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Verlag Langgaffe 21

„Tagblatt-Ha-s".

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Dienstag, 26. Januar 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 41. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Die Lage im westen.

vie furchtbare Lage um Soiffons.

Br. Amsterdam, 25. Jan. (Eig. Drahtbericht. Krr. Mn.) „Daily Chronicle" meldet aus Paris: Der Kampf um Soissons und der Rückzug der Franzosen haben zahllose Flüchtlinge nach Paris getrieben, die sich zwischen den deutschen und den französischen Feuerlinien befunden hatten. Wie furchtbar es um Soissons herum aussieht, läßt sich erst jetzt feststellen, wo man alles Gehörte zusammenfassen kann. Es ist ein Tal des Todes. Die offiziellen Berichte zählen nur ein paar Dörfer auf, aber Hunderte von ungenann­ten Dörfern kommen dazu. In einem einzigen Distrikt, z. B. in Vicaisne, sind die kleinen Gemeinden so gut wie vom Erdboden verschwunden, denn Woche um Woche sind hier deut- sche, französische und englische Granaten gefallen, bis nur noch Sand und Asche übrig blieben. Es ist vorgekommen, daß die Bewohner in diesen Städten sich manchmal mitten im Hand­gemenge befanden, das sich heute über Marktplätze und Stra­ßen wälzt.

vor und nach der franzSsischen Offensive.

Anläßlich der Feststellung der deutschen Heeresleitung, daß den Franzosen ihre fehlgeschlagene, Offensive einen Verlust von mehr als 150 000 Mann bereitet habe, erweckt eine frühere Angabe von französischer Seite besonderes In­teresse. Vor dem Beginn der Offensive hieß es bekanntlich, Generalissimus Jofsre habe erklärt, er könne den Durchbruch durch die deutschen Linien erzwingen, wenn er 100000 Mann opfere, aber dies wolle er nicht. Vermutlich ge­dachte der französische Heeresführer sich durch diese vorsichtige Wendung für den Fall eines Fehlschlages seiner Offensive -de« Rücken zu decken. Doch es kam weit schlimmer, als selbst Herr Jofsre' voraussah. Er opferte nicht 100 000, sondern mehr als 150 000 Mann, aber trotz dieses Riesenverlustes erzielte er nicht nur keinen Durchbruch, sondern konnte nicht einmal das erfolgreiche Vorrücken der deutschen Truppen an der A i s n e und in den A r g o n n e n verhindern. So illustriert die v o r der Offensive abgegebene Erklärung Jofsres die schwierige Lage der französischen Armee mit einer Deut­lichkeit, für die wir volles Verständnis haben. (Köln. Volksztg.)

vie Wahrheitsliebe der Franzosen u. Engländer

Das „Petit Journal" und die „Times" schilderten ihren Lesern Mitte Dezember 1014 unerhörte Plünderungen und Räubereien der Deutschen in Valenciennes; die Keller würden geräumt, der Wein würde durch besondere Leute verpackt und weggeschickt und ganze Elsenbahnzüge, mit Möbeln beladen, seien nach Deutschland fortgeschasft worden. Die, sofort von der deutschen Regierung angestellten Ermitt- lunaen haben ergeben, daß es sich selbstverständlich wieder um eine jener niedrigen Verleumdungen handele, mit denen gewisse französische und englische Blätter fast täglich ihre Leser zu unterhalten pflegen. Man höre, wie sich der V ü r g e r m e i st e r von Valenciennes über die Ange­legenheit äußert:

Ich erkläre als Bürgermeister von Valenciennes, daß es nicht wahr ist, daß Eisenbahnzüge, beladen mit Möbeln, nach Deutschland geschickt worden sind, wie es in einzelnen französiscben und englischen Zeitungen geheißen hat. Ferner ist es nicht wahr, daß Häuser und Weinkeller systematisch geplündert werden. Der Wein wird für den Bedarf der Truppen ordnungsgemäß eingesordert. Es ist drittens nicht wahr, daß alle Artikel von Wert nach Deutschland geschasst werden, sondern es werden nur solche Waren mit Beschlag be­legt, die für, den, Krieg nutzbar gemacht werden können. Für alle Lebensmittel und Waren wird den Besitzern ein Gut­schein ausgestellt, der mit der Unterschrift eines Offiziers versehen ist.

Valenciennes, 30. Dezember 1014.

Verurteilte Plünderer in Paris.

Br. Basel, 25. Jan. (Eig. Drahtbericht Ktr. Bln.) Vor der 0. Pariser Strafkammer standen 34 Angeklagte unter der Beschuldigung, am 2. August ein Pariser Schuhgeschäft geplündert zu haben. Der Inhaber des Geschäfts, ein Russe, der als Franzose naturalisiert ist, wurde vom Pöbel irrtümlich für einen Deutschen gehalten. Die erregte Menge zerstörte das ganze Geschäft. Unter den Angeklagten befanden sich 27 Frauen. Alle erklärten, sie hätten es für erlaubt gehalten, Schubwaren mitzunehmen, da andere ganze Schürzen doll weagetragen hätten. Die Angeklagten wurden zu je 50 Franken Geldstrafe verurteilt.

Wie man die deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich zu täuschen versucht.

W°. T.-B. Basel, 23. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Baseler Nachrichten" geben einen Auszug aus der Zeitung für die deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich wieder, in der über die eigentlichen Ursachen des Krieges erzählt wird, und nach der man versprochen hat, daß diese Zeitung entgegen der von Deutschland herausgegebenen, die nur Lügen enthalte, nur wahre und geprüfte Tatsachen mitteilen werde. U. a. ist enthalten ein Brief des Abgeordneten Liebknecht über die Ablehnung der Kriegskrcdite, eine Meldung des „Baseler Vorwärts" über die deutsche P etroleum-Te uc- r u n g und ein Auszug eines Artikels von Maximilian Harden aus der „Zukunft". Die „Baseler Nachr." be­merken hierzu u. a.: Man kann anniehmen, daß die Beeiw-

fluflungsversuche ziemlich wirkungslos bleiben werden. Vom Standpunkt der Menschlichkeit sei indessen die Gründung zu begrüßen.

Steuererleichterungen für in Belgien geschädigte Deutsche.

W. T.-B. Brüssel, 25. Jan. Der Gcner-algouverncur hat durch Verordnung bestimmt, daß Ungehörigen des Deutschen Reiches und nichtfeindlicher Staaten aus Antmg Stundung, Teilzahlung oder gänz­licher bezw. teilweiser Erlaß der belgischen direkten Staats-, Provinzial- und Kommunalsteuern gewährt wird, falls Abgabenschuldner infolge des Kriegsaus­bruchs genötigt war, seinen belgischen Wohnsitz oder Aufenthaltsort zu verlassen und dadurch wirtschaftlich so erhldlich geschädigt wurde, daß seine steuerliche Leistungsfähigkeit wesentlich gemindert erscheint. An­träge mit eingehender Begründung unter Beifügung der Steuerzettcl und sonstiger Belege sind an den Präsidenten der Zivilverwaltung derjenigen Provinz zu richten, in der die Veranlagung erfolgt ist.

Der französische Kricgsminister aus London zurück.

W. T.-B. London, 25. Jan. (Nichtamtlich.) Der französische Kriegsininister Millerand, der zu einer Konferenz mit dem englischen Krisgsminister Kitchencr bierhergekommen war, ist nach Frankreich zurückge- kehrt. Er wurde vom König empfangen und besuchte auch Asquich, Grey, Churchill und Haldane.

Die Flucht aus yarmonth.

Br. Kopenhagen, 25. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.s Nach Londoner Meldungen treffen immer noch überfüllte Eisenbahnzüge aus dem Küstengebiet in London ein. Uarmouth ist von über zwei Drittel der Zivilbevölkerung verlassen. Nur die ärmere Bevölkerung nnd die Beamten sind zurückgeblieben. Der Gemeinderat von Uarmauth er­klärt sich außerstande, für die Sicherheit der Bewohner ein­zutreten, falls die Regierung keine energischere Vorsichtsmaß­regeln gegenüber feindlichen Angriffen zu treffen in der Lage sei. ■ . . • .

Die Londoner Luftschiffangst.

Berlin, 25. Jan. Wie die „B. Z." aus Amsterdam meldet, hat der Magistrat von London allen Schulen für den Fall von Lustschiffangriffen V e r- haltungsmaßregeln gegeben, wonach Kinder! von Fenstern entfernt und mehrere Abteilungen nicht aus dcmsilben Stockwerk bleiben sollen. Erst wenn jede' Gefahr vorüber ist, dürfen die Kinder die Schule verlassen.

Der Bericht der Matrosen des „vurward."

Amsterdam, 24. Jan In dem Bericht der „Tijd" aus Hoek va« Holland über die Versenkung des Dampfers „Dur­ward" beißt es daß dem Kapitän des Dampfe:'? von den an Bo-ld gekommenen Offizieren und Mannschaften des deutschen Unterseebootes in einem Tone, der keinen Widerspruch duldete der bestimmte Befehl erteilt wurde, sofort mit der Bemannung das Schiff zu verlassen. „Als die Deutschen sahen, daß Kapitän und Mannschaften nicht deabsichtigten, den Befehlen zu widersprechen, wurden sie im üb igen recht freundlich und korrekt. Die Matrosen des englischen Dampfers legten Wert darauf, das ausdrücklich' festzustellen. NachdAn die Besatzung in den Booten Platz genommen hatte, wurden diese vom Unterseeboot ins Schlepptau genommen und ein Stück fortgeschleppt. Hier mußte die Besatzung eine Weile warten, während das Unterseeboot zu dem ver­lassenen Schisse zurückkehrie und cs versenktc. Dte Matrosen hörten drei aufeinanderfolgende Explosionen . und sahen das Wasser um das Schiff schäumen. Es dauerte etwa 20 Minuten, ehe das Schiff untepesrngen war. Darauf kehrte das Unterseeboot zu den Rettungsbooten zurück und

f ahm sie wieder ins Schleoptau. Fast sechs Stunden ang schleppte es die Rettungsboote nach der Küste zu, bis man um 0 Uhr abends an das Leuchtschiff „Maas" kam. Nun wurde vom Unterseeboot aus kommandiert: „Alles lost", und in voller Fährt fuhr ras Tauchboot fcrt, während die Matrosen ihren Weg weiter zum Feuer­schiff nahmen." _

Von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Der Streit zwischen Sem Zaren und dem Großfürsten Nikolai

wivd von der „Südslawischen Korr." in folgenden Be- trachtungen behandelt, die, wenn sie auch nicht in allen Fällen zutreffen werden, doch manche Wahrheit ent­halten mögen:

„An vertrauenswürdigen Stellen vorliegende Mel­dungen aus Rußland bestätigen die umlaufenden Ge­rüchte über - einen ernsten Konflikt zwischen dem Zaren und dem Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, den man am Petersburger Hose Prätendentengelüste zu verdächtigen scheint. Eine Persönlichkeit, die in den diplamatischen Kreisen der russischen Hauptstadt eine Rolle spielt, soll sich dahin geäußert haben, daß der Zar die Gefährlichkeit der hochstrebenden Pläne des Großfürsten nicht verkenne und seine zahlreichen Reisen an die Front nicht zuletzte den Zweck haben, sich den Soldaten zu zeigen und gewissen geheimen Machen­

schaften der militärischen Agenten des Großfürsten m der Armee selbst durch sein persönliches Auftreten zu begegnen. Man habe am Petersburger Hofe Beweise, daß Großfürst Nikolajewitsch in der Armee dafür Stimmung zu machen versuche, sich in einem gegebenen Monient z-um Herrscher ausrufen zu lassen. Dieser Ge danken gang habe den Großfürsten von dem Moment an geleitet, in dem er schon im Frühjahr des verflossenen Jahres auf eigene Gefahr und hinter dem Rücken des Zaren die ersten geheimen Mobil- m a ch ü n g s m a ß n a h m e n verfügte, um dann schließlich den Zaren vor eine vollendete Tatsache zu stellen und ihnr die Unterschrift für die allgemeine Mobilmachungsorder der russischen Armee abzuzwingen. Auch die Haltung Serbiens sei in erster Linie durch den Großfürsten veranlaßt worden, der seiner­zeit dem Kronprinzen Alexander von Serbien das c n t- scheidende Telegramm eigenhändig gesendet habe, in dem der Großfürst die Mobilisierung der serbischen Armee als Antwort auf das österreichisch-ungarische Ultimatum anordnete. Man wisse heute am Zaren- Hause genau, daß Großfürst Nikolai den Krieg um jeden Preis wollte, um seine eigenen geheimen Pläne zu fördern. In der großen russischen -Öffentlichkeit könne aber der Großfürst aus keine Förderung seiner Pläne rechnen, da er weder persönliche Popularität genieße, noch der Verlauf des Krieges im Lande eine Stimmung erzeugt habe. -d»e geeignet wäre, seine Absichten zu för­dern. Der stille Kampf zwischen dem Zaren und dem Großfürsten finde -das russische Volk auf Seite des Zaren, -da man in Nikolai den em-ntlichen Urheber des unheilvollen Krieges sieht."

Lin russischer Vorschlag zur Behebung der russischen Finanznot.

W. T.-B. Paris, 25. Jan. (Nichtamtlich.) Der Agent des russischen Finanzministeriums macht den Vorschlag, für internationale Verrechnungen zwischen England, Rußland und Frankreich eine internationale Geldeinheit zu schaffen, die nicht mit Gold konkurrieren dürfe und den verbündeten Regierungen die Möglichkeit geben würde, ihre Solidarität in ökonomischer Richtung zu zeigen. Jedes der drei Länder solle 600 Millionen Franken Reichsschatzscheine mit niedrigem Zinsfuß ausgcben, die erst nach Ablauf von 5 bis 10 Jahren nach Beendigung des Krieges getilgt werden. Jeder Staat bekäme die gleiche Menge dieser Reichssckatz- scheine und drei Reichsbanken würden darauf Kredit geben. Jeder Staat darf die Scheine seinen Angehörigen gegen eigene Valuta zu nach seinem Belieben festgesetzten Be­dingungen verkaufen. Nach Beendigung des Krieges ver­rechnen die drei Reichsbanken miteinander. Die unbenutzten Scheine werden von jedem der drei Staaten zurückgenommen. Der Grundgedanke ist, den außerordentlich nied­rigen Kursen der russischen Valuta in Frankreich und England aufzuhelfen, um ohne Goldexport den russischen Kredit in Frankreich und England zu erschließen.

Die deutsche Verwaltung in Polen.

Der frühere polnische Abgeordnete, Rechtsanwalt Dr. v. Dziembowski (Posen), der sich bei Kriegsausbruch als Freiwilliger gemeldet hatte, wurde zum Adjutanten des L o d z e r Kommandanten ernannt.

Rückkehr des österreichisch-ungarischen Thronfolgers aus dem deutschen Großen Hauptquartier.

W. T.-B. Wien, 25. Jan. (Nichtamtlich.) Erz­herzog Karl Franz Joseph ist gestern abend mrt Ge- folge aus dem deutschen Großen Hauptquartier hierher zurückgekehrt.

Der öslerreichikcb - ungarische Tagesbericht.

Die Rusicn im oberen Nngtale blutig zurückgeschlagen. — Ja den Karpathen in den letzten zwei Tagen 1056 Gefangene.

W T-B- Wien, 25. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 25. Januar: In Polen und Galizien keine wesentlichen Ereignisie. Auch an der Nida hat nur lebhafter Geschützkampf stattgefunden. Die zur Wiedergewinnung der von uns eroberten Stellungen im oberen Ungtale und bei Wezerszallas eingesetzt russischen Gegenangriffe wurden blutig abgewiesen. Ein Versuch des Gegners, bei Rapailowa durchzudringen, mißlang vollkommen. Der Feind zog sich über Ziclonaw zurück. Die Kämpfe der letzten zwei Tage brachten uns in den Karpathen 1050 Ge­fangene ein.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Tine Berichtigung russischer Lügen.

W. T.-B. Berlin, 25. Jan. (Nichtamtlich) Das amtliche Petersburger Ncrchrichtenburcau brachte folgende Meldung, die den Weg in die neutralen Blätter gesunden hat: In der Kirche zu Prokhorff (soll heißen Prochow) bei Sochatchew, dem Tau fort des Komponisten Chopin, haben die Deutschen eine dort befindliche Bronzetafel entfernt, die an dieses Er­eignis erinnert. Ferner beschuldigt man sie, die alte katho­lisch e K i r ch e a n g e st e ck t zu haben. Diese ganze Nach­richt ist zweifellos zn dem Zweck erfunden, die polnische Bevölkerung gegen die deutschen Soldaten aufzustacheln. Die neue Chopin-Literatur nennt keine Bronzetafel in der Kirche Prochow, berichtet aber wohl von einem eisernen Obelisken,: