Sette «.
Mbend-Ausgabe. Erstes Blatt.
Wiesbadener Tagdlatt.
Mittwoch, 3. Februar 1913.
Nr. 3«.
Sum Eindruck bei den Neutralen.
Haag, 2. Febr. In englischen Handels-, Reeder- und Finanz kreisen herrscht, hier eingetroffenen Londoner Pr,Var- Meldungen zukölHe, vibtx die Tätigkeit der deutschen^ Unter- seeboote in den westenglischen Gewässern grobe Aufregung. Wegen der großen Verluste an vernichteten Schiffen sollen mehrere Underwrighter-Syndikate vor der Auflösung stehen. In London hält man es nicht für möglich, daß nur ein oder zwei Unterseeboote in 48 Stunden vier Dampfer versenken konnten. Wilde Gerüchte laufen um. daß sich Dutzende von Unterseebooten in der Irischen See und ,m Kanal befinden. Die „Times" spricht von einer „systematischen Schändung des Völkerrechts". Die „Morningpost sagt, auch England habe große, leistungsfähige Unterseeboote und die Torpedierung des deutschen Kreuzers „Gazelle in der Ostsee sei durch ein englisches Unterseeboot erfolgt. Wir die Neutralen über die Tätigkeit der deutschen Unterseeboote urteilen, geht au« dem heutigen Kommentar des bekanntlich keineswegs übertrieben deutschfreundlichen ,Handels- blaadS" hervor. Darin wird gesagt. ho6 mutige Auftreten der deutschen Unterseeboote habe auch in England großem Aufsehen erregt Bisher war die Ausfuhr von Lebensmitteln nach England sichergestellt Der einige deutsche Kreuzer, der noch gegen die englischen .Handelsschiffe auf- treten könnte, sei die „Karlsruhe", deren Tätigkeit aber nur beschränkt sein könnte. England das die gesamte Lebensmittel- und In dust;rierohmaterla- lien-Zufuhr nach Deutschland abschnitt und dadur» Deutschland auszuhungern und seine Industrie lahmzulegen suchte konnte bislang frei seine Bedürfnisse ernfuhren. Deutschland versucht jetzt durch die Versenkung der englischen Handelsschiffe, deren Mannschaften vorher Gelegenheit zur Rettung gegeben ist. den englischen Handel stillzulegen. In- wiefern von einer crngeblich shstm-atischen und bewußten Schändung des Völkerrechts die Rede sein könnte, sei noä- nicht ersichtlich. Davon könnte nur gesprochen werden wenn der Bemannung der betreffenden Schiffe nicht genügend Zeit gelassen würde, sich zu retten. Das «eerecb- sagt über die Inbesitznahme der feindlichen Fahrzeuge: Sv können nach dem Hafen gebracht oder versenkt werden, da letztere nur bei Borliegen einer absoluten Notwendigkeit, z B. bei zu großer Entfernung von den eigenen Häfen
Die Würdigung f« Mefterreick-Ungarn.
W. T-B. Wien, 2. Febr. (Nichtamtlich.) Auch die heutigen Blätter messen der Tätigkeit der deutschen Untersee. boote in den britischen Gewässern eine große Tragweite zu und erklären, Deutschland sei im Begriff, furchtbare Vergeltung zu üben und England damit zu bestrafen, womit es gesündigt habe. — Das ..Fremdenblatt" sagt: Wenn England in Gefahr gerät, erleidet es, was seinen Gegnern zugedachl war; dann kommt wieder die Menschlichkeit zu Worte, in deren Namen die heftigsten Proteste erhoben werden. — Das „Neue Wiener Tagblatt" führt aus: Von den für die Bewohner Albions unerhörten bisherigen drei Schrecknissen dieses Krieges, dem Bombardement der jungfräulichen Küste durch Oberwafferschiffe. der Beherrschung des Lustraumes und den Unterseebooten, ruft die letztere Art der deutschen Kriegsführung wohl die begreiflichste Bestürzung hervor. Eine lange und dauernde Unterbrechung der Ein- fuhr werde in England trotz der aufgestapelten Vorräte unbedingt zur Katastrophe führen.
„V 9" und „V 21".
Der jetzige Erfolg war wieder dem Unterseeboot „17 21" beschieden, welches schon mehrfach sich ausgezeichnet hat Am 7. Sevtember sank der englische Kreuzer „P a t h f i n d e r" in der Nähe der Mündung des Tyne im hohen Nordosten Eng- lands. Zuerst hieß es, er sei auf eine deutsche Mine gelaufen; bald aber fand sich, daß er dem Tcrpedoschuß eines deutschen Unterseebootes zum Ovfer gefallen war; es war unser „17 21" gewesen. Dann kam der 28. November. An diesem Tage erschien „17 21" im Kanal und torpedierte zuerst „einige Meilen nordwestlich von Le Havre" den englischen Dampfer „Malachite", bald danach „nördlich von Le Havre" den englischen Dampfer „Prim o". Das sind ansehnliche Leistungen, welche sich den Leistungen von „17 9" fast eben- bürttg an die Seite setzen.
Das Unterseeboot ..17 9" hat bisher die größten Erfolge aufzuweis-n. Am 22. September hat es in der Nordsee, etwa 20 Meile." nördlich von Hoek van Holland, die englischen drei Panzerkreuzer „Aboukir", „Hogue" und „Cressy" vernichtet und dann am 15. Oktober in der nördlichen Nordsee den englischen Kreuzer „Hawke".
Deutsche pressestimmen.
Die „Frankfurter Zeitung" sagt u. a.: Der deutsche
Admiralität, hat durch seine Ankündigung, die, da sie auch der
Feind erfährt, dem Zweck der kriegerischen Operationen eher nachteilig als förderlich ist, getan, was in seineii Kräften stand, um die friedliche Schiffahrt der Neutralen vor Schaden zu bewahren. Man wird in den neutralen Ländern diese Methode, die in sichtbarem Gegensatz zu den englischen Rücksichtslosigkeiten steht, hoffentlich anerkennen. Daß auch so noch den Neutralen aus dieser Sperrung manche Unbequemlichkeiten erwachsen werden, ist begreiflich. Aber Deutschlands Vorgehen, das seinem eigenen Schutze dient, ist durchaus korrekt und entspricht den Grundsätzen des Völkerrechts. Wir wehren uns mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Man horcht bei dieser dringenden Warnung auf und hält den Atem an. Für die nächsten Wochen scheinen sich ernste und folgenschwere Dinge vorzubereiten.
Tie „Leipziger Neuesten Nachrichten" schreiben u. a.: „Und jetzt ist England blockiert! Welch eine Wendung: Deutschland sollte hermetisch abgeschlossen, seine Häfen gesperrt und verwüstet, seine „Luxusflotte" in wenigen Tagen vernichtet werden, und jetzt sausen unsere Boote durch den Kanal und die Irische See, versenken vor Dover, vor Liverpool englische Dampfer, bedrohen England mit Hunger und jagen eS mit dem Gespenst der Invasion, der Zeppelinbomben in den gemauerten Keller! Ah, das sind nicht mehr, wie Herr Arcknbald Hurd höhnisch schreibt, „Mäuse, die versuchen, Englands Brot zu benagen" — die Deutschen lieben es nicht, große Worte zu machen, wenn sie Kleines planen! Das ist die ernste, erschütternde Ankündigung des eisernen Willens einer großen und starken Natton, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln den Gegner ins Herz zu treffen und so sich selbst und seine Zukunft zu behaupten. Der Vorhang auf der Weltenbühne hebt sich empor und ein neuer Akt beginnt."
Berlin, 3. Febr. (Ktt. Mn.) Zu der Bekanntmachung es Ildmiralstabs. nach welcher mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen England vorgegangen werden soll, sagt Die Tägl. Rundschau": Mit einem stillen Jubel begrüßt die 'ation das lang ersehnte Wort, durch das unser Admi- ulftab den Unterseebooten die Losung zum schärfsten Kampf gegen England gibt.
Die „Deutsche Tagesztg." hält eS für wünschenswert, wenn aus der Bekanntmachung nicht mehr herausgelesen wird, als darin steht. Sie kündet keinen Handelskrieg an, hat aber auch nichts mit dem dieser Tage gemeldeten Vorgehen der deutschen Unterseeboote in der Irischen Sec zu tun, sondern bezieht sich lediglich auf die englischen Transporte nach der französischen Küste.
Die „Morgenpost" schreibt: Nach der Generalprobe der deutschen Unterseeboote im Kanal und an der englischen Westküste wollen die Boote jetzt ihre Wirksamkeit an den englischen Kriegssendungen erproben.
Krirgsbrirfe aus dem Osten.
Bon unserem zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter.
Polnische Bauern und polnische Güter.
Myoncyn, Ende Januar.
Der Tag war hell, stärkerer Frost hatte eingesetzt. An den Bäumen und Sttäuchern glitzerte Rauhreif, der Himmel leuchtete hellblau und weiß über das schimmernde Land. Di«. Spitzen der alten Bäume standen wie ein schwarzes Schlerer- tuch vor dem Glanz der schöngeformten starken weißer. Wolkengebilde. Der leuchtende Tag ließ die Armseligkeit der schmutzigen Dörfer noch greller hervortretcn. Wir hielten zuerst in Wojnowka. Ein Landsturmbataillon lag hier in Quartter. Der Schmutz war überfroren, so daß ich über den Hoflaum in eines der Bauernhäuser treten konnte, ohne zu versinken. „Wir haben keine Kartoffeln", sagte eine junge, kräftige Frau, die nur mit Rock und Hemd bekleidet, den fingerdicken Staub zusammenkehrte. Ich versuchte, begreif, lich zu machen, daß ich auch gar keine Kartoffeln wollte. All- mählich tauten die Leute auf. Ein junger stattlicher Pole kam herein. Ich flagte ihn, warum er nicht in der russischen Armee diente. „Einziger Sohn", sagte er und ich mußte au das überlegene Lächeln meiner jüdischen Wirtin denken, als ich mit einem Blick auf ihre sechs kräfttgen Söhne dasselbe flagte: „Es dienen fünfhunderttausend Juden in der Armee, wer wird dienen lassen seine Kinder, wenn er hat .Geld?"
Der junge Mensch wurde mitteilsamer. Er klagte, daß man ihm die vorletzte Kuh fortgenommen hatte. Er zeigte auf die verwahrlosten, leeren Ställe.
Der Krieg ist hart für Polen, und die Leute wissen nicht, warum sie leiden. Sie haben es nie gut, diese armseligen Dörfer, die einen Hauptteil der polnischen Halbjahrsarbeiter nach Deutschland schicken, aber jetzt geht die Not, die sie wie Sinder hilflos anstarren, durch ihr armseliges Land. Das
Die englischen Truppentransporte im Gange!
W. T.-B. Hamburg, 3. Febr. (Nichtamtlich) Den „Hamburger Nachr." wird aus Brüssel gemeldet: Nach Nachrichten aus Le Havre hat die englische Truppenausschiffung dorthin am 15. Januar begonnen und dauert ununterbrochen fort. Die bisherigen Angaben, die von Hundert- tausenden sprechen, sind jedoch zweifellos überttieben. Die englischen Transportschiffe kommen alle von Portsmouth. Eine förmliche Sperrung des Hafens von Le Havre ist wegen dieser Truppensendungen nicht beabsichtigt, aber jeder kommerzielle Hafenverkehr stockt, weil alle BaffinS voll englischer Transportschiffe find.
Sin neuer Zeppelinschrecken in London.
Berlin, 3. Febr. (Ktt. Bln.) Über das Austreten des Zeppelinschreckens melden Kopenhagener Matter ans London: Abends spät hatten sich eine Menge Gerüchte von einem großen Zeppelingeschwader über London verbreitet. Dasselbe sollte auf dem Wege nach London sein oder gewesen sein. Tatsache sei. daß während der Nacht ein großer Teil der Spezial- truppen alarmiert toar, die London gegen einen Luftangriff verteidigen sollen.
Krbeilerkundgebungen gegen die Teuerung in England.
IV. T.-B. London, 2. Febr. (Nichtamtlich^ Das Organ der Londoner Arbeiterpartei, „Daily Cittzen", kündigt an, daß am 13. Februar in 44 größeren Städten Kundgebungen gegen die Teuerung ftattfinden sollen.
Kur dem englischen Parlament.
IV. T.-B- London, 8 . Febr. (Nichtamtlich. (Ober h a u 8.]' Lord Crewe teilte mit, die Regierung beabsichttge
nicht, eine Vorlage einzubriugen, die im Zeichen der Parier«
Gegensätze stehe, sondern ausschließlich sich aus Arbeiten de« schränke, die die Fortsetzung des Krieges betreffen.
Das Unterhaus trat zur Wiederaufnahme der ordentlichen Session zusammen. Bonar Law sagte: Obwohl die Verantwortung für die Krtegsführung ber der Regierung liegen müsse und obwohl es der Oppositton fler stehe, Kritik zu üben oder sich der Kritik zu enthalten, werde sich die Opposition nur von nationalen Rücksichten, nicht von- Parteiintcreffen leiten lassen, wenn sie kritisiere. — Asquith führte aus. die Regierung übernehme dre alleinige Verantwortung für die Kmegsführung; aber sie mache nahezu täglich der Opposition Mitteilung über diplomatische und andere Fragen. Die Opposition leistete der Regierung eine unschätzbare patriotische Mitwirkung.
Getreide mußte teilweise durch deutsche Truppen ausge- droschen werden, Organisation, etwa dem Nachbar zu helfen, scheint den Polen fremd zu sein. Von dem Getreide, das sonst verkommen wäre, sind schon 5009 Zentner Roggen nach Deutschland geführt worden. Immerhin in dem Verhältnis- mäßig kleinen Umkreise und der Kürze der Zeit, da wir shste- mattsch vorgingen, ein hübsches Resultat.
Das kleine Bauerngut mit seinen sttohgedeckten Ställen und Scheunen, seinem kümmerlichen Wohnhaus, das eine Stutze und eine Küche enthielt, war noch eiiimal geteilt worden. In der Mitte hatte man eine neue Scheune aufgerich- tet, eine Wohnhütte dazu und zwei Brüder suchten mit dem zu leben, was den Vater kaum noch ernährt hätte. Diese Teilung findet man oft: sie ist zusammen mit der primitiven und unordentlichen Bewirtschaftung des nicht gerade guten Badens eine Ursache, die zu immer größerer Verarmung führt.
Wir kamen in eilt Wassermühlengrundstück. Der ungeheuere Gegensatz der sauberen Wohnstube, mit einem Tisch, auf dem eine weiße Decke lag, mit Borden voll blitzendem Porzellan, die sichtliche Ordnung fiel mir aus. Die Besitzerin, eine Stadtpolin, sagt: Mein Mann ist Deutscher, die Russen haben ihn fortgeführt. Sinnfälliger hätte deutsche Art nicht von russisch-polnischer abgehoben werden können, wie es hier geschah. Es war die gleiche arme Umgebung, die gleiche kümmerliche Lebensweise, aber eS war, als ob eine Welt diese Stube von den polnischen Bauernhäusern ringsum für immer trennte. Genau wie die Grenze hier im Osten kein Strich «st, der nur zwei Staaten voneinander scheidet, sondern auch Verkommenheit und aufbauende Arbeit, Vegetieren und kräftiges gesunden Leben, so ist das Haus, das der Deutsche hier in Russisch-Polen — um beim Nahen zu bleiben — baut, wie fremdes, glücktiches Land, eS bezeugt so stark die Überlegenheit, die so ausdrückliche Überlegenheit der Raffe, daß schließlich in dem anderen Volke der Hatz aufsteht. Der Slawcnhah gegen Germanentum. Nur die Kreise, die schon
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Der französische Tagesbericht.
Was wieder alles zusammrngelogen wird.
W. T.-B. Paris, 3. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be- i richt von gestern nachmittag 3 Uhr: Der 1. gebruar roar ;
durch die Verdoppelung der Heftigkeit der A r t r I l e - ; riekämpfe auf beiden Seiten und durch eine R e r y e : d e u t s ch e r A n g r i f s e, die übrigens von u n t e r g e o r d. n e t e r Bedeutung waren, gekennzeichnet. Alle diese An- j griffe wurden mit im Verhältnis von den Deutschen ernge--1 setzten Mannschaftsbestände» unter schweren Ver- lüsten für die Deutschen zurückgeschlagen. In Belgien entwickelte die deutsche schwere Artillerie besondere Tätigkeit \ längs der Front der belgischen Truppen, namentlich gegen verschiedene Stützpunkte, deren sich diese seit einiger Zeit ,m User gebt et bemächtigt haben. Um Ypern fanden stellenweise sehr heftige Kanonaden statt. Zwischen Lys und Somme griffen Teile eines deutschen Regiments den eng. lischen Posten bei Cunnocy an und warfen ihn zuerst zuruck, j doch besetzten nach einer Reihe von Gegenangriffen d,e Eng-- I ä n d e r das verlorene Gelände wieder, rückten dann weiter j vor und bemächtigten sich f e i n d l i ch e r Schützengräben. Die im gestrigen Abcndbericht gemeldete Aktion, welche sich längs der Sttaße Bethune-La Basier abwickelte, war firr unsere In- 1 sanierte besonders glänzend. Die deutschen Mannschaftsbe- j stände betrugen anscheinend mindestens ein Bataillon.! Die beiden ersten Angriffe zerschellten in unserem Feuer, bei dem dritten gelang es ihnen, in einen unserer Schützen- , graben einzudringen. Durch einen soforttgen Bajonett- angriff gelang es uns aber, den Feind zurückzuwerfen. Nur wenige Deutsche konnten ihre Schützengräben wieder erreichen. j alle anderen wurden gefangen oder getötet. (?) Zwischen der Somme, längs der Front an der Aisne. kein bedeutendes. Ereignis, außer einem deutschen Angriff gegen Beaumont Hamei, welcher nicht erneuert wurde. Unsere schwere Artillerie beschoß den Bahnhof von Nohon, wo V erpr ovia nt, e- - rungsoperationen des Feindes stattf<rnden, und nef • zwei Explosionen hervor, deren Rauch 5% Stunden in der Luft hängen blieb. Im Gebiet von P e r t h e s fahren wrr fort, planmäßig v o r z u r ü ck e n. Wir haben das kleine Ge- Höft nordöstlich des Dorfes wieder besetzt. Im W o e v r e versuchte der Feind, am Westvorsprung deS Waldes von Bauche, nordöstlich Troyon, einen sofort abgehaltenen An- griff. Von der Front in Lothringen ist nichts zu melden.
Deutsche Fliegerbomben auf Nancy.
Br. R-m, 3. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Bln.) Ein deutscher Flieger warf Bomben auf Nancy herab, durch die am Bahnhofsviertel großer Schaden angerichtet wurde. Auch: auf Luneville und Pont-ä-Mouffon warfen deuffche Fneger Bomben, durch die mehrere Personen getötet bezw. verwun-; bet wurden.
•Die Zinanzberatungen der Tripelentente.
IV. T.-B. Paris, 2. Febr. (Nichtamtlich. Meldung der: Agence' Haoas) Der russische Finanzminister Bark und der j englische Schatztanzter Lloyd George sind am Montag hier eingetcoffen. Sie begannen heute ihre Unterredungen mit dem französischen Finanzminister R i b o t und anderen Mitgliedern der Regierung.
Die Kohlrncinsuhr in Frankreich.
W. T.-B. Paris, 2. Febr. (Nichtamtlich) Die „Humanite"! meldet aus Rouen: Die Kohleneinfuhr in Rouen betrugt vom 1. bis 29. Januar 279 646 Tonnen gegen 161 132 Tonnen! im gleichen Zeitraum des Vorjahres, was eine Steigerung von 68 Prozent ergibt. In den letzten drei Monaten 1914 betrugt die Kohleneinfuhr in Rouen 1 969 671 Tonnen gegenüber,
abgefärbt haben, die in heißer Arbeit gelernt haben, werde«: diesen Haß nicht mitfühlen. ^ ,
Den Eindruck denkbarster Trostlosigkeit, den der Besuch in vier, fünf Dörfern mit sich bringt, kann der Besuch be, de» Gütern nicht auslöschen. Gewiß, ich sah ein paar hübsche Herrenhäuser, die selbst in ihrem jetzigen Zustand, da deutsche Einquartierung in ihnen lag, noch für gewissen Wohlstand und für sehr gastlichen Sinn zeugten, aber hinter diesen Herrenhäusern lag die lange Zeile der Kossätenwobnungem die, sobald es nicht friert, tatsächlich bis über die Türschwelle in Jauche stehen müssen. Jetzt liegen oft Mann und ü-ra« und Kinder und außerdem die deutschen Mannschaften in dem einen kleinen Raum (mrt Kochherd), den die Famrlre d wohnt. Der Offizier, der uns aus dem Schloß begleitete, e zählte denn auch, seinen Leuten fiele aus bestimmten Gru: den das Stillstehen schwer ...
Auffallend sind die vielen Kirchen in der armen Gegend Sie stammen aus der Revolutionszeit, da man sie schnell auß baute, um sie als Festungen zu benutzen. Sie haben fes« steinerne Mauern und leichthin gezimmerte Solzdächer.
Das Bild Kosziuskos hängt in fast allen Schlössern, btt* ich sah, auch das in Rußland verbotene Bild, das die Freiheitsapotheose Polens darstellt, fand ich in eine« Herrenhaus. Der Kaplan deS Dorfes, zu dem dies Gut haus gehörte, weigerte sich. Russisch — das mein Begleiter fließend beherrschte — zu sprechen, und da die polnische Unterhaltung oft stockte, schlug ein Offizier, der in der Ka lan-Wohnung einquartiert war, vor, sich' zu helfen, wie er «j auch täte, er verständige sich mit dem geistlichen Herrn aus Lateinisch. ES ging) auch. Wenn mein alter Lateinlehrer, der eine von unS Jungens nie recht geglaubte dunkle Geschichte aus dem dunkelsten Aftika zu erzählen pflegte, in dS zwei Forscher verschiedener Nationalität, die die Sprache de? anderen nicht kannten, sich fließend auf Lateinisch verstand!"' hätten, wenn mein alter, guter Lateinlehrer diese lateinis Unterhaltung gehört hätte, er würde trotz der v
