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Verlag Langgasie 21

„Tagblatt-HauS".

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Berlin-WilmersdorfGüutzelstr. 66.Fernspr.: AmtUhland450 u. 45t.

Sonntag, 31. Januar 1915.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 51. - 65. Jahrgang.

Oer Krieg.

t>on den östlichen Kriegsschauplätzen.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

In einer Woche 10 000 Gefangene!

W. T.-B,- Wien, 30. Jan. (Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart vom 30., mittags: An der polnisch-galizischen Front herrschte, abgesehen von kurzen Geschützkämpfen, gröss­tenteils Ruhe.

Die Kämpfe der letzten Tage führten in den Karpathen zur Wiedereroberung der Paßhöhen. In den eine Woche andauernden schwierigen Aktionen haben die Trvppen trotz der ungünstigen Witterungsverhältnisse mit großer Ausdancr und Zähigkeit gekämpft, alle Terrainschwic- rigkeiten bei oft hoher Schncelage überwunden und hierdurch große Erfolge erzielt. Dem Feinde wurden in Summa 10000 Gefangene und 6 Maschinengewehre ab- grnommen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.

Die Tätigkeit österreichisch-ungarischer Flieger in der Bukowina.

Pest, _29. Fan. Der Berichterstatter des ..Pcsti Naplo" ans den O st k a r p a t h c n meldet: Gestern überflog ein

Flieger der österreichisch-ungarischen Armee die in der Um­gebung von K i m o l u n g (Bukowina) befindlichen russischen Stellungen und warf mehrere Bomben ab, die großen Schaden verursachten.

Ver amtliche russische Bericht.

W- T-B. Petersburg, 30. Jan. (Nichtamtlich.) Der Große Generalstab meldet: Der 28. Januar verlief in Ost­preußen und auf der Front an beiden Weichselufern ohne be­merkenswerte Veränderungen. In den Wäldern nördlich Pillkallen und Gumbinnen dauern die Kämpfe fort. In der Gegend von Vorzymow wiederholten die Deut­schen ihre Angriffe, wurden aber unter großen Verlusten zu­rückgeschlagen. Unsere Gegenangriffe in dieser Gegend glück­ten vollständig. Wir vertrieben den Feind mit dem Bajonett aus den Schützengräben unter Fortnahme mehrerer Maschi­nengewehre. In G a l i z i e n schritten wir erfolgreich in den- Pässen von Dukla und Bhschkow fort, trotz des erbitterten Widerstandes der Österreicher, außer in der Gegend des B e s k i d e n p a s s e s, wo unsere Truppen angesichts der Offensive von numerisch überlegenen feindlichen Kräften etwas gegen eine vorher angelegte Stellung sich zurückzogen. In den letzten drei Tagen machten wir an der oben genann­ten Front über 60 Offiziere und 2400 Mann zu Gefangenen Auch erbeuteten wir 3 Geschütze und 10 Maschinengewehre. Aus der Bukowina ist nichts zu melden. (Dieser Bericht ist beinahe Wort für Wort durch die deutschen und öfter- reichisch-ungarischen Berichte widerlegt. W. T.-B.)

weitere Räumung Warschaus von der Zivffbevölkeruna.

Br. Kopenhagen, 30. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Petersburger „Wrenffa" meldet: Der Militärgouverneur von Warschau hat die Entfernung eines zw eiten Drittels der Zivilbevölkerung in Warschau angeordnet.

Rutzland als Vormacht der FrvMfation!

Amsterdam, 29. Jan. (Voff. Ztg.) Die Londoner „Daily Marl" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Prinzen Juffupoff, der als besonderer Bevollmächtigter des Zaren in London eintraf und sofort vom König Georg empfangen wurde. Auch dieser Ruffs spricht von Rußlands Kampf für Gleichheit und Gerechtigkeit in Europa wie das aus russischem Munde in letzter Zeit modern geworden ist. Er sagte: Ganz Rußland crrennt die große Rolle an, die England in diesem Kriege spielt. Ich selbst dabe die eng­lische Armee in Frankreich besucht. Sie hat den größten Eindruck auf mich gemacht." Der Prinz sprach dann einiges Erfreuliche von Rußlands „Menschenfreundlichkeit". „Der ärmste russische Bauer, der in den Krieg zieht, weil er" den deutschen Militarismus unterdrücken will empfindet keinen Haß; er weiß, er kämpft im Namen der Zivilisation. Unser Volk pflegt die deutschen Ver­wundeten zärtlich und ist Poller Fürsorge um die deutschen Gefangenen. Wenn der Krieg zu Ende sein wird dann wird die ewige Freundschaft mit England, die dauernde Verständigung zwischen den Völkern kommen Ich weiß, daß unsere englischen Freunde uns einst für Barbaren hielten, aber sie wiffen jetzt wohl, wer die wirklichen Barbaren sind."

vre beginnende Anarchie in Rutzland.

Schilderungen türkischer Konsuln.

X Y-: IS' Konstantinopel, 30. Jan. (Nichtamtlich. Die türkischen Konsuln in Rostow am Don und Kertscl die hier eingetroffen sind, erzählen entsetzliche Ding, über die schlechte Behandlung, die man i Rußland ihnen und allen österreichisch-ungarischen un deutschen Konsularbeamten, Muselmanen und osmani scheu Staatsangehörigen angedeihen ließ. Letzter wurden nach Sibirien verbannt. Darunter besau den sich reiche Leute, die aller Habe beraub Wurden, so daß sie nicht einmal genug Geld hatten un sich Eisenbahnfahrkarten zweiter Klasse zu beschaffen Die Konsuln schildern auch die Anarchie, die ii

Rußland herrscht und die zurFolge hatte, daß sie vonStadt zu Stadt verschickt wurden, wobei sie manchmal genötigt! waren, dorthin wieder zurückzukehren, woher sie kamen, ^rc Konsuln hatten Gelegenheit, festzustellen, Laß zwi­schen dem russischen Minister des Innern und der inneren Gendarmerie, die unmittelbar dem Platz­kommandanten untersteht, ein Gegeneinander- k i t e n besteht. Während das Ministerium dem Völkerrecht mehr Achtung bezeigen wollte, kommen die Gendarmen, insbesondere ihre Spione, nicht im ge­ringsten den Befehlen des Ministeriums nach. Nach den Erklärungen der Konsuln legt in Rußland Frank- rerch und England niemand mehr Bedeutung bei. Das Volk glaubt, Rußland werde demnächst Konstanti- n o p e l besetzen und selbst England eine Lektion erteilen, wenn es sich dem widersetzen sollte.

vie Verrussungsversuche in Galizien.

W. T.-B. Petersburg, 29. Jan. (Nichtamtlich) In den Straßen Lembergs ist eine Verfügung des Militärgouver­neurs Grafen Bobrinsky über die polnischen ® ^ U J e . n angeschlagen. Darnach dürfen die Schulen nur mit Erlaubnis des Gouverneurs eröffnet werden. Er be- bält sich vor, die ihm nicht genehmen Lehrer zu entfernen und Schulbücher zu verbieten. Der russischen Sprache müssen in jeder K.asse mindestens fünf Stunden wöchentlich gewidmet werden. Geschichte und Geographie, polnische Sprache und die polnische Literatur dürfen nur nach Lehr­büchern unterrichtet worden, die in Rußland genehmigt sind. Orthodoxe und unistische Kinder dürfen nicht in katho­lischen und geistlichen Schulen unterrichtet werden. Jede Übertretung der Verordnung wird mit Schließung der Schule bestraft.

Tie österreichisch-ungarische Staatsschuld.

W. T-B. Wien, 29. Jan. (Nichtamtlich.) In der Sitzung i.er Staatsschulden-Kontrollkomrnifsion fand über die aus der Mitte J>er Kommission yervorgegangene Anregung eingehende Diskussion statt, nämlich über die Art der Deckung der durch die neuen Anleihen hervorgerufenen Zinsenerfordermsse. Es wurde auch der Bericht über den Stand der Staats­schulden mit Ende Juni 1914 vorgelegt. Die Staatsschuld stellt sich demnach auf 13 004 Millionen Kronen, abzüglich des ungarischen Blockes auf 11616 Millionen, welcher Summe als Gegenwert das Anlagekapital der Staatsbahnen mit 6828,7 (Ende Dezember 1013) Millionen gegenübersteht, so daß sich die reine Verschuldung auf 6786,3 Millionen mit Zmisenerfordernissen von 263,6 Millionen stellt.

Die Beschlagnahme von Mehl in Ungarn.

W. T-B. Budapest, 29. Jan. (Nichtamtlich.) Das „Amts­blatt" veröffentlicht die Regierungsverordnung über die Re­quisition von Weizenmehl, Roggenmehl und anderen Ge> treidemehlsorten.

Deutsch-russischer Austausch von Zivilgefangenen.

W. T.-B. Berlin, 29. Jan. (Nichtamtlich) In den letzten Tagen sind drei Vorsteher deutscher Berufskonsulate in Rutzland, ebenso drei frühere deutsche Wahlkonsuln und mehrere Bureaubeamte von Berufskonsulaten aus Rußland über Schweden nach Deutschland zurückgekehrt. Dies ist das erste Ergebnis der langwierigen Austauschverhandlun­gen mit der russischen Regierung, die noch fortgesetzt werden.

Oie Seeschlacht in der Nordsee,

wie groß die Beschädigungen des „Lion" sind!

Haag, 28. Jan. (Hann. Cour.) Über die Art der Be­schädigungen des englischen Schlachtschiffs „Lion" bei der See­schlacht in der Nordsee sagen die „Daily News", daß keinerlei nähere Mitteilung darüber gemacht werde. Man glaube aber, die nötigen Reparaturen in etwa zweieinhalb Monaten sertigstellen zu können. Das Schlachtschiff sei unter der Wasserlinie ziemlich ernst getroffen worden, da ein Torpedo in die hintere Hälfte der Maschinenräume ein­schlug und diese nahezu vollständig unter Wasser setzte. Es habe dadurch seine Manövrierfähigkeit völlig verloren. Immerhin könne das Schiff der Marine be­stimmt erhalten bleiben.

Die Geretteten des „Blücher".

Haag, 28. Jan. Von den gestern in Edinburgh gelandeten 200 Überlebenden des deutschen Kreuzers „Blücher" sind, wie Reuter meldet, nur sechs verwundet.

Oie gefürchteten deutschen Unterseeboote.

Haag, 29. Fan. „Nieuwes van den Dag" schreiben über d:e Nordseeschlacht: Immer mehr Einzelheiten werden aus England bekannt, daß das Siegesgeschrei der englischen Blätter über die Taten ihrer Marine keineswegs io laut zu ein brauchte. Als erstes hält man sich die Tatsache vor Augen, daß das englische Flaggschiff „Lion" s o sch w e r e B e - 'chadigungen erlitt, daß es außer Gefecht gesetzt wurde und der Admiral auf die „Princeß Royal" gehen mutzte. Ferner gibt der Admiral Beatth zu, daß die EnAän- der den Kampf abgeüroche n haben, weil man in ein durch Unterseeboote und Minen unsicheres Gefechtsgebiet ge­kommen war. Jetzt steht nun auch die Teilnahme der deut­schen Unterseeboote an dem Gefecht fest, und es ist zweifellos ein Triumphs für die deutsche Unterseeflotte, daß sie bei einem regelrechten Seegefecht eingreifen konnte und ihre Ab­wesenheit so sehr gefürchtet wurde, daß die englische

ü'lotte Kehrt machte und nach ihren Häfen zurückeiltc. Daß das Flaggschiff „Lion" von einem deutschen Torpedo im Maschinenraum getroffen wurde, muß für die Deutschen eine Befriedigulig bedeuten, wie man von dem Gefecht abschließend überhaupt sagen kann, daß das deutsche Geschivader ehren­voll aus dem Kampfe hervorgegangen'ist. Der einzige emp- findliche ^Verlust für die Deuffchen, der Untergang des „Blücher", ist nur eingetreten, weil das Schiff nicht zu der Klasie der modernsten und schnellen Kreuzer gehörte.

3um Angriff auf den Kreuzer „Gazelle."

Köln, 29. Jan. Die „Köln. Ztg." meldet aus Kopen­hagen: Der Kapitän der schwedischen Dampsfähre „Gustav V." bezeichnet das Gerücht, wonach die Fähre den beschädigten deutschen Kreuzer „Gazelle" nach Saßnitz bugsiert haben sollte, cuS u n w a h r. Der Kapitän habe nur drahtlos die schwedi­schen Verkeyrsbehördcn von dem Vorfall unterrichtet. Die drahtlose Mitteilung sei vielleicht aufgefangen und mißver­standen worden.

Oie Lage im Westen.

England und Belgien.

In der ersten Nummer der „Sozialistischen Monatshefte" von 1916 wird ein Aufsatz eines in England lebenden Ge­nossen Rosenstein aus dem Jahrgang 1911/12 der „Neuen Zeit^ angeführt, in dem es heißt: „Einen anderen Anlaß eines Konflikts gab der bekannte Zwischenfall mit den Deserteuren tn, C asablanca. So ernst wurde von der englischen Diplomatie der lächerliche Pressezank zwischen Frankreich und Deutschland genommen, daß die englische Regierung sich ver­anlaßt sah, unserem französischen Freunde 160000 Mann für eine Landung in Belgien anzubieten." Es wäre interessant, zu erfahren, aus welchen Quellen Rosenstein diese Kenntnis geschöpft hat. L. C.

Berichtigung einer englischen Lügennachricht.

W. T.-B. Berlin, 30. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Times" berichtete am 32. Dezember 1814, daß der englische Vizekon­sul in Lille, Mister Walker, obwohl er sich den Arm brach., in brutaler Weise von den Deutschen in Gefangenschaft ge­führt worden ist. Wie die angestellten Ermittelungen er­gaben, konnte Walker trotz der Verletzung mühelos den Rock und Paletot anzieheii, als er nach Deutschland abtranspor­tiert werden sollte. Die Festnahme erfolgte, weil er als bri­tischer Vizekonsul noch in Lille weilte, obwohl die Stadl! schon 6 Wochen in deutschem Besitz war, und zwar als Gegenmaßnahme zu der Verhaftung von Deutschen in England. Walker genoß auf der Zitadelle in Lille besondere Bequemlichkeiten und durfte den Besuch seiner Verwandten empfangen, die der Militärbehörde für das bezeigte Ent­gegenkommen ihren besonderen Dank aussprachen. Die Be- hauptung, daß Watker brutal behandelt worden sei, beruht also auf Erfindung.

„vre Tatsachen sprechen."

- 28 ' ^ ttn ‘ ~. ie «Humanite" veröffentlicht eine Rubrik, betitelt „Oes faits qui parlent". Unter diesen Tat­sachen findet man heute die folgenden: Wir erfahren, daß in mehreren Militärdepots, so in Potigny, Chartres. Revers un) Tour, die Rekrutenjahresklaffe 1915, die aii sich schon zart ist, wie leider die Erfahrung bestätigt, k e i ne warme Kieidung hat. Das Krankheitsvcrhältnis ist sehr groß. Man möge auf diese Kinder achten, damit sie, wenn der Tag gekommen ist, erfüllen können, was alle von ihnen erwarten.

Das französische Moratorium vor der Kammer.

W. T.-B. Lyon, 30. Jan. (Nichtamtlich) Nach dem „Nonvelliste de Lyon" hörte der Handelsausschuß der Pariser Kammer den Bericht des Deputierten R e v i l l e s über den Gesetzesvorschlag bezüglich der Verlängerung des Morato­riums für Handelspapiere und Einführung des besonderen' Schecks an. Der Handelsausschuß steht dem Vorschlag Revill's auf eine Verlängerung des Moratoriums bis nach Ein­stellung der Feindseligkeiten zwar wohlwolleiid gegen­über. beschloß aber, die Ansicht des Finanzminifters über die Gesamtheit der Vorschläge einzuhcssen.

Errichtung von Mietskamineru in Frankreich.

W. T.-B. Lyon, 30. Jan. (Nichtamtlich) Nach dem „Republicain de Lyon" beschloß der Kammerausschuß in Paris für Zivil- und Strafgesetzgebung, den Gesehesvorfchlog des Deputierten Jgnace anzunehmen, demzufolge beson­dere Gerichtskammer ii in strittigen Fällen über Zah­lung des Mietzinses befinden sollen. Die Gerichtskam­mer soll je nach Lage des einzelnen Falles entscheiden, ob eine Ermäßigung, Kündigung des Mietvertrags oder die völlige Stundung des Mietzinses, falls der Mieter mobilisiert ist, Platz greifen soll. Dem Vermieter wird während der Dauer des Krieges eine Ermäßigung der von ihm zu zahlenden Hhpothekzinsen zugestanden werden.

Die Ungültigkeitserklärung der Naturalisierung von

Deutschen und Österreich-Ungarn in Frankreich.

\V. T.-B. Paris, 30. Jan. (Nichtamtlich) In ihrer gestri­gen Sitzung nahm die Kammer einen Gesetzesantrag an,, welcher die Regierung Zur Ungültigkeitserklärung der Dekrete über die Naturalisierung von Untertanen feindlicher Staaten ermächtigt.

Erhöhung der Mitgliedcrzahl der Seuatsausschüffe.

IV. T.-B. Lyon, 30. Jan. (Nichtamtlich) Nach einer Mel­dung des „Progres de Lyon" aus Paris ncchm der Senat in der Donnerstagssitzung den von Combes eingebrächten Ge»