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i «r-.« i Morgen-Beilage de; Wiesbadener Tagblatts. > - » >

Nr. 2!. Dienstag, 26. Januar. 1915.

Copyright 1014 by Carl Dunker, Berlin. (32. Fortsetzung.)

ver Wagehals.

Roman von Fritz Skowronnrk.

Nachdruck verboten.

„Sagen Sie mal, weshavb ist von Ihren Söhnen keiner ein Grünrock geworden?" ... In demselben Augenblick tvar es ihm peinlich, daß er die Frage getan hatte. Er sah deutlich, wie unangenehm sie dem alten Herrn war. „Entschuldigen Sie, Herr Hegemeister, ich wußte nicht . .

Mit einer Handbewegung schnitt ihm der alte Grün- rock das Wort ad. . . . „Weil ich zu schwach war gegen meine Frau. . . . Der Älteste hat mich auf den Kuren gebeten, ihn Förster werden zu lassen. Mit vierzehn Jahren tvar er auf der Sekunda, obwohl er nie ein Buch in die Hand genommen hat. . . . Aber im Walde wußte er Bescheid und eine Flinte schoß der Bengel.... Ich war zu schwach, meine Frau wollte nicht. . . die wollte mit ihren Jungen höher hinaus. . . . Studieren sollten sie. . . . Sie hat es ja auch durchgesetzt. . . . Na, reden wir nicht darüber. Es ist ja zum Guten aus­geschlagen. . . . Einer von meinen siebzehn Enkeln wird mir jetzt die Freude machen. ... Er ist schon auf ber Akademie in Eberswalde..."

Er trank sein Glas aus und erhob sich. . . . „Es ist Zeit, daß ich nach Hause gehe. ... Wo bloß die Weschkalene bleibt?"

„Ja, jetzt denke ich auch daran. . . . Wollen Sie sich nicht mehr halten lassen, lieber alter Herr? Mir ist die Zeit wie im Fluge vergangen. Nein? Na, dann vielen herzlichen Dank für Ihren Besuch. Wiivden Sie mir vielleicht Nachricht schicken, ob Weschkalene noch bei Ihnen ist. . .?"

Der Hegemeister war kaum hundert Schritt gegan­gen, als Weschkalenes Wagen ihm begegnete. Sie ließ halten und streckte ihm die Hand entgegen. „Komm morgen zu mir, ich fahre noch mm Assessor ran."

«Was bringst du ihm für Nachricht. . ."

„Sehr schlechte, er hat rrckits zu hoffen . . ."

„Sck>ade, ich habe den kleinen Kerl ganz gern."

Der Assessor stand noch vor der Tür und hörte den Wagen kommen. Er trat an den Schlag: „Guten Abend, Weschkalene. . . . Sagen Me ,nir mir ein Wort: ja oder nein."

„Solckie Dinge werden nicht auf der Straße abge­macht, Herr Assessor. Bitte, geben Sie mir Ihren Arm. . . . So, danke. . . . Die Sache ist nicht mit einem Wort abznmachen", fichr sie fort, als sie ihm in der Stube gegenüber saß. „Wera hat uns ein Märchen erzählt, der Mann lebt nicht mehr, er ist im Aufstand gefallen. ... Es ist aber trotzdem noch ein Hindernis vorhanden."

„Was kann das fein? Das muß sich doch beseitigen lassen."

„Nicht so hitzig, junger Freund . . .1 Ja, jetzt fohlen mir alten Frau die Worte. . . . Sagen Sie mal, Herr Assessor, muß es denn durchaus die Wera sein? Sie fassen beide nicht zueinander. Sie sind ein leicht- lediger junger Herr. . . . Sie brauchen eine junge, lebenslustige Frau, jung und schmiegsam, die alles mit

ihnen mitmacht. Die Wera ist schwerfällig, und sie hot in ihrem Leben soviel Schweres durchgemacht, mehr als ich Ihnen sagen kann . . ."

„Sie wollen mrch möglichst schonend vorbereiten Weschkalene."

„Ich will Sie gar nicht vorbereiten. ... Es wär« gar nicht unmöglich. ... Aber das sage ich Ihnen gleich . . . vor ein, zwei Jahren entscheidet sich Wera nicht. Sie hat noch nicht überwunden und wir müssen sie völlig in Ruhe lassen, sonst kommt sie uns ganz aus Rand und Band. . . . Lassen Sie sich von mir alten Frau mal beraten.

„Es geht alles vorüber im menschlichen Leben; auch das Leben geht vorüber. Und deshalb soll man es sich möglichst so einrichten, daß nran am Ende nicht zu viel 3teue zu enrpfinden braucht. . . . Wir Land­leute denken in solchen Fragen ruhiger. . . . Wir wissen, daß man zwei Pferde von verschiedenem Tom- perament nicht zusammenspannen soll. Die niachen sich gegenseitig zuschanden. Und bei den Menschen ist das ebenso. ... Da gibt es immer ein Unglück, wenn sich zwei so verschiedene Brenschen für ein ganzes langes Leben zusammenspannen."

,Ja. Weschkalene, das sagen Sie so, aber wenn das Herz schreit. . ."

„Dann nimmt man es in beide Hände und hält cs fest. . . . Nachher ergibt es sich schon. . . . Sie haben mich aber falsch verstanden. Der Weg ist ja frei bei Wera sür Sic wie für joden anderen. Also gar kein Grund, Trübsal zu blasen. Und nun will ich Ihnen einen Vorschlag machen. Kommen Sie mit mir und leisten Sie einer alten Frau ein paar Stunden Ge­sellschaft. . . . Ihr Auto kann Sic nachher abholen..

„Gern, Weschkalene. ... Ich bin Ihnen ja soviel Dank schuldig . . ."

Als sie in Weschkallen vorfuhren, kam ihnen ein Wagen von der Rampe her entgegen. . . . Das Ehepaar Stcpntat war zu Besuch gekommen mit Adnsche . . . ganz zufällig . . .

24. Kapitel.

Der Forstmeister war mit seiner jungen Frau von «der Hochzeitsreise zurückgekehrt. Beide von der Sonne des Südens tief verbrannt. . . . Telegraphisch hatte er sich jeden feierlichen Enrpsiang verbeten. . . . Aber Weschkalene kehrte sich nicht daran . . .

Auf der Bahnstation stand der Assessor. Freude­strahlend nahm er das Paar in Empfang. . . . Vor der Oberförsterei standen die Grünröcke in Galauniform. Sechs junge Heideläufer bliesen den Fürstengruß. . . . Die Tafel stand gedeckt.

„Ja, ja, man muß sich daran gewöhnen, daß man eine Schwiegermutter hat, die ihre eigenen Wege wandelt", sagte Schräder neckend zu seiner Frau.

Im nächsten Augenblick fiel er der Georginne um den Hals. „Du altes, treues Frauenzimmer, wieviel .Hochzeiten hast du inzwischen zustande gebracht?" Er