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<■— *i Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblattr. ie~ -i

Nr. 28.

Mittwoch, 3. Zebruar.

1915.

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(5. Fortsetzung.)

Die Ehe der Herrn Terbrügge.

Roman von K. Larlsrn.

Rachdruck verboten.

„Und Würdest Lu es ruhig ertragen, wenn Lu nicht darin wärest in dieser Welt, wenn er sie ohne Rücksicht auf dich aufgebaut hätte?"

Lieber Freund, das sind Hirngespinste. Wir find ein ganz normal organisiertes Ehepaar, ohne Senti­mentalität, und daran mutzt du dich gewöhnen)"

Der Schatten wich nicht von der blassen Stirn, aber Magda lenkte das Gespräch geschickt auf ein Buch, für Las er sich sofort interessierte, und nach Art nervöser Menschen ging er nach kurzer Gegenwehr so in der Debatte auf, datz Stephan und die Mutter sie in der angeregtesten Unterhaltung vorfanden. Seine Augen glänzten, er sah frisch und heiter aus, und die Mutter, die für jeden Augenblick dankbar war, der ihren Lieb­ling seine Leiden vergessen machte, küßte Magda zärt­lich auf die Stirn, über ihren Köpfen begegneten sich die Blicke der beiden Brüder, und ein Lächeln der Be- friedigung glitt um den Mund des Jüngeren, als er­den Ausdruck in den Zügen des anderen bemerkte.

Stephan und Magda kehrten erst zum Souper ins Hotel zurück.

Ani Abend machte Magda Toilette in eincin unbe- zwinglichen Bedürfnis, schön zu sein und zu gefallen. Sie legte ein wundervolles weißes Libertykleid an, wand ein Stirnband init Reiher in ihr Haar und er­regte, als sie in den Speisesaal, der von schönen Frauen aller Nationalitäten erfüllt war, hinunterkam, lvahres Aufsehen. Aber sie spähte vergebens nach einem Wider- schein ihres Triumphes in den Zügen ihres Mannes. Kühl und teilnahmslos streiften seine Augen über sie hin.

Sie biß sich in die Lippen, aber keinen Augenblick wich das Lächeln aus ihrem Gesicht, sie wollte ihm nicht zeigen, daß seine Gleichgültigkeit ihr weibliches Emp­finden verletzte, datz sie im Grunde genommen sGver daran trug, so schnell abgetan zu sein, denn wenn sie ihn auch nicht liebte, welche Frau erträgt es, neben einem Manne einherzugehcn, ohne von ihm beachtet zu werden? Magda redete sich ein, daß das der einzige Grund ihrer Verstimmung war.

Am Nebentische hatte ein schlanker, eleganter Herr mit graumeliertem Vollbart Platz genonnnen, der Ter­brügge einen Augenblick lang unschlüssig fixierte, dann mit südlicher Lebendigkeit aufsprang und auf ihn los­stürzte.

„Sie, Terbrügge, nicht möglich! Was machen Sie in diesem Sündennest? Darf ich bitten, mich vorzu­stellen?"

Terbrügge schien die Begegnung nicht sonderlich angenehm zu sein, aber er mußte der Pflicht der Höf­lichkeit genügen und sagte: ,^Herr de Bronck — meine Frau!"

Eine Flut von Liebenswürdigkeiten ergoß sich auf Magda, aber sie empfand das nicht störend, denn der Franzose plauderte angenehm, seine Schmeicheleien waren leicht und graziös, und Magda genoß mit großem

Wohlgefnhl die ungeheuchelte Bewunderung, die den Augen dieses Mannes entströmte. Ehe sie recht wußte wre es gekommen toar. hatte er sie bestimmt, nach dem Souper tn ferner Begleitung den Sporting Club aus. Ansuchen.

-»^EI^^b^rting Club bildet, schon weil es eine ge­wisse Schwierigkeit macht, sich dort Aufnahme zu ver- sthaffen, das Dorado der vornehmen Spieler, denen das Zusammensein mit den zweifelhaften Elen,cnten, an denen Monte Carlo so reich ist, und die im Kasino anstandslos zngelassen werden, eine wesentliche Ver- Minderung des Genusses bedeutet. Steplwn Terbrügge kannte das alles aus früheren Jahren und war davon angewidert, aber er gestand sich nicht das Recht zu, seiner Frau den Anblick eines der seltsamsten Aus- wüchse moderner Kultur vorziienthalten, und so schrit- ten sie nach dem Souper zusammen den Weg hinunter, der am Meer entlang zu dem eleganten kleinen Ge- bände führte. Nachdem die notwendigen Formalitäten erledigt waren, was dank Herrn de Bronck sehr schnell ging, betraten sie die Spielsäle.

Das bunte Bild an den Tischen erregte aufs höchste Magdas Staunen. Frauen, mit denen ihre wohl- behütete Jugend sie nie zusammengebrocht hatte, dräng- ten sich hier ungeniert an ihre Seite uiid streuten mit fieberglänzenden Angen uiid zitternden Händen ihre Goldstücke auf das grüne Tuch, Brillanten blitzten und aufdringliche Parfüms erfiillten die Lust. Trotz der gespannten Atmosphäre, trotz des einen Gedankens, der hier alle Köpfe erfüllte, konnte eine Erscheinung, wie die Magdas, nicht unbeachtet bleiben. Bewundernde Blicke wagten sich an sie heran, dreiste Reden wurden versucht, aber sie scheiterten an der kühlen Ruhe der jungen Frau, die selbst in diesem heiklen Milieu sich lnstlnktinäßig richtig zu bewegen wußte.

Herr de Bronck war an einem der Roulettetische stehen geblieben und öffnete seine Brusttasche mit einer nachlässigen Bewegung. Er entnahm ihr einen Tau- sendfrankenschein und warf ihn auf Rouge. Die Kugel rollte, das „liien na va plus" des Croupiers erklang und dann fiel sie mit Geklapper in eines der Kästchen.

„Trois, rouge impair et manque", verkündete der Croupier.

Herr de Bronck hatte also tausend Franken gewon­nen. Er nahm sie nicht auf. Wieder rollte die Kugel, ertönte die traditionelle Phrase, und wieder gewann Rot. Diesmal häuften sich vier Tausendfrankenscheine. Magda sah fasziniert zu, sie fand dieses Spiel sinnlos, es regte sie aus. Herr de Bronck stand mit gekreuzten Armen da, es war, als ginge ihn die Summe dort auf dem grünen Tuche gar nichts an.

Und zum dritten Male nahm die Kugel ihren Lauf. Magda erschienen die Wege, die sie nahm, endlos, aber schließlich, nach langem Herumspringen, wurde sie end­lich unbeweglich.

„Zehn, noir, pair et manque!"