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Morgen-Ansgar«. Erstes Blatt.
Wiesbadener Tagblatt.
tteine Brötchen auf die Gasthaustffchs j
Von geschätzter Seite wirü uns geschrieben: „Da cs heute ffut, erne möglichst lauge Streckung unserer Getreidevorräre zu erziehen, so müssen wir eben auf Mittel sinnen, dieses Ziel zu erreichen. Ich erlaube unr deshalb, auf eins dieser Mittel, welches meiner Ansicht nach noch nicht erwähnt worden ist, aufmerksam zu machen. Es handelt sich um die Beigabe von
Brötchen zu den Mittag - und Abendmahlzeiten r n d e n G a st w i r t s ch a f t c n. Wer, wie ich, Gelegenheit hat, zuzu,ehen, wie diese Brötchen, meistens kaum ange- knabbert, liegen bleiben und in den Müllkorb wandern, den empört es, einer solchen Mißachtung trotz Warnungen zu spar- samem Umgehen mit unserem Brot täglich zu begegnen. Es ist zu hoffen, daß bei einem Hinweis auf diese Angelegenheit m ^hrem geschätzten Blatte jeder patriotisch denkende und fühlende Mensch — hierzu darf man wohl die große Mehrzahl rechnen — sich der Enthaltsamkeit in dieser Beziehung wahrend der Kriegszeit befleißigt. Muß man unbedingt beim Mittagsmahl Brot haben, so genüge eine kleine Schnitte Roggenbrot, aber mit keiner Überlieferung an den Müll- lorb, also nur so viel, als man zu verzehren gedenkt."
Eins der besuchtesten Berliner Hotels ist in der von dem Verfasser der vorstehenden Zuschrift gewünschten Weise bereits oorgegantzen: „Weißbrot wird nur auf Verlangen gereicht , so heißt es seit Tagen auf den Speisezetteln dieses Hotels. Man begrüßt die Einrichtung um so mehr mit Freude, als wiederholt festgcstellt wurde, daß in verschiedenen Hotels die Änderung unserer Backordnung nur mit Murren ausgenommen wurde, und man trotz „aller patriotischen Gesinnung" es fertig brachte, durch allerhand neue „Mittelchen", wie Toustmaschinen und dergleichen, den Zweck des Nachtbackverbots zu durchkreuzen. Das Vorgehen des Hotels ist ferner auch deshalb höchst erfreulich, weil gleichzeitig an die Stelle des Weißbrots X-Brot gesetzt wurde. Was aber war der Erfolg dieses Vorgehens? Wie der Direktor mitteilt, gewöhnten sich die Gäste so bald an das neue System, daß schon in den ersten Tagen anstatt 1 200 Brötchen am Tag nur 400 gebacken wurden, und auch diese Ziffer wird sich noch in der kommenden Zeit verringern. Man sieht: Der Verzicht des einzelnen bedeutet eine Ersparnis für die Gesamtheit. Wie außerordentlich erwünscht würde es sein, wenn dieses System mit dem so einfachen Motto „Weißbrot wird nur auf Verlangen gereicht", nicht nur in den Hotels, sondern auch i n a l l e n Restaurants und Ga st Wirt schäften Einlaß fände? Hier ist es noch allzu häufig die Furcht, ein „gekränkter" Gast könne in ein anderes Lokal gehen, also die Konkurrenzangst, die von dem rechten Weg abdrängt. Wegen des X-Brotes wird wird kein Gast ausziehen. Aber der bloße Wirtshausbesucher ist vielleicht empfindlicher, so meinen manche Restaurateure. Man lasse eS auf einen Versuch, und zwar einen energischen, ankommen. Hoffentlicht steckt in uns noch so viel Opfersinn und Vernunft, daß wir es dem Wirtshaus hoch anrechnen, wenn es dazu hilft, daß am Brot gespart werde, und wenn es damit seinen Teil an der Kricgsarbeit leistet. Schmachvoll wäre es, wenn Gäste den Wirt an der Erfüllung dieser Pflicht hindern wollten. Darum wünschen wir, daß die Hotelbesitzer und Restaurateure überall dem obigen Beispiel folgen mögen, und daß die Gäste sich nicht dort beschweren, wo sie kein Weißbrot mehr finden, sondern dort, wo es nach wie vor gereicht wird!
Sonntag, 34. Jannar 1913.
Nr. 39.
vorlöufig eine überreiche Versorgung der Truppen mit Liebesgaben.
Wie bereits am 81. d. M. bekanntgegeben worden ist, findet im JanuarkeineAnnahmevonFeldpaketen durch die Militärpaketdepots statt. Veranlaßt wurde diese Maßregel durch die überreiche Versorgung der Truppen mit Feldpaketen und Liebesgaben anläßlich des Weihnachtsfestes. Durch die militärischen Paketdepots gingen nicht weniger a l S 8i/ 2 Dtillionen Weihnachtspakete und dazu kamen Millionen von Liebesgabenpakete. Vielfach konnten die Truppen die ihnen zugegangenen Pakete kaum bewältigen. Da ferner im O st e n bisher noch nicht einmal alle Pakete den Truppen zugestellt werden konnten, hat das Kriegsministerium sich veranlaßt gesehen, anzuordnen, die im Monat Januar beabsichtigte Annahme von Feldpaketen nicht stattfinden zu lassen. Etwa Mitte Februar werden dagegen die Militärpaketdepots wieder geöffnet werden. Die darauf bezügliche Be- kanntmachung wird in Kürze erfolgen.
ZeindeshSnde!
Nach einer Amtsblattverfügung der König!. Eisenbahn- direktion in Berlin ist bei Entladung eines an eine Spreng- stoffabrik gerichteten Wagens mit Kohlen der Gewerkschaft „Fürst Leopold" in Hervet-Dorsten, die zwischen Wesel und Haltern unweit der Grenze liegt, unter den Kohlen ein lufttrockener Schießwollekörper im Gewicht von etwa 64 Gramm aufgefunden worden. Der Sprengkörper war ausländischen Ursprungs und vermutlich dazu bestimmt, die Fabrikanlagen zu beschädigen oder unbrauchbar zu machen, und dadurch die Herstellung von Munition zu stören. Das Eisenbahnpersonal wird daher gut tun, auf Leute, die sich in verdächtiger Weise an Kohlenwagen zu schaffen machen, zu achten und sie nötigenfalls festnehmen zu lassen. Die Güterabfertigungen haben den von ihnen bedienten, mit der Herstellung von Kriegsmaterial betrauten Firmen von dem Vorfall Mitteilung gemacht und ihnen V o r s i ch t bei der Entladung der Kohlenwagen anempfohlen.
Die „Tagblatt"-Sammlungen.
Bei dem Verlag des „Wiesbadener Tagblatts" gingen weiter ein: für den „Kaiser-Wilhelm-Dank",
Kaisersgeburtstagsgabe für die Feldarmee: A. B. 8 M., Max Horn 2 M.. Oberst v. Branconi 20 M„ Frau R. 6 M., Frau N. 8 M.. von P. 20 M.. Frau S. 1 M., N. N. 1 M., A. W.
2 M.. Herr Simbert 3 M.. Münzert in Clarenthal 2 M., Frau Mathilde Bonne, Villa Waldfricde, 50 Di., Ludwig Scheines, Dietenmühle, 5 M., zus. 148 M.; für die verwundeten und Heimkehr enden Soldaten der Grenzfestung T h o r n :
L. E. 10 M.. Billa Rupprecht 17 M., Frau Hegemeister Hölzel, Holzhausen a. d. Eder, 3 M., Hauptmann a. D. Werner 28 M.
M. D. 8 M., R. P. 10 M., E. B. 6 M.. A. Rheinboldt 10 M., zusammen bisher 853 M.; für den Roten Halbmond: M. D. 8 M., A. Rheinboldt 8 M., zusammen 319 M.; für O st - Preußen: A. Lissauer 3 M., zusammen 19340 M. 88 Pf.; für die Nationalstiftung zum Besten der Hinterbliebenen der tm Kriege Gefallenen: Lehrer Stock 25 M., zusammen bisher 2119 M. 97 Pf.; für die Kriegsheimarbeit (Frau Prof. grefenntS): Hauptmann a. D. Werner 28 M.
— Vorerst keine Genesungsheime in kleinen Gasthöfen und Peustoneu.' Leider sind die Bemühungen des Kreis-
komitces vom Roten Kreuz, dem Notstand der hiesigen kleineren Gasthöfe und Pensionen dadurch abzuhelsen, daß Genesungsheime in ihnen eingerichtet werden, vorerst ohne Erfolg geblieben. Auf die verschiedenen Eingaben des Kreiskomitecs an das Kriegs Ministerium und an die stellvertretende I n t e n d a n t u r in Frankfurt a. M. hat letztere nunmehr geantwortet, daß sie vorerst nicht in der Lage sei, die Angebote anzunehmen, da der Bedarf an Lagerstellen vorerst gedeckt sei. Die dem Kreiskomitee zugegangenen und von ihm geprüften Angebote sind jedoch vorgemerkt und werden später im Bedarfsfälle berücksichtigt werden.
— Zeitungen für Hecresangchörige. Nach den in letzter Zeit gemachten Wahrnehmungen werden Zeitungen für H e e r e s a n g e h ö r i g e bei den Feld- und bei den heimischen Postanstalten mehr und mehr nur noch für einen Monat bestellt. Abgesehen davon, daß durch diese bedeutende Vermehrung der Bestellungen der gesamte Zeitungsvertrieb wesentlich erschwert wird, treten bei dem Verfahren leicht U n- terbrechungen in der Lieferung während des Monatswechsels ein, weil die Neubestellungen für den nächsten Monat bei der oft langen Beförderungsdauer nicht immer so rechtzeitig bei den Berlagspostanstalten eingehen, daß sie pünktlich mit dem Beginn der Bezugszeit ausgeführt werden können. Den Aufgebern von Zeitungsbestellungen für Heeresangehörige ist daher dringend zu empfehlen, die Zeitungen gleich für das Vierteljahr oder für den Rest der laufenden Bezugszeit zu bestelle n.
_— Ein Ausnahmetarif. Mit Gültigkeit vom 20. Januar 1915 tritt ein neuer Ausnahmetarif 21 v. für landwirtschaftliche Artikel, Bau- und Brennstoffe und einzelne Tierarten von den Stationen der preußisch-hessischen, mecklenburgischen, oldenburgischen Staatsbahnen, der Reichseisenbahnen, der Militärbahn und einer größeren Anzahl von Privatbahnen nach den durch den Krieg geschädigten Teilen des Reichslandes Elsaß-Lothringen in Kraft. Abzüge des Tarifs (Preis 5 Pf.) sind durch die beteiligten Güterab fertigungen zu beziehen.
— Wiesbadener Lazarette. Aus der Verwundetenliste der Auskunftsstelle über im Felde stehende nassauische Soldaten in der Loge Plato: Reserve-Jnfanterie-Regiment 223: Draser (Wiesbaden) im Roten-Kreuz-Hospital; Sanitäter W. Fein (Lochum) und Kraut (Biebrich) im Garnisonlazarett. — Land- wehr-Jnfanterie-Regiment 80: Schulze (Wiesbaden) im Hessischen Hof; G. Diefenbach (Heimbach) im Paulinenstift; K. Heunemann (Buschhüffen), A. Hoffmann (Frankfurt), Oberreuter (Köln) und A. Schmitt (Weinheim) im Garnisonlazarett; Schmitz (Frankfurt) im Paulinenstift; Gefteiter Wiegandt (Altglashütten) im Garnisonlazarett. — Infanterie- Regiment 80: Einjährig-Freiwilliger Becker 2. (Homburg) im Paulinenstift; Landsturmmann I. Horz (Dotzheim) im Garnisonlazarett; Jmmerheiser (Schwabenheim) im Paulinenstift; Gefreiter Jockel (Fulda) im Garnisonlazarett; Gefteiter Kayser (Sechshelden) im Paulinenstift; Reichel (Straßebers- bach) im Garnisonlazarett. — Reserve-Jnfanterie-Regiment 80: G. Braun (Dörrscheid) im Garnisonlazarett; Fr. Eckhargt (Heldenbergen) im Paulinenstift; I. Sattler (Schierstein) im Garnisonlazarett. — Rekrutendepot des Infanterie-Regiments 80: Gefteiter S. Erich (Offenbach) und R. Hecker (Ohle) im Garnisonlazarett; Nürenberg (Belecke) im Paulinenstift. — Rekrutendepol des Reserve-Jnfanterie-Regiments 80: Unteroffizier I. Hück (Hochheim) und Kremer (Nuttlar) im Garnisonlazarett. — Ersatzlandsturmbataillon Wiesbaden 1: Landsturmmann K. Seidel (Kastel) im Garnisonlazarett.
— Gefangene in Japan. Von jetzt ab können auch Postpakete an deutsche Kriegs- und Zivilgefangene in Japan zur Beförderung über die Schweiz angenommen werden.
— Staats- und Gemeindesteuer. Die Zahlung der 4. Rate hat zu erfolgen am 25. und 26. Januar von den Steuerpflichtigen der Straßen mit den Anfangsbuchstaben H bis einschließlich K. Die auf dem Steuerzettel angebene Straße ist maßgebend.
— Eissport. Falls Nachtfrost einftitt, sind die Nord-, Süd- und Westeisbahnen heute Sonntag geöffnet.
— Personal-Nachrichten. Angenommen sind zu Postge- bilfen D i e tz und Jakob Schmidt in Wiesbaden; über» htoen wurde eine OberpostjÄretärstelle dem Posttiekretär Giegerich in Wiesbaden.
— Kleine Notizen. Die in der Galerie Banger hier ausgestellte Jnneneinrichrung des großen Gactenpavillons der Deutschen Werkbund-Ausstellung wurde nach Entwürfen des Künstlers von der Firma Weyershrufer u. Rüb- s a m e n hier ausaeführt.
Vorberichte über «unkt, Vorträge und verwandte».
* Königliche Schauspiele. Sonntag, den 24. Januar.
Abonnement 8: „Die Königin von Saba". Anfang 6% Uhr. Montag, den 25 : 4. Sinfoniekonzert. Anfang 7 Uhr. Dienstag, den 26., Abonnement D: „Tiefland". Anfang 7 Ukw. Mittwoch, den 27., Abonnement A: „Undine". Anfang
7 Uhr. Donnerstag, den 28.. Abonnement C: „Hans Helling". Anfang 7 Uhr. Freitag, den 29.. Abonnement 8. neu ein- studrevt: „Wie di« Alten sangen". Anfang 7 Uhr. Samstag, den 30.. Abonnement v: „Der Evangelimann". Anfang
7 Uhr, Sonntag, den 31.. Aüonnsment A: „Lohengrin". Anfang 6 Uhr. Montag, den 1. Februar Abonnement D: „GvaeS und fein Ring". Anfang 7 Uhr. —Es sei nochmals darauf hingewiesen. daß die heutige Vorstellung der Oper „Die Köirigm von Saba" bereits um 6% Uhr beginnt (Abonnement 8).
* Sinfoniekonzerte der Königlichen Kapelle. Das Programm des am Montag stattfindenden Konzertes ist folgendes:
1. Ouvertüre zu „Coviolan", 2 Konzert in W-Dur für .Klavier und Orchester (Solist Herr Prof. Mannftaedtl. 8. Ouvertüre zu „Egmorrt" von L. b. Beethoven 4. (zum Gedächtnis an den unlängst verstorbenen Meister) Sinfonie „Ländliche Hochzeit" von Karl GoldmarL Der Beginn des Konzertes ist auf 7 Uhr festgesetzt.
* Residenz-Theater. Am nächsten Freitag findet die 14. Volksvorstellung statt zu ganz kleinen Preisen und kommt „Rösselsprung" zur Aufführung.
* Konzert. Das Spangenbergsche Konservatorium veranstaltet Dienstag, abends 7% Uhr, tm großen Saale der „Wartburg-" einen größeren Vortragsabend. Zum Vortrag gelangen Stücke für Orchester. Klavier, Violine, Cello und Gesang. Der Ertrag einer Anzahl vorbehaltener Plätze sst zugunsten der Kriegsfürsorge des Roten Kreuzes bestimmt, sonst ist der Eintritt wie gewöhnlich frei.
* Bortrsg. Der sechste öffentliche Vortrag rn der „Wses- badener Gesellschaft für bildende Kunst" findet nächsten Dienstag-, abends 8 Uhr. in der Aula des Oberlyzeums statt. Professor Dr. Hans Machowsli,-Berlin, der durch seine Vorträge über „Michel Angelo", „Schadow" und „Das deutsche Barock" den Mitgliedern der Gesellschaft bereits vorteilhaft bekannt ist. gedenkt über „Goethes äußere Erscheinung" zu sprechen Ferner sind noch folgende Vorträge im laufenden Quartal vorgesehen: Jnl Februar: Bildhauer Köper über „Das Deutsche und die neueste Plastik", im März:
Geb. Rat Jessen-Berlin an zwei aufeinanderfolgenden Abenden über „Krieg und Krieger in der deutschen .Kunst", wobei der erste Abend den „Rittern und Landsknechten", der ziveite den „Deutschen Soldaten seit Friedrich dem Großen" gewidmet
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aus dem vereinsleben.
vorbertchre» Veretnsverkaminlnngen.
* Heute nachmittag 2 1 /» Uhr findet in dem Turnerheim (HemnAnDstLatze) die Häuitttuers-MNiMlung der „Wies^ baldenor Lok<vl--Ste.rba-»VLrsichür:unLtsL<rsse." itatt.
Hus dem Landkreis Wiesbaden.
. ,. 7 ^ Biebrich a. Rh.. 22. Jan. Des „Kinves Engel" ^hütete letzter Tage ein schweres Unglück. Hier in einer Wirtschaft in Einquartierung liegende Soldaten reinigten Gewehre, als plötzlich ein Schuß -krachte und eie Kugel durch das Fen.ste.halz dicht über den Kopf eines im Hofe beschäf- baten jungen Mädchens flog Angeblich soll der Vorbesitzer des Gewehres übersehen haben, die Patrone zu entfernen. — ~? ie allerorts, so werden auch hier in der Reichswolk» Woche die alten Wollsachen gesammelt. Die rüh.ige Kriegs- fursorgeabteilung des Dlagistrats hat sich der Sache ange- normnen. — Dem Vollziehungsbeamten a. D. Jakob Lang wu.de von der Großherzogin Adelheid von Luxemburg die silberne Medaille des Militär- und Zivilverdienstordens Adolf von Nassau verliehen.
Provinz Hessen-Nassau.
Regierungsbezirk Wiesbaden.
, t S. H öchstenbach, 22. Jan. In einer hier stattgefundenen miMmrtschaftl-ichen Versammlung wurde schwere Klage über zunehmende Wildschäden erhoben, der um so verhäng- nisvoller sej, als der Ausfall der nächsten Ernte für den end- Uchen Sieg von großer Bedeutung sei. In diesem Jahre sei der Wrldbestcmd noch größer als sonst, weil die Jagden wetzen Des Krieges nicht so stark beschossen worden seien wie in den Vorjahren. Die Versammlung einigte sich dahin, bei der Be- horde vors<lllg zu werden, daß die Pächter gezwungen werben sollten, den Wildstand auf das Mindestmaß einzu- schranken. Mit der Zahlung von Wildschaden sei diesmal der Ausfall an der Ernte nicht gut zu machen.
Neues aus aller Welt.
Lawinenstürze in Tirol. Vom Lamioch vei Laudeck ging eme ungeheure Staublawine nieder, die den Waldbestand tm Umfang von mehr als 8000 Quadratmetern vollständig zer. störte. Der Schaden ist juch nicht übersehbar. Sie Lawine bneb knapp vor der Ortschaft Schnann stshen. die äußerst ge- fäh bet wurde. Im Pazhauntal bat eine vom Totenmann, köpf niedergegangene Staublawine die Straße auf 400 Meter Länge mit einer fünf bis zehn Meter hohen Schneemasse überschüttet. Aller Verkehr ist unterbrochen. Die Fiexen- ftratze ist infolge zahlreicher niedergegangener Lawinen un- passte bar. Telephonleitungen sind zerstört, der Schaden ist bedeutend.
Opfer der Berge. St. Moritz, 22. Jan. Zwei im Berninagebiet schon mehrere Tage vermißte Skifährer aus Zürich gelten als verloren.
Die Not im italienischen Erdvebenzebiet. Rom. 23. Jan. Im Evdbebengebiet ist heftiger Schneefall bei großer' Kalte eingetreten, so daß Hilfe immer dringlicher wird. In Rom kamen bis jetzt etwa 8000 Flüchtlinge an, und der Zuzug dauert noch fort. Die Hilfsaktion nimmt endlich einen größerer» Stil an. Der Kriegs-Minister beschloß, eine Feld, bäckerei und Feldküchen einzurichten und ordnete die Bev- schickuna von Zelten und Baracken in großer Zahl an.
Letzte vrahtberichte.
Zum Wechsel des Reichsschatzsekretär».
Sr. Berlin, 23. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bkn.) D« Wechsel in der Leitung des ReichSschatzckmts wird dem Vernehmen nach in den ersten Tagen des nächste» Monats erfolgen.
Das Befinden des Erbprinzen von Braunschweig.
W• T.-B. Braunschweig, 23. Jan. über das Befinden des Erbprinzen wird folgendes mitgeteilt: Bei gutem Wund- befund ist die Temperatur etwas gestiegen. Dementsprechend war die Nacht etwas unruhig. Braunschweig, 23. Jan. Dr. Schlegel. Dr. Albrecht.
Der Lloyddampfer „Derfflinger" als Prise erklärt.
Br. Kairo, 23. Jan. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der Lloyddwmpser „Derffliwger", der bei Kriegsbe-girm in den neutralen Suez!anal einlief, wurde vom Prrserchos widerrechtlich als Prise erklärt.
Der amerikanische Heereskredit.
W.T.-B. Washington, 23. Jan. (Nichtamtlich.) Das Repräsentantenhaus hat einen Kredit von 101 Millionen Dollar für die Armee bewilligt.
W. T.-B. Melbourne, 23. Jan. (Reuter.) Die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Australien ist von Melbourne nach Sydney verlegt worden. Die Verlegung verfolgt den Zweck, die Regierung mit den Er- fordernissen aller Staaten Australiens vertraut zu urachen. Sie ist nur vorübergehend.
5lu§ unserem Leserkreise.
Micht verwendete (Rnfenbnnaen tränen weder rurückaelandt. no» aufbewabrt »erdenk
* Dem Abonnenten der Zyklus-Konzerte des Ruv- Hauses, der in der Morgen-Ausgabe vom Samstag über den am Freitag stattgefundenen Wagner-Abend schrieb, möchte ich entgegenhalten. daß man in anderen Städten oll genug z B. den ganzen 1. Akt des „Fidelio" oder größere zusammenhängende Teile (Arien und nachfolgende Duette) aus „Figaros Hochzeit" usw. im Konzertsaal aufführte, ohne daß ein Zuhörer darob erstaunte oder es als „unzulässig" be. zeichnete. Schrerberin dieser Zeilen erinnert sich auch noch lebhaft anfangs der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, unter Wagners eigener Leitung im alten Konzerthause in der Leipziger Straße in Berlin Teile aus der „Walküre" von der Kammersängerin Frau Materna aus Wien und Herrn Wbert Niemann vom Overnhaiuse in Berlin gehört zu haben, die zur Einfnh.ung in Wagners „Ring des Nibelungen" außerordentlich musikalisch wirksam zur Geltung kamen und viel zum Berstäudnis des Werkes beitrugen, ja die vom musikalischen Standpunkte absolut seine Schönheiten zutage brachten, ähnlich wie dies bei den gestern aufgeführten Teilen der Wagnerwerke geschah. Warum dies tadeln. Warum nicht ohne Skrupel froh genießen, was man Herrliches uns gestern bot? Es gibt moderne Komponisten, die oft in einem als Ganzes betitelten Werke doch viel fragmentarischer wirken, als dies gestern der Fall war. Eine alte Abonnentin der Zyklus-Konzerte, (Wir benutzen die Gelegenheit. um unsere Leser darauf aufmerffam zu machen, daß der Sprach, saal einer Zeitung nicht da ist, um anerkannte künstlerische Veranstaltungen zu kritisieren. Das ist Sache der berufenen Kunstkritiker. Leider batten wir übersehen, daß der Ver- fasser des „Eingesandts" in der gestrigen Morgen-Ausgabe über ein Konzert uniellte. das noch gar nicht stattgefunden batte. Dies« Taffache richtet seine Ausführungen von fellsst. Dte ©ftnftU
