ä) Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblalts. i »— =m
Nr. 20.
Sonntag, 24. Januar.
19l5.
Ovpyrixbt 1814 by Carl Dunker, Berlin. [(81. Fortsetzung.)
ver wagehak.
Roman von Fritz Skawronnrk,
Nachdruck verboten.
Am Nachmittag brachte der »Graf" Febora zur Bahn. Spät abends kam ec zurück. Am nächsten Tage kam eine vierspännige Fuhre und holte die MÄel ab, die nur gemietet waren. Für das kleine Stübchen hatte sich Stanislaw die nötigsten Stücke gekauft. . . . Nun hauste er mutterseelenallein in dein verlassenen Anwesen. Jeden Tag fuhr er ein paar Kisten zur Bahn. Eines Abends kam er nicht wieder. Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von dem Ver-
J chwinden des Barons und seiner schönen Cousine nirch die ganze Gegend. Bauschüs brachte sie zuerst nach der Lbersörsterei und sprach die Überzeugung aus, daß nun die Wilddieberei aushören würde.. Trotz der Entrüstung, die der Baron zur Schau getragen hatte, hielt er ihn für denjenigen, der auf Schnabel geschossen hatte.
Der Assessor dachte zuerst an die Jagd. Die Anzeige gegen Herrn von Zaleski war schon äbgegangen und würde unzweifelhaft zur Folge haben, daß ihm der Jagdschein entzogen würde, wenn er überhaupt schon einen besaß. . . . Jetzt war die Sache mit der Flucht des Barons schneller und besser erledigt.
„Der Gemeindevorsteher wird wohl in den nächsten Tagen bei Ihnen antanzen, Herr Assessor", meinte Bauischus lachend. „Der schwitzt jetzt Angst, denn die Bauern wollen ihn für den Ausfall verantwortlich machen. Sie sind nicht mehr an Ihr Gebot gebunden und brauchen keinen Pfennig mehr zu bieten als bisher gezahlt worden ist. .
In tödlicher Spannung hatte Herr von Sperling auf Weschkalenes Rückkehr gewartet . . . Sie konnte ihn doch nicht ohne Nachricht lassen? Er nahm ein Buch, setzte sich ans Fenster und ließ sich etwas zu trinken bringen. . . . Endlich kam der Hegemeister an- gegangen. Er sah so, vergnügt aus. Sollte der alte Herr ihm persönlich die gute Nachricht, die er erhoffte, bringen?
Durch das Fenster streckte er ihm die Hand entgegen. „Kommen Sie rein. Herr Hegemeister. Was bringen Sic mir? So bitte, nehmen Me Platz. Wollen Sie ein Glas Mosel mittrinken? ... Ich langweile mich gräßlich . . . nein, ich sterbe vor Ungeduld. . . . Bringen Sie mir etwas Gutes? Sie sehen so ver- gnügt aus?"
„Ja, ich habe alle Ursache, vergnügt zu sein. . . . Mir ist etwas passiert, was ich Ihnen heute noch nicht sagen kann."
„Ist denn nicht die Weschkalene J*'t Ihnen?"
„Ja. sie hat mich hergeschickt, Ihnen Gesellschaft ru leisten. . . . Me hat sich jetzt die Wera vorgeknöpft. . . . Ich werbe aus denr Kind nicht klug. ... Es war wohl für sie ein bißchen zu viel aus einmal. Ich habe mich manchmal im stillen amüsiert, wenn Me drei Mann hoch bei mir saßen."
„Wollen Me mir eine Frage gestatten, Herr Hege- meister?"
..Bitte."
„Glauben Sie, baß Ihre Frau Enkeltochter einem der beiden Forstaufscher ein wärmeres Gefühl ent- gegenbringt?"
Krummhaar zog bie Schultern hoch. . . . „Herr Assessor, aus den Weibsleuten bin ich mein Lebtag nie recht klug geworden, und im Alter verliert man das Interesse daran. , . . Der Nante kommt niemes Erachtens gar nicht in Betracht. Der hat das Rennen aufgegeben unb sich getröstet. Der führt jetzt ein Leben wie im Lehm, seitdem er allein mit ber Kvthinka haust. .
„Na und der Mooslehner?"
„Der hat sich nun schon zwei Jahre um sie bemüht."
„Kann man daraus nicht schließen, daß Frau Wera keine Veranlassung empfindet, seine Bewerbung zu ermutigen?"
„Da fragen Me mich zu viel, Herr Assessor, aber Me können recht haben. . . . Wie sie plötzlich ihre Witwenschaft ausgab und den gefangenen Mann auf- marschieron ließ, da wollte sie sich bloß den Mooslehner vom Halse halten. . . . Das weiß ich bestimmt. . .
„Das ist ja sehr erfreulich. . . . Sie glauben also auch nicht an die Existenz ihres Gatten?"
„Offengestanden, nein, Herr Assessor. Sonst hätte sie 'doch die Gelegenheit ergreifen müssen, sich über das Schicksal ihres Mannes Gewißheit zu verschaffen."
„Das meine ich auch, Herr Hegemeister. Trinken Sie aus ... ich verspüre Lust, etwas Besseres zu trinken .. . etwas ganz Exquisites, was nur zu feierlichen Anlässen bestimmt ist."
„Na, na, nicht zu früh, Herr Assessor . . . noch sind Sie nicht über den Berg . .
„Ich meinte bloß den Vorfall, 'der Sie so freudig gestimmt hat
„Sie wollen wohl auf den Busch klopfen? Das hilft bei mir nichts. Aber sagen Sic nial, ist bas wahr, was ich von Ihnen gehört habe. Sie wollen der grünen Farbe untreu werden?"
„Das habe ich wohl in meiner ersten Stimmung hier so hingeworfen. ... Ich habe diese Karriere ohne eine bestimmte' Neigung dafür eingeschlagen. Ich wollte bloß nicht durch einen Beruf dauernd gefesselt werden, wie als Arzt ober Jurist. Hauptsächlich reizten mich die Reisen als Feldjäger. . . . Ich lwbe ja so viel Vermögen, baß ich jederzeit meiner Neigung folgen kann. Wenn mir das Leben als Grünrock nicht zusagt, wollte ich den Dienst quittieren und aus Reisen gehen, um mir die Welt anzusehen. . . . Und schließlich wollte ich mir ein Fleckchen Erde aussuchen, wo es mir sehr gefällt."
„Na und jetzt?"
«Jetzt fordere ich Sie auf, lieber Herr Hegemeister, mit mir aus die grüne Farbe anzustoßen: Es lüde, waS auf Erben stolziert in grüner Pracht. . . . Die Felder und die Wälder, bie Jäger und die Jagd."
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