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i Der Roman, i

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b:„ »! Moraen-Veilaae des Wiesbadener Taablalts.

Nr. 15.

Dienstag, 19. 3amiar.

1915.

Copyright 1914 by Carl Dunker, Berlin. (20. Fortsetzung.)

ver Wagehals.

Roman von Fritz Skowronnek.

Nachdruck verboten.

Gegen AbenL kam der Hegemeister von einem Gang durch den Wald nach Hause zurück. . . . Das Abend­brot wartete schon auf ilhn. Mooslehner erschien still und znrückhastend. . . . Wera ebenfalls mit Dulder­miene. Bloß der kleine Bube und Krummhaar waren in fröhlicher Stimmung.

„Wera, sind die Leute beim Abendbrot? Na, dann geh mal nach der Küche und laß beim Zurückkommen die Tür Halbaffen. Und verderbt mir nicht das Kon« -ept, wenn ich nachher etwas erzählen tverde. . ."

J3o, Kinder", begann er nach einer Weile mit auf­geregter Stimme, „denkt eirch mal, was mir passiert ist. Ihr erinnert euch doch an das alte Bettelwerb, das im vergangenen Winter im Wal- erfroren gefunden wurde. . .?"

»Nun, ich sag euch, das Weib spukt. . . . Ihr braucht nrich gar nicht so verwundert anzusehen, ich weiß schon, was ich sage. Sie findet keine Ruhe im Grabe, weil sie nicht ordnungsmäßig beerdigt ist. Ich habe sie schon zweimal in der Dämmerung von weitem gesehen."

„Das wird eine Beerenleserin gewesen sein."

„Das habe ich mir zuerst auch gesagt. Aber nein, beute habe ich sie ganz dicht und ganz genau gesehen. Ich bin doch nicht im geringsten abergläubisch, und ich habe mich noch immer auf meine Augen verlassen kön- nen. . . . Auf zwanzig Schritt ist sie an mir vorbei- gegangen."

„Woran hast du ste denn erkannt?"

„Na, wenn ein altes Weib seinen Kopf nicht auf den Schultern, sondern in den Händen trägt, dann wird mau doch wissen, was es ist . . .? Ganz langsam ging sie über die neue Schonung nach Jagen vierzehn auf den Kirchhof zu. . . . Mit einemmal war sie wie in die Erde gesunken. Mich kriegen keine zchn Pferde mehr in die Gegend dorthin . . . ."

Das Geklapper der Löffel in der Küche hatte aufge­klärt. . . . Als Wera eine Viertelstunde später das Dienstmädchen rief, damit sie den Tisch abräumte, war sie weg . . . ins Dorf, die große Neuigkeit zu verkün­den. Am nächsten Tage waren noch ein paar Weiber aus Starrischken und Weschkallen. zu denen die Spuk­geschichte noch nicht gedrungen war. auf der Schonung. Am dritten Tage ließen sich keine mehr blicken. Die schönsten Erdbeeren reiften in Massen auf der Schonung und Onkel Adam bekam von Erna den angelobten Kuß.

Der Forstmeister lachte herzlich, als ihm Nante er­zählte, wodurch der Hegemeister die Weiber von der Schonung vertrieben hatte. Aber Wromeirene war nicht zu bewegen, auf die Schonung zu gehen. Sie glaubte steif und fest an das spukende Weib, denn es wurde nun täglich von irgendeinem Menschen gesehen. Da war ihre Nichte Kathinka doch schon aufgEärler. r . . Zur Vorsicht bat sie aber doch Herrn Forstaufseher Schnabel um seine Begleitung.

Itante hatte sich noch nicht in der Försterei blicken lassen, und er schien sich auch bereits getröstet zu haben. Seine Zuneigung zu dem weiblichen Geschlecht wurde augenscheinlich weniger durch das Herz als durch den Magen beeinflußt, denn Kathinka futterte ihn mit Liebe und Sorgfalt — sie hatte für ihn zwei neue Mahlzeiten eingeführt. . . . Nach dem großen Früh- stück erhielt er noch ein kleines Mittag und nach dem Abendbrot fand er ans seinem Zimmer einen gehänf- ten Teller belegter Brote. Mit Schrecken dachte er daran, daß dieses gute Lebe» unter dem neuen Regi­ment aufhören könnte. Er wußte nicht, daß der Forst- Meister in seiner Herzensgüte auch dafür schon gesorgt hatte.

Der alte Herr hatte sich in der kurzen Brautzeit noch verjüngt. Er studierte jetzt eifrig Landkarten und Reisehandbücher, denn seine zweite Ehe sollte ihm auch den groben Wunsch seines Lebens, eine Reise nach Italien und weiter mit einem Vergniignngsdampfer durch das Mittelländische Meer erfüllen. Den Abschied von seinem Witwenstand wollte er noch durch ein großes Fest auf dem Scheibenstand feiern.

Der Assessor führte in dieser Zeit ein sehr lockeres Läden. Entweder fuhr er gegen Abend nach Warten­berg oder das Auto brachte seine Gäste zn ihm . . . und auch Herr von Zaleskj Ivar häufig sein Gast. Ja, der Assessor war schon mehrere Male bei ihm in Ser- benten gewesen und hatte sich großartig amüsiert. Dre Cousine Fedora war eine vorzügliche Gesellschafterin. Sie spielte vorzüglich Klavier, sie sang zur Laute schwer­mütige Polenlieder, deren Text der Assessor glücklicher- weise nicht verstand, und sie hielt auch anr Spreltisch tapfer mit. ...

Da es nur ein Herrenfest sein sollte, erschienen die Grünröcke ohne ihre besseren Hälften. Auch Herr von Zaleski war mit Zustimmung des Forstmeisters durch den Assessor eingeladen worden. Für die Forstbeamten hatte der Forstmeister eine Anzahl wertvoller Preise ge­stiftet. die anderen Teilnehmer mußten sich mit emom kleineren oder größeren Eichenkranz begnügen. . . .

Bald nach Mittag begann es auf allen Ständen zu knallen. Der Oberförster immer mitten zwischen seinen Grünröcken, seelenvergnügt. . . und er war noch immer der beste Schütze von allen. . . . Nur Krummhaar und Mooslehner hielten ihm Widerpart.

Der Baron hatte eine gute Mauserbüchse und eine sehr kostbare englische Doppelflinte mitgebracht. Er schoß mit beiden gleich gut. . . . Das offizielle Preis­schieben war um die Vesperzeit beendet. Die Beamten taten sich nun auf zwei Ständen zusammen und schossen um den Einsatz von fünfzig Pfennigen, aus dem drei Geldpreise gemacht wurden. . . .

Der Forstmeister, der Assessor, die beiden Guts­besitzer und Herr von Zaleski schossen nach dem Wald­hasen, der auf ihren Wunsch ein ganz höllisches Tempo einschlagen mußte. Die größte Schwierigkeit lag je-