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.....timni Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung,

Bei wjederholler Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß,

Donnerstag, 4. Zebruar 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 57. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Die deutsche Blockade der französischen NanalKüste.

Ein Geheimbefehl der englischen Admiralität.

Englands Dampfer unter neutraler Flagge.

W■ T.-B. Berlin, 3. Febr. (Nichtamtlich.) Aus sicherer Quelle wird folgender geheim zu haltender Befehl der e n g « tischen Admiralität bekannt: Wegen des Auftretens deutscher Unterseeboote im englischen und irischen Kanal sollen sofort alle englischen Handelsschiffe neu­trale Flaggen hisien und alle Abzeichen, wie Reederei- reiche», Namen usw. verdecken. Hausflaggen sind nicht zu fuhren. Dieser Befehl ist geheimzuhaltcn. (Entweder Eng. land stellt damit seine Handelsschiffahrt unter fremden Schutz und gesteht damit seine Ohnmacht ein, oder es segelt unter falscher Flagge. Jedenfalls eines ist klar: Das Ende der Seeherrschaft Englands ist eigentlich schon da. England ist nicht in der Lage, seine Handelsschiffahrt ausreichend selber gegen unsere H-Boote zu sichern. Schrift!.)

Eine englische Prämie für das erste deutsche Unterseeboot.

W. T.-B. London, 3. Febr. (Nichtamtlich) „Shipping Gazette" setzt eine Belohnung von 500 Pfund Sterling für die Bemannung desjenigen Schiffes aus, das zuerst ein deut­sches Unterseeboot zum Sinken bringt.

Zum Untergänge der „Taku Maru".

Nr. Amsterdam, 3. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Zum Untergang der „Taku Maru" schreibt die „Times": Der Dampfer, der 6238 Tonnen Wasserverdrängung hatte, verließ Wellington (Neuseeland) am 9. Dezember, um nach Lon­don zu segeln. Seine Ladung bestand aus gefrorenem Fleisch, Früchten und Gemüse sowie aus Kleidungsstücken. Im Moment der Explosion stieg eine Wassersäule bis zur Spitze der Schornsteine empor und die See färbte sich schwarz wie Tinte. Ein Beweis dafür, daß das Wafler in den Kohlenbunker strömte. Auf einen drahtlosen Hilferuf hin kam eine Anzahl französischer Torpedoboote und ein Schleppdampfer, welche der „Taku Maru" aber keine Hilfe mehr bringen konnten. Sie sank 1 Stunde 40 Minuten nach der Explosion.

Der torpedierte Dampfer „Jkaria" gesunken.

W■ T.-B. London, 3, Febr. (Nichtamtlich.) „Central News" erfahren aus Paris, daß der englische Dampfer „Jkaria", der bei Le Havre torpediert wurde, im Hafen ge­sunken und ein Teil der Ladung gerettet wurde.

wiener pressestimmen.

W. T.-B. Wien, 3. Febr. (Nichtamtlich.) Die Blätter besprechen die Ankündigung des deutschen Admiralstabes zur Verhinderung der Landung englischer Truppen in Frankreich. Das „Reue Wiener Tagbl." bemerkt hierzu: Auch die her­

vorragendsten Wahrheitsfeinde unter den britischen Seelords und Admiralen müssen heute wohl mit innerer Bestürzung zugeben, daß der deutsche Offensivgeist auf dem Meere halbe Maßregeln nicht kennt. Ritterlich warnte der deut­sche Admiralstab die Handelsschiffe vor der Annäherung an die gefährdete Küste. Völkerrechtlicher kann eine kriegfiibrende Macht wohl nicht mehr Vorgehen.

Auch die „Reue Freie Presse" hebt den ritterlichen G e i st der Deutschen hervor, die selbst die Neutralen warnen, um unschuldige Opfer zu vermeiden. Die große mächtige Flotte Englands vermochte bis jetzt nicht, die deutschen Unter­seeboote aus der Nähe Englands zu vertreiben. Jetzt wird dies noch schwieriger sein.

Das „Neue Wiener Journal" erklärt: Die Vorwürfe und Beschuldigungen Englands und Frankreichs gegen di« deutsche Methode der Unterseeblockade erübrigen sich von selbst. Man kennt Englands Heuchelei, der sich dies­mal würdig die Wut Frankreichs anschließt. In Eng­land und Frankreich wird man von der deutschen Ankün­digung mit einigem Bangen Kenntnis nehmen. Die Art der Ankündigung ist wirkliche Noblesse, das ist gentlemanlike, in einer von England vergessenen Art gehan­delt und muß bei jedermann die Hochachtung für die deutsche Kriegsführung noch erhöhen.

Die Genugtuung in Holland.

Br. Amsterdam, 3. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die holländische Presse ist erfüllt von B e w u n- d e r u n g für die kühne Fahrt der deutschen Seeleute in die Irische See und unverhüllt kommt dabei eine starke Genugtuung zum Ausdruck, über die den Engländern zugefügten Schäden. Ist es doch gerade der Seeterrorismus Englands, der bei der Durch­führung dieses Handelskrieges Holland aufs schwerste trifft, seinen Handel völlig lahm legt, seine Industrie erdrosselt und ^die Versorgung des Landes mit dem Notwendigen Brotgetreide zu einem schwierigen Problem macht. Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" schreibt: Das Ziel dieses Unterseebootskrieges ist klar. 8st England auch Herr zur See, was über der Wasser­oberfläche geschieht, die Tätigkeit der Luftfahrzeuge, und was unter dem Wasser sich ereignet, entgeht der Kontrolle der englischen Flotte. So können die Deut­schen der englischen Kauffahrteifahrt große Verluste unter Wasser beiibringen.

Die bisherigen Leistungen unserer Unterseeboote.

Die „Köln. Volksztg." veröffentlicht eine lohnende zusam- menfassende Übersicht darüber, was allein unsere Untersee­boote bisher schon geleistet haben. Dazu ist jedoch zu bemer­ken, daß möglicherweise, sogar wahrscheinlich, bisher lange nicht alles bekannt geworden ist, was ihnen gelang. Un­sere Oberste Marineleitung hat es stets vermieden, Un­nötiges auszuposaunen, und gar manches, was unsere Unter­seeboote bisher geschafft haben, wurde uns nur durch aus­ländische Quellen bekannt. Sie hat ja z. B. heute noch, nicht klar sich geäußert, ob die „Audacious" am 28. Oktober cm der nordirischen Küste auf eine deutsche Mine gelaufen, oder, wie vielfach vermutet wurde, auch in England, von einem deutschen Unterseeboot torpediert worden ist.

Unsere Unterseeboote haben bisher folgendes ge­leistet: Schon am 12. August 1914 gab die englische Admirali­tät öffentlich bekannt, daß „in den letzten Tagen" deutsche Un­terseeboote an der Ostküste Englands und Schottlands entlang­gefahren seien. Am 18. August ergänzte sie diese Veröffent­lichung dahin, daß an der bezeichneten Küste deutsche Minen gelegt worden seien, ohne Zweifel also durch die deutschen Un­terseeboote.

Am 7. September wurde der englische Kreuzer „Path- f i n d e r" an der Mündung des Tyne durch „17 21" zum Sin­ken gebracht. Die deutsche Marineverwaltung ließ die eng­lische Meldung, „Pathfinder" sei auf eine Mine gelaufen, un­beanstandet, um den Unterseebooten ihre weitere Tätigkeit nicht zu erschweren.

Am 10. September ist der als englischer Hilfs­kreuzer armierte Dampfer „O c e a n i c" an der Nordküste Schottlands gesunken; angMich war er auf ein Rfff gefah­ren; wahrscheinlicher ist, daß er von einem Unterseeboot torpe­diert worden oder auf eine der Minen gelaufen ist, welche die deutschen Unterseeboote anfangs August dort ausgelegt hatten.

Am 22. September brachte das deutsche Unterseeboot „17 9" in der Nordsee, etwa 20 Meilen nördlich von Hoek van Holland die englischen Panzerkreuzer „Aboukir", „H o g u e" und „C ress h" durch Torpedoschüsse zum Sinken.

Am 15. Oktober wurde der englische Kreuzer „Hawke" in der nördlichen Nordsee, und zwar wieder durch „17 9", durch einen Torpedoschutz vernichtet.

Am 28. Oktober wurde der englische Überdreadnought „Audacious" an der Nordküste Irlands durch eine Mine vernichtet, welche durch die deutschen Unterseeboote ausge­legt war. ,

Am 31. Oktober brachte ein deutsches Unterseeboot im Kanal den englischen Kreuzer „Hermes" durch einen Torpedoschuß zum Sinken.

Am 12. November wurde in der Nähe von Dover das eng­lische Kanonenboot „N i g e r" durch ein deutsches Unterseeboot zum Sinken gebracht.

Am 19. Oktober fiel das englische Torpedoboot „D r u a n an der schottischen Küste einer der Minen zum Opfer, welche früher durch die deutschen Unterseeboote auSgelegt worden waren.

Am 25. November flog das Linienschiff „Bulwark" in Sheerneß in die Luft. Bis heute ist die Ursache noch nicht klar. Me Vermutung scheint nicht unbegründet, daß es einem deut­schen Unterseeboot zum Opfer gefallen ist.

Am 26. November vernichtete „17 21" bei Le Havre den englischen Dampfer „Malachite" und an demselben Tage den englischen Dampfer „Prim o".

Am 1. Januar 1915 wurde das englische Linienschiff „F o r m i d a b l e" im Kanal, unweit Plymouth, durch ein deutsches Unterseeboot zum Sinken gebracht.

Am 30. Januar torpedierte „17 21" in der Irischen See den Küstendampfer „Ben Cruachan" und den Dampfer „L i n d a Blanche", sodann noch einen dritten Dampfer, dessen Namen noch nicht gemeldet wurde.

Das find Erfolge, so faßt das genannte Kölner Blatt zu­sammen, welche sich sehen lassen können. Als der Krieg be­gann, hatten unsere Unterseeboote gewiß fleißig geübt und manövriert. Aber die praktische Erprobung für den Ernstfall fehlte ihnen noch. Inzwischen haben sie große Erfahrungen machen und diese immer mehr ausnuhen können. Ihr Ar­beitsbereich, der sogenannte Aktionsradius, wurde immer größer.

Die Lage im Westen.

Die deutschen Luftangriffe auf Dünkirchen.

W. T--B. Paris, 3. Febr. (Nichtamtlich.) Der „Petit Parisien" meldet aus Dünkirchen: Zwei deutsche Flugzeuge sind in der Nähe von Dünkirchen schwer beschädigt aufgesunden worden. Sie werden augenblicklich einer Aus­besserung unterzogen. Man glaubt, daß die Flugzeuge an den letzten Angriffen auf Dünkirchen teilgenommen haben und von Granaten getroffen wurden. Die Insassen konnten unter dem Schutze der Dunkelheit fliehen. In der Nähe des Bahnhoks Dünkirchen wurde auch eine deutsche Flugzsug- schraube gefunden.

Ein deuffches Flugzeug über Belfort.

W. T.-B. Belfort, 3. Febr. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Ein deutsches Flugzeug überflog am gestrigen Nachmittag Belfort. Es wurde beschossen und von französischen Flug­zeugen verfolgt. Das feindliche Flugzeug entfloh.

Der französische Tagesbericht.

W. T.-B. Paris, 3. Febr. (Nichtamtlich.) Amt- licher Bericht vom 2 Februar, abends 11 Uhr: Zwischen dem Meer und der L y s versuchte die deutsche Artillerie die unsrige unter Feuer zu nehmen, der Versuch war aber erfolglos. In dem Abschnitt von A r r a s herrschte während der ganzen Nacht von 1. auf den 2. Februar Gewehrfeuer, ohne das ein Jnfanterieangriff erfolgte. Bei S o i s s o n s beschädigten wir Batterien des Fein­des und warfen in S t. Paul den Angriff einer Ab­teilung Infanterie zurück. Neue Fortschritte sind zu verzeichnen bei Perthes, Les Hurlus und am Rande des Waldes, dessen Besetzung durch unsere Trup­pen früher schon gemeldet worden ist. In den Ar- gonnen bei Bagatelle warfen wir einen deut­schen Angriff zurück. Im Elsaß fand eine Nacht­kanonade in Uffh oItz statt. Gegen Unter-Burn- haupt machten unsere Truppen Fortschritte.

Die Lügenhaftigkeit der französischen Berichte.

Berlin» 2. Febr. Zu der gestrigen Bemerkung im Bericht der obersten Heeresverwaltung entnimmt die „Frkft. Ztg." aus dem Briefe eines urteilsfähigen und durchaus glaub­würdigen Ofsiziers, der seit September im Argonner- w a I d liegt, wiederholte Äußerungen erstaunter Entrüstung über die Verlogenheit der französischen Bulletins, so­weit sie sich auf die Kämpfe in den Argonnen beziehen. Es sind da zum Teil Orte genannt wie St. Hubert, wo die Fran­zosen Fortschritte gemacht haben wollen, obgleich dieser Ort schon seit Mitte Oktober im festen Besitz der deutschen Truppen ist, und es sind aridere Orte genannt, wo die Franzosen Fuß gefaßt haben wollen, während im Gegenteil unser Angriff siegreich war. Der neueste Brief dieses Offiziers schließt: „Es ist eigentlich jedes Wort

der französischen Berichte über diese Kämpfe in den Argonnen erlogen."

Zu den Kämpfen von Craonne.

W. T.-B. Dresden, 3. Febr. Bei dem Angriff der 5. sächsischen Infanterie-Brigade Nr. 63 (Infanterie-Regi­menter 102 aus Zittau und 103 aus Bautzen) auf den Höhe» westlich Craonne waren auch die beiden ältesten sächsischen Prinzen mit zugegen. Prinz Friedrich Christian nahm als Ordonnanzoffizier beim Generalkommando des 12. Armeekorps dienstlich teil und hatte den Kronprinzen, der bekanntlich beim Armee-Oberkommando 3 beschäftigt ist, von dem für nachmittags 4 Uhr anbefohlenen Angriff benachrich­tigen lassen, damit die Brigade unter den Augen des Kron­prinzen die feindliche Stellung stürmen konnte.

Verbot einer französischen Militärkritik.

W. T.-B. Paris, 2. Febr. (Nichtamtlich.) Zum ersten­mal hat die französische Zensur nun auch eine Militärkritik beanstandet, und zwar kritische Äußerungen des Generals Bert haut im „Petit Journal", in denen er sich anscheinend über die russischen Verbündeten ausließ.

Ein neues Schandurteil gegen einen deuffchen Kriegs­gefangenen.

Ein neues unerhörtes Urteil ist von dem Kriegsgericht Limoges gegen einen deuffchen Kriegsgefangenen gefällt worden. Das Kriegsgericht hielt ihn der Plünderung über­führt, da seine Taschenuhr nicht das gewöhnliche Herren­format, sondern ein kleineres Damenformat aufwies.

Drohende Bevölkerungsabnahme Frankreichs.

Genf, 31. Jan. (Ktr. Mn.) Die Pariser Akademie der Wissenschaften hielt eine Sitzung wegen der künftigen Ersatz­mittel bei verminderter Bevölkerung ab. Einsichtige ver­hehlen sich nicht, daß die Lage Frankreichs furchtbar sein werde. Obgleich die offiziellen Verlustlisten unbekannt seien, werde es Generationen bedürfen, um die Lücken auszufüllen, da das Zweikinderfhstem derart eingewurzelt sei, daß die Vermehrung der Geburten schwer erzielbar sein wird. Des­halb müßten sofort Gesetze einen Junggesellen be­steuern, bei kinderreichen Familien jedoch eine aus­reichende Begünstigung vorsehen. Staatsrat Colson wünscht den Haß gegen Fremde nicht künstlich geschürt, denn Frankreich werde die Arbeftskräfte des Auslandes gebrauchen^ um seinen Weltrang behaupten zu können.

Französisches Lob unserer Soldaten.

Herr Effenne Martin Saint-Leon, Bibliothekar des Pari­ser Sozialen Museums, drückt sich in einem von der Kamt ge­richteten und vom „Temps" veröffentlichten Briefe sehr offen und anerkennend über unsere Leute und ihre Tc^L aus. Er sagt dort:

„Wir haben mit erstklassigen Gegnern zu tun. Man muß an der Front gewesen sein und sich mit Berufs­offizieren unterhalten haben, um sich über die außerordentliche Vorbereitung und höhere Methode Rechenschaft ablegen zu können, mit denen die Deutschen Krieg führen. Alles das tritt in tausend Einzelheiten in die Erscheirunig. Mre Wachsamkeit ruht keinen Augenblick. Es muß sich in jedem Abschnitt ihrer Schützengräben ein Beobachter befinden, der mittels Fernsehers jede unserer Bewegungen erspäht. Die Häufigkeit, mit der die deutschen Kugeln durch unsere Schutz­wälle streichen, läßt verminten, daß sie ihre auf Richtblöcken ruhenden Flinten von unvergleichlichen Schützen bedienen lassen. Sie haben auf verschiedenen Stellen des Schlachtfeldes zu Anfang namentlich, zu allerlei Kniffen gegriffen. Sitz