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Mittwoch» 27. Januar 1915.

Kbend-klusgabe.

Nr. 44. ♦ 63. Jahrgang.

Ein bedeutender Erfolg bei Craonne!

Der Tagesbericht vom 27. Januar.

Mehrere Stützpunkte bei Traonne erstürmt;

863 Franzosen gefangen.

Schwere Verluste Ser Russen in Gstpreutzen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 27. Jan., vormittags. (Amtlich.)

westlicher Rriegsschauplatz.

Bei Nieuport und NPern fand nur Artillcrie- tainpf statt.

Bei 6 u i n ch y. südwestlich La B a s s ee, versuchte der Feind gestern abend, die ihm am 25. Januar entrissene Stellung zurückzuerobern. Das Bemühen war vergeblich. Der Angriff brach in unserem Feuer zusammen.

Die schon gestern gemeldeten Kampfe auf den Höhen von 6 r a o n n e hatten volle» Erfolg. Die Franzosen wur­den aus ihren Stellungen w e st l i ch La Ereute Fme. und östlich Hurtebise geworfen und auf den Südkamm des Höhengeländes gedrängt. Mehrere Stütz­punkte in einer Breite von 1406 Meter wurde» von den Sachsen im Sturm genommen; 865 unverwundete Franzosen gefangen genommen, 8 Maschinengewehre er­obert, ein Pionierdcpot und viel sonstiges Material erbeutet.

Südöstlich St. Mihicl nahmen unsere Truppen einen französischen Stützpunkt. Gegenangriffe der Franzosen blieben erfolglos.

In den B o g c s e n liegt hoher Schnee, der unsere Bewegungen verlangsamt.

westlicher Rriegsschauplatz.

Der russische Angriff nordwestlich Gumbinnen machte keine Fortschritte. Die Verluste des Feindes waren stellen­weise schwer.

In Polen keine Veränderung.

Oberste Heeresleitung.

Die Lage im Westen.

Der volle Erfolg bei La BaffSe.

Zu dem gestrigen amtlichen Tagesbericht berichtet das „Wolffsche Telegraphenbureau", daß der Angriff der Badener südlich des Kanals vollen Erfolg hatte.

Die Überreste der belgischen Armee.

Entgegen allen anderen Mitteilungen, die von 100 000 und selbst 200 000 im Felde stehenden Belgiern sprechen, kann nach der „Magdeburger Zeitung" fest- gestellt werden, daß dre ganze belgische Armee nur noch die Kriegsstärke eines einzigen Armee­korps besitzt, worin die vielen Erschöpften, die zur Erholung irach dem Süden Frankreichs geschickt werden mußten, e i n b e g r iffen sind. Von den 200 000 Soldaten, der Höchstzahl, welche die belgische Armee am 15. August erreichte, sind 60000 gefangen, 60000 schwer verwundet, krank und. erschöpft, 30 000 fanden den Tod in den Schlachten, so daß höchstens 50000 Mann übrig ,bleiben. Jede Verstärkung ist u n m ö g l i ch, da die Deutschen keinen waffenfähigen Belgier über die Grenze lassen.

Der schweizerische Oberst Müller über die Rümpfe im Sundgau.

W.T.-B. Basel, 27. Jan. (Nichtamtlich.) Oberst Müller schildert in der „Neuen Zürcher Zeitung" die überaus wütenden Kämpfe^ im Sundgau, nament­lich um die Höhe 425 westlich von Sennheim. Er bemerkt zu der Einschätzung der Feinde: Die Deutschen zollen namentlich den französischen Alpenjägern Lob. Ihrer gewandten und tapferen Haltung fehlte jedoch die zähe A u s d a u e r, als der Erfolg nicht so­gleich dem Angriffsfeuer entsprach, eine Erscheinung, welche von den deutschen Frontoffizieren auch an an­deren Stellen festgestellt wurde. Sehr günstig lautet im allgemeinen das Urteil über die f r a n z ö s i scheu Offiziere, über die ich aus dem Munde deutscher Offiziere oft genug Worte der höchsten Anerken­nung und Achtung hörte. Die Ausbildung der Trup­pen, ihre soldatische Haltung und Ausdauer seien ver­schieden. Tie aus älteren Leuten bestehenden Terri­torialtruppen, welche jetzt vielfach auch als Ge- sechtstnippen in der Front verwendet werden, werden deut'cherseits nicht besonders hoch eingeschätzt. In Anbetracht der sehr schwer anzugreifenden, beherr­schenden französischen Stellungen muß die Wieder­

gewinnung des östlichen Teiles der H öhe 425 als ein schöner taktischer Erfolg und als eine rühmliche W a f f e n t a t bezeichnet werden. Schwierig gestalten sich für die Franzosen in diesem Gelände die rück­wärtigen Verbindungen und damit die Ver­pflegungsverhältnisse. Das Wesserlinger Tal bietet keine große Hilfsquellen, der Transport über die Vogesen erfordert dagegen einen starken Verbrauch an Kräften und Zeit. Insbesondere sei es mit der Ver- Pflegling der kleineren detachierten Abteilungen im Gebirge schlimm bestellt. Aber auch die zwischen T h a n kr und Sennheim stehenden französischen Trup­penteile scheinen_ unter VerpfIe gu ng s m an gel Zu leiden; wenigstens sahen die bei Sennheim gefange­nen Franzosen ab gemagert aus und klagten über H u n g e r.

W.T.-B. akriS, 27. Jan. (Nichtamtlich.) Amt- liches Eonununiquv vom 26. Januar, nachmittags 3 Ahr: Auf der Aserfront rückten die belgischen Truppen um Gebiete von P c r v i s e vor. Bei Tages­grauen unternahmen die Deutschen gegen unsere Schützengräben östlich N p e r n Timen Angriff mit einem Bataillon, der sofort aufgehalten wurde. 300 Tote, darunter der Führer der Schützenkompagnie, sind auf dem Kampfplatz geblieben. Dieser Angriff sollte von Kornpagnien der zweiten Linie unterstützt werden, aber diese konnten unter dem sehr genauen Feuer unserer Artillerie aus ihren Unterständen nicht heranS- konlmen. In La Basste, in Givenchy und Guschy richtete der Feind fünf Angriffe gegen^dre englischen Linien. Nachdem er leicht vorgerückt war, wurde er z n r ü ck g e w o r f e n. Er ließ zahlreiche Tote und 60 Gefangene, darunter 2 Offiziere, auf dem Kampfplatz. Ter Angriff war von einem Diversions- Versuch aus die schwereil Stellen unserer Front begleitet gewesen. (Die Wahrheit darüber sagt der gestrige deutsche Tagesbericht. Schristl.)

Zwischen den Straßen Bethnne-La Fas säe und Nulette-Francyon versuchte der Feind aus den Schützengräben hervorzukomincn, wurde aber durch das Feuer unserer Artillerie und Infanterie augenblicktich angehalten.

Auf der Westfront zwischen Lys und Oise Är- tillcrieduell. Westlich C r a o n n e unternahm der'' Feind hintereinander gestern äußerst heftige An­griffe. Bei dein ersten wurde er zurückgeworsen, ■bei bent zweiten drang er in unsere Schützen­graben ein, aber durch einen energischen Gegen­angriff gewannen wir beinahe das gesamt^ver- lorene Gelände wieder. Der Kampf um die voin Feinde noch besetzten Bruchstücke der Schützengräben dauert fort.

In Ler.Champagnc, wo die Artillerie des Fein, des eine gerilkgcre Tätigkeit als an den vorhergegan­

genen Tagen zeigte, schossen unsere Batterien wirk­sam aus die deutschen Stellungen.

In den A r g o n n e n, im Gebiete von St. Hubert, wehrten wir einen Angrifssversuch ab.

Im Elsaß verwandte der Feind seine Bomben­werfer gegen unsere Stellung beim Hartmanns- Weiler Kops, wo keine neuen Kämpfe stattfanden. Ter Feind beschoß Thann, Lembach und Sennheim.

Die bisherigen Rriegskosten Englands.

W. T.-B. Basel, 27. Jan. (Nichtamtlich.) Die Baseler Nachrichten" melden: In der am 7. Januar abschließenden Woche betrugen nach einer englischen Quelle laut Zwischenbilanz des Schatzkanzlers die Kriegsausgaben 15,3 Millionen Pfund. Die bis­herigen Geiamtkriegskosten betragen 207Millionen Pfund — also über 4 Milliarden Mark.

- W. T.-B. London, 26. Jan. (Nichtamtlich) Einer Mittei­lung des Presscbnreaus zufolge berät das Komitee des Kabi- netts unter dem Vorsitz von Asquith über Fragen der Lebensmittelzufuhr und Preissteigerung.

Zur Seeschlacht in der Nordsee.

Ein weiterer Bericht eines holländischen Rapitäns

W. T.-B. Amsterdam, 26. Jan. (Nichtamtlich) „Tijd" veröffentlicht folgenden, thui ausDmuiden vom 26. Januar zugegangenen Bericht: Der Kopitän des Fischdampfers ,.M i m i", der am Sonntagvormittag 10 Uhr sich zwischen den kämpfenden Kriegsschiffen befand, erzählt über die Seeschlacht folgendes: Wir waren auf dem Wege nach Hause und befan­den uns West-Nordwest von Helgoland, als wir in der Ferne Rynch aussteigen sahen, der sich so schnell näherte, daß wir binnen kurzem große Kriegsschiffe und etwas später sie be­gleitende Torpedoboote sahen. Noch bevor wir ihre Nationali­tät erkennen lohnten, erdröhnten Schüsse, denen Salven folg­ten, von deneiTder ganze Luftraum erzitterte. Riesig hohe über Wasser treibende Rauchwolken entzogen die Schiffe dann vorübergehend unseren Augen. Wir setzten unseren Kurs fort und dachten, aus ihrer Nähe zu kommen. Die Kanonade kaut aber unheilverkündend nahe r, so datz wir schließlich von einer großen Anzahl englischer Torpedoboote umringt waren, die schießend und manövrierend an uns vorbeifuhren. Geschosse^ weiter entfernter Schiffe explodierten ganz in der Nähe, unseres Dampfers. Nachdem der Wind die Rauchwolken vertrieben hatte, sahen wir ein großes Schiff brennen, ein anderes vom gleichen Typ, das von Torpedo­boot e n umschtvärmt war, hatte schwere Havarie. Auf dieses Schiff konzentrierte sich der Angriff. Turmhohe Wasser­säulen stiegen an seinen Seiten empo-r. Wir tonnten die Feuerstrahlen vor den Mündungen der Geschütze sehen, und waren schließlich froh, als der Abstand zwischen uns und de« kämpfenden Schissen immer größer wurde.

Mißtrauen eines schweizerischen Sachverständigen in die englischen Angaben.

Zürich, 25. Jan. Ein Marinesachver.ständiger schreibt in der „Züricher Post", die englische Admiralität fallt« in ihre«