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„Tagblatt -Haus" Nr. 6650-53.
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Montag, 23. Januar 1915.
Abend-Ausgabe.
Nr. 40. ♦ 63. Jahrgang.
Ein Seegefecht in der Nordfee.
Das Treffen nordweMch Helgoland.
Rückzug der englischen Schiffe!
Ein engli.cher Schlachtkreuzer, ein deutscher Panzerkreuzer gesunken.
W. T.-B. Berlin, 25.Januar. (Amtlich.) Bei einem Borsiotz S. M. Panzerkreuzer „Sevd.ty", „Drrfflinger". ,.Moltke" nud „Blücher" in Begleitung von vier kleinen Kruzeri uud zwei TvrpedobootSflvitillen u d.e Nordsee kam cs vormittags zum lÄeffcht zwifcheu uuseren uud de» euglische«« Sire»t- kräfteu in Ltarke von 5 Sch lach kreuzern, me-reren kleine» Kreuzern sowie 28 Tvr- pedovvotszerNvrer». Der Gegner brach »ach 3 Stunden 78 Seemeilen Westnordwest von Helgoland das 8 efecht ab und zog sich zu- ciitf. Nach bisheriger Meldung ist auf englischer Seite ei» Schlachtkreuzer und von nusereu S iffe» derPanzeekrenzer„Blücher" gesunken. Alle übrigen deutschen Streiikrafte find m die Häfen znriickgekehr.
Der stellverlreten! e Chef des Admiralstabs:
B e h n ck e.
Ü»
Also die englische Flotte ist trotz offenbarer großer Überlegenheit diejenige gewesen, die in diesem zweiten größeren Gesecht in der Nordsee, dem ersten, an dem unsererseits Panzerkreuzer beteiligt waren, den Kampf hat abbrechen und sich zurück- ziehen müssen. Der Ausgang ,des Kampfes ist für England wenig rühmlich; er zeigt ihn: aufs neue, welch ernsthaften Gegner es in der deutschen Flotte hat, die wieder die a n g r e i f e n d e gewesen ist und sich nichr in die Häsen versteckt, und sie beweist uns aufs neue, welcher tapferer Geist und Schneid in unseren Blaujacken steckt. Daß wir in dem Tressen auch unsererseits einen Panzerkreuzer verloren haben, ist ein bedauerlicher Verlust an Material, denn die Zahl unserer Panzerkreuzer ist bekanntlich nicht sehr groß und sie war schon geschwächt durch den Verlust von den drei älteren Schiffen „Scharnhorst", „Gneisenau" und „Iorck" wie durch das Ausscheiden der „Goeüen", die dafür auf ihrem jetzigen Betätignngsfelde allerdings um so mehr leistet und der Schrecken der russischen Schwarzemeerslotte ist. Wie groß der Verlust an Menschenleben bei dem Untergang von S. M. S. „Blücher" ist, darüber müssen wir die näheren Angaben des Admiralstabs abwarten. Die Besatzung der „Blücher" betrug 21 Seeoffiziere, 6 Marine-Ingenieure, 2 Marineärzte, 1 Zahlmeister, 12 Fähnriche, 30 Deckoffiziere und 816 Unteroffiziere und Mannschaften, insgesamt 880 Mann. Hoffentlich ist es gelungen, einen großen Teil der Mannschaft zu retten. Ehre dem Andenken der Tapferen, die in diesem Kampfe den Heldentod sür das Vaterland starben!
Auf deuffcher Seite waren 4 kleine, 4 Panzerkreuzer und 2 Torpedobootsflottillen beteiligt. Don diesen hat des Geschick den ä I t e st e n der 4 Panzerkreuzer getroffen. „Seydlitz", „Derfflinger", „Moltke" sind rno derne Großkampfschiffe, — Schlachtkreuzer von 26 600 (die ersten beiden) bezw. 23000 Tonnen. Also Schiffe, wie sie aus englischer Seite anscheinend, soweit man das nach der knappen Meldung unseres Admiralstabs beurteilen kann, in der wesentlich überlegenen Zahl von fünf Schiffen vorhanden waren. Dagegen ist der verlöten gegangene „Blücher" ein schon aus dem Jahre 1908 stammendes, etwas älteres Schiff, das mit seinen 15 800 Tonnen den Übergang darstellt von den Panzerkreuzern, wie „Scharnhorst" und „Gneisenau", die 11 600 Tonnen hatten, zu den wirklichen Großkampffchiffen, die in der englischen Flotte (wie bei der im ersten Gefecht bei Helgoland beteiligten Lionklasse) ans 30 000 Tonnen,' bei uns im „Derfflinger" auf 26 600 Tonnen steigt. „Blücher" ist auf der Kaiserlichen Werft Kiel gebaut, im April 1908 vom Stapel gelaufen und iin Herbst 1909 in Dienst gestellt. Die Bewaffnung des Schisses bestand in zwölf 21-Zentimeter-Geschützen an schwerer, acht 16-Zentimeter-Geschüben an mittlerer und sechzehn 8,8-Zentimeter-Geschützen an kleiner Artillerie und vier Torpedorohren. Die Maschinen entwickelten 32000 Pferdestärken. Demgegenüber muß der Verlust auf englischer Seite^ da es sich dort * am mindestens
ein modernes Großkampf schiff handeln dürfte, wesentlich schwerer ins Gewicht fallen. Nähere Angaben darüber muß man abwarten. Jedenfalls haben unsere an dem Seekampf beteiligten Auf- klärungsschiffo nach chrer neulichen erfolgreichen Fahrt an die Küste von Scarüororrgh und Hartlepool den Briten aufs neue gezeigt, daß unsere Flotte auch mit einem meit überlegenen Gegner den Kampf mit E h r e n besteht.
Oie Bedeutung des Seekampfes. Berliner preffestimmen.
Berlin, 25. Jan. (Ktr. Bln.) Die gestrige schwere Seeschlacht ist, lvie das „Berliner Tageblatt" schreibt, die erste große Auseinandersetzung zwischen deutschen und englischen Streitkräften in' den europäischen Gewässern gewesen nächst dem Gefecht vom 25. August 1914. • Wie damals waren auch diesesmai die Engländer in der Überzahl. Daß wir den Engländern trotz ihrer Überlegenheit den gleichen Schaden zufügen konnten wie sie uns, ist erfreulich. Gleichwohl werde es schmerzliches Bedauern wecken, daß unser Panzerkreuzer „Blücher" in die Fluten sank. Daß die Engländer sich schließlich hätten zurückziehen müssen, lasse darauf schließen, daß das deutsche Feuer ihnen schwerer zugesetzt habe, als nach ihren Schiffsverlusten zu erkennen sei. Der Vorstoß der deutschen Streitkräfte sei wiederum ein Beweis unseres unverminderten Angriffsgeistes, und dieser Geist werde auch durch die natürlichen Verluste, so betrübend sie auch seien, nicht beeinträchtigt werden.
Im „Berliner Lokal-Anzeiger" wird gesagt: Wenn die Briten trotz ihrer Überlegenheit das Gesecht abgebrochen haben, so ist das ein Beweis dafür, daß unsere Artillerie sie gehörig mitgenommen hat. Unsere Seeleute haben — das geht aus den. knappen Worten des amtlichen Berichtes hervor — wiederum ihre volle Pflicht und Schuldigkeit getan und abermals bewiesen, daß auch ein weit überlegenes brstisches Geschwader nicht in der Lage ist, einem kräftigen Vorstoß der Unsrigen stanüzuhalten, geschweige denn, sie einfach zu überrennen.
Die „Bossische Zeitung" hebt hervor, daß nicht die britische Flotte die Angreiferin war, sondern daß unsere Schiffe einen Vo r.st o ß machten gegen einen weit überlegenen Feind, der nach mehrstündigem Kampf das Gefecht abbrach. Die von den Engländern abgebrochene Schlacht wexde .beit Kampfesmut unserer Flotte st ä r k e n, aber in England nicht beruhigen über die aus der Luft und unter dem Passer drohenden Gefahren.
Der Tagesbericht vom 25. Januar.
Arlilleriekämpfe an verschiedenen Punkten der Westfront. Französische Angriffe auf Hartmanns- weiler Ropf verlustreich zurückyeschlagen. — Russische Mitzerfolqe in Gstpreutzen. — Unver- cindexte tage in Polen.
W. T.-B- Großes Hauptquartier, 25. Jan., vormittags. (Amtlich.)
westlicher Nrieassckanplatz.
In der Gegend N i e u v o r t und N v e r n fanden Artil- lerickämpfe statt. Südwestlich Berry-au-Bac ging uns ein vor einigen Tagen den Franzosen entrissener Graben verloren.
Während gestern nördlich des Lagers von Chalons nur Artilleriekampf startsand, kam cs heute dort auch zu Jnfanteriegefechtcn, die nochk andauern.
Im Argonnerwaldc, nördlich Verdun und nördlich T o u l lebhafte Artitterietätigkeit.
Tie französischen Angriffe auf H a r t m a n n s w e i l c r Kopf wurden a b g c s ch l a g e » ; die Kämpfe im Walde sind für die Franzosen sehr v e r l u st r e i ch ; nicht weniger als 400 französische Jäger wurden aufgefnndrn, die Zahl der französischen Gefangenen erhöht sich.
westlicher Nriegsschauplatz.
In Ostpreußen Artilleriekampf auf der Front Löben, östlich Gumbinnen und nördlich. Ter Feind wurde durch unser Jener gezwungen, einzelne Stellungen südöstlich Gumbinnen zu räunien. N o r d ö st l i ch Gumbinnen wurden feindliche Angriffe unter schweren B e r l n st e « für die Nüssen abgeschlagen.
Im nördlichen Polen keine Beründerung.
Östlich der P i l i c a ereignete sich nichts Wesentliches.
Oberste Heeresleitung.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
Radom von den Ruffen bereits geräumt?
Ein Jagdschloß des Zaren von den Kosaken geplündert.
Lr. Wien, 25. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach den Mitteilungen polnischer Blätter soll Radom von den Russen bereits geräumt sein. Wiener Blätter melden, daß die Russen beim Rückzug das Jagdschloß des Zaren in Scieruewicc ausplünderten. Sieben Kosaken sind deswegen von den Russen hingerichtet worden.
Neue Kümpfe an der Weichsel.
Sr. London, 25. Jan. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Bln.) „Daily Chronicle" meldet aus Petersburg: Russische Truppen sind auf dem rechten Ufer der Weichsel mit den Deutschen in Fühlung getreten, und zwar auf einer Front von beträchtlicher Ausdehnung. Von Konopki bis Debrzyn haben die Deutschen sehr bedeutende Truppenmassen konzentriert.
Archangelsk zugefroren.
Stockholm» 34. Jan. Aus Petersburg wird dem Auswärtigen Amt amtlich mitgeteilt, daß die Seefahrt von und wich Archangelsk aufgehört habe.
Oie politische Bedeutung des Sieges in der Bukowina.
Berlin, 25. Jan. (Ktr. Bln.) über die russische Niederlage in der Bukowina wird dein „B. L.-A." telegraphiert: Die Bedeutung des Sieges von Jakobeny ist besonders auf politischem Gebiet sehr groß. Nachrichten aus Rumänien zufolge hat die dortige Öffentlichkeit mit fieberhafter Spannung den russischen Vorstoß gegen Siebenbürgen der- , folgt. Der große österreichisch-ungarische <s i e g hat das russische Prestige in Rumänien stark erschüttert. Militärisch bedeutet die Erstürmung von Kirlibaba das Ende der russischen Offensive im Osten auf lange, wenn nicht auf dauernd. -4
3u den Rümpfen um przemysl.
Zurückweisung der Petersburger Telegraphen-Agcntur.
W- T.-B. Wien, 24. Jan. (Nichtamtlich.) Aus dem Kricgspresseynarticr wird gemeldet: Die Petersburger Tele- graphen-Agentur wendet sich in einer der Forni einem Dementi ähnlichen Mitteilung gegen die Angaben unseres amtlichen Cornmuniques vom 5. Janiuar, daß erfolglos angegriffen werde und daß unter den Einschlietzungstvuppen eine Meuterei ausgebrochen sei. Dem Dementi ist eine Bemerkung beigefügt, daß die Russen vor Przemysl bisher nur 6 0 Mann an Gefangenen verloren hätten. Diese Verlautbarung entbehrt jeder Voraussetzung. Gründe: Von
Przemysl war in dem amtlichen Bericht vom 5. Januar gar nicht die Rede. Unsere offiziellen Verlautbarungen in den Monaten Dezember und Janiuar hatten überhaupt nur in zwei Fällen der Festung Erwähnung getan, einmal bei der Feststellung der das Kriegsrecht verletzenden Tatsache, daß sich russische Abteilungen österreichisch-ungarischer Uniformen ledienen, dann bei der Widerlegung der russischen Zeitungsnachricht, daß die Festung Przemysl am 10. Dez. einen Parlamentär zum Feinde gesandt habe. Es hat ganz den Anschein, als ob die mit mächtigem Aplomb bewirke Veröffentlichung der Petersburger Telegraphen - Agentur lediglich dem Zweck diente, die Welt glauben zu machen, die ' Russen hätten bei Przemysl bisher nur 60 Gefangene verloren, eine lächerliche Angabe, die mindestens 20mal zu vervielfältigen wäre, um annähernd richtig zu sein.
Deutscher Eisenbahnverkehr von Lodz bis Lille!
W. T.-B. Stettin, 24. Jan. (Nichtamtlich.) Seit gestern ist der Personenverkehr Ostrowo-Lodz ausgenommen worden, so daß man nun auf deutschen Bahnen von Lodz nach Lille verkehren kann.
Ein russischer Militärzug verunglückt.
Br. Bukarest, 25. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) „Ruskoje Slowo" meldet: In der Nähe des Baikalsees stieß ein Militärzug mit einein Güterzug zusammen, wobei vier Wagen des elfteren gänzlich zertrümmert wurden. 230 Soldaten des 26. Infanterie-Regiments fanden dabei den Tod. Von den zahlreichen Verwundeten sind noch 14 ihren Ver-, letzungen erlegen.
Ter russische Krieg vor der Kriegserklärung.
W. T.-B. Wien, 24. Jan. (Nichtamtlich.) Wie die „Reue Freie Presse" erfährt, ist der österreichisch-ungarische Konsul in Kiew, Baron Hein, schon zwei Tage vor der Kriegs- ■ erklärung gefangen genommen und in das Landesinnere transportiert worden. Er soll sich jetzt, in einem Petersburger Gefängnis befinden.
Gras Andrafsy gegen die falschen Gerüchte über eine Kricgsmüdigkcit Ungarns.
IV. T.-B. Budapest, 24. Jan. (Nichtamtlich) Graf Julius Andrafsy bespricht in hiesigen Blätcrn neuerlich den Wechsel
