Verlag Langgasse 21
„Tagdlari-PanS".
Schalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgens bi« 8 Uhr ihn,»«.
wöchentlich
12 Ausgaben.
Sott
Fernruf:
,.ragl>l»tt-H»u«" Nr. 6658-53.
8 Uhr morgen« bi» 8 Uhr abend;, anher Sonntag«.
fut beide Ausgaben: 70 Big monatlich. M. 8 . - virrreljöhrlich durch den Verlag Langaasie 21. ohne Bringerlod». M vierteljährlich durch alle deutichen Poslaustalten. avsichliehlich
Bellellgeld — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marckrin, !». wwie die Aurgabestelleu in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen Aus-
yym
Anzeigen-BreiS für die Zeile: lS Psg für örtlich- An, eigen im „llrbeitsmarkt" nnd „Kleiner Anzeiger- in einheitlicher E-nsorm: llüPsg. in davon abweichenderBatzauSsührung. sowie sür alle übrigen örtlichen Anzeigen: SN Big. sür alle ailswärtigen Anzeigen: t Mk. iür ör liche Reklamen: 2 MI, sür aurwärtlge Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlousend, nach besonderer Berechnung —
Anzeigen-Anaahme: FürdieAdend-Auig biriLUhr m .. .... .. . ... ^ „„ „ . ... Kür dieAusnabme von Anzeige» an vorgeichriebene»
mirtaa«: für bt* Moegen-Ansa. bi« subr nadmittaqs. Berliner Schriftleitung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Gnntzelstr. 66, Fernspr.: Amtülsland 450 u. 451. Tagen und Blähen wird feine Gewähr iihernominen.
Dienstag, 2b. Januar 1973.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 42. - 63. Jahrgang.
Oer Urieg.
Oie Seeschlacht in der Nordsee.
was die Engländer melden und was sie * verschweigen.
Die Reuterberichte.
W. T.-B. London, 25. Jan. (Nichtamtlich. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Tie Admiralität meldet, datz der Angriff der deutschen Flotte in der Nordsee vereitelt morden sei. Der deutsche Kreuzer „Blücher" sei in den Grund gebohrt worden, zwei andere deutsche Kreuzer schwer beschädigt worden. Kein englisches Schiff sei gesunken.
Die eingehende Nachricht:
Die grötzten englischen Schlachtkreuzer beteiligt. 123 Mann von S. M. S. „Blücher' "e-ettet.
W. T.-B. London, 25. Jan. (Nichtamtlich. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Admiralität berichtet vom 24. Jan.: Heute früh bemerkte ein englisches Geschwader, bestehend aus Schlachtkreuzern und leichten Kreuzern, unter dem Befehl des Vizeadmirals Beatty, und einer Flottille von Torpedobootszerftörern, unter dem Befehl von Kommodore Turrwhitt, vier deutsche Schlachtkreuzer, mehrere leichte Kreuzer und eine Anzahl Zerstörer, die westlichen Kurs verfolgten und sich offenbar nach der englischen Küste begeben wollten. Der Feind kehrte sofort um, als er unsere Schiffe erblickte, wurde aber verfolgt. Um 9,30 Uhr kamen die Schlachtkreuzer „Lion", „Tiger", „Princessc Royal", „N e w Z e e l a n d" und „I n d o m i t a b l e" in ein Gefecht mit den deutschen Kreuzern „D e r f f l i n g e r", „Seydlitz", „Moltke" und „Blücher", der bereits vorher aus der geuerltm?' kam. Zwei andere deutsche Schlachtkreuzer wurden ernstlich beschädigt, konnten jedoch die Fahrt fortsetzen und ein Gebiet erreichen, wo die Anwesenheit vori deutschen Unterseebooten und Minen eine weitere Verfolgung unmöglich machte. Kein englisches Schiff ist verloren gegangen. Die Verluste an Menschen find leicht. Der „Lion", der die Schlachtlinie anführte, hatte nur 11 Verwundete, keinen Toten. Von der Besatzung des Kreuzers „Blücher", die 885 Köpfe stark war, sind 123 Mann gerettet worden.
56 Mann von den Geretteten in Leith gelandet.
W. T.-B. London, 25. Jan. (Nichtamtlich. Meldung des Reuterschen Bureaus.) 5 0 Mann der Besatzung des Panzerkreuzers „Blücher", von denen 23 Mann verwundet waren, wurden heute morgen in Leith gelandet. Die Verwundeten wurden in ein Lazarett übergesührt, die anderen nach Schloß Edinburgh verbracht.
was an den Reuterberichten unwahr ist:
Das also find die Berichte des englischen Bureaus. Entgegen diesem englischen Admiralitätsbericht mutz nach den uns gewordenen Mitteilungen von Wohl unterrichteter Stelle auf die Angaben des amtlichen deutschen Berichtes hingewiesen und noch einmal fest ge stellt werden, datz einer der englischen Schlachtschifflrenzer unlergegangen ist. Eines unserer Torpedoboote hat ihn, der schon stark unter unserem Geschütz- feuer gelitten hatte und auf der Seite lag, durch zwei Torpedoschüsse zum Sinken gebracht. Diese Unstimmigkeit befremdet uns nicht; haben sich doch wiederholt die englischen Berichte als lückenhaft dann erirüesen, wenn cS sich um englische Verluste handelte. Wird doch z. B. der Verlust des Grotzkampfschifses „Audacius" noch immer verheimlicht, obwohl daran nach den veröffentlichten Photographien gar nicht mehr zu zweifeln ist. Ebensowenig haben wir irgend etwas über die schweren Schäden auf englischer Seite in der Schlacht an den Falllands-Jnseln erfahren, während es doch feststeht, datz unsere Panzerkreuzer ganz gehörig um sich gebissen haben und schwer beschädigte englische Schiffe Docks haben aufs.uchen müssen. Dort, wo solche englischen Verluste auf dem fernen Ozean eingctreten sind, war die Verheimlichung mangels deutscher Nachrichtenverbindung oder des Unterganges unserer dabei beteiligten Schiffe möglich. Hier aber, wo viele Zeugen auf deutscher Seite vorhanden waren, sollte man derartige Entstellungen für auSgeschloflen halten. Der Untergang eines der englischen Schlachtkreuzer ist jedenfalls von unserer Seite nicht nur durch die an dem Kampfe beteiligten Schiffe und das zum Schutz gelangte Torpedoboot, sondern auch noch durch ein in der Nähe des Kampfplatzes befindliches deutsches Luftschiff einwandfrei festgestellt. Wir glauben sogar annehmen zu dürfen, datz außer dem Verlust des Schlachtkreuzers auch noch der Verlust zweier englischer Torpcdobootszerstörer nachgewiesen werden wird. Nicht anders ist es mit den Beschädigungen der a» dem Gefecht beteiligt gewesenen englischen Schiffe. Sie lassen sich deutscherseits infolge der großen Gcfcchtsentfernung, nament
lich so weit Menschenverluste in Betracht kommen, nicht genau feststellen, aber so viel scheint festzustehen, datz von deutscher Seite, vor allem auch von dem vorher erwähnten Luftschiff, erhebliche Beschädigungen, so z. B. das Umfallen von Masten, Z e r st ö r u n g von Schornsteinen, hat beobachtet werden können, so daß auf weitere Verletzungen und vor allem auch auf Menschenverluste ohne weiteres geschlossen werden darf. So weit uns jetzt Mitteilungen über den Verlauf des Gefechtes vorliegen, scheint es sich um den Kampf zweier Linien gehandelt zu haben, der sich auf östlicher Kursrichtung entwickelte. Daß aus dieser nach der deutschen Bucht gerichteten Kursrichtung, für deren Wahl für den deutschen Admiral wohl nur taktische und artilleristische Überlegungen maßgebend gewesen sind, von englischer Seite der Schluß eines deutschen Zurückweichens gezogen wird, kann nicht weiter wundernehmen. Aus der Kursrichtung der kämpfenden Geschwader mag sich auch erklären, datz der überlebende Teil der Besatzung unseres „Blücher", der infolge den einer Maschinenhavarie zurückgeblieben war und bei den! kurz vor seinem Untergang eine Detonation beobachtet wurde, später von hinter der Front stehenden leichten englischen Streitkräften 'ausgenommen wurde.
Die englische Übermacht in dem Seegefecht.
Gegen welche Übermacht die deutschen Kriegsschiffe bei ihrem kühnen Vorstoß anzukämpsen hatten, geht aus folgender Zusammenstellung hervor: Danach hatten die an dem Kampf beteiligten deutschen Panzerkreuzer folgende Wassei-verdrangung: „Derfflinger" 26 600, „Seydlitz" 25 000, „Moltke" 23 000 und „Blücher" 15 800 Tonnen, insgesamt also 89 400 Tonnen; die englischen Schlachtschiffe hatten dagegen folgende Wasserverdrängung: „Lion" 30 000, „Tiger" 29 000, „Princesse Royal" 26 800, „New Zeeland" 19100 und „Jndomitable" 17 600 Tonnen, zusammen also 122 500 Tonnen. Dem entsprach auch eine gewaltige Überlegenheit an Artillerie.
Ein holländisches Zeugnis gegen die Engländer.
W. T.-B. Amsterdam, 25. Jan. (Nichtamtlich.) „Alge- mcen Handrlsblad" meldet aus Amuiden: Der Kapitän des Fischdampfers „Erica", der sich am Sonntag nicht weit von der Seeschlacht entfernt befand, erzählt, daß zwei englische Kriegsschiffe getroffen worden seien; das eine mittschiffs, das andere am Achterdeck.
Also auch hier aus neutralem Munde eine B e - ft ä t i g u n g der deutschen Meldungen.
Dazu meldet die „Franks. Ztg." aus Holland folgende Einzelheiten:
Bericht eines Augenzeugen.
Der Fischerdampser „E r i c a", der von dem Seegefecht überrasch! worden ist, lief heute D in u i d e n an. Der Kapitän erzählte einem Berichterstatter des „Handelsblad" folgendes: Wir waren am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr 120 Meilen südwestlich von Helgoland mit Fischen beschäftigt, als plötzlich der Steuermann ansagte, datz geschossen werde. Kaum waren wir an Deck gekommen, als wir auch schon die deutsche Flotte, die aus einer Anzahl von Kreuzern und etwa 20 Torpedobooten bestand, vor uns auftauchen sahen. Es dauerte nicht lange und es kamen von der gegenüberliegenden Seite 4 englische Kreuzer und ebenfalls eine Anzahl Torpedojäger mit Volldampf angefahren. Plötzlich regnete es Granaten und Kugeln von der Seite der Engländer; sie gingen über unser Schiff hin. Die Deutschen antworteten. Ein englischer Kreuzer bohrte ein großes Schiss des Feindes in Grund. Während die deutsche Flotte stets mehr aus dem Gesichtskreise verschwand, sahen wir noch, datz auch zwei englische Schiffe getroffen waren, das eine Panzerschiff an seinem Achterteil, das andere mittschiffs. Wir tvaren etwa 3000 Meter Von beiden Flotten entfernt, als das Gefecht begann, konnten jedoch den Verlauf gut beobachten. Auch zwei andere Fischerdampfer aus Dmuiden waren in der Nähe, ebenso ein Kauffahrteischiff. Niesenhaste Waffer- strahlen sprangen in die Höhe, wo die Granaten in das Wasser schlugen. Es war ein phantastischer Anblick, den Rückzug und das Sinken des deutschen Kreuzers anzusehen. Wir fuhren dann nach Dmuiden, um einen Bericht über unser Erlebnis zu erstatten.
Der in Holland gehörte Ranonendonner.
W. T.-B. Amsterdam, 25. Jan. (Nichtamtlich.) „Nieuws van den Dag" melden aus Delfzyl vom 24. Jan.: Aus der Richtung Borkum an der ganzen Länge der Groninger Küste wurde von iOy 2 bis 121,4 Uhr heftiger Kanonendonner gehört. Besonders heftig war dieser zwischen 11 und 12 Uhr. Gegen 12 Uhr passierte ein großer Kreuzer aus der Richtung Emden nach der Richtung Borkum. Aus verschiedenen Orten Frieslands wird telegraphiert, datz heute früh von 8 bis 2 Uhr eme heftige Kanonade in nordöstlicher Richtung gehört worden sei.
vier Stunden ununterbrochenes §euer.
Br. Mailand, 26. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie der „Carriers della Sera" aus London meldet, hat die Seeschlacht in der Nordsee bei ununter
brochenem Feuer vier Stunden gedauert. Das deutsche Gkschivader stand niemals still, obwohl es weniger mächtig als das englische war und die deutschen Schiffe geringere Geschwindigkeit und w e n i g e r Geschütze hatten. Der Kreuzer „Blücher" löste sich zuerst aus der Gefechtslinie und kämpfte sehr mutig, aber englische Torpedojäger schnitten ihm die Verbindung mit den anderen Schiffen ab. Das Ergebnis war der Untergang des „Blücher". Die übrigen deutschen Kreuzer wurden bis zu der Zone, wo M i n e n gestreut sind und wo die deutschen Unterseeboote Wache hielten, verfolgt. Dann aber brachen die englischen Kreuzer den Kampf ab.
Der Eindruck in lvien: eine Niederlage der Engländer.
W. T.-B. Wien, 25. Jan. (Nichtamtlich) Zu dem See- gefecht in der Nordsee schreibt die „Neue Freie Presse": In der gestrigen Schlacht war keine spur von strategischer oder taktischer Überlegenheit der englischen Flotte gegenüber der deutschen zu bemerken. Schon die Behauptung des Schlachtfeldes durch die deutsche Flotte und der Rückzug der englischen sind kennzeichnend für den Ausgang. Dieser Rückzug ist nicht gerade e i n M e r k m a l unbeschränkter Seeherrschaft, mit welcher sich Churchill fortwährend brüstet.
Das „Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Wieder bestätigt es sich, datz bei annähernd gleich starken Kräften die Engländer zur See immer unterliegen. Die bewundernswerte deutsche Seemacht darf auf die Schlacht bei Helgoland, dem bisher g r ö tz t e n Ereignis des Weltkrieges zur See, stolz sein, wie auf alles, was ihre prächtigen Blaujacken schon geleistet haben.
Die „Bolkszeitung" sagt: Die deutschen Kriegsschiffe verstecken sich mich t, wie von den Engländern hochmütig versichert wurde. Sie stellen sich den englischen Kriegsschiffen rm offenen Meere. Das Resultat des Kampfes war eine Niederlage der Engländer. Mehr noch als der materielle Verlust kommt fiir Albion der moralische Eindruck der Niederlage in Betracht.
Die Freude im getäuschten London.
Die „F. Z." meldet noch weiter aus holländischer Quelle: Es liegen noch keine Einzelheiten von englischer Seite über das Seegefecht hier vor. Die hierher gelangten Äußerungen englischer Blätter zeigen, daß nach der Hysterie in England infolge der Zeppelinangriffe ein geradezu erstaunlicher Umschlag eingetreten ist, der psychologisch beweist, wie groß die Niedergeschlagenheit vorher gewesen sein muß. Ein Reutertelegramm versteigt sich so weit, daß es sagt: „Nun, wo der „Blücher" zugrunde gegangen ist und zwei andere Schiffe schwer beschädigt sind, ist die Kraft der deutschen Schlachtflotte in dieser Hinsicht auf ein paar Schiffe reduziert worden."
Ein britischer Hilfskreuzer auf deutsche Minen gestoßen.
}Y. T.-B. Amsterdam, 26. Jan. (Nichtamtlich.)' „Nicuwe van den Dag" meldet aus London: Die Admiralität gab gestern bekannt, daß das bewaffnete Handelsschiff „B i k n 0 r", das seit einigen Tagen vermißt wird, als mit den Offizieren und den Mannschaften untergegangen betrachtet werden muffe. Man vermutet, daß das Schiff während des letzten Sturmes untergegangen oder austcr Kurs geraten, auf deutsche Minen gestoßen sei.
Oie Sage im Westen.
Bei Ypern und an der Rüste wieder lebhafter Rampf.
Berlin, 26. Jan. (Kir. Bln.) Nach in Rotterdam vorliegenden Zeitungsmeldungen hat laut „D. Tagecztg." der Kampf bei Ipern seit einigen Tagen wieder an Lebhaftigkeit gewonnen. Man hört Tag und Nacht den Donner der Kanonen. An der Küste sei der Kampf wieder ausgenommen worden.
Ole heftigen Rümpfe im Gberelsatz.
Sr. Kopenhagen, 26. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „National Tidende" wird aus Paris gemeldet: Bei Hartmannsweiler Kopf und in den Argonnen werden die hartnäckigen Kämpfe fortgesetzt. In den Wäldern nördlich Wattweiler rast ein fürchterlicher Kampf, der seit der Nacht zum 20. Januar andauert. Es ist den Deutschen gelungen, die Ruinen des Schlaffes H i r tz st e i n zu erobern.
Die französischen Tagesberichte.
W. T.-B. Paris, 26. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 25. Januar, 3 Uhr nachmittags: In Belgien sind wir östlich von St. Georges leicht vorgerückt. An der übrigen Front Artillerie- kämpfe. Zwischen der Lys und der Oise zeitweilig Aussetzung der Beschießung. In der Front an der A i s n e ist nichts zu melden, außer von Berrh-au-Bac, wo feindliche Gegenangriffs gestern früh abgeschlagen wurden. Die umstrittenen Schützengräben blieben also in unseren Händen. In der Champagne zerstörten wir mehrere deutsche Schanzarbeiten und
