Einzelbild herunterladen
 

i » —m Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatts, s

9er Roman.

Nr. ,8.

Kreitag, 22. Januar.

1915 .

Copyright 1914 hy Carl Bunker, Berlin. (29. Fortsetzung.)

Ott Wagehals.

Roman von Fritz Slowronnek.

Nachdruck verboten. '

Der Baron hatte die Farbe gswechfG, als der Knecht eintrat. Er hatte ferne Lage begriffe. . . . Das Mut Stieg ihm zu Kopf . . . ferne Hände zitterte« und zuckten. ... Er Atz die Zahne zusammen nnd zwang sich zur Ruhe. Es hatte keinen Zweck, sich Mts den Kerl zu stürzen, der ohne Mühe die schwersten Kisten, an denen drei Mann stch abmühten, wie ein Kinderspiclzeng vom Wagen hob. Und es hatte auch keinen Ziveck, das WeiA zu bitten.. , . Es gab rave einen Ausweg . . . in« Nedenzimnier zu seinen Waffen W KelÄMen.

Stanislaw schien ihm diesen Gedanken vom Gesicht abgelesen zu haben, den» er tat ein paar Schritte und stellte sich vor die Wir.

«Nun, Herr von Zateski, ich warte aus Ähre Ant­wort." ....

Roman griff in die Bvusttasche und nahm seine Brieftasche heraus.

„Ich habe nur iwch hundert Mark bei mir."

«Das ist herzlich wenig. Mer wenn Sie sparsam damit umgehen und bescheiden dritter Klasse fahren, können Sie damit As Galizien kommen. Ich werde Ihnen den Koffer packen. Ein Anzug und etwas Wäsche wird genügen. Sobald Sie uns die fälligen tausend Mark cinschicken, senden wir Ihnen Ihr per­sönliches Eigentum zu. . . . Einen Augenblick, ich bin gleich fertig. . .

Sie verschwand im Nebenzimmer. . . . Nach weni­gen Minuten Sam sie mit einem kleinen Koffer zurück. «Und mm glückliche Reise, Herr von Zaleski. . . . Sie haben so einen merkwürdigen Ausdruck im Gesicht. Tun Si« daS nicht, gehen Sic nicht nach Ruhland. . . . Die Leute dort sind sehr ungemütlich . . . und sie wissen leider schon, daß Ihr amerikanischer Patz gefälscht ist."

Ohne eine Miene zu verziehen, nahm der Baron den Koffer. ... Er hatte noch ome Hoffnung . . . seine Dogge. . . . Bor der Tur steckte er zwei Finger in den Mund und bat einen gellenden Pfiff. „Noral" . . .

Ein' Heulen, das aus einem Stall zu kommen schien, antwortete ihm. . . . «Sie müssen uns nicht für so dumm halten. Herr von Zaleski . . ." sagte Stanis­law mit hÄmi-scham Lachen. «Darauf war ich voröe- reitet."

„Nickst durchs Dorf, hier geht es in den Wald. . . . Ich werde mir erlauben, Sie ein Stück zu begleiten."

„Dn Hnndeblut, du verdammter Knecht..."

Stanislaw matz ihn mit einem kalten Blick. „Die Rolle habe ich ausgespielt. . . . Mein Name lautet ganz anders. . . . Aber ich wende meine Hand mir nicht an Ihnen beschmutzen. . .

Der Baron sich ihn mit ebnem fassungslosen Blick an. „Um Himmels willen, doch nicht der Graf . .

„Keinen ddamen, wenn ich bitte« darf. . . . Sie werden jetzt auch wissen, weshalb wir heute mit Ihnen «ck^erechnet haben . . ."

„Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort", rief der Baron heftig.

„Was man nicht hat, kann man nicht geben", er­widerte Stanislaw eisig. „Wir haben die Beweise in Händen, daß Sie das Lager in Wilna den russischen Behörden verraten hcchen. Der Judaslohn ist durch einen glücklichen Zufall in meine Hände gelangt..."

Wie ein geprügelter Hund schlich der Baron mit seiNWi Kofferchon Arvon in den Wald. ...

22. Kapitel.

Im litauischen Zimmer saß der Assessor der Wesch- kalene gegenüber. Er hatte ihr einen Besuch gemacht, um bet ihr zu frühstücken »nd ein bißchen mit ihr zu plaudern. Im geheimen trieb ihn der Wunsch, der alten Dame sein Herzeleid zu klagen und sie um Rat SU bitten. Der Alkohol, den er als Betäubungsmittel angewandt hatte, Ijalf nichts mehr. . . .

Wo er ging und stand, sah er Wern vor sich. Ihre volle, stolze Gestalt, die verschleierten, schtvarzen Augen . . . das üppige Haar, das sie wie ein dicker Schleier bis zu den Füßen umwallte. ... So hatte er sie auf dem Polterabend des Forstmeisters gesehen als Zigeunerin, die dem jungen Paar ans der Hand die Zukunft prophezeite.

„Gnädige Frau, ich muß Ihnen ein Geständnis machen. Ich will Sie wm Ihre Hilfe bitten. . . .*

«Die gnädige Frau lassen Sie man ganz beiseite ... an die neue Mode kann ich mich nicht mehr ge­wöhnen. Ich bin die Weschkalene. . . . Meineii Rat solle,i Sie haben, aber erst, »venn Sie sich sattgegessen haben. Ein hungriger Magen ist ein schlechter Berater.

. . . So. nnil konnnen Sie", sagte sie, als der Assessor Messer und ffiabel beiseite gelegt hatte. . . >

„Nehmen Sie Platz. Und nun spreche,» Sie zu mir, als wenn Sie zu Ihrer Mutter spreche!,."

„Weschkalene, ich bin verliebt bis über die Ohren."

„Das ist nichts Neues für eine alte Frau... ich weiß auch schon in wen."

„Sie werden sich irren, nicht in die Adnscho

Stautet..."

„An die habe ich nie gedacht, Herr Assessor . . , Die Wera steckt Ihnen «n Kopf ..."

„Nicht bloß im Kopf, verehrte Frau Weschkalene, sondern auch m, Herzen."

„Aiich im Herzen? Das habe ich nicht gewußt.... Den Kopf kann man für eine Weile mit Alkohol zur Ruhe bringen, aber nicht das Herz."

„Das habe ich noch nickst gewußt. ... Es ist wahr, ich habe es in den letzten Wochen ein bißchen toll getrie- ben. . . . Wer Sie haben reckst. . . . Mitten in der Nacht bin ich mit wüstem Kopf <mfg«vacht ,md dann fing das Herz an zu sprechen."

jSb, so? Wissen Sie denn nicht, waS man in solchem Falle tu>t? Man geht hin, wenn der Groß- Vater nicht zu Hause ist. Und wenn er zu Haufe ist, schadet es auch nichts. Dann sagt man. lieber Herr Hc-gsnieister, ich habe mit Ihrer Enkeltochter m sprechen. . . . Ich bin der und der, ein anständiger