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Sette«. Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.

Graben um Graben war so gewonnen. Bald war es einer, bald stürmte man eine ganze Gruppe von Schützengräben hintereinander. Dementsprechend schwankte der Raumgewinn Mischen 25 und 1000 Meter. Manchmal wurden selbst größere Fortschritte gemacht, hier und da gelang es auch dem Fe i n d e, vor- übergehende kleine Erfolge zu erzielen oder unser Vor­gehen durch Gegenangriffe zeitweise aufzuhalten. Bei­des vermochte jedoch nicht zu verhindern, daß die deut­schen Truppen im Argonnerwald in unausgesetz­ter A n g r i f f s b e w e g u n g, und zwar in lang- samem, aber ununterbrochenem Vorwärts- schreiten begriffen sind.

Wie langwierig diese Angriffe sind, nrag aus der kurzen Schilderung des Angriffes einer Pionier­kompagnie gegen eine im Walde gelegene beherrschende Höhe heworgehen. Es galt, eine feindliche Stellung wegzunehmen, von der aus die rückwärtigen Verbin­dungen eines deutschen Abschnittes dauernd gefährdet wurden. Hierzu wurden mu 7. Dezember aus dem deutschen Schützengraben drei Sappen vorwärts ge­trieben, am 18. Dezember war die linke Sappe bis auf etwa 8 Meter an die feindliche Sappe herangekommen, als die Spitz? durch eine französische Minenspren- gung auf 10 Meter Länge wieder eingeworfen wurde. -Die beiden anderen Sappen waren am gleichen Tage bis aus etwa 20 Meter an den feindlichen Schützen­graben vorgetrieben. Bis zum 19. Dezember war die linke Sappe wieder aufgeräumt und die beiden ande­ren bis auf 6 bis 8 Meter an den Gögner getrieben. Von den Sappenspitzen aus wurden jetzt 3 Meter lange Stollen zur Aufnahme von Sprengladungen vorge­trieben, die am 20. zündfertig waren. 8 Uhr vor- ,mittags wurden die Minen gezündet. Gleich darauf stürzten die in den Sappen und den angrenzenden Teilen der Schützengräben aufgestellten Stur m- abteilungen gegen den Feind vorwärts, ihnen woraus Pioniere mit Handgranaten, Draht­scheren und Äxten ausgerüstet. Der durch die Sprengungen kopflos gewordene Feind wurde aus seinen Stellungen geworfen. Die Sturmtrilppen folg­ten über ein feindliches Lager hinweg dem fliehen­den Feinde noch etwa 800 Meter, bis sie dichtes Ge­strüpp zwang, von der weiteren Verfolgung Abstand zu nehmen und sich einzugraben. Durch die Sprengungen und die geworfenen Handgranaten hatte der Feind eine größere Anzahl Toter, außerdem wur­den 200 Gefangene gemacht, 4 Maschinengewehre, 1 Revolverkanone und 8 Minenwerfer erbeutet. Die Besichtigung der genommenen feindlichen Gräben er­gab, daß der Feind ebenfalls mit Minen gegen die deutschen Stellungen Vorgehen wollte. Er hatte vier Schächte, je 4 bis 6 Meter tief mit einem Durch­messer von 1,5 Meter abgeteust und von diesen aus Schleppschächte angesetzt, mit deren Fertigstellung nach Aussage eines gefangenen Genieoffiziers in den näch­sten Tagen gerechnet worden war.

Diese Erfolge unserer Truppen sind natürlich unter mancher Schwierigkeit, Gefahr und unter allerlei Ent­behrung erzwungen worden. Aber die Schwierigkeiten wurden überwunden, den Gefahren keck ins Auge ge­sehen und die Entbehrungen wurden freudig ertragen. Wo die Wege schlecht, ungenügend oder nicht vorhan- den waren, wurden neue angelegt oder die alten aus- gebessert: wo auch dies dem Bedürfnisse nicht genügte, schritt man zum Bau von Bahnen. Drang Wasser in die Gräben und Sappen ein. so erfand man bald Mit- tel und Wege, um den unerwünschten Eindringling zu beseitigen. Eine ausgezeichnete und reichliche Verpflegung sorgte dafür, daß die Widerstands­kraft unserer Truppen andauernd auf der gleichen Höhe blieb; eine Reihe hygienischer Maßnahmen ver­hinderte das Ausbrechen von Krankheiten und Epi­demien. In Hüttenlagern, in beauemen und tooftl- durchwärmten Erdhöhlen und Unterständen richtete sich die Truppe vorn am Feinde ein. Jeder Schützen­graben erhielt seinen Namen, überall entstanden Be­zeichnungen für die unterirdischen Dörfer, die sich da entwickelten. Neben einem fröhlichen Humor, dem unsere Soldaten so gerne die Zügel schießen lassen, kommt bei diesen Bezeichnungen auch religiö e Gesinnung und ernste Entschlofsenhe t zum Ausdruck. Da lesen wir vor einem Unterstände Ordonnanzen- und Burschenftube" und darunter steht

Deutsche Soldaten m Belaien.

Bis auf den schmalen, heißumstrittenen Küstenstreifen um Dpern und Furnes ist ganz Belgier! in deutscher Gewalt. Aber der Ausdruck, den das Land unter unseren Händen an­genommen hat, rst doppetgefichtig: ganz anders schaut daS Okkupationsgebiet drein als daS Operationsgebiet. DaS letztere umfaßt die beiden Flandern, ersteres das ganze übrige Land. Während Ost- und Westflandern noch unter dem unmittelbaren Druck des Krieges stehen, haben die anderen sieben Provinzen bereits wieder die geglätteten Züge der Friedensruhe angenommen. Werfen wir einen Blick in daS besetzte Gebiet!

Ganz Belgien ist heute ein großes deutsches Heerlager. Hinter der Kampffront steht eine zweite Armee bereit. Nicht müßig, sondern eifrig rüstend und schaffend. Wohl ist Bel­giens Bevölkerung in tiefster Seele des Krieges überdrüssig, lechzt nach Wiederkehr friedlicher Verhältnisse, aber doch immer unter der selbstverständlichen Wahnidee, daß zuvor die alte Ordnung der Dinge völlig wiederhergestellt sein müsse. . . . Inzwischen hat das Besatzungsheer den Respekt vor den! unwillig ertragenen Machthaber aufrechtzuerhalten. Und das kann es auch, denn es ist stark und arbeitet unver­drossen an seiner Vervollkommnung. Mutz es doch jeden Augenblick bereit sein, Teile seine« Bestandes zur Auffüllung der vordersten Linien abzugeben.

ES ist eine Lust, inniitten und im Schutze dieses Heeres zu leben und sich umzuschauen. Alle deutschen Stämnie und Gaue haben zu seinem Bestände beigesteuert. Sein Kleid ist buntscheckig genug: neben dem modernen Feldgrau sieht man Uniformen, die aus den untersten Tiefen der Kompagnie, kammern und Zeughäuser ausgegraben worden sind; ja. die

_Wiesbadener Tagblatt.

Eine feste Burg ist unser Gott" oder eine andere Auf­schrift:

Treu leben,

Tod trotzend kämpfen,

Lachend sterben."

Die deutschen Führer leben in unmittelbar- st e r Gemeinschaft mit ihren Soldaten. Bri­gade- und Divisionsstäbe haben mitten im Walde ihre Erdhöhlen, über die bei Tag und Nacht die feindlichen Infanterie- und Artilleriegeschosse hinwegpfeifen. Tagtäglich zeigen sich die höheren Führer bei der Truppe in den vorder st en Linien der Schützen­gräben. während alle Truppenoffiziere bis zu den Regi­mentskommandeuren in den Unterschlupfen der K a m p f l i n i e nächtigen. Der Oberbefehlshaber, General der Infanterie v. M u d r a, erscheint gleich­falls inehrnlals die Woche in den vorder st en Linien. Im Hauptquartier ist auch der Armeeführer, Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz des Deut­schen Reiches und von Preußen, kein seltener Gast; auch Seine Mawstät der Kaiser ist hier wiederholt gewesen. Vor kurzem erst hat er General v. Mudra für die hervorragenden Leistungen der deutschen Trup­pen im Argonner Walde durch die Verleihung des Ordens Pom» le m^rite ganz besonders ausgezeichnet. In einem kleinen Häuschen eines unansehnlichen Ar- gonnerbvrfes lebt inmitten der Truppen der greife Feldmarlchall Graf Haeseler. Tagtäglich muß sein Adjutant ihm berichten über den augenblicklichen Stand des Woldkanrpfes, den der greife General mit unermüdlichcin Interesse verfolgt. (Schluß folgt.)

Die Hinterlist der französischen Zensur.

Ein französisches Urteil.

Von der französischen Grenze meldet dieK. Z.": Zu der Lügennachricht desTemps" über die von Deutschland an Rumänien gerichtete Einspruchsnote, welche die Havas- agentur als unwahr berichtigen mußte, schreibt derEclair": DerTemps" behauptete Handlungen der deutschen Diplo­matie und stützte sie auf ein Schriftstück, deffen Inhalt er verbürgte. Die Nachricht war nicht richtig. Nichts ist ge­fährlicher, als eine Nachricht von solchem Ernste zu verbrei­ten, welche die öffentliche Meinung um so mehr für wahr hält, als sie auf die unfehlbare Wachsamkeit der Zensur ver­traut. Weshalb lasten aber unsere Zensoren solchen Hypothesen fteien Lauf, während sie wie wild Meinungs­äußerungen verstümmeln, die nur ihre Urheber angehen und nur dem Nachdenken Stoff liefern? In dieser Leichtfertig­keit, diesem Widerspruch, dieser Ungleichheit der Behandlung tritt die Ungerechtigkeit, Dummheit oder Per­st d i e der Zensur zutage, welche verwerflichen und Einge­ständnissen nicht fähigen Weisungen folgt." Wir empfehlen dieses französische Urteil über den Charakter und daS Wirken der ftanzösischen Zensur besonders den Neutralen zur Beachtung. Diesmal hat man den Lügner in flagranti ertappt, weil er allzu unvorsichtig gewesen war durch die Her­einziehung eines Dritten, nämlich Rumäniens, in feine Lüge. Das wttd ihn vielleicht vorsichtiger machen, bessern nicht.

Der Krieg im Grient.

Var Vordringen der Türken in Kserbeidschan.

Nr. Konstantinopel, 39. Jan. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das Vordringen der Türken in Iran hat den Glauben der Perser an die Unbesiegbarkeit der Russen gründlich er­schüttert. Aus Hamadan, Kaswin usw. sind Tausende von Freiwilligen bei den türkischen Truppen in Aserbeid- schan eingettoffen. Die bekanntesten Bachtiarenführer haben sich mit Zustimmung der persischen Regierung nach Aserbeidschan begeben, um die Freiwilligenscharen zu organi- steren. Tie meisten russischen Jnstvuktionsoffiziere in persi­schen Kosakenregimentern haben ihre Ämter niedergelegt und sind nach Rußland zurückgekehrt, da sie sich nicht sicher fühlen.

Stark« Mohamedaner-Abtellungen im Anmarsch auf Tanger.

Br. Genf, 29. Jan. (Eiq. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die Madrider ZritvngEl Liberal" meldet: Die

fremden Konsulate verlassen Tanger, gegen das starke Abteilnngen mohammedanischer Aufständi­scher anrncken. Die französische Schutzwache in Tanger beträgt nur 200 Mann.

Die kriegsgefangenen Druffchen in Japan.

Nach einem derTägl. Rundsch." über Zürich zugehen­den Drahtdericht haben die japanischen Behörden in Tsingtau ein Gesuch der Frauen der kriegsgefangenen Deutschen, sich

Post hat Mäntel, die Schutzmannschaft Helme beigesteuert, und gar manche Loden-Bluse, mancher Gummi-Umhang haben stch's bei ihrer Entstehung nicht träumen lassen, daß sie einst durch Aufheftung eines roten Quadrats am Kragen, eines blauen Bandstreisens auf der Achsel zu Uniformstücken befördert werden würden .... Aber ist das Kleid auch viel­farbig und launisch einheitlich und eisern ist der Geist, der das deutsche Heer in Belgien beseelt. Während in Berlin beispielsweise die formale, die Straßendisziplin, gelegentlich zu wünschen läßt, muß dem aufmerksamen Beobachter das Herz im Leibe lachen, sieht er die strammen, bärtigen Land­wehrmänner, die grauköpfigen Landstürmer vor dem jüngsten Leutnant die mächtigen Knochen zusammenreitzen, daß bit, Paläste der Rue Royale ins Wackeln kommen und die Brüsseler, ein wenig amüsiert, doch innerlich voll staunenden Respekts, die Augen aufsperren. , . , Und in dem Blick, den der Untergebene bei der Ehrenbezeugung geradeaus und fre! auf den Vorgesetzten richtet, in dem freundlichen Gruß, mit dem der Obere dankt, liegt soviel kameradschaftliches Zusam- mengehörigkeitsbewußtsein, wie cs der Friede niemals kannte wie es erst dieser furchtbare Krieg erzeugte: das feste, wechsel­seitige Wissen, daß die Truppe verloren ist ohne ihren Führer, wie diese machtlos sind ohne die hundert Einzelwillen, die nichts Besseres wünschen, als im Führerwillen aufzugehen.... So grüßen sich, umrungen von Gefahr, inmitten einer äußer­lich friedfertigen, innerlich der Rachestunde entgegenlechzen- den Bevölkerung, der deutsche Offizier und der deutsche Sol­dat, einer nur durch den anderen stark und unbezwinglich, vereint sie beide erst das deutsche Heer. . . .

Seht sie euch an, die bayerischen Landstürmer, wie sie mit schmetterndem Fanfgrenklang auf die Straße stampfen, als ging'« zur heimischen Kirchweih- wie sie vor der majestätisch hingelagerten Front des Palais de la Nation ?rn-

Samstag, Sv. Januar 1015.4>»

in Japan niederlaffen zu dürfen, abgelehnt. Die in

Tsingtau zurückgebliebenen 390 nicht militärpflichttgen Deutschen, Frauen und Kinder, begeben sich nach San Francisco.

Getreide aus Rumänien.

Eine deutsch-rumänische Verständigung über den TranS-art.

W. T.-B. Bukarest, 29. Jan. Halbamtlich wird gemeldet: Der größte Teil der in den letzten Monaten für Deutschland gekauften Getreidemengc konnte wegen Wagenmangels nicht ausgeführt werden. Die rumänische Eisenbahnverwal­tung hat nun den Vorschlag der deutschen Regierung an­genommen, daß sie den dazu notwendigen Wagenpark selbst nach Rumänien sende.

Ausbildung von volksrednern über die Nahrungsmittelversorgung.

Br. Berlin, 29. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Bln.) Der Minister des Innern fordert die Regierungspräsidenten auf, für einen im Ministerium vom 3. bis 6. Februar stattfinden­den Lehrgang über Nahrungsmittelversorgung im öffent­lichen Leben redegewandte Personen gegen Bargeld und Tage­gelder zu entsenden, die die gewonnenen Kenntnisse in weite Kreise hinausttagen. Von Halle werden die Führer der landwirtschaftlichen Vereine, der Handlungsgehilfenverbände und die Parteisekretäre entsandt.

Deutschlands Aufgabe nach dem Frieden: DaS Werk des sozialen Ausgleichs.

Dresden, 28. Jan. In feiner Festtede zu Kaifersgeburts- tag warf der Oberbürgermeister Geheimrat Beutler gestern abend im Rathaus auch einen Blick auf Deutschlands Aufgaben nach dem Frieden. Er führte aus: Wir dürfen

das Werk des sozialen Ausgleichs nicht vergessen. Wir müssen vor allem die KriegSinvaliden und die Hin­terbliebenen versorgen. Aber auch in der Gesetzgebung und in der Verwaltung dürfen wir niemals vergessen, daß alle Teile unseres ^Volkes begeistert zu den Fahnen ge­eilt sind, um mit ihrem Blut und ihrem Leben das Vaterland vor dem Untergang zu schützen. Nach dem Kriege werden zwar die Parteien wieder aufleben, aber das gemeinsam ver­gossene Blut bat unser Volk zu einem anderen gemacht. All- Teile haben erkannt, daß sie aufeinander ange, wiesen sind, daß das B e st e h e n des Reiches die erste Voraussetzung für das Wohlergehen und den sozialen Fort­schritt aller Volksgenossen ist. Alle in diesem Kampfe haben erkannt, welchen ungeheueren Wert die allgemeine Volks­bildung hat, und daß nur ein in seinen breiten Massen sittlich und körperlich gesundes Volk solch unge­heuere Leistungen und Opfer vollbringen kann, wie wir daS von unserem Volke sehen. Alle haben erkannt, daß nur in einem reinen, aus wahrhaft sittlicher Grundlage ruhenden Familienleben die Liebe zum Vaterlande gedeiht. Wir dürfen nach dem Frieden kein Opfer an alten Gewohnheiten und Vorurteilen noch an Geld und Gut scheuen, um diese Eigenschaften unserem Volk zn erhalten.

Tin freundlicher hollSndilcfter veyrützungsarttkel zu Baisers Geburtstaq.

V- T.-B. Haag, 29. Jan. (Nichtamtlich.)Het Vater­land" meldet vom 28. Januar: Wenn auch gestern kein Festtag in Deutschland gewesen sein mag, so werden dem Kaiser doch selten zu seinem Geburtstag so viele herzliche Worte inniger Zuneigung und tteffter Huldigung gewidmet worden sein als an diesem Tage. Wie ein Mann schart sich das ganze deutsche Volk um seinen Kaiser, und die deuffchen Bun­desgenossen schließen sich von ganzem Herzen an. Kaiser Wilhelm ist daS Symbol der deutschen Treue, Eintracht, Begeisterung und allem ttotzender Tapferkeit geworden. Die grotzarttge Kundgebung am 27. Januar muß notwendig auch auf die feindlichen Staaten Eindruck machen. Die große, starke und tapfere Natton wird mit dem Kaiser siegen oder fallen.

Bon der Kaiserin.

Wie liebevoll unsere Kaiserin fich um die verwundeten Krieger in den Krankenhäusern und Lazaretten sorgt, geht auch au? folgender Mitteilung derTägl. Rundsch." hervor: Als die Kaiserin bei ihrer letzt?» Anwesenheit in Posen ein derartiges Lazarett besuchte, sah sie dort auch den jungen, schwer verwundeten Fahnenjunker Werner Kirchhofs (Sohn des Landrats in Schrimm) liegen, dem das rechte Bein amputiert werden sollte. Sie sprach in rührendster Weise Trost zu und legte ihm eigenhändig das Eiserne Kreuz auf die Brust. Als der junge Invalide nach der Amputation später nach Berlin gebracht werden konnte und mit seiner Mutter in derPension Herzberg", Potsdamer Privatsttatze, Wohnung genommen hatte, ließ sich die Kaiserin wiederholt nach seinem Befinden erkundigen und erschien gestern auch

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schwenken und mit strammem Präsentiergriff die abzulösende Wache der preußischen Landwehr grüßen. . . . Seht die Kern- ttuppen, die Reckengestalten der Münsterländer Kürassiere im blinkenden Stahlhelm und weißen Koller auf auserlesenen kastanienbraunen Pferden vorüberziehen.... und eine Ruhe kommt euch an: jedes Haar auf deinem Haupte ist bewacht! Hie und da auf öffentlichen Plätzen und hochgelegenen, be­herrschenden Punkten, nicht in herausfordernder Zahl, doch in deutlicher Mahnung, find Geschütze und Maschinengewehre aufgebaut: Ruhe gehalten, sonst!!

Vollreife, lebenbewährte Männer sind es fast ausnahms«. los, aus denen dies Besatzungsheer sich zusammensetzt. Fern von Weib und Kind, Freund und Gewerbe, halten sie hier aus in hartem Dienst. Es ist kein besonderes Vergnügen, jeden dritten Tag auf Woche zu ziehen und in Sturm und Wetter vor des fremden Landes Staats-, Repräsentations- nnd Finanzgebäuden Posten zu stehen. . . . Wohl sausen hier keine Schrapnells, pfeifen keine Mascknnengewehrge» schosse . . . doch dafür fehlt auch die Hochspannung des Kampfes, der Überschwang des Sieges und der trotzige Humor des Schützengrabens. Und hingebungsvolle, selbst­verleugnende Pflichterfüllung ist der Inhalt dieses engge- bundenen Besatzungslebens.

Wie die Hauptstadt, so sind die anderen großen Städte Belgiens, doch nicht sie allein, auch die wichtigeren Plätze de» offenen Landes mit deutschen Truppen belegt. Mannigfal­tige Aufgaben liegen ihnen ob: Sicherung der Grenzen

wider unberechtigte Aus- und Einwanderung, wider Ein­führung verbotener Zeitungen und Spionage, Bewachung wichtiger Bahnstrecken, Brücken, Verkehrsanlagen aller Art. wider böswillige Zerstörung, die da und dort noch immer von hartnäckigen Fanatikern versucht wird. Hier greift die Land­sturm-Kavallerie ein, auch sie aus den deutschen Gaue» hiev»