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«crlafl yanggnjfe 21 tDSdl^ntlid) n^_ 12 HUSQCtbfctt. ' d " „r.,»i-»^aus-- Nr.865o-53.
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Nr. 38. «- 65. Jahrgang.
Samstag» 23. Januar 1913.
Kbend-Ausgabe.
Der Krieg.
Die Lage im Westen.
Nur Artillerie- und Zliegerduelle in Flandern.
Die Überschwemmung.
Berlin, 28. Jan. (Ktr. Bin.) Zum Kampf in Mandern meldet die „Boss. Ztg." ans Amsterdam: Die Kämpfe beschränken sich auf Duelle zwischen der Artillerie und dem Flugzeug. Das ganze Land sei überschwemmt. Die Felder seien in Leen und die Laufgräben in Ströme verwandelt. Trotz dieses Wetters zeigen die Flieger auf beiden Seiten erhöhte Tätigkeit. Tollkühne Luftangriffe würden zu Tagesund Nachtzeiten unternommen.
Generalstabsches Falkenhayn über die Lage in Flandern.
Eine Unterredung mit dem deutschen Generalstabschef.
Die amerikanische „Associated Pretz" veröffentlicht, einer Haager Meldung des „Berl. Lokalanz." zufolge, einen Bericht über eine Unterhaltung, die einer ihrer Korrespondenten mit General von Fallenhayn im deutschen Hauptquartier hatte. Nach dem Bericht erklärte der Generalstabschef: „Der Krieg
kann, was Deutschland anbetrifft, unbestimmte Zeit dauern; ich sehe nichts, was uns zwingen könnte, den Kampf einzu st eilen. Falls wir untergehen, wird es mit Ehren geschehen, kämpfend bis zum letzten Schützengraben und b i s zum letzten Mann." Der General fügte hinzu, daß eS unrichtig sei, anzunehmen, die deutsche Offensive in Flandern hätte einen Versuch zum Durchbruch nach Paris bedeuten sollen, im Gegenteil, jene Phase des Feldzuges sei die Folge eines Vorstoßes der Franzosen und Briten gewesen, sich nach Norden einen Weg zu bahnen, den rechten deutschen Flügel zu umfassen, Antwerpen zu entsetzen und die Deutschen zum Rückzug aus Belgien zu zwingen. Jener Plan sei mißlungen; General Joffres Offensive sei im Dezember versucht worden, aber die Deutschen hätten nicht nur ihre Linien behauptet, sondern sogar Gelände gewonnen. Hinsichtlich der englischen Truppen erklärte General von Falkenhahn: „Die Engländer sind gute Kämpfer, und ich
habe alle Achtung vor ihnen, aber eine Armee ohne die nötigen Offiziere ist kaum eine Armee. Wir sind stark genug, sie zu schwächen und sie mit blutigen Köpfen zurückzuwersen. Wir sind auf einen Lan- dungsvcrsuch in Belgien vorbereitet. Je früher er stattfindet, um so b e s s e r." Die Blockierung, fügte der General noch hinzu, übe tatsächlich keinerlei Einfluß auf die Kupferverschiffung, sie sei aber ein schwerer Streich gegen Amerika.
Die Enttäuschung über Ioffres mißglückte Offensive.
Lr. Amsterdam, 23. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der Pariser Korreipond-ent des Londoner „Telegraph" drahtet seinem Blatte über die Stimmung in Frankreich: Es wäre verfehlt, die Tatsache der-
h e h l e n zu wollen, daß unser langsames Fortschreiten dielen Menschen eine Enttäuschung bedeutet. Aus Briefen ersehen wir, daß man in England wie in Frankreich selbstverständlich bis aufs äußerste aushält. Man fragt sich aber, wie lange das noch bis dahin dauern soll. Es ist hier ausgerechnet worden, daß, wenn es so weiter geht, die Verbündeten in 12% Jahren in Berlin sein könnten. Ende letzten Monats wurde erklärt, daß die Verbündeten nunmehr die Offensive ergriffen hätten, darauf erwartete alle Welt iraend einen Sieg. Was Wunder, daß man jetzt nach Wochen zu befürchten anfängt, daß die Verbündeten die deutschen Linien n i e durchbrechen werden.
Ein begeistertes Zeugnis aus neutralem Munde über den deutschen Soldaten-'eist.
W- T.-B. Zürich, 22. Jan. (Nichtamtlich.) Oberst Müller schildert in der „Neuen Zürcher Ztg." die unw sichtigen, mit größter Sorgfalt geschaffenen hygienischen Anlagen an der deutschen Westfront. Die EntwässcrnngSfrage nehme den ersten Rang bei der Anlage von Schützengräben ein. Der Latrincnfragc, der Reinlichkeitsfrage Lbcrhanpt, wird nicht nur in den Gräben, sondern auch in den OrtSanartieren stete Aufmerksamkeit geschenkt. (Glänzend sei anch die reichliche und gesunde Ernährung der Truppen und die Ausstattung mit warmer Unterkleidung, was wesentlich zur Erhaltung und Förderung des Gesundheitszustandes beitrage. Die Leute haben meist ein geradezu blühendes Aussehen und nehmen an Körpcrumfang zu Aus der Heimat fließt der Strom der Liebesgaben unaufhörlich. Eine vernünftige Abwechselung des Dienstes zwischen Marsch-, Exerzier- und Pionierarbeit t„t ein übriges, um die Mannschaften bei guter Gesundheit und Stimmung zu erhalten. In einem Maße, wie man es im Felde nicht für möglich halten sollte, wird für Badegelegenheit gesorgt. In vielen Orten gibt es Brausebäder und Vollbäder. Ein Stabsarzt schwärmte Oberst Müller sogar von der dcmnächstigen Eröffnung eines von ibm geschaffenen Schwimmbades vor. Die Abstinenz wird von den Militärärzten im Felde eher verpönt als empfohlen, ein mäßiger Alkoholgenuß wird gestattet. Müller schließt: Der frisch-fröhliche soldatische Geist, dieguteKame- radschaft, das anständige Betragen und die
gute Haltung der deutschen Soldaten im Felde müssen jedem aufmerksamen Beobachter in die Augen fallen. Felsenfest ist die Zuversicht und der Glaube an den Sieg bei einem jeden Mann. Eine von einem solchen Geiste beseelte Truppe ist unter der Führung eines so fähigen und pflichtbewußten Offizierkorps, wie des deutschen, den größten Aufgaben gewachsen. So ist das stolze Wort jenes Regimentskommandeurs, daß er in vorbereiteten Stellungen der vierfachen Übermacht standzuhalten vermöge, kein leerer Schall. In den Tagen dieses letzten Aufenthaltes an der Front, im Verkehr mit den Ofsizierkrcisen vertiefte und verstärkte ich meine Achtung vor der soldatischen Tugend, dem hohen Bi l d u n g s st a n d, der ernsten Pf l i ch t e r f ü l l u n g, der glühenden Vaterlandsliebe und der liebenswürdigen Kameradschaftlichkeit des deutschen Offizierkorps. Echt vornehme Gesinnung und ungezwungener soldatischer Frohsinn ließen den fremden Gast bald heimisch werden und sein Herz wärmer schlagen.
Die franzosilcken Eaaesberichte.
Mehrere deutsche Erfolge im Schützcngrabenkrieg ringestanden!
W. T.-B- Paris, 23. Jan. (Nichtamtlich.) Der amtliche Bericht von gestern nachmittag lautet: In Belgien
beschoß der Feind Nieuport ziemlich heftig. Unjere Infanterie machte einige Fortschritte östlich der Chaussee von Lombartzyde. Zwischen Ypern und der Oise fand eine glückliche Aktion unserer Artillerie gegen dre Schanzarbeiten, Batterie- und Jnfanterieansammlungen statt. Zwischen der Oise und den Argonnen fand ber S o i s s o n s heftiges Bombardement statt. Im Perthes- Gebict nordwestlich Beaus ejour griff der Feind in. der Nacht vom 29. zum 21. Januar ohne Erfolg an. Zwischen Maas und Mosel südöstlich St. Mihiel im Walde von Apremont erlaubte ä u tz e r st heftiges Bombardement nicht, die gestern eroberten deutschen Schützengräben ans eine Länge von 150 Meter zu behaupten. Nordwestlich Pont-ä-Monsson im Lepetre-Walde eroberte der Feind einen Teil der Schützengräben wieder, welche wir vorgestern eroberten. Wir behaupteten uns in dem Rest der Stellung. In den Vogesen feuerte der Feind sechs großkalibrige Granaten auf St. Die, welche keinen ernsten Schaden anrichteteil. Zwischen Passe-Bonhomme und Schlucht-Paß Artilleriekampf, bei dem die deutschen Batterien zum Schweigen gebracht wurden. Im Elsaß ist ein Jnfanteriekampf im Gebiet vom H a r t m a n n s w e i I e r Kopf eingeleitet worden, der nrit äußerster Hartnäckigkeit als wirklicher Nahkampf sortdauert. Vor Dam- merskirch zerstreute unsere Artillerie feindliche Ansammlungen.
W. T.-B. Paris, 23. Jan. (Nichtamtlich.) Vom 22. Januar, abends 11 Uhr, wird gemeldet: Südöstlich Ipern zeigte der Feind eine größere Tätigkeit als in den letzten Tagen. In der vergangenen Nacht herrschte ein wenig intensives Geschütz- und Gewchr- feuer im Gebiete des Waldes St. M a r d. Eine feindliche Batterie wurde zuni Schweigen gebracht. In den Argonnen fanden vier lebhafte Angriffe statt. In Fontaine Madame und an dem Marie T h e r e se benannten Schanzwcrk, südlich von Fontaine Madame, wurde der Feind nach zwei starken Gegenangriffen unserer Truppen z u r ü ck g ew o r f e n. Bei beut Schanzwerke Marie Therese dauerte der Kamps den ganzen Tag und wurde von beiden Seiten mit äußerster Encraie oefljhrt. Bei Einbruch der Nacht waren alle unsere Stellungen behauptet. Die vom Feinde unternommenen Nachtangriffe im Gebiete von Hartmannsweilerkopf mißlangen. Den letzten Nachrichten zufolge dauerte der K a m p f an.
Von der Friedenspropaganda in Paris.
Genf, 21. Jan. (Ktr. Bln.) In Paris nimmt die Friedenspropaganda, die sich in der geheimen Verbreitung von Flugschriften äußert, wie z. B. mit dem Titel „Man täuscht uns" ihren Fortgang, zum großen Leidwesen des „Echo de Paris", das in dieser Maßnahme ein deutsches Manöver erblickt und die Polizei zur Hilfe ruft. Diese soll gegen eine soeben verbreitete neue Flugschrift „Man b e =■ lügt u n s" energisch einschreiten. In dieser Flimickirift wird bekanntlich die deutsche Armee gegen die Beschuldigungen der offiziellen französischen Untersuchungskommission über angebliche deutsche Grausamkeiten verteidigt. Die Flugschrift enthält auch schwere Anklagen gegen die französischen Soldaten.
Die große Aufregung in der dunklen „Lichtstadt" Paris.
Br. Genf, 23. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über die neuen B e l c u ch t u n g s v o r s ch r i f t e n, die das Gouvernement von Paris wegen der Zeppelin- und Fliegergefahr erlassen hat, kann man in den Pariser Zeitungen die amüsantesten Schilderungen lesen. Es gibt jetzt abends, so schreibt ein Blatt, vielleicht keine beschäftigteren Leute, als die P o l i z e i b e a m t e n. die bald zum Concierge eilen, um gegen einen rebellischen Mieter ein. zuschreiten, bald bei den kleineren Ladenbesitzern vorsprechen und sie anffordern, die Läden herunterzulassen, bald von den in der Dunkelheit herumtappenden Fußgängern nach der Wegrichtung gefragt werden. Man sah Damen, die aufgeregt hin- und herliesen, wie verlorene Hunde. Sie seufzen, wenn sie aus der elektrischen Bahn aussteigen.
deren Fenster verhängt waren und dann sahen, daß sie sich in der H a l t e st r e ck e geirrt hatten. Während dieser Zeit machten die düster st e n Nachrichten die Runde. Es fehlt an K o h l e n — so hieß es — Paris wird nicht mehr beleüch- tet; bald vielleicht auch nicht mehr geheizt werden! Weiter hieß es, ein Zeppelin sei gekommen, ja, man sprach sogar von drei. Man nannte Personen, die das Glück gehabt hatten, sie zu sehen. Mit einem Wort: Paris hat eine große Aufregung erlitten und wußte sie geduldig zu ertragen.
Ein französischer Flieger in Holland gelandet.
Br. Amsterdam, 23. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das „Hanidelsbladed" berichtet: In Middelburg landete ein französischer Eindecker, der in Belgien rekognosziert hatte und dabei von den Deutschen be- schossen und verwundet worden war. Wie er behauptet, ging er irrtümlich in Holland nieder. Er begab sich nach Vltssingen, um ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Seine leichtibeschädigte Maschine wird durch Militär bewacht.
Eine „gemeinsame" IS- Milliarden-Anleihe des Dreiverbandes?
Berlin, 23. Jan. (Ktr. Bln.) Das „Echo de Paris" meldet: Die Finanzminister der Ententemächte würden demnächst in Paris zusammenkommen. Wie der „Gaulois" schreibt, sei das Ziel der Zusammenkunft eine gemeinsame Anleihe der drei Mächte in Höhe von 15 Milliarden. — Die „Deutsche Tagesztg." meint, da sowohl in Frankreich wie erst recht in Rußland für die Unterbringung größerer Anleihen nur geringe Aussicht bestände, so werde England wohl allein diese Anleihe aufzubringen haben. Aber wenn England die ganze finanzielle Last des Krieges bei dem Dreiverband zu tragen habe, so würden ihm die letzten 100 Millionen Pfund, von denen Lloyd George sagte, wer sie zur Verfügung habe, werde in diesem Kriege Sieger sein, bald von seinen Bundesgenossen aus der Tasche gezogen worden sein.
Rußlands Finanznot.
Berlin, 23. Jan. (Ktr. Bln.) Der russische Finanzminister Bark trifft einer Meldung der „Voss. Ztg." aus Sofia zufolge heute dort ein und begibt sich über Saloniki zu Schiss nach Bordeaux. Die „Voss. Ztg." meint, Herr Bark begibt sich «uf einen schweren und demütigenden Weg.
Die zunehmenden Nrankheilsfälle in der englischen klrmee.
W. T.-B. Kopenhagen, 23. Jan. (Nichtamtlich.) „National Tidenbe" meldet aus London: Ein älterer englischer Linienoffizier, der verwundet aus dein Schützengraben nach London kam, berichtet: Unsere
Soldaten leiden fürchterlich. Außer gichtischen Erkrankungen kamen auch viele Fälle von nervösem Zusammenbruch vor. In der letzten Zeit kamen Verwundungen durch Granaten weniger häufig vor. Es steht aber unzweifelhaft fest, daß die Soldaten sehr unter dem Aufenthalt in den nassen Schützengräben leiden.
Ein gutes neutrales Urteil über Englands Rolle.
Berlin. 23. Jan. (Ktr. Bln.) Ein Schweizer Blatt bringt laut „Voss. Ztg." Ausführungen, daß an der langen Dauer des Krieges England die Schuld trage. Es mache toirklich den Eindruck, daß Englands Kriegsführung nur aus dem Verschleppen der Feindseligkeiten, aus der würgerischen Handelskonkurrenz und einer Spekulation auf die Arbeit der Verbündeten bestehe.
Zu dem Zeppelin-Angriff auf England.
Die Wahrheit über den Erfolg.
Eine französische Meldung!
W. T.-B- Leipzig, 22. Jan. (Nichtamtlich.) Das „Leipziger Tageblatt" meldet aus Genf vom 22. Januar: Mel
dungen der „A g c p c e H a v a s" aus London besagen, die deutschen Luftkreuzer haben über 80 Bomben abgeworfen. (?) Privaten Nachrichten zufolge sind in den beschossenen Orten gegen 2 00 Personen verletzt und über 60 getötet worden. Das Blatt schreibt hierzu: Es ist bemerkenswert, daß die halbamtliche französische Telegraphenagentur solche für England sehr unangenehmen Nachrichten verbreiten darf.
Die „klugen" Besprechungen in der englischen p reffe.
W. T.-B. London, 22. Jan. (Nichtamtlich.) Der Marinekorrespondent der „Times" bespricht den deutschen Luftangriff und schreibt: Es ist möglich, daß die Deutschen durch den Angriff das Ansehen ihrer Luftschiffe, das durch die armselige Rolle der Luftschiffe bei dem englischen Angriff auf die deutsche Nordseeküste gelitten hatte (Die „armselige" Rolle war doch wohl ans seiten der Engländer, die dabei überhaupt keinen Schaden angerichtet und fast alle ihre Flugzeuge verloren haben. Schrift!.), wiederherstellen und durch den Angriff in England einen Zustand der Nervosität schaffen wollten, um dadurch den Fortgang des Krieges zu beeinflussen. Man hoffte offenbar, dadurch die Absendung von Verstärkungen nach dem Festlande zu verzögern. Das Gegentefl ist wahrscheinlich. Der Luftangriff
