlt, das Anlaufen in diesem Gebiet zu vermeiden. Denn wenn auch die deutschen Seeftreitkräfte Anweisung haben. Gewalttätigkeiten gegen neutrale Schiffe, so weit sie als solch« erkennbar, zu unterlassen, so kann doch angesichts des von der b r i t i- schen Regierung angeordneten Mißbrauchs der neutralen Flaggen und der Zufälligkeiten des Krieges nicht immer verhütet werden, daß auch sie einem auf feindliche Schiffe gerechneten Angriff zum Opfer fallen. Dabei wird ausdrücklich bemerkt, daß die Schiffahrt nördlich um die Schott- landinselu, im östlichen Gebiet der Nordsee und in einem Streifen von mindestens 39 Seemeilen Breite entlang der niederländischen Küste nicht gefährdet ist.
Die deutsche Regierung kündigt diese Maßnahme so rechtzeitig an, daß feindliche wie neiktrale Schiffe Zeit behalten, ihre Dispositionen wegen des Anlaufens der am Kriegsschauplatz liegenden Häfen darnach einzurichten. Es darf erwartet werden, daß die neutralen Mächte die Lebensinteressen Deutschlands nicht weniger als die Englands berücksichtigen und dazu beitragen werden, ihre Angehörigen und deren Eigentum von dem Kriegsschauplatz fernzuhalten. Die? darf um so mehr erwartet werden, als den neutralen Mächten auch daran liegen muß, den gegenwärtigen, verheerenden Krieg sobald als möglich beendet zu sehen.
Die Aufnahme der Blockade ln Holland.
Br. Haag, 4. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die Ankündigung des deutschen „Reichsanzeigers" an die neutrale Schiffahrt, daß die neutralen Handels- schiffe bei ihren Fahrten nach der nördlichen und westlichen Küste Frankreichs großen Gefahren ausge- setzt sind, wird von der holländischen Presse sehr ernste aufgefaßt und teilweise ziemlich erregt besprochen. Das „Han d el s b la d" sagt: Warum
müssen die Handelsdanchfer, bei denen gewöhnlich eine eifrige Untersuchung bereits erkennen läßt, welcher Art die Ladung ist, gezwungen werden, den zeitraubenden Umweg über Schottland "zu machen. Die War- nung kann so aufgefaßt werden, als ob die Handelsschiffe, gleichviel welcher Nationalität, ohne besondere Untersuchung vernichtet werden sollen, sofern sie nur der Route in der Nähe der für Kriegsoperationen dienenden französischen Häfen folgen. Diese Hand- lungsweise lief allen Bestimmungen des Völkerrechts wie der Menschlichkeit zuwider, da die einzigen Waffen der Deutschen im Kanal Unterseeboote, treibende Minen und Luftschiffe sind, weshalb meistenteils die Rettung der Mannschaften der versenkten Dampfer nicht erfolgen könnte. Dos „Handelsblad" hofft, daß die Ab- sicht der deutschen Regierung nicht in dieser Rich. tung liege. Zum Schluß fordert das Blatt die hollän- difche Regierung auf, eine deutliche Ant- wort auf die Note der Reichsregierung zu geben uns^ emvfiehlt gegebenenfalls zum Zusammengehen aller neutralen Länder gegen die Absicht der deut- scheu Regierung.
Einstellung des Dampferdienstes zwischen England und Irland.
W.T.-B. London, 4. Febr. (Nichtamtlich.) Tie Northwestern Eisenbahn stellte alle Schiffsverbindun- gen zwischen Holyhead und den irischen Häfen, sowie
auch -wischen Dublin und Grenoble ein. Die Schnell-
Kämpfer Verkehren nicht mehr. Die City of Dublin- Schiffahrtsgesellschaft, welche nach und von Liverpool, Belfast und Manchester verkehrt, unterbrach gestern abend den Dienst. Die Poftdampfer zwischen Kingstown und Holyhead bleiben im Verkehr, da die Regierung alles Risiko übernahm.
Große Unannehmlichkeiten für Passagiere und Post- befördcrung.
W. T.-B. London, 4. Febr. (Nichtamtlich.) „Daily Telegraph" meldet aus Belfast: Die Einstellung einer Anzahl regelmäßiger Dampferdienste zwischen England und Irland hat große Unannehmlichkeiten für Passagiere und Post im Gefolge. Die Gesellschaften weigern sich, Rindvieh und Güter für überseeische Transporte anzunehmen. Die Versicherungsprämie ist heute auf ein Pfund gegen 10 Schilling gestiegen und gegen 2,6 Schilling vor dem Krieg, diamentlich sind die K o h l e n p r e i s e sehr hoch. Die Linie Larne-Stranracr verkehrt weiter. Der Dampfer „Heisham" ist heute zum ersten Male wieder gefahren.
Ein englischer Admiral über die geringen Leistungen der englischen Flotte.
Kopenhagen, 3. Febr. Der Londoner Berichterstatter bei Kopenhagener Blattes „National Tidende" macht Mitteilungen Wer einen Brief, den Admiral Jellicoe an seine m London lebende Gattin gerichtet hat. Das Schreiben ist in mehr als einem Punkte bemerkenswert, da hier zum erstenmal von einer immerhin maßgebenden Stelle da? Eingeständnis gemacht wird, daß die englische Flotte die an sie geknüpften Hoffnungen nicht erfüllt hat. Jellicoe sagt: „Im großen und ganzen hat unsere Flotte bisher noch keine Gelegenheit gehabt, zu zeigen, daß sie von der gleichen Begeisterung beseelt ist, die in früheren Zeiten zum Siege geführt hat. Wenn unsere Männer den Feind auf dem Meere getroffen haben, zeigten sie, daß sie mutig und tapfer sind. Bei allen Gelegenheiten, sei es, daß unsere Schiffe auf eine Mine gerieten, oder daß sie durch ein Unterseeboot zum Sinken gebracht wurden, war die Disziplin der Mannschaft anju- erkennen. Unsere Matrosen sind dem Tode nicht bloß als brave Männer, sondern auch in opfermutigster Weise entgegengegangen. Mehrmals habe ich zu hören bekommen, daß bei solchen Gelegenheiten unsere Matrosen ihren schwächeren Kameraden bei der Rettung noch Hilfe leisteten und ihnen sogar ihre Rettungsgürtel überwiesen. Während der langen Wartezeit, die uns aufgezwungen ist, hält uns nur der Humor aufrecht, obgleich dieses Dasein gleichzeitig ein einförmiges und nervenerschütterndes genannt werden muß." Diese Äußerungen haben in London peinliches Aufsehen erregt, denn man glaubt aus ihnen nicht mit Unrecht eine Bestätigung jener Ansichten hören zu müssen, die behaupten, daß die englische Flotte ihre frühere so vielfach gepriesene Überlegenheit bisher nicht gezeigt hat und in absehbarer Zeit auch keine Aussicht hat, sie zu zeigen. Man ist peinlich überrascht, daß der Admiral nur Wer die gute Manneszucht der Mannschaften bei Unfällen und Schiffsuntergängen redet, allzu wenig Wer über die A n - grisfslust der Matrosen sagen kann.
Die englische Spkonenfurcht.
Br. Amsterdam, 4. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Zwei Deutsche wurden am Dienstag in einem Londoner Vorort zu 6 bezw. 3 Monaten Zwangsarbeit verurteilt, weil sic durch Vermittlung ihrer Gewerkschaft Arbeit in Londoner Docks, also in einem für Ausländer verbotenen Gebäude, angenommen hatten.
Ein Abenteuer Churchills an der Front in Frankreich.
Sr. London, 4. Febr. (Eig. Drahtber. Ktr. Bln.) Der erste Lord der Admiralität Churchill hatte bei seinem Besuche an der Front in Frankreich ein kleines Abenteuer. Durch den Brief eines Korporals der Gordon-Hochländer wird bekannt, daß Churchill um ein Haar von den Engländern als Spion erschossen worden wäre. Die Hochländer erhielten eines Abends Befehl, auf ein schwarzes Automobil aufzupassen, in dem, wie cs hieß, gefährliche Spione, ein Herr und eine Dame, durch die englische Linie zu kommen suchten. Die Dame, eine der schlauesten österreichischen Spioninnen, spreche fließend Englisch. Am nächsten Morgen hatte der Korporal Wache, als plötzlich auf der Chaussee ein schwarzes Automobil heransauste. Die Hochländer-Patrouille gebot Halt, doch der Chauffeur wollte weiter fahren. Jetzt drohten die Hochländer, Feuer zu geben. Gleichzeitig kam Verstärkung und im AngeWlick war das Auto von Hochländern umringt. Die Insassen stiegen aus: es waren zwei ftanzöfische Generale und Winston Churchill.
Mißbräuchliche Amtsführung der französischen Zwangs» Verwalter.
W. T.-B. Paris, 4. Febr. (Nichtamtlich.) Die „HumaNite" protestiert gegen den Mißbrauch, den einige ZwanqSn Verwalter von Gütern deutscher und österreichisch-unga».
