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Nr. 16.
Mittwoch, 20. Januar.
1915.
Copyrilht 1914 by Carl Dunker, Berlin. IDöQfcfyölS.
Nachdruck verboten.
(27. Fortsetzung.) Roman von Fritz Skowrennek»
Nante bekam heute keinen Reisbrei. ... Er konnte in allen Gerichten nach Herzenslust schwelgen. . . . Als die Tafel ausgehoben wurde, zogen die beiden Damen sich zuriick und fuhren bald darauf ab . . . Die Grünröcke scharten sich enger um den Tisch. Die Jagd- gvschichtcn begannen. . . .
„Wissen Sie auch, daß Schnabel durch sein schönes Blasen einmal beinahe den Forst-Versorgnngsschein verloren hat?" fragte der Forstmeister . . .
„Erzählen . . . erzählen . . ." rief's von allen Seiten.
Nante kratzte sich verlogen hinter dem Ohr. „SLa ja . . . das kain so. Ich mutzte immer mit dem Kalweit, dem jüngsten Bruder unseres Kollegen hier, beim Bataillon Patrouille gehen. Beim letzten Manöver, was wir mitmachten, heißt es auf einmal: der Kaiser wird kommen.
„Nu ging alles wie auf Drähten. Am letzten Tage machte die rote Armee gegen uns einen weiten Um- aehungsmarsch. Natürlich mutzten wir Jäger an die Tete . . . und wir beide im Trab über die Spitze hin- aus ins Vorgelände. Weißt was, sagt der Kallveit zu mir, was sollen wir wie die Hunde laufen. Dort auf dem Berg steht 'ne Windmühle, da können wir rauf, stecken den Kopf aus der Luke und besehen uns die ganze Gegend.
Wie wir an die Mühle kommen, springt der Müller uns entgegen. Nein, Kinder, sagt er, ist das eine Freude, wieder mal einen grünen Rock zu sehen, ich habe ja auch bei dein Bataillon gestanden. Nun kommt rein zu mir. . . . Geht nicht, sag' ich . . . wir sind im Dienst. Ach, sei doch kein Frosch.' Mein Gesell wird schon aufpassen. ... Na, wir gehen denn auch zu ihm rein, er fährt auf, was er im Hause hat . . . wir essen und trinken, daß es bloß so kracht . . ."
„Kann ich mir lebhaft denken", rief Kalweit, „mein Bruder schlägt auch 'ne gute Klinge."
Ohne ihn zu beachten, fichr Schnabel fort: „Mit
einem Mal kriegt der Müller mein Horn am Hirschfänger zu sehen. Was, schreit er, Ihr müßt jetzt auch blasen? Selbstverständlich, sage ich. . . alle Signale, wie der gelernte Hornist. Na, denn inal los, sagt er. Ich muß wohl schon einen ordentlichen Zacken wegge- habt haben, denn ich stelle mich ans Fenster, damit es 4n der Stube nicht fo dröhnen soll und blas, was mir «gleich in den Sinn kam: „das Ganze Halt"I
Mit einem Male wird draußen das Signal wiederholt von der Avantgarde der roten Armee, die uns schon beinahe umzingelt hatte. . . . Das Signal geht weiter. ... Ich werde mit einem Male nüchtern Mensch, Kalweit, sag' ich . . . nun aber marsch marsch zurück.
. . . Der Müller sagt, Kinder, ich verlass' euch nicht_
Me wir zum Bataillon kommen, ist schon der Kommandierende da mit einem hochroten, dicken Kopf, denn wer sollte außer ihm ,Las Ganze Halt" blasen lasten? Das konnte doch nur der Kaiser gewesen sein.
Wer hat hier „Halt" geblasen? schreit er «ns an. ■vjd) trete vor, der Kalweit auch. Da springt auch der Müller vor und ruft: Stein, Herr Exzellenz, ich häbe geblasen, ich bin alter Jäger, ich habe bloß mal das Horn probieren wollen. . . . Der Baubau dreht sich um zu unserem Major: Lassen Sie die Kerle ab führen, das weitere wird sich finden. Es fand sich auch. Vierzehn Tage streng und ade Forstversorgungsfchein , . .
Ich war schon halb verhungert, als der Major eines Tages in meine Zelle tritt. „Schnabel", sagte er. „dan- ken Sie Ihrem Schöpfer, daß der Inspekteur der Jäger und Schützen von der Geschichte gehört und sehr darüber gelacht hat. Sie behalten den Forstver- sorgungsschein."
„Ein Kommißbrot wäre nur jetzt lieber", platzte ich raus . . .
„Das sollen Sie auch haben", lachte der Major, „ich habe vergessen, an Ihr Eßbedürfnis zu denken." Aber die vierzehn Tage mußten wir abreißen."
Weschkalene hatte es sich nicht nehmen lassen, eine echt litauische Bauernhochzeit mit vollem Glanz auszurüsten. Schon am Tage des Polterabends erschienen von nah und fern die eingeladenen Familien mit Kind und Kegel. . . . Am Hochzeitstage noch viel mehr. . . . Der Polterabend wuvde nach alter Weise mit Aufführungen aller Art gefeiert. Erna erschien als Flugzeug mit zwei mächtigen Flügeln an den Armen und bot sich dem Brautpaar als neumodische Hochzeitskutsche an, auf der man direkt in den Hiimnel fliegen kann.
Ein Dutzend Paare in litauischer Tracht führte einen Reigen auf. . . . Kleine Mädchen und Knaben sagten Gedichte auf. . . Währenddessen donnerte es unaufhörlich gegen die Haustür. Weiß Gott, wo all die alten Töpfe und Schüsseln herkanten, die bei dieser Gelegenheit ihr Ende fanden. . . . Im Garten war ein Tanzplatz gedielt und überdacht. Da drehte sich das junge Volk im Kreise.
Am anderen Vormittag fichr das Brautpaar nach Starrischken, ltott sich von dem stellvertretenden Standesbeamten trauen zu lassen. . . . Die Kirchentrauung fand erst am Nachmittag in Lasdehnen statt. Aals dem Hofe ordnete sich der Zug. An der Spitze dreißig berittene junge Burschen auf Pferden, deren Mähnen und Schweife mit grün-weiß-roten Bändern durchflochten waren. Auch die Reiter trugen Schärpen tu denselben Farben und Sträuße am Hut. . . . Sie
schossen unaufhörlich aus Pistolen und Gewehren_
Dahinter in geschlossener Glas-Kutsche, sechs stolze Trakehner davor, das Brautpaar. . . .
Don weit und breit war alles zur Kirche nach Lasdehnen gekommen. . . . Ein so schönes Brautpaar hatte man lange nicht gesehen, das war die allgemeine Meinung. Der Forstmeister in seinem dunkelgrünen goldgestickten Waffenrock, den altertümlichen Hut mit Waldhorn und Gamsbart auf beim Kopf, die Braut in schwer«
