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Mittwoche 3. Februar 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 56. ♦ 63. Jahrgang.

Fortschritte in polen!

Der Tagesbericht vom 3. Februar. Französische Angriffe bei Perthes abgewiesen. - Nördlich der Weichsel russische Navallerie zurückgeworfen. — Im Raum vor Warschau seit 1. Februar über 4000 Russen gefangen und 6 Maschinengewehre erbeutet.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Febr-, vormittags. (Amtlich.)

westlicher Uriegsschauplatz.

Französische Allgriffe gegen unsere Stellungen bei Perthes wurden abgcwicsen.

An der übrigen Front fanden nur Artillerie, kämpfe statt.

westlicher Uriegsschauplatz.

Bon der o st p r e n ß i s ch e n Grenze nichts Neues.

In Polen nördlich der Weichsel haben die Kaval­leriekämpfe mit dem Zurückwcrfen der Russen geendet.

Südlich der Weichsel führten unsere Angriffe östlich Bolimow zur Eroberung des Dorfes Hu min; um Wola-Sztzdlowircka wird noch gekämpft. Seit dem l. Februar sind hier über 4666 Gefangene gemacht und 6 Maschinengewehre erbeutet worden. Russische Nachtan- »riffe gegen unsere Stellungen an der Bzura wurden zurückgewiesen.

Oberste Heeresleitung.

Oie Mockade- Warnung!

Die Bekanntmachung des deutschen Admiralstabs, wonach gegen die englischen Truppen- und Kriegs- bvdarfstransporte nach Frankreich mit allen zu Gebote stehenden K r i e g s m i tte ln borge- gangen wird, und die daran geknüpfte Warnung an dle friedliche Schiffahrt vor der Annäherung an die französische Nord- und Westküste wird sicherlich in aller Welt lauten Widerhall finden. Die Bekannt- machung zeigt erfreulicherweise, daß jetzt der Unter- seebootkrieg gegen das Britenreich — denn um Liesen handelt es sich natürlich hier in e r st e r Reihe — mit aller Tatkraft und Rücksichts- lasigkeit ausgenommen werden soll, wie das ja schon aus Len jüngsten Vorstößen des „17 21" geschlossen werden konnte. Der bekannte englische Kriminal­schriststeller Conan Doyle hat seinen Landsleuten mit lebhafter Phantasie die Niederzwingung Englands durch die Unterseebootsflottille einer kleinen Macht ge- schildert. Herr v. T i r p i tz ist kein Schriftsteller, aber nach dem vielversprechenden Anfang darf man hoffen, daß unser Unterseebootskrieg Conan Doyles marine- Ilterarische Leistungen in den Schatten stellen wird.

, Die Warnung des deutschen Admiralstabs ist nrcht mißverständlich, und wer, ihr trotzend, Schaden erleiden sollte, wird sich das selbst zuzuschreiben haben. Die friedliche Schiffahrt wird ausdrücklich darauf hrngewiesen, daß ihr bei Verwechslung mit schiffen, die Kriegszwecken dienen, ernstliche Gefahr droht. Wer diese Gefahr nicht laufen will, wird die Gewässer meiden müssen, in denen Deutschland durch den Patrouillen dienst seiner Unter see- boote, wenn auch nicht eine nach den völkerrechtlichen Regeln effektive, so doch eine Art teilweiser prakti- scher Blockade verhängt hat.

In dieser praktischen Blockierung wird sich die deut- iche Flotte auch nicht stören lassen, wenn die Franzosen oder Engländer Zetermordio über unsere Barbarei schreien sollten. Der französische Marineminister hat stch „mit Grauen" gegen „das unwürdige Kriegsver- fahren" unserer Unterseeboote aufgelehnt, weil sie an­geblich englische Handelsschiffe versenkten, ohne der Besatzung eine Rettungsmöglichkeit zu gewähren. Die französische Regierung hat zwar unterdessen jene Verleumdung reumütig z u r ü ck genommen, aber die englische Admiralität hält an ihr fest, trotz der ihr bekannten entgegengesetzten Tatsachen. Man sieht also, es nützt uns nichts, wenn unsere Untersee- boote — um uns auf den „Daily Chronicle" zu berufen — stets vornehm und sportsmännisch vor­gegangen" sind, sondern wir werden uns, wenn die Verhältnisse uns dazu zwingen, auch im Unterseeboots- ttieg darauf beschränken müssen, den völkerrechtlichen Vorschriften entsprechend zu handeln.

Nun gestattet die, übrigens nebenbei benierkt von England nicht einmal offiziell anerkannte Londoner Deklaration ohne weiteres die Zerstörung feindlicher Handelsschiffe, wobei in bezug aus die Mannschaft — darauf wurde gestern schon an die­ser Stelle hingewiesen — überhaupt keine Bestimmun­gen vorgesehen sind. Lediglich für das Ausbringen neutraler Schiffe ist vorgesehen, daß die an Bord befindlichen Personen vor der Zerstörung des Schiffes in Sicherheit gebracht werden sollen.

In den Handbüchern des Völkerrechts wird sogar betont, daß auch diese Bedingung von den Untersee­booten kaum erfüllt werden kann, da ein Unterseeboot zur _ Aufnahme von Mannschaften eines genommenen Schiffes nicht in der Lage ist. Gestattet also das Völ­kerrecht ohne weiteres die Versenkung feindlicher Han­delsschiffe, so wird diese Taktik für uns u n u m g ä n g- lich, sobald die Engländer ihre jetzige Ankündigung wahrmachen, wonach sie ihre Handelsschiffe .durch Kriegsschiffe oder Torpedoboote geleiten lassen wollen. Hierauf bezieht sich offenbar auch mit in erster Reihe die Warnung des deutschen Admiralstabes._ Wenn das Unterseeboot bei der Ver­senkung der feindlichen Handelsschiffe irgendwelche Ge­fahr laufen könnte, so ist es nicht nur nach den Regeln des Völkerrechts, sondern auch nach.denen der Mensch­lichkeit vollauf berechtigt, sie ohne vorherige Warnung in den Grund zu bohren. Ja, das Unterseeboot kann nach der Ankündigung der englischen Presse darauf ge­faßt sein, daß auch die Handelsschiffe mit Ab­wehrmaßnahmen versehen werden. Unter diesen Umständen werden unsere 17-Boote in den meisten Fällen daraus verzichten müssen, „vornehm und sportsmännisch" vorzugehen, sondern sie werden han­deln müssen, wie es die Taktik vorschreibt.

Wenn hierbei das Privateigentum zur See nicht den entsprechenden Schutz genießt, so wird man sich daraus berufen können, daß nach dem ausdrücklichen Eingeständnis des Ministers Grey gerade die bri­tische Regierung es ist, welche die Beschlüsse zur Durchführung dieses Schutzes verhindert hat. England, das, auf seine starke Flotte bauend, alle­zeit für die Seeräuberfreiheit eintrat, und das im Vertrauen auf seine Überlegenheit zur See durch die Abschneidung der Zufuhr Deutschland auszuhun­gern versucht, würde also doppelt geschlagen werden, wenn, unsere Unterseeboote die Hoffnungen er­füllen, die wir auf sie setzen. Und wenn die Eng­länder dann auch in ihrer widerwärtigen Heuchelei über die „Pest der Unterseeboote" klagen und uns, unter­stützt von ihren Dreiverbandsgenossen, der Völkerrechts­brüche bezichtigen, die sie selbst so reichlich begehen, dann trösten wir uns mit dem unparteiischen Urteil eines neutralen Blattes, der gestern schon angeführten „Züricher Post": „Deutschland befindet sich in der Lage dessen, der erwürgt werden soll: es tritt den Würger, gleichgültig wohin." Die Eng- l ä n d e r aber mögen wissen, es geht jetzt aufs Ganze. Hüte dich England! ^

Die aitgebHthe „vasts" an der Irischen Rüste.

W. T.-B. Rom, 2. Febr. (Nichtamtlich.) Der Londoner Korrespondent der „Tribuna" meldet, daß die englischen Be­hörden nach einem irischen Grundbesitzer forschen, der an der irländischen Küste den deutschen Tauchbooten ein Versteck ge­mährt haben soll.

12 Torpedobootzerstörer als Ziel unserer Unter­seeboote in der Irischen See.

Sr. Rotterdam, 3. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das Londoner Pressebureau teilt mit, daß zur Beruhigung der Schiffahrtskreise und zwecks Aufspürung der Untersee­boote von der Admiralität 12 Torpedobootszerstörer in die Irische See geschickt wurden. Vier regelmäßige Handels­dampferlinien stellten bisher den Frachtverkehr mit Irland ein.

Die Wirkung in England.

Aus Amsterdam, 2. Febr., meldet die „Franks. Ztg.": Die Auslassungen der englischen Blätter über die Zerstörung von Handelsschiffen durch deutsche Unterseeboote bewegen sich in dem bekannten Schema, das stets in den Fällen angewandt wird, in denen England eine unangenehme Erfahrung vom Kriege machen muß. Man kann dieses Schema kurz in den folgenden Sätzen zusammenfassen: 1. In England hat sich niemand über das Ereignis aufgeregt; 2. dem Ereig­nis ist gar keine Bedeutung beizumcssen; 3. aus dem Ereignis geht die Gemeinheit der Deutschen hervor. Daß die neuesten Ereignisse in Wahrheit keineswegs ohne Einfluß geblieben sind, zeigt sich schon darin, daß eine Anzahl

regelmäßig verkehrender Frachtdampfer-Linien zwischen Eng­land und Irland ihren Dienst vorläufig eingestellt haben (vergl. Meldung in unserer heutigen Morgen-Ausgabe). Die großen Passagier-Linien setzen ihren Dienst fort. Ein Reuter-Telegramm erklärt, sie vertrauten darauf, daß die britische Admiralität künftig imstande sein werde, derartige Angriffe abzuwehren; richtiger würde es wohl heißen, daß sie Angriffe gegen ihre Passagierdampfer nicht erwarten, weitere Steigerung der englischen Versicherungsraten.

W. T.-B. London, 3. Febr. (Nichtamtlich.) Lloyds er­höhen infolge der Angriffe der deutschen Unterseeboote die Verstcherungsraten um 20 bis 100 Prozent für Fahrten nach allen Richtungen.

Sr. Kopenhagen, 3. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach einer Londoner Meldung der „Berlinske Tidende" hat die Lloydsgesellschaft die Versicherungsprämien für die Schiff­fahrt auf allen Linien von 25 auf 50 Prozent erhöht. Lloyd teilt weiter mit, daß infolge Vorgehens der deutschen Unter­seeboote gegen die Handelsflotte sieben Schiffe als überfällig bezeichnet werden.

Oie Einstellung -es Dienstes von Schiffahrts­gesellschaften.

Br. Amsterdam, 3. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Bin.) Nachdem wiederholt versichert wurde, daß der englische Schiffsverkehr durch die Unterseeüootsaktion im Kanal gar nicht leide und die Abfahrt der Schisse keinerlei Veränderungen erfahren würde, kam gestern abend die Nachricht, daß eine Frachtlinie es vor- ziehc, vorläufig doch den Dienst einzu st eilen. Heute meldet die „Times" aus Dublin: Man ist hier durchaus ruhig, da man weiß, daß die englische Marine mit einem Unterseeboot fertig werden kann. Außerdem glaubt man, daß „17 21" südlich um Ir- land herumgekommen ist und sich nicht mehr in der Irischen See befindet. Trotzdem haben es aber einige Schiffahrtsgesellschaften in Dublin vorgezogen, ihre Fahrten einzustellen. Es sind dies die Linien, welche Dublin, Liverpool, Manche st er und B e I- fast verbinden, also so ziemlich alle Schiffe. In Belfast sind st a r k e Vorsichtsmaßregeln ergriffen worden.

Churchills verblendete Vermessenheit.

Berlin, 3. Febr. (Ktr. Bln.) Churchill hat, nach einer Meldung der „Köln. Ztg.", dem Korrespondenten des „Matin" in London zur Beruhigung der Franzosen erklärt, die Lage werde gekennzeichnet durch die unbestrittene Herrschaft Eng­lands zur See und die Freiheit des Heeres. Indem er dem Berichterstatter von neuem versicherte, daß England Deutsch­land aushungern werde, sagte er: Sie wissen, welche Wirkung ein Knebel ausübt, er nutzt das Herz ab. Dieser Knebel wird aber nicht eher gelockert werden, als bis Deutsch­land sich auf Gnade oder Ungnade ergeben hat. Selbst wenn Rußland und Frankreich sich entschlössen, den Kampf e i n z u st e l l e n, was unbegreiflich wäre, so würde England ihn allein bis ans Ende fortsetzen.

Die „Köln. Ztg." bemerkt mit Recht dazu, die deutschen Unterseeboote hätten die Großsprechereien des englischen Ministers von der unbestrittenen Herrschaft Eng­lands zur See und der Freiheit des Heeres soeben mitten rm Herzen der englischen See beleuchtet.

ver ernste Eindruck in Paris.

W. T.-B. Paris, 2. Febr. (Nichtamtlich) Der „Temps" betont den Ernst der Lage, die durch die Tätigkeit der deut­schen Unterseeboote geschaffen ist, und schreibt: Ein Ereig­nis von größter Bedeutung hat den 30. Januar ge­kennzeichnet. Ein deutsches Unterseeboot drang cm diesem Tage in die Irische See ein und gab seine Anwesenheit kund, indem es ein Handelsschiff von über 3000 Tonnen in den Grund bohrte. Dieses ist die erste Verwirklichung der Ab­sichten der deutschen Admiralität, den Krieg gegen den englischen Handel mittels Unterseebooten durchzuführen, und diese Aktion auf alle territorialen Gewässer Groß­britanniens auszudehnen. Die Deutschen haben dieses Ziel planmäßig verfolgt. Ihre Unterseeboote sind immer weiter gedrungen, jetzt bis in die Irische See, d. h. in das Herz Englands. Der „Temps" erklärt jedoch ausschließlich, Deutsch­land verfüge nur über wenig Unterseeboote, welche die lange Fahrt zum Angriff auf den englischen Handel unternehmen könnten.

Französisches Lob des deutschen Kommandanten.

Kopenhagen, 2. Febr. „Politiken" erfährt aus Paris! Das „Journal" erwähnt lobend den Kommandanten des „17 21", weil er, bevor er die Handelsschiffe in den Grund schoß, für die Rettung der Mannschaften sorgte. Man müsse es bewundern, daß Deutschland so viele Offiziere besitze, die fähig seien, so gefährliche Aufträge, wie diese Fahrten, aus-, zuführen. (Franks. Ztg.)