JJt. 39.
Sonntag, 24. Januar 1918.
(Eltville) leichtv.; Res. Hübinger) Niederelbert) leichtv.; Wehrm. Schräöter (Na.»hauten) schwerv.; Grs.-Ms. Fenn (Dietzenbach) leichtv.; Wehrm. Zimmer (Simmern) leichtv.; Res. Schäfer (Fürsten«rund) leichtv.; Wehnn. Güllerirrg (Fachbach) tot; Res. Hartmann (Flörsheim) schtverv.; Ers.- Res. Wolf (Wolf) leichtv.: Wehr«. Helsmann (Groß-Gerau) schwer».
Berichtigung früherer Allgaben.
1. Komp.: Wehrm. Klaus (Laschbach) bisher verm., verw.; Weh:m. Lückert (Hagen) bisher verm, verw.; Wehrm. Lunkenheimer (Sponsheim) bisher verm., im Laz. Krrn.
4. Komp.: Res Meinecke (Holzappel) bisher verm.. verw.; Res. Lamp (Seenhausen) bisher verm.. im Lazarett Lonylter.
5. Komp: Res. Leis (Hallgarten) bisher Perm., vertu:
Res Lauer (Hochheim) bisher verm., verw.; Res. Lauer (»E heim) bisher verm.. verw.; Res. Lauer (Hochheim) bisher verm. ve w.; Res. Meffert (Wallau) bisher verm.. verw.; Res. Henning (Rotenkirchen) bisher verm.. im Lazarett Barrier Ecole de Garcons. ^ m ,
8. Komp.: Wehrm. Kunze bisher verm.. verw.:. Wehrm. Ma-kin (Biebrich) bisher verm.. verw.; Wehrm. Martin bisher verm , verw.
9. Komp.: Wehrm. Marx (Altenhausen) bisher verm. verw.: Wehrm Lehmann (Walsdorf) bisher verm.. m Laz. Camberg; Res. Lechner (Neuhausen) bisher verm.. verw.: Wehrm Livvold (Nebungen) bisher verm.. tm Lazarett 1
10 Komp.: Unteroff. d. L. Wilhelm (Espenschied) bisher schverv., gestorben im Laz. Sechault 4. 1. 15: Gefr. d. L. Kuphal (Biebrich) bisher verm.. im Laz. Wiesbaden; Wehrm. Menz (Schierstein) bisher verm. im Laz. Wiesbaden.
12 Komp: Wehrm. Martin bisher verm, im Lazarett Wiesbaden: Wehrm Löw (Schmidham) bisher verm., verw.
Landwehr-Jnfanterie-Regiment Nr. 87, Mainz, Worms. (Perenchies am 11.. Le Quesne am 14. und 15.. Wez am 16 und 20., Lille am 21. und 30. 11. und am 6. und 7.. Frotzennes am 7.. Loos und Prevöte am 8. und andere Ge-
fechte vom 23. bis 28. 12. 140 ^ „_,
Kriegsfreiw. Resch (Biebrich) leichtv.; Wehrm. Thmnas (Dörscheid) schwer».; Wehnn. Debus (Nochern) sMverv.: Weh m Lenz (Dörscheid) leichtv.. zur Truppe zuruck: Wehrm. Foucar (Köppern) schwer».: Kriegsfreiw. Keller sEnenbach) verw.; Kriegsfreiw. Christ (Zeilsheim) Venv; Musk Fritz Blümchen (Wiesbaden) verm.; Wehrm. Hosmann (Frauenstein) denn.
Feldartillerie-Regiment Rr. 27. Mainz. Wiesbaden.
Berichtigung früherer Angaben.
Stab der Ers.-Abt.: LberUeutn.. vermutl, z, D.. Pfasf bisher schwer»., gestorben im Res.-Laz. Morchingen
2. Battr.: Kan. Saal (Aschaffenburg) bisher verm.. im
^^ 4 ^Battr.: Kan. Ebertz (Herborn) bisher schwer»., gestorben im Feldlazarett 10 Biarre 2. 11. 14.
6. Battr.: Kan. Heilhecker (Sonnenbe-g) bisher schwer»., gestorben im Feldlazarett Nr. 11 des 18. Armeekorps 26.8.14.
Deutscher Reich.
* Tod eines frühere» ReichStagsabgeordiicten. Der frühere Reichstags- und Landtagsabgeordnete Hufnaget (kons.) von Möckenau, Ökonomierat und langjähriger Bürgermeister, ist in Ansbach rm 61. Lebensjahre gestorben.
* Der Streit »m die Niederfüllbacher Stiftung. In Sachen der Niederfüllbacher Stiftung des verstorbenen Bel- gierkönigs Leopold ist soeben die Ausschließung dev belgischen drei Kuratorienmitglieder erfolgt. Das Kuratorium ist daraufhin von fünf deutschen Mitgliedern unter Vorsitz des Landtagspräsidenten, Reichstagsabgeordneten Arnold neu gebildet worden. Die.Rechte Koburgs sollen weiter verfochten werden.
* Das Verbot des „Gothaer Bolksblattes" aufgehoben. Das Verbot des „Gothaer Volksblattes", dessen Verleger bekanntlich der Reichstagsabgeordnete Bock ist, wurde aufgehoben. Es steht jedoch nach wie vor unter Präventivzensur.
Rechtspflege und Verwaltung.
JM. Justiz-Personalien. Im Kriege fanden den Helden- tod- Die Referertdare Anton Ähre ns aus Frankfurt a. M„ Willtz Dorn aus Frankfurt a. M.. Dr. Kavl ötein» Besser aus Frankfurt a. M. und Werner Tettenborn aus Frankfurt a. M.
k?eer und Flotte.
Personal-Beränderungen. Stolzen Hers. Oberleut. der Landw a D (Wiesbaden), zuletzt vom Landw.-Train 2. Aufgeb., jetzt bei der Etapp.-Jnsp. der 5. Armee, zum Rittm. befördert. * Krafft, Gen.-Mas von der Armee, bisher Kom. der 4 Feldart. Brig in Genehmigung seines Abschiedsgesuches unter Verleihung des Charakters als Gen.-Leut. mit der gesetzlichen Pension zur Disp. gestellt. * Führ, von Wilmowski, Gen.-Maj von der Armee, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches unter Verleihung de? Charakters als Gen.-Maj mit der gesetzlichen Pension zur Disp gestellt. " Tscheuschner. Oberst z. D.. zuletzt Kom. des Res.-Jnf.- Regts. Nr. 88. wieder zum Kommandant des Truppenübungsplatzes Orb ernannt. * Horst. Vizefeldw im Jnf. Leib-Regt. Nr. 117. zum Leut, befördert. * Herhudt v. Rohden, Gen.-Maj z. D.. zuletzt Brig-Kom. bei der 46. Res.-Div., der Charakter als Gen.-Leut. vevliehen.
Oie Rrbeit der Abteilung 4 des Nreiskomitees vom Roten Rreuz.
v.
Sonderbericht über die Kinderfürsorge in den erste» süns Kriegsmonaten.
Die erfreuliche Hilfsbereitschaft der Wiesbadener Bürgerschaft für die Angehörigen unserer Krieger hat sich wohl auf keinem Gebiet so glänzend in den verflossenen fünf Kriegsmonaten bewährt als gerade auf dem Gebiet der Kinderfürsorge. Diese zeitigte sofort die Gründungen von Kleinkinderheimen, Unterkunftsgelegenheiten, Gewährung von Mahlzeiten in Privatfamilien für die Kinder der ins Feld gezogenen Baterlandsverteidiger.
Ein Andrang von ehrenamtlichen Hilfskräften, die sofort das glühende Verlangen hatten, dem Vaterland ihre Dienste zu widmen und sich bereit erklärten, ihre Dankbarkeit den Soldaten, die für jeden Zurückbleibenden in der Heimat ihr Blut heldenmütig einsetzen, an deren Kindern zu bekunden, brachte die Möglichkeit, vorhandene Kinderfürsorgeanstalten zu erweitern und auszunützen. Mit weisem Vorbedacht hielten sich die Kinderanstalten Wiesbadens von einer überstürzten Umgestaltung ihrer Zweckbestimmung zurück und gliederten sich an das Kreiskomitee vom Roten Kreuz insofern an, als sie ihre Pforten vornehmlich den Kindern der ins Feld gezogenen Krieger öffneten. So stellte sich z. B. der „Verein für Sommerpflege armer Kinder" sofort in den Dienst der Kriegshilfe, indem er die bereits erteilte Bewilligung eines Erholungsaufenthalts im Taunus nach AuSbruch des Krieges zurückzog und sein Heim ausschließlich für schwächliche Kriegerkinder auf 6 Wochen zur
_ Wiesbadener Tagblatt. _
Verfügung stellte, um den zurückbleibenden Müttern in der ersten schweren Zeit wenigstens eine drückende Sorge abzu- nehmen. Der „Wiesbadener Krippenverein" erklärte sich bereit, seine Tätigkeit während des Krieges zu erweitern und bis zu 40 Säuglinge, 30 Krabbelkinder und 30 Laufkinber aufzunehmen. Bedürftigen Kriegerfrauen wird das Pflegegeld hierfür erlassen.
An neuen Einrichtungen sind nach Maßgabe der in der Kriegszeit auftretenden Bedürfnisse 7 Kindergärten,
7 Kinderhorte und 1 Kriegskinderheim ins Leben gerufen worden. Kriegerfrauen, die tagsüber erwerbstätig oder anderweitig verhindert waren, ihre Kinder zu pflegen und zu beaufsichtigen, konnten ihre vorschulpflichtigen Kinder gleich zu Anfang August in 4 neugegründeten Kriegerkindergärten in Obhut geben. Schulpflichtige Kinder, die vor- und nach, mittags durch den gestörten Schulbetrieb, der sich aus der militärischen Belegung der Volksschulen und aus der geringeren Zahl der militärdienstfteien Lehrer ergab, konnten gleich in den bestehenden 6 Anstalten des „Vereins für Kinderhorte" und neugegründeten Kriegskinderhorten Aufnahme finden.
Die Säuglingspflege umfaßt_ seit _ August 187 Kriegerkinder. Es wurden geboren: im Wöchnerinnenasyl 85, zu Hause 93, im Krankenhaus 9 Kriegerkinder, und zwar 106 Jungen und 81 Mädchen. In Fällen, in denen die Mütter außer dem Hause entbunden wurden, waren die schon vorhandenen Kinder anderweitig betreut, bezw. im Paulinenstift und katholischen Waisenhaus, in der Krippe, in der Kinderbewahranstalt oder auch in Familienpflege untergebracht, damit die Wöchnerinnen sorglos im Asyl ihrer' Entbindung entgegensehen und dort Pflege genießen konnten.
Eine ungenannte Dame übernahm die Patenschaft aller neugeborenen Knaben und legte einem jeden ein Sparkassenbuch an. Dieses edle Beispiel fand auch Nachahmung dadurch, daß dieselbe Zuwendung für eine erhebliche Anzahl weiblicher Säuglinge gemacht wurde. Im Notfall sorgt das Kreiskomitee vom Roten Kreuz, Abteilung 4, auch für Wäsche, Kinderwagen und Säuglingsmilch für die Neil- gcborenen. In der Krippe, Gabelsbergerstraße, sind seit August 35 Kriegerkinder verpflegt worden.
Im Verlauf der fünf Kriezsmonate wurden 7 K r i e g s - kindergärten für Kinder von 3 bis 6 Fahren eingerichtet. Dankbar sei hervorgehoben, daß der Kriegskindergarten 1 und derjenige des „Frauenvereins" der Lutherkirche sich bis zum heutigen Tage ohne Zuschuß erhalten haben. In dem katholischen Waisenhaus. Platter Straße, in dem Pfarrhaus der Bonifatiuskirche, durch die evangelischen Gemeinden der Ringkivhe und der Marktkirche wurden ebenfalls Kriegskindergärten eingerichtet, die alle einen nichtkonfessicmellen Charakter tragen.
Am 12. Oktober bezogen 2 Kriegskindergarten und 3 Kriegskinderhorte, die bis dahin außerhalb_ des Stadt- berings im Freien untergebracht waren und die unter getrennter Verwaltung stehen, das vom Herrn Grafen M e r e n- b er g zur Verfügung gestellte Haus Sonnenberger Straße 44. Dasselbe war zweckentsprechend mit geringen Kosten für ihre Aufruchnre hergerichtet worden. Wohl allen Kindern, die dort liebevolle Aufnahme finden konnten, wird die Erinnerung an die so schöne Heimstätte während der Kriegsdauer eine leuchtende fürs Leben bleiben.
Nachstehende Aufstellung gibt eine Übersicht über die Kriegskinderfürsorge, die (wie vorher bemerkt), 7199 Wiesbadener Kriegerkinder umfaßt, so weit sie sich auf An- staltSpfloge erstreckt; in dieser Zahl sind die Flüchtlingskinder nicht einbegriffen. Es wurden verpflegt vom 15. August bis zum 31. Dezember 1914: vom 15. August bis 10. September 291 Kinder in Kindergärten, 45 Kinder in Kinderhorten, 35 Kinder in der Krippe; vom 15. September bis 15. Oktober 345 Kinder in Kindergärten, 125 Kinder in Kinderhorten; vom 15. Oktober bis 15. November 392 Kinder in Kindergarten, 268 Kinder in Kinderhorten; vom 15. November bis 15. Dezember 414 Kinder in Kindergärten, 275 Kinder in Kinderhorten; vom 15. Dezember bis 15. Januar 1915 433 Kinder in Kindergärten. 289 Kinder in Kinderhorten.
Es wurden auf kürzere oder längere Zeit auf Kosten des Kreiskomitees vom Roten Kreuz Kriegerkinder untergebracht: in der Kinderbewahranstalt 29, im Paulinenstift 18, im Erholungsheim in Niedernhausen 58 kränkliche, im städtischen Krankenhaus 76, in der Augenheilanstalt 2 und im Johannisstift 1. Im Waisenhaus wurden 4 Kriegerkinder verpflegt und 1 Kriegerkind in die Krüppelfürsorge ausgenommen.
Der „Verein für Kinderhorte" verpflegte m seinen 6 Anstalten 141 Kriegerkinder seit Anfang August. In Privatpflege sind Kriegerkinder: in Katzenelnbogen 1 und in Laufenselden 2. Seit August sind 9 Kriegerkinder verstorben.
Die Ernährungsfrage der Kriegerkinder beschäftigte natürlich den Vorstand aufs lebhafteste. Durch die freie Liebestätigkeit vieler Familien genossen schon im August 525 Kriegerkinder die Wohltat eines Privatmittagstisches. 12 Kindern wurden Abendmahlzeiten zuteil. In der Suppenarrstalt Steingasse 9 erhielten Mittagstisch 40 Kinder. In der Suppenanstalt Scharnhorststraße 27 Kinder. So konnten gleich zu Beginn des Krieges 609 Kinder eine gesunde Verpflegung genießen. In dieser Zahl sind nicht die vielen Kinder eingerechnet, die in Gruppen oder einzeln, ohne unsere direkte Vermittlung, seit Beginn des Krieges verpflegt wurden. Ende Dezember genossen 371 Kinder durch das Kreiskomitee vom Roten Kreuz Privatmittagstisch. In der von dem „Verein zur Speisung bedürftiger Schulkinder" eingerichteten Suppenanstalt Schwalbacher Straße 7 wurden 117 Kriegerkinder täglich gespeist, wo speziell für das Alter von 6 bis 12 Jahren gekocht wird. Für jede Portion wird dem „Verein zur Speisung bedürftiger Kinder" 15 Pf. vom Kreiskomitee vom Roten Kreuz vergütet. 69 ältere Kriegerkinder werden täglich in der Steingasse 9 auf Kosten des Krieskomitees vom Roten Kreuz verköstigt, und zwar an den Mittagstischen des „Vereins zur Speisung bedürftiger Schulkinder". Seit Ende Oktober wurde fernerhin vom Kreiskomitee vom Roten Kreuz eine Kleinkinderspeisung durch die Abteilung 4 ins Leben gerufen, die nach ärztlicher Vorschrift eine ganz leichte Kinderkost herstellt. Diese Einrichtung wird ebenfalls vom Kreiskomitee vom Roten Kreuz erhalten. Die Kriegskindergäcken, die den Kindern volle Verköstigung gewähren, entnehmen mit einer Ausnahme aus den verschiedenen Speiseanstalten die nötigen Portionen für die Kinder.
Es unterstehen der Obhut des Kreiskomitees vom Roten Kreuz, Abteilung 4, heute 122 Kinder von 78 gefallenen Kriegern, darunter 5 Vollwaisen. Diese Zahl kann jedoch nicht als abaeschlossen betrachtet werden, da die Abteilung auf die direkten "Mitteilungen der Hinterbliebenen angewiesen ist.
Die Rechnungsablage gibt eine Übersicht, wie mit verhältnismäßig geringen Mitteln eine weitverzweigte Kin- dcrfürsorge seit Beginn des Krieges ermöglicht wurde. Wenn
Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt. Seite 8.
die Mittel des Kreiskomitees vom Roten Kreuz jedoch nicht so
beschränkt wären, müßte dieselbe eine noch weit ausgedehntere sein. ^
Neben der laufenden Fürsorge war es der Abteilung 4 des Kreiskomitees vom Roten Kreuz eine selbstverständliche schone Aufgabe, für die Angehörigen der Krieger ein Weihnacht s- f e st zu bereiten. Zu diesem Zweck wurde eine Sondersammlung in einem kostenlos zur Verfügung gestellten Raum in der Wilhelmstraße eingeleitet. Dank der Gebefreudigkeit von groß und klein wurden dort eine große Menge Stoffe und Bekleidungsgegenstände, sowie zahlreiche Spielsachen abgegeben. Letztere wurden den verschiedenen Kriegskinderanstal- ien gegeben, während erstere teilweise der Bescherung für Kinder der gefallenen Krieger und teilweise dem Bestand zur tarifmäßigen Verteilung zugesührt worden sind. Die Bareinnahmen beliefen sich auf nahezu 3000 M. Bei der Weihnachtsbescherung und -feier für die Angehörigen der Krieger im Kurhaus (der Magistrat hatte die Kosten für die weihnachtliche Ausschmückung usw. übernommen) nahmen 3349 Familien teil, die der Fürsorge der Abteilung 4 des Kreiskomitees vom Roten Kreuz unterstehen. Jeder Familienvor- stanü erhielt ein weihnachtlich geschmiicktes Körbchen mit je 5i/s Pfund Kolonialwaren und ein Bild des Kaisers mit dem Aufruf Sr. Majestät „An mein Volk" als bleibendes Andenken an das Kriegsjahr 1914. Von den 5134 Familien, die laut Kartothek die staatliche und städtische Kriegsehrengabe bis zum 15. Dezember bezogen, machten 1785 von der Liebesgabe keinen Gebrauch. Ein großer Teil kam allerdings nachträglich mit der Bitte um die Weihnachtsgabe, die teilweise — nach Prüfung — in irgend einer Form aus den vorhandenen Vorräten noch gewährt wurde. An der Kurhausfeier und der Bescherung am 22. und 23. Dezember, nachmittags, nahmen 4208 Kriegerkinder im Alter von 3 bis 14 Jahren teil. Jedes Kind erhielt einen Gutschein für einen seinem Alter entsprechenden Gegenstand, den es selbst von den vom Vorstand zweckentsprechend vorbereiteten Gabentischen auswählen durste. Ferner wurden 1023 Kriegerkinder in den Anstalten beschert, in denen sie untergebracht sind. Sie erhielten im Kurhaus nur eine ganz geringe Erquickung. Es wurden wegen Krankheit von der Weihnachtsbescherung 15 Kriegerkinder ausgeschlossen; sie erhielten durch die Mütter die Gaben übermittelt. Für 1722 Kriegerkinder im Alter von 1 Monat bis zu 3 Jahren sind Geschenke (Kleidchen) vorbereitet worden. Für 3 Kriegerkinder wurden die Geschenke nach auswärts gesandt. 4 Kinder, die verreist waren, erhielten nachträglich ihre Geschenke. In Privatanftalten wurden durch unsere Vermittlung 31 Kriegerkinder beschert, die von der Bescherung im Kurhaus deshalb ausgeschlossen wurden. Am 20. Dezember fand eine Bescherung von 55 Kindern gefallener Krieger im „Parkhotel" in Gegenwart ihrer Mütler und des Vorstandes der Abteilung 4 mit einer entsprechenden Feier statt. So sind im ganzen 7091 Kriegerkinder beschert worden.
5tii§ Stabt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Die Woche.
Viele Wünsche und Meinungen treffen sich in der Redaktion, und unsereiner hat oft seine liebe Not, aus der Masse der Zuschriften aus dem Leserkreis das herauszusuchen, was der Öffentlichkeit mitgeteilt zu werden verdient. Ein sehr beliebtes Thema bildet neuerdings die Ernährungsfrage. Das ist verständlich, denn eine wichtigere Frage gibt's zurzeit für uns nicht. Zahlreiche Dinge, die sonst an erster Stelle.besprochen wurden, müssen gänzlich zurücktreten. Der Zeitungsberichterstatter hat sich für die Kriegszeit einzurichten, und der Redakteur wird, oft nicht ohne Bedauern, Mitteilungen und Ausführungen dem Papierkorb anvertrauen müssen, die er in normaler Zeit seinen Lesern außerordentlich gern vorgesetzt haben würde. Wenn die Aufmerksamkeit der Nation von der wahrlich nicht leichten Verteidigung des Vaterlandes gegen die Angriffe hartnäckiger und an Zahl erheblich überlegener Gegner in Anspruch genommen ist, wird der Krieg und was mit ihm in Verbindung steht, in den Spalten der Zeitung den breitesten Raum einnehmen müssen, selbst in den Spalten, die den örtlichen Vorgängen gewidmet sind. Dadurch entsteht natürlich eine gewisse Einseitigkeit, aber das läßt sich nicht vermeiden, und diese Einseitigkeit ist schließlich doch nur ein Beweis von der starken Einheitlichkeit des einem großen Ziele entgegenstrebenden Volks- Willens. Diese Einheitlichkeit des Willens kommt auch in der Ernährungsfrage in erfreulichster Weise zum Ausdruck; mag auch gegenwärtig noch so viel gegen das Kriegsgebot: „Du sollst nur Kriegsbrot essen und mit keinem Nahrungsmittel verschwenderisch urngehen", gesündigt werden, im Grunde sind wir doch alle darin einig, daß wir uns unbedingt nach der Decke strecken müssen, und daß keineswegs das Vaterland durch unvernünftiges Umgehen mit den Nahrungsmittelvorräten in Gefahr gebracht werden darf. Wer die Übertreter des Kriegs- gebots kritisiert, darf nicht übersehen, daß auch sie sich zweifellos, ohne zu murren, fügen würden, wenn die Regierung tun würde, was der Herr Oberbürgermeister auf dem vorletzten Kriegsabend in den kurzen Worten ausdrückte: „Es wird so gemacht, und damit Schluß!" So lange die Möglichkeit besteht, über die Stränge zu schlagen, wird es immer Leute geben, die davon Gebrauch machen. Die Forderung, mit den Nahrungsmitteln, vor allem mit dem Brot, sparsam umzugehen, kann zwar nicht eindringlich genug gestellt werden, aber man darf doch auch hier den Bogen nicht überspannen. Ganz ernsthaft wird z. B. in einigen Zuschriften, die wir in den letzten Tagen erhielten, die Abschaffung der Hunde als überflüssige Fresser gefordert. Den Begriff „überflüssig" kann man sehr eng fassen und sehr weit, wie man ihn aber auch in Beziehung auf den treuesten und verständigsten Freund des Menschen aus dem Tierreich anwenden will, er wird auch „Kriegsbrot" essen, d. h. etwas schmäler gehalten werden als im Frieden. Das wird in den meisten Fällen ganz von selbst und ohne gesetzlichen Zwang geschehen. Und mancher arme Köter wird auch dem Krieg zum Opfer fallen, es wäre aber entschieden zu weit gegangen, wollten wir für eine allgemeine Abschaffung der Hunde plädieren. Durch Übertreibungen in der Ernährungsfrage machen wir lediglich unseren Kriegsfeinden eine Freude. Halten wir uns an dem, was die besser unterrichtete Regierung als notwendig bezeichnet. Werden die Maßregeln der Behörden befolgt und ihre Mahnungen beherzigt, so haben wir vorläufig gar nicht nötig, Sparmöglichkeiten ausfindig zu machen, an deren Ausführung doch nur in allerhöchster Not gedacht werden könnte - 0 .
