Verlag Langgaffe 21
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Montag, 18. Januar, morgens.
Lonöer-Kusgabe.
ISIS.
Der Ausgang der „grotzen Offensive":
{50 000 Mann Verluste bei unseren zeinden!
Der Tagesbericht vom 17. Januar.
Nutzer Artilleriekämpfen wenig von Bedeut», g. weitere Fortschritts in den Krgonnrn, — Im Esten die Lage unverändert.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 17, Jan., vormittags. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
In Flandern beiderseits nur Artillerietäwpfe.
Bei Blaugy, östlich A r r a s, sprengten wir ein großes Fabrikgebäude und machten dabei einige G e- fa n g e n e.
Bon der übrigen Front ist außer Artillerie, kämpfen von wechselnder Heftigkeit und Fortsetzung der Sappen- und Mivenkäwpfe nichts von Bedeutung zu melden.
In den A r g o n n e n kleine Fortschritte. Sturm und Regen behinderten säst auf der ganze» Front die Gefechtstätigkeit.
Westlicher Nriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeine» unverändert.
-b ... -*--
oas negative Ergebnis der feindlichen Angriffe.
Bor etwa vier Wochen wurde hier der allgemeine Angriffsbefehl veröffentlicht, den der französische Oberbefehlshaber kurz von dem Zusammentritt der französische» gesetzgebenden Körperschaften im Dezember erlassen hat.
Die Augrifssversuche der Gegner auf dem westlichen Kriegsschauplatz, die daraufhin emsrtzten, haben die deutsche Heeresleitung in keiner Weise behindert, alle von ihr für zweckmäßig erachteten Maßnahmen durchzuführen. Sie haben dem Feinde an keiner Stelle irgend nennenswerten Gewinn gebracht, während unsere Truppen nördlich La Bassse und in den Argonnen recht befriedigende Fortschritte zu verzeichnen hatte«.
Die feindlichen Berluste während dieser Zeit betrugen an von uns gezählten Toten etwa 26 000 und an u «verwundeten Gefangenen 17 860 Mann. Im ganzen werden sie sich, wenn man für die Berechnung der Verwundeten das Erscchrungs- verhältnis von 1:4 ansevt, abgesehen von Kranken, nicht beobachteten Toten und Vermißten, auf mindestens 150 000 Mann belaufen.
Unsere G e s a m t v e r I u st r im gleichen Zeitraum erreichen noch nicht ein Viertel dieser Zahl.
Ober st e Heeresleitung.
Der Erfolg bei Soiffons.
Ein Bericht aus dem Grotzen Hauptquartier.
W. T.-B. Berlin, 16. Jan. (Nichtamtlich) Aus dem Grotzen Hauptquartier wird unS geschrieben: Die Kämpfe bei Soissons. . Die- in den letzten Tagesberichten nur kurz mitge- teilten Kämpfe nördlich Soissons haben zu einem recht beachtenswerten Waffenerfolg für unsere Truppen geführt. die dort unter der Leitung des Generals der Infanterie v. Lochow und des Generalleutnants W i ch u r a gekämpft und gesiegt haben.
Während des Stellungskrieges der letzten Monate hatten die Franzosen :n der Gegend von Soissons aus cinein Gewirr von Schützengräben bestehende Stellungen inne, die sich an dem rechten Msneufer brückenkopfartig nordwärts auSdehnten. Auf dem Westflügel des in Frage kommenden ÄampffeldeS fteigi westlich der Bahn SoissonS- Laon aus dem breiten Flußtal eine vielfach zerklüftete und reich bewaldete Höhe empor, auf deren oberstem Teil Gräben von Freund und Feind dicht einander gegenüberlagen, beide Teile bestrebt, sich durch S a p p e n a n g r i f f in den Besitz des Höhenpunktes zu setzen. Östlich der Höhe liegt zu ihren Füßen im Tal das Dorf C r o u y. An diesem vorbei zieht in einem tief eingeschnittenen Grund die Bahn Soiffons-Laon nordwärts. Dicht östlich der Bahn sind eine Reihe von S - Einbrüchen, in denen sich unsere Soldaten meisterhaft eingebaut hatten. Die. sogenannten Steinbruchstellungen bildeten den westlichen Ausläufer der Hochfläche von B r c g n h, die sich lang und breit östlich der Bahn ausdehnt, und die in ihrem ganzen südlichen Teil in französischem Besitz war. Von der Fluß,eile her schneiden mehrere lange und tiefe Schluchten in die Hochfläche ein. In ihnen- fand dieschwereArtillerie der Franzosen eine sehr günstige Ausstellung. Die am Rande der Hochfläche auf Bäumen hinter Stahlblenden und
Brustpanzern sitzenden Beobachter lenkten das Feuer der schweren Geschütze flankierend gegen die deutschen Stellungen auf der ganz bewaldeten Höhe. Dieses Flanksnfeuer richtete sich vor allem gegen die Schützengräben des Leib- r e g i m e n t s und war am ersten Feiertag ganz besonders heftig. Unter ungeheurem Munitionsauf- w a n d setzte es am 7. Januar erneut wieder ein. Die brave Truppe hatte viel zu leiden. Ein« Stellung, der sogenannte Maschinengewehrgraben, wurde buchstäblich vom feindlichen Feuer eingeebnet, die darin befindlichen Waschrnengr- wehre wurden verschüttet. Nach dieser Feuervorbereitung schritt der Gegner am 8. Januar zum Angriff. Er drang in einer Frontbreite von etwa 200 Metern in den deut- schen Schützengraben ein und konnte trotz zahlreicher Versuche nicht Wied« daraus vertrieben werden. Es kam hier in den Tage:: und Nächten bis zum 11. Januar zu äußerst h e f t i- gen Nahkämpfen, wie sie erbitterter und blu tk- ger kaum gedacht werden können. Die hier kämpfenden T u r k o s fochten nicht nur mit dem Gewehr und dem Bajonett, sondern bissen auch und st a ch e n mit dem Messer. Di« Lage drängte zu einer Entscheidung. Am 12. Januar setzten die deutschen Truppen zu einem Gegenangriff ein, -der sich zunächst weniger gegen di« bewaldete Höhe selbst als gegen die beiderseits anschließenden französi- scheu Stellungen richtete. Schlag 11 Uhr erhoben sich zunächst aus der Steinbruchstellung unsere wackeren Soldaten, die in den Monaten des Harrens und Schanzens von ihren: Angriffsgeist nichts eingebüßt hatten, und entrissen in kühnem Ansturm dem Feinde seine zunächstgelegenen Schützengräben und Artillerie-Beobachtungsstellen. Sogleich ließ das französische Flankenfeucr gegen die bewaldete Höhe nach. Das Hauptziel dieses ersten Angriffs war kaum erreicht, als eine Stunde später — 12 Uhr mittags — auf dem äußersten rechten Flügel unsere tapferen Schützen sich erhoben urD im siegreichen Vorschreiten «inen Kilometer Gelände gewannen. Nunmehr wurde auch zum Angriff gegen die bewaldete Höhe cmgesetzt, der Franzose zuerst aus den putschen, dann aus seinen eigenen Greben hinaus- und die Höhe hin- untergeworfen, wo er sich aus halbem Hange widersetzte.
Wie aus GefangenenauSsagen hervorgeht, glaubten die Franzosen, daß die erloartete Fortsetzung des deutschen Angriffs von der bewaldeten Höhe, also vom rechten deutschen Flügel. auSgehen würde. In Erwartung eines Stoßes ans dieser Richtung warfen sie naachafte Verstärkungen nach dieser Stelle. Von den eroberten französischen BcobachtungS- stellungen aus, wo das ganze Aisnogebiet samt SoissonS mit der Kathedrale zu Füßen liegt, konnte das Hcranko m- m e n dieser Reserven auf Kraftwagen und mit Eisenbahn gut beobachtet werden.
Der deutsche Angriff erfolgte am 18. Januar, aber an gaikg anderer Stelle, überraschend für den Gegner war es, daß Mitte und linker Flügel der Deutschen sich als Angriffsziel die Besitznahme der Hochfläche von Vregnh gesetzt hatte, auf der sich der Feind in einem ganzen Stfftem von Laufgräben eingerichtet hatte und ganz sicher zu fühlen schien. Wiederum war es der Schlag der M i t t a g & ft u n b e, der hier unsere Truppen zu neuen Taten aufrief. Punkt 12 Uhr kam Leben in die deutschen Gräben. Es folgte ein mächtiger Sprung. Um 12 Uhr 3 Minuten war die erste Verteidigungslinie der Franzosen, 12 Uhr 13 Minuten die zweite genommen. Ein Flankenangriff von dem Walde von Vregnh Lam bei der Schnelligkeit des Vorgehens gar nicht mehr zur Geltung, und am späten Nachmittag des 13. war der ganze Hochflächenraum in deutschen Händen. Der Feind vermochte sich nur noch in den Mulden und auf den zum Aisnetal hinab- fallenden Hängen zu halten. Das Gelingen dieses deutschen Angriffs brachte die in der Gegend der bewaldeten Höhe gegen den deutschen rechten Flügel vorgegangenen Franzosen in eine verzweifelte Lage; denn als am 14. Januar der äußerste rechte Flügel der Deutschen seinen umfassenden Angriff wieder cmfnahm und von der Mitte —• über Graut) — deutsche Truppen westwärts einschwenkten, da blieb den gegen dir bewaldete Höhe vorgegangenen Franzosen nichts anderes übrig, als sich zu ergeben. Ein Zurück gab cs jetzt tricht mehr, da die deutsche schwere Artillerie das Aisnetal beherrschte. Am gleichen Tage wurde der Feind auch von den Hängen der Höhe von Vregnh hinuntergeworfen, so weit er nicht schon während der Nacht gegen und über die Aisne zurückgeflutet war.
Eine Kompagnie des LeibregimentS drang bei der Gelegenheit f o g a r bis in die V o r st a d t von E o i s s o n S ein. Unsere Patrouillen säulberten das ganze Vorgelände bis zur Aisne vom Feinde, nur an dem Flutzbogen östlich der Stadt vermochten sich französische Abteilungen noch zu behaupten.
In den mehrtägigen Kämpfen bei Soiffons wurde der Feind auf einer Frontbreite von etwa 12bis 15 Kilometern um zwei bis vier Kilometer zurückgeworfen,
trotz seiner starken Stellungen und trotz seiner numerischen Überlegenheit. Auf seiner Seite hatten dis 14. Infanterie- und 58. Refervedipision, eine gemischte Fäger- brigade, ein Territowal-Jnfanterie-Regiment außerdem Tur- kos, Zuaven und marokkanische Schützen gefychten. Von dieser Truppenmacht gerieten mehr als 5000 Mann in deutsche Gefangenschaft.
Dir Kriegsbeute war s e h r a n s e h n l i ch. Es wurden erobert: 18 schwere, 17 leichte Geschütze, ferner Revolver-» kano nen, zahlreiche Maschinengewehre, Leuchtpistolen. Gewehre und Handgranaten, endlich außerordentlich große Mengen von Infanterie-» und A r t i l k e r i e m u n i t i o n.
Diesen glorreichen Kampf führten die deutschen Truppen nach langen Wochen des Stilftegens in einem Win- terfeldzug, dessen Witterung Regenschauer und Sturmwinde waren. Aber auch nach den Kampftagen selbst hielten Reger: und Wind an. Dre Märsche erfolgten auf grundlosen Wegen, di« Angriffe über lehmige Felder, durch verschlammte Schützengräben u:ü> über zerklüftet« Steinbrüche. Vielfach blieben dabe: die Stiefel im Kot stecken, der deutsche S-Kdat focht dann barfuß weiter.
Was unsere wundervolle Truppe — zwar schmutzig cmHu- sehsn, aber prachtvoll an Körperkraft und kriegerischem Geist da geleistet hat, ist über alles Lob erhaben. Ihre Tapferkeit, ihr Todesmut, ihre Ausdauer und ihr Heldensinn fanden gebührende Anerkennung dadurch, daß ihr o b e r st e r Kriegsherr, der in jäten Stunden unter ihnen weilte, die verantwortlichen Führer noch aus dem Schlachtfelde mit hohen Ordensauszeichnungen schmückte. Bekanntlich wurde General der Infanterie v. Lochow :nit dem Orden Pour le mente und Generalleutnant Wichura mit dem Komtur des Hausorüens der Hohenzollern ausgezeichnet.
Reben einer energischen, zielbewußten und kühnen Führung und der großartigen Truppenleiftung ist der Erfolg der Schlacht Hai Soissons der glänzenden Zusammenarbeit aller Waffen, vor allem der Infanterie. Feldartillerie, Fuhartillerie und der Pioniere zu verdanken, die sich gegenseitig aufs v o l l e n d e t ft e unterstützten. Auch die Fernsprechtrupps hat nicht wenig zum Gelingen des Ganzen beigetragem
Auf Truppen und Führer solchen Schlages kann das deutsche Volk stolz sein.
Die Bedeutung des Erfolgs von Soiffons.
Eine schweizerische Besprechung der Kriegslage.
W. T.-B- Basel, 17. Jan. (Nichtamtlich.) Der „Bund^ bemerkt zur Kriegslage: Der Kampf bei Soiffons hat in dev: großen Kriege nur die Bedeutung eines Gefechtes. Früher Hütte man ihm die Bezeichnung Schlacht nicht verweigern dürfen. Unter der Annahme, daß die angegebenen ^Zahlen richtig sind und daß Leichtverwundete nicht zurückgehen konnten, tommer: wir zu einer Verlustziffer, die diejenige vom 18. August 1870 vielleicht sogar beträchtlich über- treffen dürste. Die Bedeutuirg einer En t s ch ß i d u n g s- s ch l a ch t hat der Kampf aber nicht, wenn er auch von der Kampffront beider Gegner zeugt und dau::t endet, daß die Franzosen östlich Soiffons auf das linke AiSueufer zurückgeworfen wurden und den Ausgang des Tales von I o s i e n n e, die nördlichen Zugänge von Soissons sowie die ganze Hochfläche von Vregnh in den Händen der Deutschei: lassen mußten. Wenn die französische Heeresleitung sich Soissons sichern und den Einbruch in ihre Linien, die in der Durchschneidung der großen LängS- verbindung Reims-Cvmpiegne liegen würde, verhindern will, so wird sie alles daran setzen müssen, um die frühere Lage bei Soissons wieder herzu st eilen. Der deutsche Erfolg ist ein wichtiger Zug in dem strategischen Bretspiel an der Aisne. Die Überlegenheit des planmäßigen Verfahrens der deutschen Seite, wie sie sich in der Etappe Soiffons ausorückt, w:rd immer deutlicher.
Zur Lage im Osten meint der „Bund" bezüglich der gegenwärtigen Ruhe: An der Ostftont in Galizien: Dre Russen scheinen V e r st ä r k u n g e n abzuwarten, die nur noch in der Einschiebung von Rekruten der Reichswehr bestehen könnten. -
Der Eindruck des Mitzerfolys in Frankreich.
Vf- T--B- Paris, 17. Jan. (Nichtamtlich.) Die ftanzö- sische Presse erklärt im allgeineinen: Der Rückzug der ftan- zöfischrn Truppen hinter die Aisrne bei Soissons hat keine besondere Bedeutung, zumal die Deutschen den Fluß nicht hätten überschreiten können. Rur wenige Blätter gestehen ein, daß es sich um eine bedeutende Aktion handelt. So schreibt Oberstleutnant Rousset in der „Libertä": In- folge der energischen deutschen Angriffe mußten die Franzosen das Platecn: vor: Bregny räumen, wodurch ein allgemeiner
