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i Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. ls

Nr. 27,

Dienstag, 2. Kebruar.

»lS.

l4. Fortsetzung.)

Die Ehe der Herrn Terbrügge.

Roman von F. (Tarifen.

Nachdruck verboten.

Magda war erschöpft und matt. Sie ließ es ge­schehen, daß ihr Mann sie sorglich in die Decken hüllte, und schloß die Augen, um jedem Gespräche auszu­weichen. Die Eindrücke, die sie eben gewonnen, ver­blaßten vor dem Schreckgespenst des ersten Alleinseins mit ihrem Monn, das ihr jetzt drohte.

Und die Gedanken, die sie in ihrem Kopfe herum­wälzte, formten sich langsam zu einem Willen, zu einem Entschluß, der ihre Nerven aufs höchste anspannte.

Stephan lehnte neben ihr und störte sie mit keinem Worte. Er ahnte, daß in ihrer Seele etwas vorging, aber er hielt es für eine Folge der eben gehabten Be­gegnung. Seine stolze, wortkarge Natur, der es nicht gegeben war, ihre Empfindungen zur Schau zu tragen, hatte tiefe Dankbarkeit für die Art gehabt, mit der sie der Mutter mrd dem Bruder entgegengekommen war.

Im Hotel angelangt, schützte Magda Müdigkeit vor. um nicht unten soupieren zu müssen, und zog sich auf ihr Zimmer zurück. Sie klingelte, ließ sich entkleiden und schlüpfte in einen Schlafrock. Dann entließ sie die Kleine und wandert« ruhelos im Zimmer herum, immer nur von einem einzigen Gedanken, einer fixen Idee, beseelt, die Blicke auf die Türe geheftet.

Es mochte ungefähr zehn Uhr sein, als Stephan an die Türe seiner Frau klopfte. Nun kam die Stunde der Abrechnung. Sie mußte dem Manne, der ihrem Worte vertraut, gestehen, daß sie ihn betrogen, daß sie nicht zahlen wollte mit ihrer Persönlichkeit, trotzdem sie sich stillschweigend verpflichtet. Sie empfand in tiefer Schani, daß sie den Pakt brach, den er im Vertrauen auf ihre Loyalität eingegangen war, aber alles war besser, denn als willenloses Geschöpf dem Gebieter zu verfallen.

Laut und hart sagte sie: „Herein!"

Stephan Terbrügge trat ein. Ein befremdeter Blick streifte die junge Frau, die, gleichsam gerüstet, ihm gegenüber stand. Ihr Gesicht war von tiefer Blässe überzogen.

Ehe er etwas äußern konnte, sagte sie: „Ich muß dich sprechen, Stephani"

,^fft es etwas Besonderes, mein Kind, oder können wir eS auf morgen verschieben? Du mußt ja müde sein nach diesem anstrengenden Tag."

„Ich bin nicht müde und ich kann es auch nicht auf- schievenl"

„Ich höre", sagte er und ließ sich in einen Sessel sinken.

Sie holte tief Atem und setzte zweimal an, bevor sich ein Wort ihren bebenden Lippen entrang.

„Du weißt wohl, daß ich nur gezwungen in unsere Eh« einwilligte, um meinen Vater vor dem Ruin zu retten?"

„Das weiß ich", sagte Terbrügge ruhig.

„Du wolltest uns unter keiner anderen Bedingung helfen!"

„Wohin steuerst du, Magda, mit diesen Worten, di» heute, wo du mein bist, überflüssig und zwecklos sind?"

«?^bin, nicht überflüssig! Ich habe dich betrogen, als ich dir versprach, deine Frau zu werden, ich ging mit der festen Absicht in die Ehe, die Verpflichtung, die du erzwungen, nicht zu erfüllen."

Sie erwartete einen Ausbruch und stützte sich zit- ternd mtf den Kaminsims, aber er erfolgte nicht. Da sah sie ihn an urrd erschrak vor dem Ausdruck der Ver- achtung, der seine Augen erfüllte.

„Du willst damit sagen, daß du die Absicht hast, nur dem Namen nach meine Frau zu fein, trotzdem du wußtest, daß ich diese Komödie nicht spielen wollte trotzdem ich dir das klar und deutlich gesagt hatte. Feige hast du die Vorteile des Bündnisses angenoin- men. in dem Bewußtsein, mir alles schuldig zu bleiben?"

Sie streckte abwehrend die Hand gegen ihn aus aber er fuhr fort:

„Das erstemal sprechen wir uns allein in unserer Ehe, und es wird wohl auch das letztemal sein, darum höre mir zu. Ich kam hierher, mn dir mein Herz zu enthüllen, ich wollte warten, bis du mein warst, um dir die wahren Beweggründe meiner Handlungsweise zu gestehen. Du sollst sie erfahren in dieser Stunde die uns nun für immer trennt. Meine Motive, als ich um dich warb, waren rein, ich habe dich seit Jahren ge- liebt . . . ."

Ein Laut des Schreckens entfuhr der jungen Frau.

„Warum ich nichts sagte. ... Ich wußte, daß du mit deinem Vetter Hans Maltitz verlobt tvarst, und ergab mich ins Unvermeidliche. Bis Gerüchte austauch- ten, die mir den Herrn Leutnant in einem eigenarti­gen Lichte darstellten, bis ich mir langsam klar wurde, daß es ein Glück für dich wäre, wenn jemand hier Vor- sehung spielen und dir rechtzeitig die Augen öffnen würde. Aber man ist feige, wenn es gilt, dem wehzu­tun, den man liebt, und so verfolgte ich deinen Vetter schweigend und zog immer engere Kreise um ihn, um ganz sicher zu sein, um nicht fälschlich anzuklagen. Und die Kette meiner Beweise war gerade geschlossen, als ich erfuhr, daß dein Vater vor einer Katastrophe stand. Ich bot ihn, meine Hilfe an und stellte die Bedingung, daß du die Meine werden müßtest, weil es das ein­zige Mittel tvar, um dich vor deinem Bräutigam und einem Leben voll seelischem Elend und Reue zu retten. An mich dachte ich nicht, dich wollte ich geborgen wissen, denn wenn ich bedingungslos mit jener Summe deinem Vater ausgeholfen hätte, so wäre die Situation unver­ändert geblieben. .Hans Maltitz hätte sich des neuge­festigten Wohlstandes gefreut, du wärst mit gefchlosse- nen Augen ins Verderben getaumelt wie eine Motte ins Licht. Darum spielte ich den Böscwicht in der Fabel, und Hans Maltitz ließ dich im Stich, wie ich's mir gedacht. Dann kam unser Brautstand und ich hoffte, du würdest mich besser erkennen, aber du dach­test zu klein und egoistisch, um zu begreifen, daß man