Wiesbadener TsgblK
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Donnerstag» 28. Januar 1915.
Kaifers Geburtstag.
Ein Lelegrammwechsel zwischen dem Bönig von Bayern und dem Baiser.
W. T-B. München. 27. Jan. (Nichtamtlich.) Wie die „Korrespondenz Hofmann" meldet, fand zwischen König Ludwig und dem Kaiser nachstehender Telegrammwechsel statt: „In schlichter Einfachheit begehst du heuer deinen
Geburtstag mitten in Feindesland. Nicht in festlichem Jubel kommt zum Ausdruck, was Deutschlands Fürsten and Stämme für den Kaiser fühlen und denken, aber ein heißes Gebet senden wir alle zum Himmel: Gott
schütze und erhalte den Kaiser, er führe ihn und das in heldenhaften Kämpfen bewährte deutsche Heer zum Siege. Er laste dem deutschen Volke in seinem neuen Lebensjahre nach ruhmvollem Freden eine glückliche Zukunft erblühen. Dies ist tm innige, von Herzen kommende Wunsch, den ich, mein Haus und mein ganzes Land dir zum Geburtstage weihe. In alter Treue Ludwig."
„Ich danke dir innigft für die freundlichen Segenswünsche. zu meinem Geburtstage. Wenn das Vaterland heute mit Zuversicht die siegreiche Beendigung des uns 'aufgezwungenen Existenzkampfes erhofft, haben deine b r a » ven Bayern dazu durch ihren Heldenmut rühmlich beige- ,tragen. Gott der Herr sei auch ferner mit unserer gerechten Sache. Mit herzlichen Grützen in treuer Freundschaft und Verehrung Wilhelm."
DaS Glückwunschtelegramm des Königs von Sachsen.
W. T.-B. Dresden, 27. Jan. (Nichtamtlich) Der König hat an den Kaiser nachstehendes Telegramm gerichtet: „Seiner 'Majestät dem deutschen Kaiser, Großes Hauptquartier: Zu Deinem Geburtstag bitte ich Dich, meine innigsten, treuesten Segenswünsche entgegenzunehmen. Hast Du diesen Tag bisher in Zeiten friedlicher Entwicklung feiern können, welcher Dein volles, segensreiches Walten galt, so trittst Du heute Dein neues Jahr inmitten der deutschen Truppen an, die Schulter an Schulter mit unseren tapferen Verbündeten so glorreich das Vaterland in diesem heiligen Kriege beschirmen, den Hast und Mihgunst uns aufgedrungen hat. In dieser Zeit, in welcher die opferbereiteste Vaterlandsliebe und ein unerschütterliches Vertrauen in unsere gerechte Sache und un- . ser gutes Heer das ganze deutsche Volk so herrlich einen, weist ich mich eins m i t j e d e m Deutschen, wenn ich Deiner vor dem Allmächtigen mit der Fürbitte gedenke, daß er auch -Dir in dem neuen Jahre Kraft verleihen und Dir und uns Men einen endgültigen Sieg schenken möge, den wir nach der reichen, von Gott unseren Waffen schon erwiesenen Gnade für einen glücklichen, dauernden Frieden zuversichtlich erhoffen."
Der Festgottesdienst im Berliner Dom.
W. T.-B. Berlin, 27. Jan. (Nichtamtlich.) Zur Feier von Kaisers Geburtstag wurde im Dom ein 'FestgottesÄienst abgehalten. Eine große Menschenmenge begrüßte die Kaiserin bei der Anfahrt mit Hoch- rufen. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz erfüllt. Dem Gottesdienst wohnten außer zahlreichen Mitgliedern der Hofgesellschaft die anwesenden Staats- minister und Staatssekretäre mit Staatssekretär Dr. D e l b r ück an der Spitze bei, ferner die Gesandten der Bundesstaaten, die Mitglieder des diplomatischen Korps, die Spitzen der Reichs-, Staats- und Kommu- jnaDehörden und der militärischen Behörden, die Präsidenten der parlamentarischen Körperschaften und viele
Morgen - Ausgabe.
Mitglieder der Parlamente mit ihren Damen. Auch ' verwundete Krieger und Offiziere waren erschienen. Während des Orgelvorspiels betrat die Kaiserin die kleine rechtsseitige Loge im Altarraum, mit ihr die Kronprinzessin und, die Prinzessinnen August Wilhelm und Friedrich Leopold. In der gegenüberliegenden Loge nahmen die anwesenden Prinzen Platz. Nach dem Chor- und Gemeindegesang hielt Oberhofprediger Dr. D r y a n d e r die Festpredigt. Er führte darin u. a. aus, welche Tragik im Leben des Kaisers liege, daß der friedfertigste F ü r st über dem friedfertig st en Volke in den o l u t i g st e n Krieg der Weltgeschichte hinein- gezerrt wurde. Aber der Kaiser stehe nicht allein, denn ein f e st e s Band verbinde Volk und Kaiserhaus. Das Niederländische Dankgebet schloß den Gottesdienst.
Die Feier im Berliner Rllthaus.
W. T.-B. Berlin, 27. Jan. (Nichtamtlich.) Heute mittag fand im Rathaus eine schlichte Kaisers-Geburtstagsfeier statt. Nach einem Vortrag des Philharmonischen Orchesters hielt Oberbürgermeister Dr. W e r m u t h eine Rede, in welcher er sagte: Der Kaiser feiert dieses Jahr den schönsten Geburtstag seiner Regierungszeit. Heute durchdringt ihn und uns das fteudige Bewußtsein der Verantwortlichkeit für das, was noch geschehen mutz, um das Reich über die Zeit schwerster Anfechtung siegreich hinaufzuheben. Deutschland darf dankbar sein für das, was der Kaiser, die Feldherrn und die Soldaten und Seeleute erreicht haben im Kampfe mit Feinden rings umher. Die Feinde suchen das kriegerische, gesittete und gerechte Volk der Deutschen mit dem Makel der Barbarei zu beschmutzen, in demselben Atem drohend, Deutschlands Städte und Dörfer, Frauen und Kinder mit unerhörter Grausamkeit zu überziehen. Der Oberbürgermeister wies auf die Tätigkeit der Daheim- gebliebenen im Interesse unserer kämpfenden Heere wie auch hinsichtlich der Befolgung der wirtschaftlichen Maßnahmen für die Sicherunng der Bolksernährung hin und schloß: So umschlingt ein Band der Fürsorge, Sorge und hoffenden Freude unser Volk und verbindet es mit dem Kaiser. Unser Kaiser steht seit dem Ausbruch des Krieges als Monarch und Mensch unserem Herzen näher denn je. Er selbst fand dafür den Ausdruck: „Ich kenne keine Parteien mehr." Das Wort wird uns durch den Krieg in den Frieden hineinleiten.
Die Feier in Straßburg i. E.
W. T.-B. Straßburg, 27. Jan. Kaisers Geburtstag wurde heute in besonders ausdrucksvoller Weise festlich begangen. Die Straßen und Häuser haben wohl selten einen s o reichen Flaggen schmuck angelegt. Feierliches Geläute sämtlicher Glocken am Vorabend und frühen Morgen leiteten den festlichen Tag ein. Um 10 Uhr vormittags fand Feldgottesdienst für beide Bekenntnisse auf dem Kleberplatz statt, bei dem sämtliche Truppenteile der Festung durch starke Abteilungen vertreten waren. Vom Feldaltar aus, der auf den Stufen des Kleberdenkmals errichtet war, hielt Militäroberpfarrer Konsistorialrat Walther eine kurze Ansprache, worauf Prälat Wilhelm eine sttlle Messe las, während das Garnisonmusikkorps mehrere Gesänge vorttug. Während der ganzen erhebenden Feier umflogen mehrere Flugzeuge in beträchtlicher Höhe den Platz. Nach beendetem Gottesdienst richtete der Oberkommandierende, Generaloberst v. F a l k e n h a u s e n, eine kurze, zündende Ansprache an die Truppen und brachte ein Hurra auf den
Nr. 45. . 63. Jahrgang.
Kaiser aus, bei dem die Musik die Nationalhymne anstimmte. Anschließend fand auf dem Kaiserplatz große Parole- a u s g a b e und Überreichung der von dem Kaiser am heutigen Tage den Offizieren, Beamten und Unteroffizieren verliehenen Auszeichnungen statt. — Die Vereine, Korporationen usw. konnten diesmal den Festtag nicht in der gewohnten Weise begehen, da alle Vereinshäuser, Hotels usw. in Lazarette umgewandelt sind, so daß es an Festsälen mangelt. Der „Straßburger Männergesang-Verein" beging gestern abend Kaisers Geburtstag durch ein Konzert zugunsten des Roten Kreuzes in der Jung-St. Peterskirche mit ausgewähltem Programm. Heute nachmittag fand in der Aula der Universität ein akademischer Akt statt, an dem auch die Shitzen der Zivilbehörden teilnahmen.
Bkgrüßungsaussätze der Wiener Blatter.
W. T.-B. Wien, 27. Jan. (Nichtamtlich). Die Blätter widmen dem Geburtstag des deutschen Kaisers eingehende Besprechungen. Das „Neue Wiener Tagblatt" erinnert daran, daß Kaiser Wilhelm seil dem Tage, da er das erstemal als Gast nach Österreich kam, die Herzen aller gewann durch die schrankenlose Verehrung, die er seinem väterlichen Freunde, dem Kaiser Franz Joseph, bekundet. Das Blatt hebt den Feldherrnruhm, den Kaiser Wilhelm als Kriegsherr des Deutschen Reiches errungen hat, hervor, und verweist auf den gemeinschaftlichen Kampf der verbündeten
SjJCCTC.
Das „Deutsche Boltsblatt" würdigt die großen Verdienste des Kaisers und die so herrliche Entwicklung des Deutschen Reiches aus allen Gebieten, hebt die tteue Wasfen- brüderschaft.der beiden Kaiserreiche hervor und schließt mit den Worten: Auch wir Österreicher stellen uns heute ebenso wie unsere Söhne draußen auf der blutigen Wahlstvtt an die Seite unserer deutschen Brüder und stimmen aus ganzem Herzen in den Ruf ein: Heil Deutschland! und Heil dem Kaiser, dem tteuen Bundesgenoffen unseres allbeliebten Monarchen!
Die „Reichsp»st" sagt: Der Krieg prägt der WeltgeMchte neue Seiten auf, und nach ihm kommt >nit dem Beistand Gottes des Allmächtigen eine neue Zeit mit neuen Aufgaben für die verbündeten Fürsten Mitteleuropas. Gott gebe den beiden verbündeten Reichen und Monarchen bald den glorreichen Sieg unb Frieden.
Ungarische Preffestimmen.
W. T.-B. Budapest, 27. Jan. (Nichtamtlich) Alle Blätter gedenken mit besonderer Wärme des Geburtstages Kaffer Wilhelms. Das „Neue Pester Journal" schreibt: Die Persönlichkeit des Kaisers war niemals so groß, so erhaben, wie in diesem Kriege, den er nicht oe,»wfbeschworen, den er zu verhindern gebrachtet, den er aber, da er ihm aufgenötigt, mit großer Entschlossenheit und Festigkeit zu Ende führen wird. Wir lieben und schätzen ihn als den tteuen Verbündeten unseres allverehrten greisen Monarchen und als Herrscher des mit uns fühlenden deutschen Volkes.
Der ttrieg.
Das Seegefecht bei Helgoland.
Weitere englische Berichte.
London, 26. Jan. Nach einer Reuter-Meldung erzählt ein deutscher Matrose, der in Edinburg interniert ist, die englische Flotte sei in Sicht gekommen, als die deutschen Schisse noch etwa 30 (?) englische Meilen von der englischen Küste entfernt gewesen seien.
Dir rote Klippe.
Bon Karl Onno Eisenbart.
, Grönu is det Luum,
Roat is de Kaut,
Witt is de Sunn;
Deet is det Woapen van't hillige Lunn!
Zum zweiten Male sind in diesem Kriege deutsche und englische Schifft in der Nähe von Helgoland in schwerem Kamvfe aufeinandergestoßen. Es liegt eine gewalttge und ereignisreiche Zeitspanne zwischen dem Heute, wo Helgoland als imponierende, dem tückischen Briten Trub bietende Seefeste des Deutschen Reiches >veit draußen im Ozean verankert ruht, und jenen ftüben Jahrhunderten, ans denen die ersten geschichtlicben Wabrbaftiakeitsn über die Insel durch den dichten Nebel saaenbafter Überlieferungen hindurch erkennbar werden. Die Schicksale "des alttn, wogenumbrandeten Eilandes sind manniafaltiger und bunter, als gemeinhin angenommen wird, dabei so interessant, daß ein kurzer Stteiszug durch die Entwicklungsgeschichte Helaolands wohl der Mühe wert ist. um so mehr, als das Kriegsjahr 1914/15 augenscheinlich ein bedeutsamer Markstein für die Insel zu werden verspricht.
Die Sage singt von einem König Helgo, der in Urzeiten als mächtiger Beherrscher der Nordsee auf dem roten Felsenland seinen Sitz hatte. Es handelt sich hier ähnlich der Loreleisage offenbar um die Identifizierung einer sagenhaften Gestalt mit der Insel selbst, die ja in der Tat als einsamer. hochragender Stein das Meer in weittm Umfange Beherrscht. Ein ostfriesischer Dichter besingt in Anspielung
auf die dem Schiffer gefahrdrohenden Riffe der Insel den
König Helgo und sein adlerscharfes Auge folgendermaßen: Up't Solder baven de Klippenkant,
Dar sitt Könk Helgo von Helgoland.
He mett mit de Ogen de deepe See,
Nümms het een Oge so scharp as he.
Bi des Fiffers geit et van Mund to Mund:
Helgas Oge dat bohrt eem Schipp in den Grund! — Die Sagengestalt König Helgas stammt indes keineswegs aus der ältesten Zeit. Dies geht schon daraus hervor, daß der Name Helgoland erst verhältnismäßig spät enff'tanden ist. In den ersten Jahrhunderten christlicher Zeittechnung führte die Insel zu Ehren des heidnischen Gottes Forsete die Bezeichnung „Forseteland". Um das Jahr 700 gehörte sie zu dem Reiche des ebenfalls heidnischen Friesenkönigs Radbod, der, als er im Jabre 690 von Pipin von Herstall bekriegt wurde, auf das Eiland flüchtete. In dieser Zeit des Aufenthalts. Radbods auf dem Felse weilte auch der angelsächsische Missionar Willibrord dort, der unter der Bevölkerung das Christentum zu verbreiten suchte, sich aber in so scharfem Gegensatz zu den heidnischen Sitten und Gebräuchen setzte, daß er sich den tödlichen Haß Radbods zuzog. Der von Pipin hart bedrängte König wagte indes nicht, den Missionar zu beseitigen. Freilich konnte auch dieser in das Heidentum auf der Insel vorläufig keine Bresche schlagen, und erst um 500 gelang es dem von Karl dem Großen nach Forseteland gesandten Missionar und späteren Bischof Liudger von Münster den Tempel des Heidengottes zu zerstören und einen großen Teil der Insulaner zu taufen. Immerhin ging Lmd- ger als Bekehrer möglichst schonend vor, und wie es in W. 5klopps „Geschichte Ostfrieslands bis 1570" heißt, getreu dem Grundsätze, die vormals heiligen Orte der Heiden auch im Christentum als solche zu belasten, damit die Anhänglich
keit an den Ort bleibe und nur sein Name sich ändere, hieß
er die Insel von da an Helegland, das „heilige Land".
Die nächsten Jahrhunderte sind arni an geschichtlichen Ereigniffen in bezug auf Helgoland. Dagegen hatte die Insel um die Jahrtausendwende schwer unter jenen furchtbaren Sturmfluten zu leiden, die weite Strecken der Nordseeküste zerklüfteten und unter Vernichtung Hunderttausender von Menschenleben beispielsweise den Zuydersee, den Dollart und den Jadebusen bildeten. Wie die Chronisten melden, rissen die entfesselten Elemente in dieser Zeit erhebliche Landstriche der ftüher zweifellos viel größer gewesenen Insel Helgoland hinweg. Nicht weniger als sechs Kirchspiele sollen damals mit dem größten Teil ihrer Bewohner von den Fluten verschlungen worden sein.
Auch in politischer Beziehung scheint die Insel schon früh manche Wandlung durchgemacht zu haben. So gilt es als wahrscheinlich, daß Helgoland im 14. Jahrhundert eine Zeit lang der Herrschaft Jever unterworfen war, an die es „jährlich etwas zu Gerechtsame hat geben müffen". (S. Hamel- mann: Oldenburgisch Chronicon, Oldenburg 1599, Pag. 454). Nach Jever wurde die Insel dänisches Besitztum, bis sie 1386 durch den Vertrag zu Nyborg zusammen mit Nordfriesland dem Herzogtum Schleswig-Holstein einverleibt wurde. Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts spielten sich nicht selten an Helgolands Küste erbitterte Kämpfe zwischen den Flotten der Hansestädte und den „Vitalienbrüdern", jenen Seeräubern großen Stils ab, die mordend und plündernd die Handelsschiffe überfielen. So gelang es z. B. im Frühjahr 1401 den Hamburgern, bei Helgoland den berüchtigten Klaus Störtebecker zu überrumpeln und gefangen zu nehmen.
Die Zugehörigkeit zu Schleswig-Holstein war für die Weiterentwicklung Helgolands von durchaus untergeordneter Bedeutung. Die holsteinischen Herzöge kümmerten sich so gut
