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Verlag Langgasse 31

„Tagdlall-Haus".

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„Tagblatt-HaiiS" Nr. 6658-53.

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Zrettagp 29. Ianuar 1915. ftbCltö sRUSClCtb^. Nr. 48. . 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Die Lage im westen.

Sie fortdauernden Kämpfe bei La Vassee.

Berlin, 29. Jan. (Ktr. Mn.) Aus Boulogne wird dem „B. L.-A." über London vom 27. gemeldet: Das Gefecht bei La Bassöe dauert fort. Ambulanzzüge kamen bis um 4 Uhr morgens hier an. Eine größere Anzahl weiterer Ver­wundeter wurde abends erwartet. Der Kampf begann am Sonntag; er wurde mit einem Angriff auf die englischen Laufgraben eingeleitet, die von den Deutschen erobert wurden.

Die Stimmung bei den „Oberen Zehntausend" in Paris.

Br. Rom, 28. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der durch feinen Deutschenhaß bekannte römische Kunstschrift, steller AngelieS, der zurzeit in Paris weilt, gibt dem „Giornale d'Jtalia" allerlei Indiskretionen über die Stim­mung der aus Bordeaux zurückgekehrten Oberen Zehntau­send. Diese Gesellschaft ist, wie er schreibt, durchaus fl e p t i s ch. Sie glaubt nicht an die beständigen Siege der Engländer und Russen, verhöhnt Joffre, ja ver» dächtigt sogar die Neutralität Italiens. Alle diese Leute sind nach AngeliS voll Bewunderung für Deutschland. Sie sagen.zwar, daß sie cs hassen, finden Deutschland aber überaus groß, schön, in ä ch t i g und st a r k. und sind von jedem Lob entzückt, das irgendein deutscher Prinz dem fran­zösischen Heer spendet. In einem Augenblick, wo alle Welt Deutschland baßt, sagt er, finden es diese Leute nicht schick, mit der öffentlichen Meinung zu gehen. Darum werdeil sie zu Deutschlands Bewunderern. „Ein wahres Glück, daß wenigstens das französische Volk die Deutschen zu Haffen ver­steht!" (so macht sich der Deutschenhaß des löblichen Herrn Angelis Luft, der wohl aus demselben Hatz auch übertrieben hat. Schrift!.)

par s mißtraut den englischen Berichten.

Nach dem „Berl. Tagest!." schreibt die Pariser „Huma. nitö": „Man mutz die Sensationsmeldungen der meisten

englischen Zeitungen über die Operationen in Flandern sehr vorsichtig aufnehmen. Bisher war man bei ihnen an größere Gewissenhaftigkeit gewöhnt. Seit Wochen berich­ten sie aber Waffentaten, die leider nur in der Ein­bildung ihrer Korrespndenten vorhanden sind. Kaum hatten wir Lombartzhde erreicht, als sie, unverftoren den Ereignissen vorauseilend, den Einmarsch unserer Vor­truppen in Mariakerke und die Bedrohung Ostendes mel­deten. Wie oft schon kündigten sie die bevorstehende Ein. nähme von Roulers an, und doch fehlte so viel, um dies wahr werden zu lassen. Die Absicht der englischen Zeitungen ist zweifellos gut, aber ihre Methode ist verwerflich."

Die Luft^ebiffanyst in Paris.

Tagesfahrtcn französischer Lenkliiftschiffe.

W. T--B. Paris, 28. Jan. (Nichtamtlich. Meldung der Agence Havas.) Französische lenkbare Luftschiffe werken demnächst tagsüber in der Umgebung von Paris Fahrten unternehmen. Die französischen Luftschiffe dürfen nicht mit den deutschen verwechselt werden. Die französischen sind gelb, die deutschen grau; die französischen führen blan- weiß-rote W'mvel und blau-weist-rote Kokarden. Das Er­scheinen dieser Luftflotte darf demnach keinerlei Beunruhigung Hervorrufen. Sollten deutsche Luftschiffe auf der Fahrt nach Paris gemeldet werden, so würden die vorgesehenen Maß­nahmen, insbesondere die Verfolgung durch das Luft-, zeuggcschwader, welches das befestigte Lager von Paris schützt, sofort Anwendung finden.

„Dem Frieden entgegen."

W. T--B- Paris» 28. Jan. (Nichtamtlich.) Auf dem Bahnhof zu Grenoble beschlagnahmte die Polizei ein Paket Flugschriften, betitelt „Vers la paix". Man vermutet das Bestehen einer Organisation, die mit dem Feinde in Ver­bindung steht. (Solcher Mittel bedarf es für uns nicht. Schriftl.)

Millerands Befriedigung über seinen Londoner Besuch.

W- T-B. Paris, 28. Jan. (Nichtamtlich.) Nach dem „Gaulois" machte Millcrand in der H e e r e s kom­mt s s i o n des Senats ausführliche Mitteilungen über sei­nen Londoner Besuch und erklärte, die militärischen Vorbe­reitungen Englands überstiegen alle seine Hoffnungen.

Oie Kämpfe im Argonnerrvalö.

Line anschauliche Schilderung aus dem Großen Hauptquartier.

W. T.-B. Berlin, 28. Jan. Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben^

I.

Im Kriege 1870 haben die Argonnen keine Rolle ge- spielt. Das Waldgebirge wurde zwar bei dem Marsche auf Sedan von deutschen Truppen durchzogen, die dabei wegen der spärlichen Ortschaften und des Wasser­mangels litten. Es fanden darin aber keinerlei Kämpfe statt. Solche gab es auch nicht, als die Armee des Kronprinzen von Preußen zu Anfang September 1914 zwischen Argonnen und Verdun südwärts gegen die Marne vorrückte. Auch Mitte September noch war der Wald frei vom Feinde gewesen. Die Sache änderte

sich, als zu Beginn des sich nunnrehr entwickelnden Stellungskampfes das deutsche Westheer eine Linie ein­genommen hatte, die von Reims her in westöstlicher Richtung nach der Maas bei Cronsenvoy führte. Zwar erwartete man anfänglich auch jetzt noch keine Walö- kämpfe. Die deutschen Truppen führten vielmehr bei Binarville auf der Westseite und bei Chatel auf der Östseite der Argonnen ihre Stellungen bis dicht an die Waldrände heran, während man das Gebirge selbst durch Detachements sverrte. Als aber die Franzosen

westliche Hälfte von annähernd gleicher Größe geteilt und außerdem durch Bahn und Straße Clermont-en- Argonne-St. Menehould in einen kleineren Südteil und einen größeren Nordteil zerlegt. Für den A r­gon nenkampf kommt nur der nördliche Teil des Waldes in Betracht, mit ihm die beiden Straßen Clermont-Fleville und Clermont-Le Four de Paris- Vienne-Ie Chateau, von denen erstere außerhalb der Argonnen, letztere im Tale der Biesme führt. An besseren Querverbindungen durch den Nordostteil der

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namhafte Kräfte in den Wald führten in der augen­scheinlichen Absicht, aus diesem heraus eine umfassende Bewegung gegen einen der am Walde angelohnten, deutschen Flügel einzuleiten, da war der Augenblick ge­kommen, wo die Argonnen eine neue militäri­sche Bedeutung gewinnen mußten.

II.

Der Beschreibung der Kämpfe sei eine kurze Charakteristik der Argonnen vorausgeschickt.

Das Waldgebiet erstreckt sich in einer Tiefe von 40 Kilometer in nordsüdlicher Richtung und hat eine wechselnde Breite von 8 bis 12 Kilometer. Es wird Lurch das Tal der Biesme in eine nordöstliche und süd-

Argonnen bestehen nur die Sträßchen Montblainville- bcrvon-Varennes-le Fours de Paris, als Nordsüdver- öindung nur die aus dem Kamme des Waldgebirges laufende alte Römerstraße. Außerdem sind natür­lich eine Unmenge von Holzabfuhrwegen vorhanden von mehr oder weniger fragwürdiger ^Brauchbarkeit. Diese ist von Witterung sehr bedingt. Bei feuchtem regnerr- schen Wetter verwandeln sich die Wege wegen ihrer lehmigen Bodenbeschaffenheit bald in grundlose Sümpfe.

Das Waldgebiet ist eine Mittelgebirgslandschaft, die etwa den flacheren Teilen des Thüringer Waldes