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12 klusgaben.

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„Tegblatt-Hsu»" Nr. 6650 53.

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Zreitag, 22. Ianuar 1913.

Morgen - klusgabe.

Nr. 35. - 63. Jahrgang.

Ern neuer Nrregsminister.

w. T.-B. Berlin, 21. Jan. (Amtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Kriegsmtnistcr und Cl»ef des Feldheeres von Falkenhayn ist unter Beförderung zum General der In-- fanteric auf fein Ansuchen von der Stellung als Kriegs­minister enthoben worden.

Die an General von Falkenhayn gerichtete Allerhöchste Kabinettsorder lautet: Ihren für die Neubesetzung

des Kriczsministeriums mir vorgetragencn Gründen kann ich mich nicht verschließen und enthebe sie, daher Ihrem Wunsche ge mäh von dem Amt als Staats- und Kriegs, minister. Meiner warincn Anerkennung Ihrer auf diesem wichtigen Posten geleisteten vortrefflichen Dienste will ich da­durch Ausdruck geben, daß ich Sie unter Belassung in der Stellung als Chef des General st abcs des Feld- Heeres hierdurch zum General der Infanterie be­fördere. — Großes Hauptquartier» 20. Jan. gez. Wilhelms.

Gleichzeitig wurde Generalmajor Wild von Hohen, boni unter Beförderung zum Generalleutnant zum Staats- und K r i c g S m i n i st e r ernannt. Er ver­bleibt auf Allerhöchsten Befehl im Großen Hauptquartier. — Die Leitung der Heeresverwaltung im Hcimatgcbiet nimm» auch weiterhin Generalleutnant v. Wandel wahr.

Als General v. Falkenhayn mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Generalstabes des Feldheeres an Stelle des erkrankten Generalobersten von Moltke betraut lvurde, harrten noch wichtige im Verlaufe der ersten Kriegszeit aufgetauchte Fragen organisatorischer und tech­nischer Art der Klärung. Ein Wechsel in der Besetzung der Stelle des Kriegsministers im Großen Hauptquartier wa» damals noch nicht angängig. Ein solcher ist heute unbedenklich geworden. Es ist deshalb eine getrennte Besetzung der beiden Stellen erfolgt.

Sein Nachfolger als Kriegsminister Generalleutnant Wild von Hohenborn gehörte dem Kriegsministerium als Direktor des allgemeiuen Kriegsdepartements an; im Felde befand er sich zuerst als Kommandeur der 30. Division, dann vom 27. November an als Generalquartiermeister.

vre klbreise des österreichisch-ungarischen Thronfolgers ins Grohe Hauptquartier.

W- T.-B. Berlin, 21. Jan. (Nichtamtlich.) Der öster- reichifch-ungarifche Thronfolger Erzherzog Karl Franz Joseph ist heute nachmittag 1,02 Uhr vom Potsdamer Bahnhof nach dem Großen Hauptquartier abgereist.

Oer Nrieg.

Zu dem Zeppelin-Knariff auf England.

Weitere Einzelheiten.

Mailand, 21. Jau. (Ktr. Frkft.) Aus London wird ge­meldet, es seien insgesamt 8 Orte von den Zeppelinen bombardiert worden. Über Darmouth schwebte ein Luftschiff

10 Minuten lang, ohne wegen der Dunkelheit gesehen werden zu können. Die Behörden ordneten das sofortige Löschen aller Lichter an. Die Bevölkerung war leb­haft erschreckt und strömte auf die Straßen, es wurden Wacht- leute ausgesandt, um Verwundete auszusuchen. Verschiedene Flieger stiegen zur Verfolgung auf, konnten aber wegen der Dunkelheit nichts erreichen. Kings Lynn, worüber die Luftschiffe eine halbe Stunde geschwebt sein sollen, war der westlich st e auf dem Streifzug berührte Punkt. In Eng­land meint man, es sei der Zweck der Fahrt gewesen, die königliche F a m i l i c in Sandringham zu terrorisieren. Der Besuch Londons dagegen sei nicht beabsichtigt gewesen. JnLondon wurden sofort nach dem Eintreffen der Nachricht von der Beschießung von Darmouth alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Eine mehrere tausend Mann starke Spezialwache wurde zusammengezogen und die Geschütze schußbereit ge­macht. Scheinwerfer suchten den Himmel ab. Die Gerüchte, daß Kriegsschiffe die heimkehrenden Zeppeline beschossen haben, scheinen falsch zu sein. In allen beschossenen Orten hinterließ der Besuch eine lebhafte Aufregung. Nie­mand ging zu Bett. Das Volt blieb aufgeregt auf den Stra­ßen. Mehrere Orte, in denen rechtzeitig die Lichter gelöscht wurden, sollen von den Zeppelinen unbemerkt und unoc- schossen geblieben sein. Auch soll das Ergebnis des Fluges be­weise,^ daß die Ziele von der Luft her schwer zu treffen sind. (Franks. Ztg.)

Schrecken und Bestürzung in England.

Englische Preffestimmen.

Sr. Amsterdam, 21. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die heutigen Londoner Morgenblätter bringen spaltenlange Berichte über die Bewerfung der englischen Südostküste durch deutsche Zeppclinluftsckiffe. Dabei werden eingehender vor­läufig nur die Vorgänge in Darmouth wiedergegeben Aber alle Bertchte laßen deutlich die Bestürzung und den Schrecken erkennen, den das Erscheinen des Feindes über englischem Boden hervorgerufen hat. Aus dem von

11 Uhr abends datierten Bericht der „Times" aus Dar-

mouth sei noch folgendes wiedergegeben: Bisher wurden

zwei oder drei Leichen aufgefunden und der verwüstete Zu­stand vieler Gebäude läßt keinen Zweifel darüber, daß die Verluste schwer sein müssen. Zur Zeit der Beschießung waren die meisten Leute in den Häusern und ich muß leider sehen, daß der größte Teil der Schäden Privathäuser be­troffen hat. Der »Daily Chroniclc" hebt hervor, daß

die erste Mitteilung von dem Besuche der deutschen Luftkreuzer Dienstagabend 8 Uhr in London aus A m st e r - dam eintraf, worin die Anwesenheit von Luftschiffen über dem Nordseegebiet gemeldet wurde. Merkwürdig ist, was einzelne Augenzeugen gesehen haben wollen: Im allgemeinen sahen sie ein „Luftschiff", das-viel von einem Zeppelin hatte. Andere haben nur Lichtstrahlen am Himmel gesehen. Ein Augenzeuge erklärte, ein Luftschiff „wie eine große Kirche" am Himmel gesehen zu haben. Dagegen haben alle das Surren der Propeller gehört. Die „Daily Mar l" sagt: Die Zeppeline sind nun zum

ersten Male über England erschienen und haben zum ersten Mole britisches Blut auf britischem Boden ver­gossen. Das englische Volt wird immer mehr die Zähne au feinanderbeißen und seine Anspannung ver­größern müflen, je öfter deutsche Kreuzer und Luftschiffe ihre Angriffe auf unsere Städte und unbewaffnete Bürger wie­derholen." Selbstverständlich tritt das Blatt wieder mit der Behauptung auf, daß die Deutschen hier abermals einen Angriff „auf offene Städte und unbefestigte Orte ohne militärische Interessen" vorgenommen hätten, obwohl die militärische Besetzung der Orte doch schon durch den Bericht der englischen Blätter bewiesen wird. Danach ist in Dar- mouth ein Soldat getötet worden und an einer anderen Stelle dicht neben einer Schildwache eine Bombe niedergefallen. Aber man verfolgt anscheinend die Praxis, in dem Moment, wo es in seinem Lande angegriffen wird, ganz England für einen unbefestigten offenen Platz erklären zu wollen.

2er Luftangriff ein anerkanntes Mittel moderner ttriegsführung.

W. T.-B- Berlin, 21. Jan. (Nichtamtlich.) Nach den bisherigen Vorgängen kann es nicht wundernehmen, daß die Regierung und die Presse Englands den Angriff unserer Luftflotte auf die englische Küste nicht unbenutzt vorübergehen lassen, ohne sich in den schwrrsten Be­schuldigungen gegen die deutsche KriegSführung zu er. gehen und sie der Barbarei zu bezichtigen. In der ganzen Welt wird dies verkündet, in zahlreichen Punltstrichrn über das Meer geschickt und in die entferntesten Teile der Erde ge­kabelt. Dabei ist an allem nichts weiter dran, als daß unsere Schiffe, um zum Angriff auf den befestigten Platz Great-Darmouth zu gelangen, andere Plätze über­flogen» aus denen sie nachgewiesenermaßen beschossen wurden und deren Angriff sie durch Abwerfen von Bomben erwiderten, und zwar bei Nacht und bei nebeligem und regnerischem Wetter. Hat diese Nation, deren Flugzeuge am hellen Tage über der offenen Stadt F r e i b u r g Bomben abwarfen, deren Schiffe wiederholt offene Städte, wiv DareSsalam und Viktoria (Kamerun) und Swa- k o p m « n d beschossen, ei» Recht, den Entrüsteten zu spielen» eine Nation, die kein Mittel scheut, ungeachtet völkerrechtlicher Auffassung der NeutralitätSbeftimmungcn ihre Absichten dnrchzuführcn? Der Luftangriff ist ein anerkanntes Mittel moderner KriegSführung, sofern er sich innerhalb allgemeiner völkerrechtlicher Grundsätze hält. Unsere Luft­schiffe haben sich innerhalb dicscrflssrenzc gehalten. Die deut­sche Nation ist durch Großbritannien gezwungen worden, um ihr Lebe» zu kämpfen. Sie kan» nicht ge­zwungen werden, aüf irgend ein Mittel legitimer Selbstver. teidigung zu verzichten und wird auch nicht darauf ver­zichten im Vertrauen auf ihr gutes Recht.

Berliner Preffestimmrn.

Sr. Berlin, 21. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In der Besprechung des Luftangriffs gegen England sagt das „Berl. Tagrbl.": Zweifellos wird sich nun die englische Bevöl­kerung wieder empört über die deutschen Barbaren aus­sprechen, die in ihrer rücksichtslosen Kriegsführung nicht Frauen und Kinder schonen. Man wird darauf antworten, daß jeder Deutsche, was selbstverständlich ist, auftichtiges Mit­leid mit den u n s ch u l d i g e n Opfern empfindet, daß er" aber in dem Gedanken an die armen Ostpreußen, die von den Kosaken gemordet wurden, und in dem Gedanken, daß der Krieg je vernichtungsvoller er geführt wird, um so schneller wird beendet werden, keinerlei Bedenken hat, volflen Beifall den tapferen Luftschifführern zu zollen, die nicht zögerten, auch dann Bomben werfen zu lassen, ioenn vielleicht einmal einige Gefahr für die Zivilbevölkerung entsteht.

Auch der „Lokal-Anzeiger"' sieht einen neuen Ausbruch der „moralischen Entrüstung" jenseits des Kanals voraus und schreibt: England hat mehr als einmal erklärt, daß es ihm darauf antomme, Deutschlands Handel zu vernichten, obgleich natürlich von diesem Kriegszweck bei der Erörterung der Kriegsgründe keine Rede war. Es hat dieses Ziel der Zer­störung des deutschen Handels mit weit größerem Eifer be­trieben als beispielsweise den als Kriegsgrund angegebenen Schutz der Belgier. Es hat sich nicht gescheut, die Rechte der Neutralen aufs brutalste zu verletzen, so weit ihm dies zur Schädigung des deutschen Handels notwendig erschien. Nun, die Engländer wissen jetzt, daß w i r bei unserer militäri­schen Unternehmungen auch keine anderen als mili­tärische Rücksichten mehr kennen. Unser Zweck ist ein rein militärischer und kriegsnotwendiger. England verwendet seine Flotte dazu, unsere Handelsflotte zu zerstören, und rühmt sich dessen. ES vergreift sich in gleicher Weise an der Flotte der Neutralen. Nun gut, wrr antworten mit den u n S zur Ver­fügung stehenden Mitteln.

Die „Kreuzzcitung" weist darauf hin, daß wir über das ■ Ergebnis des Luftangriffs lediglich auf Berichte auS eng­

lischer Quelle angewiesen seien, die zudem noch die eng­lische Zensur zu passieren haben. Dabei ist kein Wunder, wenn rnan nichts von der Zerstörung von Befesti­gungsanlagen hört, sondern nur von Tötung und Ver­stümmelung von Greisen, Frauen und Kindern.

Besonders interessant ist ein Artikel des Grafen R e v e n t l o w in der „Deutschen Tageszeitung", der den Spieß umdreht und dagegen protestiert, daß die Luftschiffe, als sie. um gegen die befestigten Plätze vorzugehen, über un­befestigte Plätze und Ortschaften hinwegflogen, ohne die geringste feindliche Handlung vorzunehmen, von diesen aus beschossen worden seien. Das sei ein englischer „Franktireurangrisf" auf die deutschen Luftschiffe.

Die Genugtuung in Österreich.

IV. T.-B. Wien, 21. Jan. (Nichtamtlich) Die „Neue Fr. Presse" bezeichnet den jüngsten Angriff der Zeppeline gegen England als eine der g l ä n z e n d st e n Kraftproben der Dreadnoughts der Lust. Jetzt ist es ihnen gelungen, den Eng­ländern wieder einmal vor Augen zu führen, wie angreif­bar ihre so sicher gehaltene Insel ist. Der alte Graf Zeppelin sei herzlich zu bewundern und zu beglückwün­schen, daß er es erlebt, wie das Erzeugnis seiner Erfindungs­gabe im Kriege dein deutschen Volk den größten Dienst leistet und den Feinden Deutschlands das Verderben bringt.

Die Lage im westen.

2ie nächst« deutsche Offensive.

Bekommene französische Fragen.

Mailand, 19. Jan. „Corriere" meldet auS Paris: Man ftagt sich hier, w o wird die nächste Offensive stattfinden. Wird es eine allgemeine Offensive werden, oder wird ein riesenhafter Versuch gewagt werden, die Front zu durch­brechen? Die Ergebnisse von Soissons machen die Beant­wortung dieser Fragen schwierig. Wäre es möglich, daß die Deutschen ihre Anstrengungen auf das Zentrum der Front konzentrieren? Der Schützengrabenkrieg in Polen scheint cS den Deutschen zu erlauben, ihre Besetzung in Frankreich wus- zudehnen, andererseits, sagt der „New Dort Herald", wird General Joffre im Frühjahr große englische Hilfe haben.

Die Kämpfe um Bethune.

Amsterdaui, 20. Jan. „Daily Telegraph" meldet aus Boulogne: Zwischen La Bassee und Festubert hat die Kanonade nachgelassen. Die Deutschen halten die wichtigsten Punkte, die sie in der Gegend von Bethune eingenommen haben, und beabsichtigen, die Stadt selbst zu nehmen. Wäh­rend des letzten Monats ist Bethune nicht beschossen ivorden. JnGivenchylesBasses, 9 Kilometer von Bethune, fan­den furchtbare Kämpfe statt. Das Dorf selbst liegt etwas erhöht und gewährt einen Blick in das Bethunetal. Der ganze Ort ist eine große Ruine, von 263 Häusern stehen nur noch drei, und täglich schießen die Deutschen aus diesem Ort, in dem sie sich jetzt festgesetzt haben.

Die mangelnde Disziplin der Engländer.

In der Pariser „Humanite" vom 4. Januar wird das Tagebuch eines Parisers veröffentlicht, der die Besetzung des Seine et Marne-Departements miterlebt hat. Darin heißt cs wörtlich: In S om in e r o n - s u r - M a r n e zögerten die Engländer keinen Augenblick, die verschlossenen Haus­türen aufzubrechen und sich aller Sachen zu bemächri- gen, die sie brauchen konnten, wie Wäsche, Seife usw. Auf die Vorwürfe, die ich ihren Offizieren machte, antworteten diese mir: „Was wollen (Sie? Morgen sind die Deutschen hier und plündern alles. Da ist es besser, wir bedienen uns vorher." Man begreift, daß der französischen Zivilbevölkerung über ihre englischen Retter die Augen auf gehen mußten, zumal wenn nachher die deutschen Soldaten einzogen und — ihr Brot mit den Notleidenden teilten.

wie die Zranzosen im eigenen Lande plündern.

Sr. Berlin, 21. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ein Gesuch um Übersendung von Lebensmittel», das 14 franzöfi- sche Gemeinden der Departements Aisne und Ardenne am 26. November 1914 an die Schweiz richteten, enthielt fol­genden Passus: Schon seit Monaten werden die Gemeinde»» in einer beunruhigenden Weise durch die Truppen in An­spruch genommen. Zunächst haben sich die französischen Truppen in unseren Gemeinden reichlich verprovian» l i e r t und haben zusammengerafst, was sie nur auf dem Lande gefunden haben. Sie haben die Keller und die Scheunen geleert, ja, man ging so weit, den Wein, den man nicht wegschaffen konnte, zu verschütte». Man be­ließ den Einwohner»» nur das Allernotwendigste, ja, man plündert selbst die verlassenen Häuser.

ver englische Seeräuberkrieg.

Ein unverfrorener englischer Vorschlag.

Kiel, 19. Jan. Nach der „Times" soll der Verkauf von Prisen jetzt beschleunigt werden. Aus allen Häfen »verden die beschlagnahmten Schiffe riach London und Liver­pool übergeführt, um versteigert zu werden. Die neutralen nordischen Schiffahrtskreise betonen, daß dieser Verkauf für sie keine Bedeutung hqt, da die Dampfer nur an britische Staatsangehörige abgegeben und erst nach fünf Jahren an Ausländer weiterverlauft werden dürfen. Es ist den Neu­tralen in dieser Zeit nicht eininal gestattet, die Prisen in Zeitcharter zu nehmen. An Ausländer sind nur einige Segel­schiffe verkauft worden. Die „Times" stellte mit Behagen fest, daß sich unter den gekaperten Schiffen eine Menge aus-