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Berlag Langgaffe 21

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Mittwoch, 27. Januar 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 43. ♦ 63. Jahrgang.

Dem Kaiser Heil!

Unserm Kaiser!

Anders als sonst feiern wir diesmal Kaisers Ge­burtstag, ruhiger und ernster. Der Kaiser selbst hat in seinem aus dem Großen Hauptquartier ergangenen Erlaß vom 13. Januar darum ersucht, daß im Hinblick auf den Ernst der Zeit neben den kirchlichen und Schul­feiern von den sonst üblichen Veranstaltungen abge­sehen werde. Aber wenn wir diese Feier, die uns Deutschen zu allen Zeiten als ein Fest des Volkes galt, diesmal stiller und ernster begehen, so sind die aus eyr- lichstem Herzen kommenden Glückwünsche darum nicht minder heiß und innig.

Wenn wir diese Wünsche sonst am 27. Januar dem Kaiser darbrachten, pflegten wir ihn in erster Reihe als den Schirmherrn des Friedens zu feiern, für den des Reiches schimmernde Wehr nur als eines der Mittel zur Förderung eben dieses Friedens galt. Heute rich­tet sich unser Glückwunsch in erster Linie an den o b e r st e n Kriegsherrn, der draußen im Felde bei unseren tapferen Truppen weilt, wo schon drei seinerSöhne mit ihrem Blute oder ihrevGefundheit dem Vaterlande den Tribut dargebracht haben, den ihm keiner. seiner wehrfähigen Söhne versagt. Die Hohen- zollernfürsten haben es mit dem Amt des obersten Kriegsherrn allezeit ernstgenommen. F"iedrich der Große, Friedrich Wilhelm II., Friedrich Wlhelm III., Kaiser Wilhelm I., der Kronprinz Friedrich, dem es nur so kurze Zeit vergönnt war, Kaiser Friedrich zu sein, sie sind alle Soldatenkönige oder -kaiser gewesen. Kaiser Wilhelm II. hat, wie sein Großvater, den Schlachtenruhm nicht gesucht. Ihm schwebte das Ziel vor, das Kaiser Wilhelm I. am Tage der Kaiserkrönung sich und seinen Nachkommen gesetzt hatte, „allzeit ein Mehrer des Reiches zu sein in den Werken des Frie­dens, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt. Freiheit und Gesittung". Als unser Kaiser den Thron bestieg, wollten Schwarzseher wissen, unter seiner Herrschaft werde bald die Kriegsfurie entfesselt werden, und beson­ders im Auslande unterstellte man ihm solche Gesin­nungen. Gegen diese Verleumdung hat er sich schon als Prinz mit den Worten gewandt, die er im Februar 1888 im Brandenburgischen Provinziallandtag sprach: „Ich weiß wohl, daß im großen Publikum und speziell im Ausland mir leichtsinnige, nach Ruhm lüsterne Kriegsgedanken zugeschrieben werden. Gott bewahre mich vor solchem verbrecherischen Leichtsinn! Ich weise solche Unterstellungen mit Entrüstung zurück." In fast 27jähriger Regierung hat der Kaiser sein Wort wahr­gemacht, hat er sich den Ehrentitel eines F r i «- densfürsten erworben, hat er selbst da Versöhnlich­keit gezeigt, wo Übelwollen und Niedertracht das deut­sche Volk leichtfertig in seiner Friedensarbeit stören wollten. Aber alle Versöhnlichkeit und Nachgiebigkeit hat eine Grenze, und „es kann der Frömmste nicht in

Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht ge. lallt". In 4y 2 Jahrzehnten hat das deutsche Volk ge­zeigt, daß ihm „leichtsinnige, nach Ruhm lüsterne Kriegsgedanken" fern liegen, und es kann diesen Welt­krieg, in den es der „verbrecherische Leichtsinn" seiner Neider und Feinde getrieben hat, vor der Weltgeschichte, die das Weltgericht ist, ruhigen Herzens verant­worten. Wir wissen, es geht ums Ganze, und gerade das erfüllt uns mit ruhiger Gewißheit. „Um Sein oder Nichtsein unseres Reiches", so hat unser Kaiser in dem denkwürdigen Erlaß vom 6. August 1914 gesagt, „handelt es sich, das unsere Väter neu gründeten, um Sein oder Nichtsein deutscher Macht ■ und deutschen Wesens". Wie unser Kaiser aber so sind auch w i r von der unerschütterlichen Zuversicht er- füllt: „Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war." Und, so dürfen wir hinzusügen, nie­mals war es einiger als jetzt. Sonst .haben wir Wohl an Kaisers Geburtstag mit tiefinnerer Befriedigung feststellen können, daß an diesem Tage der Kampf der Parteien verstummt, weil der Monarch über ihnen steh«. Heute können wir diese Feststellung nicht machen, denn seit den denkwürdigen Augusttagen des Kriegs­jahres 1914 gibt es keine Parteien mehr, gilt das herrliche Wort, das der Monarch bei der Eröffnung der Kriegstagung des Reichstags sprach: ,Zch kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!"

Alle Deutschen aber ohne Unterschiede des Standes, der Partei und der Konfession sind heute einig in den Segenswünschen, die wir dem deutschen Kaiser, unserem Kaiser zu seinem 66. Geburtstage dar­bringen. Der Wünsche sind es gar viele und herzliche, aber wir fassen sie alle zusammen in den einen, den obersten Wunsch, der alle anderen in sich schließt, daß es dem Kaiser in nicht zu ferner Zeit beschießen sei, a I s Sieger an der Spitze der ruhmgekrönten Truppen heimzukehren, daß es dem Monar- chen vergönnt sein möge, seinen 57. Geburtstag als das zu feiern, was ihm als das Ziel seines Strebens und Lebens sogar dann dorschwebte, wenn er mit heiligem Eifer des Reiches Rüstung zu Lande, zu Wasser und in der Luft betrieb: als Friedenskaiser.

Oer Krieg.

Die Seeschlacht ln der Nordsee.

Schilderungen aus einem englischen Blatt.

Br. Amsterdam, 26. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Marinemitarbeiter der „Daily Mail" betont, daß das Ge­fecht in der Nordsee die bisher größte Seeschlacht des Krieges gewesen sei. Mit Ausnahme des „Blücher" waren alle deut­schen Schiffe an dem Angriff aus Scarborough beteiligt. An Stelle des Kreuzers „Blücher" nahm damals der Kreuzer „Von der Thann" an dem Angriff teil. Zum erstenmal kämpf­ten jetzt in der Nordsee Dreadnoughts gegen

Dreadnoughts. Daß sowohl bei den Falklandsinseln wie in der Nordsee die Engländer in der Übermacht waren, sei der Strategie der Admiralität zu verdanken. Vizeadmiral Beatty habe eine Übermacht in der Artillerie gehabt, die seine Leute . vorteilhaft zu verwenden wußten. Die englischen Schlachtschiffe seien von kleinen Kreuzern und einer Torpedo­jäger-Flottille begleitet gewesen, vermutlich der berühmten dritten Flottille, die unter dem Kommando des Commodore Tyrrwhitt stand, dessen Flagge auf der „Arethusa" wehte. Diese dritte Flottille habe bereits an verschiedenen Gefechten teilgenommen. Die deutschen Schlachtschiffe wurden von einem gleichen Geschwader begleitet. Zweifellos beabsichtigten sie ein neues Bombardement von Aarmouth, Hartlepool, Scarborough und anderen Küstenplätzen.

Am Sonntag herrschte nebliges Wetter. Die deutschen Kreuzer sollen sich in schnellster Fahrt befunden haben. Sie fuhren vermutlich 24 Knoten, denn 28,8 Knoten ist die größte Geschwindigkeit des „Blücher", und jeder Admiral hält sich einen Geschwindigkeitspunkt in Reserve. Der Kommandant der Flotte war vermutlich Admiral Hipper, dessen Flagge auf der „Seydlitz" wehte. Die Schiffe waren klar zum Gefecht. Plötzlich kamen aus dem Nebel die Umrisse des Schlachtschiffes „L i 0 n" zum Vorschein. Diesem folgte der größere „T i g e r", ein funkelnagelneues Schiff, und dahinter dampften „P r i n - ceß Royal" und „New Zeeland". Den Schluß bildete die „I nd 0 m i t a b l e". Sofort wurde Volldampf voraus! kommandiert und alles aus den großen Turbinen herausge- holt. Die großen Schlachtschiffe liefen nun 28 Knoten, die höchste Geschwindigkeit, die sie erreichen können. Diese drei Knoten Mehrgeschwindigkeit machte es den Deutschen unmög­lich, dem Kampf auszutveichen.

Den Verlauf der Schlacht schildert die „Daily Mail" fol­gendermaßen: Die Geschütze eröffneten das Feuer auf den „Blücher", der als langsamstes Schiff des deutschen Ge­schwaders zum Schluß fuhr. Die Hinteren Schftfe sollen mit ihren Verdeckkanonen gleichfalls auf den „Blücher" gefeuert haben, so daß dieses Schiff unter ein mörderisches Feuer ge­kommen sein muß. Die Geschosse des „Blücher" konnten zwar ungeschützte Teile der englischen Schiffe zerstören, aber ihre Panzerung nicht durchdringen. Der „Blücher" soll von einem Eisenregen überschüttet worden sein, und als eine 34- Zentimeter-Granate explodierte, wirkte das wie der Ausbruch eines Vulkans.

„Daily Telegraph" nennt die Schlacht einen Triumph der Schlachtkreuzer. Dieser Schiffstyp sei der einzige gewesen, welchen die Deutschen für ihren Küstenangriff ge­brauchen konnten, und auch der einzige, der diesen Angriffen ein Ende bereiten konnte. Die Schlachtkreuzer seien mit Kanonen des gleichen Kalibers wie die Schlachtschiffe ausge­stattet: sie hätten aber 6 bis 7 Knoten mehr Geschwindigkeit.

Beschädigungen der englischen Scknff« zugegeben.

Sr. Haag, 26. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)

Wie das „Handelsblad" in einer Privatmeldung mitteilt, haben sich die englischen Panzerkreuzer „Prinzeß Royal" und „R e w Z e e l a n d" ins D 0 ck begeben zur Ausbesserung der in der Seeschlacht erlittenen Bschädigungen. Die Behauptung, daß die englischen Scestreitkräfte keinen

Zum 27. Januar 1918.

In allen Gauen uns'res Vaterlandes Seh'n hell wir lodern der Begeist'rung Flammen, Die Not der Zeit führt Deutsche jeden Standes Des Kaisers Fest zu feiern, heut zusammen.

Ein leuchtend Bild in dieser Welt voll Sorgen, Seh'n wir die Herrscherpflichten ihn erfüllen Mit starker Hand, mit eisensestem Willen,

Nicht rastend spät am Abend, früh am Morgen. Was Ahn und Urahn wohlbedacht geschaffen.

In langer Friedenszcit hat er's vollendet,

Wohin der Deutsche auch die Blicke wendet.

Trifft er ein mächtig Volk in Wehr und Waffen. Heil uns, daß solch ein Kaiser uns beschert ist,

Den seine Feinde stets beneidet haben Um diese Fülle edler Geistesgaben —

Ein Volk hat stets den Führer, den es wert ist! Laßt den Franzosen ihren Phrasenhelden,

Der nur noch lebt von fein erfund'nen Lügen, Und um die Angst des Volkes zu betrügen, Tagtäglich große Siege läßt vermelden.

Laßt Englands Helden ihre Eigenliebe,

Mit der ihr Räuberhandwerk sie verrichten. Indessen ihre Reihen wir vernichten Durch deutsche Schiffe und durch deutsche Hiebe! Die Deutschen prahlen nicht — in deutscher Treue Wird sich sein Volk um seinen Kaiser scharen,

Und alles, was Der ihm verhieß seit Jahren, Erfüllt sich jetzt mit Gottes Hilf aufs neue.

Uns schrecken nicht der Feinde bunte Scharen —

Und wie sie einstmals in der Hermanns-Schlacht Die Römerherrschaft jäh zu Fall gebracht —

So erbten wir die Kühnheit der Barbaren.

Wir werden nie ein fremdes Joch ertragen — Noch schmettern unsre todesmut'gen Reiter Den Feinden ihr „bis hierher und nicht weiter"

Ins Angesicht, so oft den Kampf sie wagen,

Wir werden Söldner nie ins Feuer führen — ,

Wir werden niemals unser Wort verbürgen,

Um hinterrücks den Gegner zu erwürgen,

Wir stellen uns mit offenen Visieren.

Noch sucht des Kaisers Schöpfung, die Marine,

Mit Hellem Auge und mit steifem Nacken Den Feind im eig'nen Meere anzupacken,

Nicht fürchtend Panzer, Küstenschutz und Mine. Noch seh'n wir mutig durch die Lüfte jagen Bald die Zepp'line, bald die flotten Tauben,

Dem Feinde seine Sicherheit zu rauben.

Und Angst und Schrecken ihm ins Land zu tragen. Und wenn sie heut' im Schützengraben liegen,

Die Enkel und die Söhne uns'rer Ahnen,

Die stets den Sieg gebannt an ihre Fahnen,

Dann wiffen wir zu Hause, daß sie siegen!

Ein dreifach Hoch dem Hohenzollern-Erben,

Dem Führer, dem das ganze Volk vertraut.

Und der von langer Hand schon vorgebaut,

Zu schützen, was sein Ahn einst tonnt' erwerben! Siebzig Millionen jubeln ihm entgegen,

Siebzig Millionen treuer, deutscher Seelen,

Wenn die ihm helfen, kann der Sieg nicht fehlen — , Der Kaiser hurra, hurra, Glück und Segen!

Moritz Bacher.

Kriegsbriese aus dem Osten.

Von unserem zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter.

Gefechte bei Rsdzsriowo und Bir;ne-

Ratowo bei Radzanowo, 19. Januar.

Tie deutschen Haupistellvngen liegen in unregelmäßigem Halbkreis um die Stadt MIawa in Entfernung von einer ganzen Anzahl von Kilometern. Im Osten und Nordosten, macht sumpfiges Gelände einen Angriff fast zur Unmöglich­keit. Nach Richtung Radzanowo und Biezne sind die Vertei­digungsanlagen außerordentlich stark ausgebaut.

Wir fuhren in der Frühe, die Stellungen zu sehen, in Be­gleitung unseres Kürassierleutnants vom Armee-Oberkom­mando 8 und eines Generalstabshauptmannes von der Mlawa-Armee. Man hat Zeit und Ruhe gehabt auszubauen, denn die eigentliche Linie ist über dreißig Kilometer weiter vorgeschoben, so hat man ganz ausgezeichnete Anlagen mit Benutzung aller Erfahrungen, die der Schützengrabenkrieg gezeitigt hat, Herstellen können. Für die in Reserve liegen, den Truppen sind ganze Erdwohnungen und Schlaftäume in die leicht ansteigenden Erdwellen eingegraben.

Ich sah einen Raum, der für zwanzig Mann bestimmt war. Ein langer Laufgraben, der tief eingeschnitten war, führte zu dem Eingang, den eine sauber gezimmerte Tür ordentlich verschloß. Die Wände innen waren sorgfältig mir Brettern verkleidet, nach der rückwärtigen Seite hatte man einen schmalen Schacht durch das Erdreich gegraben und ein kleines Fenster angebracht. Rechts und links war der Raum zu drei Vierteln von abgeteilten Strobschütteri eingenom­men. Gegenüber dem Eingang stand ein weißer einfacher Kachelofen, um den herum Platz für tannenc Bänke ausae-