Verlag Langgaffe 21
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Donnerstag, 2t. Januar 1915. HbCttö=ftUSgCtbC. Nr. 34. . 63. Jahrgang.
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Der erste OlgrelA tnftanoriff an! England!
Der erste grotze Luftangriff.
^,7.-8. Berlin, 21. Januar. (Amtlich.) In der Nacht vom IN.—20. Januar unter» »ahme» M ariueluftschiffe Angriffe gegen e»nige befestigte Plätze an der englischen Oftküste. Hierbei wurde» bei nebeligem Wetter und Regen mehrfach Bomben mit (»rfolg geworfen. Die Luftschiffe wurden beschossen, kehrten aber unversehrt zurüch.
Der stellvertretende Chef de- AdmiralstabS: (gez.) Behncke.
Der heiße Haß gegen unseren gemeinsten Gegner in diesem ungeheuren Ringen, der Haß gegen England, den wir alle hegen und pflegen, wollen, bis der tönerne Koloß des britischen Riescnreiches unter den Schlägen des deutschen Zornes in Trümmer zerschellt, dieser Haß läßt uns mit grimmiger Freude die Kunde vernehmen von der ersten großen Tat unserer Rtarineluftjchisfe gegen England! Überall, wo deutsche Herzen schlagen, überall bei unseren Verbündeten und überall da, wo man im Auslande uns wohl will, wird man freudig aufhorchen und Verständnis haben für den Jubel, mit dein wir tn Deutschland den Erfolg unserer einzigartigen lenkbaren Luftschisfloafse begrüßen. Heil ihm, dem genialen Schöpfer dieser furchtbaren Waffe, die uns kein Volk bisher nachgemacht hat: dem greisen Grafen Zeppe- l i n, dem wir Glück wünschen dazu, daß er diesen Triumph seiner Luftschiffe hat erleben dürfen, diese e r st e kühne und erfolgreiche Englandfahrt eines ganzen Zeppelingeschwaders, dre hoffentlich nur die Ein- leitung ist zu noch größeren gewaltigeren Schlägen. Und Heil den tapferen Marineoffizieren und Mannschaften, die die todesnmtigen Ausführer dieses Admiralstabs- befehls waren! Freudig und erfolgreich haben sie ge- wetteifert mit den gleich schneidigen Schwesterwaffen unserer tapferen Flotte, den Schlachtkreuzern, die vor Scarborough und Hartlepool donnerten und den Unterseebooten, die bis vor Dover, in Englands Hafeneingänge hinein, den Schrecken trugen, vor der angeblich in der Mausefalle sitzenden deutschen Flotte. Nachdem schon deutsche Kriegsschiffe englische Hafenstädte mit Erfolg beschossen haben und deutsche Flieger wiederholt auf Dover und Plätze an der Themsemündung Bomben geworfen haben, ist dieser Vorstoß das erste Mal, daß Zeppeline das englische Jnvasions- gespenst in furchtbare Wahrheit umsetzen. Wir stehen dankbar und stolz vor einem neuen Erfolg der deutschen Technik und Erfindungskunst. Wir haben einen neuen Beweis dafür, daß wir mit diesen Waffen der deutschen Technik den Feinden überlegen sind und wir sehen, welch gewaltiges Gegengewicht unsere Marine gegenüber der gewaltigen feindlichen Überlegenheit der Zahl in ihrem Angriffsgeist, ihrer mit kluger Zurückhaltung ausgesparten zielbewußten Tatkraft ebenso besitzt wie in den technisch so ausgezeichneten Waffen der Unterseeboote und Luftschiffe. Darum erfüllt uns der Erfolg unserer Marinezeppeline, wenngleich wir seine militärische Wirkung zu überschätzen uns hüten müssen, neben der sicherlich viel bedoutenberen moralischen Wirkung auf das betroffene England und das Ausland, — darum erfüllt uns dieser Erfolg mfl frohen Hoffnungen auf den weiteren Ausgang des Krieges mit unserem schmählichsten und schuldbeladensten Gegner: stehen wir doch erst im Anfang dieses Krieges mit England; und auch was unsere Unterseeboote, Kreuzer und Lustkreuzer bis heute an Taten unvergänglichen Seemannsruhmes geleistet haben, das soll uns nur als ein B o r b o t e gelten des kommenden Größeren («roßte stecht noch
ans." Aber kommen wird dieser Tag in bei Ge- schichte Englands, den wir alle mit jeder Faser unseres Herzens ersehnen, auch! Ein Menetekel nach dem anderen kündigt ihn dem Krämervolke an, dein wir das Gruseln trotz all seiner heuchlerischen 'Selbstüberhebung schon beigebracht haben. Es beginnt zu dämmern im „meerbeherrschenden" England, daß der Tag deutscher Vergeltung naht, daß der Meere s- g.ürtel das falsche Land der Briten nicht mehr schütz t. Bis dahin aber müssen wir uns alle im ganzen Volk den Geist lebendig halten, der in den Reihen unserer Tapferen in Flandern wie unserer Marine herrscht, den Geist, der in Ernst Lissauers auf Befehl des Kaisers imd des Kronprinzen von Bayern
im Heere verbreiteten „Haßgesang gegen England" treffend zum Ausdruck kommt, wenn es heißt:
„Hatz zu Wasser und Hatz zu Land,
Hatz des Hauptes und Hatz der Hand,
Hatz der Hämmer und Hatz der Kronen, Drosselnder Hatz von siebzig Millionen,
Sie lieben vereint, sie Haffen vereint,
Sie haben alle nur einen Feind:
England."
Die Fahrt des Ieppelingefchwaders.
Bo» Aarmouth bis nach Sandringham, dem Landsitz des Königs.
W. T.-B- London, 20. Jan. (Nichtamtlich. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Gestern abend erschien ein feindliches Luftschiff über Aarmouth, das 10 Minuten über der Stadt blieb und fünf Bomben abwarf. Drei Personen wurden getötet. Mehrere Häuser wurden zerstört. Viele Fenster-
W. T.-B. Rotterdam, 21. Jan. Der „Neue Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Die Leute hatten hier allmählich den Glauben verloren, datz wirklich die Zeppelins kommen würden, aber sie sind nun doch hier gewesen und haben B o m den geworfen. Die Nacht war d u»n k e l und ft 11T, Die Leute erzählen, datz, während Aarmouth von Explosionen erzitterte, niemand die Luftschiffe sehen konnte. Zn London wurden die Vorsichtsmatzregeln sofort verdoppelt. Die Spezialkonstabler (Hilfsschutzleute) wurden aufgebvteu usw. Aber kein Zeppelin erschien, obwohl »Daily Telegraph" versichert, datz einer am selben Abend über Gravesend gesehen wurde. Die Nacht war ziemlich klar. Die Umrisse der Luftschiffe waren deutlich erkennbar; zwei kamen um Wz Uhr aus der Richtung vom Meere und liehen vier Bomben fallen. Sie blieben nur 10 Minuten und flogen dann ostwärts. Um 11 Uhr 45 Min. kam dann wieder ein Luftschiff über Sie Stadt, und zwar aus den« inneren Lande aus Südwester, und flog nach Aussage der Polizei sehr schnell; es
scheiben sind zersprungen. Zwei der abgeworfenen Bomben fielen am Strande nieder. Das Luftschiff konnte wegen der Dunkelheit nicht gesehen werden, aber die Motore waren deutlich zu hören. Auch waren Flammen in der Luft sichtbar. Das Luftschiff fuhr dann nach Sheringham und warf dort zwei Bomben ab, die keinen Schaden anrichteten. Auch iiber Crom er wurden Bomben abgeworfen. Um 1034 Uhr erschien das Luftschiff über Kings Lhnn, wo es vier Bomben abwarf. Hier wurden zwei Häuser zerstört und ein Haus beschädigt. In einem der Häuser wurde ein langer Mann getötet, während sein Vater unter den Trümmern begraben wurde. Aus dem Geräusch des Motors erkannte man, datz das Luftschiff in östlicher Richtung fuhr. Auch aus Sandringham, dem Landsitz des Königs, wird berichtet, datz das Luftschiff dort erschien.
Das Nönigspaar kurz vorher noch in Sandringham!
W. T.-B. London, 20. Jan. (Nichtamtlich.) Der König und die Königin trafen am Montag aus Sandringham ein, wenige Stunden bevor ein deutsches Luftschiff über
Sandringham erschien.
weitere Einzelheiten.
Biele Häuser beschädigt.
W. T-B. London, 20. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Times" meldet aus Aarmouth: Die meisten Einwohner waren bei der Ankunft des Luftschiffes i n d e n H ä u s e r n. An den öffentlichen Gebäuden wurde wahrscheinlich wenig Schaden ungerichtet, dagegen sind viele Häuser in der Peterroad beschädigt worden. Eine Bombe ist in der Nähe der Peterskirche, eine andere auf dem Norfolk Square, gegenüber dem Hause des Mayors, niedergefallen. Die Bomben verursachten grotze Löcher. In Sheringham inurden fünf Bomben geworfen, aber niemand getroffen. In Kings Lynn ist durch sieben Bomben groher Schaden entstanden.
lieh fünf Bomben fallen, während es über Aarmouth flog, und verschwand in östlicher Richtung.
Nr-. Amsterdam» 21. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Aus dem Bericht des Reuterbureaus über den Zeppelinangrisf ist noch folgendes mitzuteilen: Die Polizei erklärt, kein einziges Anzeichen dafür zu haben, datz während des Angriffs vom Lande oder von der See irgend welche Signale abgegeben würden. Reuter betont, der Schaden, den er mit 50 Pfund angegeben, sei viel hoöher. Er belaufe sich tu die Tausende. Allein der Sachschaden in Aarmouth betrage über 100 Pfund. Um 11 Uhr nachts wurden die Zeppeline über Kings Lynn beobachtet. Von Aarmouth aus war die Polizei von dem Auftauchen der Luftschiffe benachrichtigt, so datz alle Vorsichtsmaßregeln getroffen werden konnten, über Kings Lynn wurden sieben Bomben abgeworfen, die großen Schaden anrichteten, Tic in Aarmouth unters Ziel genommenen Punkte.
W. T--B- London, 20. Jan. (Nichtamtlich. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Gestern abend um &/z Uhr warf ein feindliches Luftschiff über Aarmouth fünf Bomben ab. Diese ftelen bei. dem Exerzierplatz, bei dem Marinedapot and dem Norfolk Square, beim Hause des Mayors, und im Hotel de? Peterroad nieder. Zwei Personen wurden getötet.
Weitere Einzelheiten über die Panik in Aarmouth.
W. T.-B. London, 21. Jan. (Nichtamtlich) Über de» Luftangriff werden folgende Einzelheiten bekannt: In Aarmouth liefen, der „Times" zufolge, trotz der früheren Warnungen der Behörden die Einwohner bei dem Knall der Explosion auf die Straßen. Der ersten Explosion folgte sofort ein großer Lärm in verschiedenen Stadtteilen. Die elektrischen Lichter wurden gelöscht und die Schaulustigen damit gezwungen, ihre Wohnungen so gut wie es ging, in der Finsternis aufzusuchen. Die Truppen, die Befehl zun, Ausrücken bekamen, schossen, mit einer Ausnahme, nicht, sondern beteiligten sich am Rettungswerk. Aus verschiedenen
