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Dienstag, 2. Zebruar 1915.

KbenL-Ausgabe.

Nr. 54. - 63. Jahrgang.

Bsn deutsche» O-Bootcn verfolgte Dampfer.

Der Tagesbericht vom 2. Zebruar.

Aus dem westen nichts vefonderes. — Zort- schreitenLe Angriffe südlich der Weichsel.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Febr., vor­mittags. (Amtlich)

westlicher Kriegsschauplatz.

Außer Artilleriekampf an verschiedenen Stellen keine besonderen Vorkommnisse.

Gestlicher Kriegsschauplatz.

An der ostpreußischen Grenze hat sich nichts Wesentliches ereignet.

In Polen» nördlich der Weichsel, fanden in der Gegend L i p n o und nordwestlich S i e r p z Zusammenstöße mit russi­scher Kavallerie statt.

Südlich der Weiche! sind unsere Angriffe im weiteren Fortschrciten.

«

Die falsche französische Verichterstattuno.

Die französischen amtlichen Berichte über die Kriegs- rreignisse enthalten in letzter Zeit geradezu ungeheuer­lich zu unseren Ungun st en entstellter. Z. auch völlige freierfundene Angaben. Natürlich verzichtet die deutsche oberste Heeresleitung darauf, sich mit derartigen Darstellungen im einzelnen zu befassen. Jeder­mann ist in der Lage, ihren Wert an der Hand der amtlichen deutschen Mitteilungen selbst nachzuprüfen.

Oberste Heeresleitung.

Oer Handelskrieg unserer Il-voote

Gegen das Vorgehen unserer l7-Boote, die der eng­lischen Handelsschiffahrt von Tag zu Dag gefährlicher werden, rufen unsere Gegner den Schutz der Menschen­rechte an, als ob etwas ganz Neues und Unerhörtes ge­schehen sei. Haben wir es nicht vorher angesagt? Haben wir es nicht laut in die ganze Welt hinausgeru-fen? daß es gegen den perfiden Aushungerungs- Plan Englands, der unsere Zivilbevölkerung, unsere Frauen und Kinder treffen sollte, nur eine ge­rechte Gegenmaßnahme gibt: dem feindlichen Jnselreich die Adern der Zufuhr und des Handels durchzuschnei­den? Damit haben wir sofort begonnen. Damit wer­den wir fortfahren. Als das beste Instrument aber er­weisen sich jetzt unsere I'-Bootc. Diese allerdings tun rasche und unerbittliche Arbeit. Es kann sein, daß sie ihr tödliches Torpedo abschießcn, ohne vorher die Be­satzung des friedlichen Handelsschiffes in Sicherheit ge­bracht zu haben. Es gibt wichtige Gründe dafür, und wir werden sie noch nennen. Die Gegner aber schreien nach den. Menschenrechten. Nicht nach dem Völkerrecht. Man unterscheide genau! Das Völ­kerrecht ist hier zu klar. Es ist auf unserer Seite. Wir wollten es gar nicht. Wir hätten noch in Friedens- zeiten durch Vertrag und Bindung gerne darauf ver­zichtet. Preußen hat schon im Vertrag von 1786 mit den Vereinigten Staaten die Unverletzlichkeit des Privateigentums zur See proklamiert. 1870 (18. Juli) bestimmte eine Verordnung des Norddeutschen Bundes: „Französische Handelsschiffe sollen der Aufbringung und Wegnahme durch die Fahrzeuge der Bundes- Kriegsmarine nicht unterliegen." Da aber Frankreich am 21. Juli 1870 erklärte, sich die Wegnahme vorbehal- ten zu wollen, und da ferner französische Schiffe deut­sche Handelsschiffe Wegnahmen, wurde die Bestimmung durch Verordnung von 19. Januar 1871 mit Wirkung vom 10. Februar ab wieder außer Kraft gesetzt. Tat­sächlich wurden während des Krieges 76 deutsche Schiffe von den französischen Kreuzern aufgebracht. Auch die Vereinigten Staaten haben in dem spanischen Krieg von 1898 das Seebeuterecht ausgeübt, es auch in ihren Noval War Code ausgenommen: ebenso Rußland und Japan in dem von 1904/5. Auch Großbritannien hielt bis zur Gegenwart am Seebeuterecht als seiner wert­vollsten Waffe fest. Erst am 6. Mai 1914 gab G r e y im britischen Unterhause die Erklärung ab: „Im Hin­blick auf den Konflikt mit dem Eigentum auf hoher See glaube ich nicht, daß es unseren Interessen ent- spricht, als Vorkämpfer für die Erhaltung des Rechts aufzutreten. England sollte bei der nächsten Haager Konferenz nickt das Haupthindernis für die Beseiti­gung dieses Rechts bilden."

Hatte Englands Außenminister Ahnungen? Oder wußte er? Drei Monate später brach der Krieg aus. Es war zu spät. Die Waffe, die England Jahr­hunderte hindurch gegen seine Feinde gebraucht hatte, wird ihm jetzt in unseren Händen selbst ge­fährlich. Was sollen aber nun die lächerlichen Pro­teste gegen die angebliche Verletzung der Menschen­rechte? Daß wir uns genau an das herrschende Dölker- Zesetz als an das einzige hier maßgebende Menschen­

rechts halten, können die Engländer am besten in dem Werke Nachlesen, das ihnen als Grundlage und Richt­schnur dient, nämlich bei Bentwich, „Nb« luv ok private property in war", 1907. Dort ist ganz ge­nau beschrieben, wie verfahren werden soll, wenn man dem Gegner einen fetten Brocken zu See wegzukapern hat: „Nachdem das verdächtige 'Lchiff durch einen

blinden Schutz zum Anhalten und zur Weisung seiner flagge aufgefordert worden ist, wird es durch eine Ab­ordnung des Kriegsschiffes besucht, damit die Staats­angehörigkeit des Schiffes und der Ladung festgestellt werden kann. Erg ibt eine Durchsicht der Schiffs- Papiere, daß die Voraussetzungen der Wegnahme ge­geben sind, so wird das Schiff mit Beschlag belegt und entweder durch seine eigene Mannschaft oder durch die Mannschaft des Kriegsschiffes in den nächsten Hafen des Wegnehmenden gesteuert. Leistet das Schiff Wider­stand, so kann cs in den Grund gebohrt werden; das­selbe ist der Fall, wenn die Wegführung den Kreuzer selbst (sei cs wegen der großen Entfernung des nächsten Hafens, sei es aus anderen Gründen) dringender Ge­fahr aussetzt." Diese „anderen Gründe" waren bei dcni

Kaperkrieg unserer Auslands krenzer vorhanden. Diese Gründe sind auch für unsere Unterseeboote maß­gebend. Sie können nicht warten, bis ein feindliches Kriegsschiff hinzurommt. Sie können die Mannschaft des feindlichen Handelsschiffes nicht in ihren kleinen engen Räumen untevbringen. Sie müssen rasch .handeln und rasch wieder verschwinden. Was aber die „Menschenrechte" der feindlichen Besatzung an­langt, so sei darauf hingewiescn, daß die Londoner Deklaration, welche die Zerstörung feindlicher Handels­schiffe gestattet, der Mannschaft gar keine Er­wähnung tut. Sie überläßt das der jeweiligen Situation und der Menschlichkeit des betreffenden Kriegsschiffes. Haben die Offiziere unserer II-Boote die Gebote der ^Menschlichkeit außer acht gelassen? Nirgends! Sie haben gehandelt, wie ihnen be­fohlen und sich bei dem Gegner noch förmlich entschul­digt, daß der Krieg so hart sei. Das war menschlich und edel. Was Menschenrechte sind und wo man sie zu achten hat, das weiß der Deutschs. Ter Engländer aber soll jetzt die ganze Schärfe des Völkerrechts, seines Völ­kerrechts, am eigenen Leibe spüren lernen.

Das heldenmütige Vorgehen der deutschen Unterseeboote.

Größte Bewunderung im Auslande.

Berlin» 2. Febr. (Ktr. Bln.) Zu dem Erfolg der deut­schen Tauchboote schreibt die „Kreuzzeitung": ' Die kühnen Streifzüge der deutschen Unterseeboote in die englischen Ge­wässer rufen allenthalben das größte Aufsehen hervor. In fachtechnischen Kreisen des Auslandes wird der Mut der deutschen Seeleute bewundert, über den Eindruck in Rom und Paris heißt eS in einem römischen Telegramm des „Berl. Lok.-Anz.": Alle bewundern rückhaltlos den Wagemut der deutschen Seeleute und die Technik der Werften, die Unterseeboote mit einem Aktionsradius vou 2500 Seemeilen Herstellen. Telegramme aus Paris bestätigen, daß man auch dort die ungeheure Bedeutung dieser «Kafakenfahrten" würdigt.

W. T.-B. Dublin, 1. Febr. (Nichtamtlich. Meldung de» Reuterschen Bureaus) Der Dampfer „Leinster" verlieh gestern nachmittag Hollyhoad. Hinter deni Leuchtschiff Kish wurde er von einem deutschen Unterseeboot verfolgt, das eine halbe Meile hinterher fuhr. Das Paketboot „Ultser" verließ gestern zu gewohnter Zeit Kingstown mit Passagieren. Die Versiche­rungsgesellschaft hielt es nicht für notwendig, die Abreise von Schiffen aus Liverpool zu verbieten.

W. T.-B. London, 2. Febr. (Nichtamtlich) Das Passagier­boot „Graphic" wurde auf der Fahrt von Belfast nach Liver­pool 7 Meilen wert von einem deutschen Unterseeboot ver­folgt, es gelang ihm aber, nach einer auftegenden Jagd durch geschickte Manöver des Kapitäns, Liverpool zu er­reichen. Alle an Bord befindlichen Perfonen, etwa 200 an der Zahl, hatten Rettungsgürtel erhalten und dtp Rettungsboote waren in Bereitschaft.

Die Auflegung in London und Paris.

W. T.-B. London, 2. Febr. (NichtamUich) „Daily News* erkennen an, daß der Erfolg der deutschen Unterseeboote in der Irischen See bei Liverpool einen tiefen Eindruck ge­macht habe. Das Blatt sagt aber weiter: Von einer Pan:?

sei keine Rede, auch sei keine Lähmung des Verkehrs in den Häfen des Mersey vorhanden.

Zürich, 1. Febr. Das Erscheinen eines deutschen Unter­seeboots in der Irischen Sec hat nach Londoner Meldungen, die in i t a l i e n i s ch e n Blättern wiedergegeben werden, in London große Aufregung verursacht. Man sieht darin den Beginn der Taktik der k l e i n e n N a d e l st i ch e, die Admiral v. T i r p i tz angekündigt habe. Man hebt hervor, daß es bisher keinem deutschen Schiff gelungen sei, die Blockade der Nordsee zu durchdringen. Aus den hier eintreffen­den englischen Meldungen über den Hergang der Torpedie­rung ergibt sich zwanglos die Unrichtigkeit der Behaup­tung des französischen Marineministcrs, die Deutschen hätten die englischen Schiffe torpediert, ohne der Mannschaft Ge­legenheit zu geben, sich zu retten. Nach dieser englischen Dar­stellung wuvde die Mannschaft des zuerst versenkten englischen Dampfers „Bochnanan" vor der Torpedierung aufgeforderr, innerhalb 10 Minuten das Schiff zu verlassen, worauf die 23 Matrosen der Besatzung sofort die Boote aussetzten. Nach einer Meldung des „Corricre della Sera" aus Paris mißt man dort dem Vorgehen der deutschen Unterseeboote große Bedeutung bei und sieht darin den ersten Schritt zur Ver­wirklichung der Absicht, den englischen Handel durch die Tätig­keit von Unterseebooten zu belästigen. Offenbar verfüge Deutschland über eine große Zahl von Unterseebooten, die zu selbständigen Unternehmungen eingerichtet seien. Man nehme an, daß es sich um etwa 1 8 handle, deren Tätig­keit man mit großer Besorgnis entgegensetze.

Dämmernde englische Erkenntnis.

Ln. Rotterdam, 2. Febr. (Erg. Drahtbcricht. Ktr. Bkn.) Nach hier eingelaufener Meldung schreibt ein Londoner dev „Evening Standard" über die Tätigkeit der deutschen Unterseeboote, daß mit Beginn des neuen Jahres eine be­merkenswerte Verschärfung des Krieges gegen England eingesetzt habe, was die Angriffe gegen Englands Küste und jetzt die Fahrt der deutschen Unterseeboote bis in die Gegend der westenglischen Schiffahrtslinien dartue. England, so sagt der „Standard", muß sich auf erheblich schärfere Folgen des Krieges als bisher gefaßt machen, und zur Erreichung des gesteckten Zieles auch zu bedeutend größeren Opfern als seither bereit sein. Deutschland hat unzweifelhaft sehr le i st u u g s f ä h i g e rleue Unter­seeboote i m B a u und die Verwendbarkeit dieser Waffe wich