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Montag, 18. Januar 1915.
klbend-klusgabe.
Nr. 28. 63. Jahrgang.
Der Urieo.
rer Tagesbericht v nt 18, Januar.
Deutsche Fortschritte bei Moert und in den ' Krgonnen. - Ein russischer Vorstotz in Nordpolen zurücbgeschlcrge".
W- T.-B. Großes Hauptquartier, 18. Jan. (Vormittags. Amtlich.)
rvestlicher Nrieosscbauplatz.
In der Gegend N i c u p o r t nur Artillcrickampf. Feindliche Angrlffsbcwcgungen sind in den letzten Tagen nicht wahrgenommen. An der Küste wurden an mehreren Stellen Minen angcschwcmmt.
Bei La Boisclle nordöstlich Albert warfen unsere Truppen im Bajonettangriff Franzosen, oic sich ms Kirchhof und im Gehöft südwestlich davon festgesetzt hatte», heraus und machten 3 Offiziere und 100 Mann zu Gefangenen.
Im Argon n er Walde wurden mehrere französische Gräben erobert, die französische Besatzung fast aufge- rieben.
Ein Angriff der Franzosen auf unsere Stellungen nordwestlich Pont-ä-Moussvn führte bei einer Höhe zwei Kilometer südlich Vilceh bis in unsere Stellungen. Ter Kampf dauert noch an.
In den Vogesen und im O b c r e l s a ß herrschten starkes Schneetreiben und Nebel, die die Gefechtstätig- kcit hinderten.
Gestlicher Nrieg«s"ba «platz.
In O st p r c u ß e n ist die Lage u n v e r ä n d e r t.
In N ö r d l i ch - P o l c n versuchten die Rüsten über den W k r a - A b s ch n i t t bei Radpanow vorzustoßen, wurden aber z u r ü ck g e w i e s e n.
In Polen westlich der Weichsel hat sich nichts Wesentliches ereignet.
Oberste Heereslcit.in -
Dcr Erfolg bei Soi'scn".
FronzösiE'e veschöniq "no-sive- f»i
Br. Kopenhagen. 18, Jan, (Eig Drahtbericht Ktr B'n.,- Der „Nationaltidende" wird aus Paris gemeldet: Wir haben eine Niederlage bei Saigons erlitten, aber ihre Bedeutung darf nicht überschätzt werden. Sie kann wieder gutgemacht werden, und es st e b t fest, daß die Haupt- nrsache unseres Mißgeschicks die Überschwemmung der Aivr'ie ist. Aber gerade dieses berhindert den Feind, fernen Sieg auzunutzen. Am Dienstag wurden wir von einer deutschen Division angegriffen. Es stand ein ganzes Armeekorps unseren Kräiten gegenüber, die nur aus einigen Regimentern bestanden. In der Dienstage nacht und Mittwochvorniittag eroberte der Feind, der Per- störkungen von Vregnh herangezogen hatte, von schwerer Artillerie unterstützt, den Hohlweg von Chwres. Die Franzosen versuchten nun Verstärkungen an sich zu ziehe», aber gerade in diesem kritischen Augenblick wurde gemeldet, daß die Brücke bei M i s 1 y fortgerissen lvorden war, Ta wurde der Befehl zum raschen Rückzug auf der gan- zen Linie Crouy-Misty erteilt. Die Artillerie gab hier eine ausgezeichnete Deckung, aber wir waren doch gezwungen, 4 Kanonen z n r ü ck z u I a s s c n, die vorher unbrauchbar gemacht wurden.
Eine franöUsche Delcdwi^ ti^un^snoke.
Paris, 18. Jan, (Ktr. Bln.s Der französische Generalstab verbreitet folgende Note: Tie Affäre von Soissons stellt sich als ein Zurückweichen um weniger als 1800 Meter auf einer Front von 5 Kilometern dar. Dieses Zurückweichen war veranlaßt worden durch das Hochwasser. Die dort im Kamvso stehenden französischen Truppen, welche nicht einmal eine Stärke von drei Brigaden erreichten, zoaen sich auf das linke Ufer der Aisne zurück, weil das Hochwasser die Brücken weggerissen hatte und sie daher keine Verstärkunaen mehr erhalten konnten. Die Franzosen zogen sich zurück, ohne verfolgt zu werden, und indem sic fortfuhren, Soissons zu decken. (F. Z.) ,
Die Beurteilung der Folgen in Holland.
Br. Amsterdam, 18. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Sieg der deutschen Truppen bei Soissons wird in der holländischen Presse lebhaft erörtert. Das „Alaemeene Handelsblad" nennt ihn einen ernsten Schlag für die Franzosen. Die klerikale, keineswegs etwa dentschfreu.iidliche "Tijd" sagt: Die Franzosen haben bei Soissons eine Niederlage erlitten, deren Bedeutung zweifellos über d,e alltäglichen kleinen Erfolge und Schläge hinausragt. Rund um Soissons ist derErsolg jetzt ganz auf Seiten der Deutschen.
Berlin, 18. Jan. (Ktr. Bln.i Der militärische Mita» beiter des „Nieuwe Nottcrdamsche Courant" schreibt, wie verschiedene Morgenblätter berichten, den Kämpfen bei Soissons eine mehr als gewöhnliche Bedeutung zu. Er weijt auf die u n a n g e n e h m c französische Darstellung hin, daß die w e g g e s ch w e m m t e n Brücken den Rückzug veranlaßt hätten, denn wenn über die Aisne keine Ver- stärkungen gesandt werden konnten, wie konnten da jenseits der Aisne stehende Truppen sich zurückziehen? Auch die französische^ Behauptung, daß dieser Teilerfolg nicht auf die Totaloperationen rückwirken könne, sei unannehmbar. Jedenfalls sei die französische Offensive nicht nur
mißglückt, sondern habe einen wohlgelungenen Gegenangriff herbeigeführt. — Das holländische Blatt „Het Vater- land" schreibt: Die Niederlage der Franzosen scheint größer zu sein, als es sich anfangs aus den Berichten schließen ließ, größer was das verlorene Terr-arn angeht und größer vielleicht auch in den Folgen. Daß bei ?) pern nunmehr die Franzosen den Deutschen gegenüberstehen, wird von dem „Nieuwe Rotterdamsche Courant" bestätigt. Die Bevölkerung wohne, soweit sie in der Stad: zurückgeblieben sei, in den KZlern.
Ein ungarisches Urteil.
W. T.-B. Budapest, 17. Jan. (Nichtamtlich.) Der "Pester Lloyd" bezeichnet den Sieg der Deutschen bei Soissons als sehr bedeutungsvoll. Die Säuberung des nördlichen Aisne-Users unterscheidet sich in ihrer Wirkung kaum von dem Durchbruch der französischen Front in der Gegend von Soiü'ons. Man kann wohl nicht sagen, daß die Entscheidung bereits gefallen ist, aber sie ist ein geleitet und die Art, wie dies geschehen, läßt kaum einen Zweifel darüber aufkommen, in welch außerordentlich bohcr Weise die günstigen Aussichten einer Weiterentwickelung auf deutscher Seite liegen. Die französische Offensive bat den Beweis für das völlige Versagen der französischen Stoßkraft erbracht.
Die fra"zSsi'<I'e Iahresklaffe 1915 .
W. T.-B. Genf, 16. Jan. (Nichtamtlich.) „La Suiffe" meldet aus Pontarlier: Die Jahresklasse 1915, welche seit 20 Tagen vollzählig eingezogen ist, wird anfangs März ausgebildet sein. Die Unteroffiziersprüfungen müssen vor dem 14. März abgelegt werden.
Ein neuer Beweis für Frankreichs Kricgswillcn schon Anfang Juli!
W-T-B. Berlin, 16. Jan. (Nichtamtlich.) Nach Aussage von Kriegsgefangenen vom ersten französischen Marine- Infanterie-Regiment sind bei diese«! Truppenteil, der in der Nähe von Toulon stationiert ist, schon in den ersten Tagen des I u l i 1014 die Reserven eingestellt worden, was früher .im diese Jahreszeit nicht üblich war. Entsprechende Maßnabmen waren nach den Angaben der Gefangenen auch bei den im Hasen von Toulon liegenden Kriegsschiffen getroffen.
a- "od? ; r des Dvevst^eutnants v. winterfeldt
k'S'K'kciq o^mt!
W. T.-B. Paris, 18 Jan (Nichtamtlich.) Das Mobiliar ocs Oberstleutnants v. Winterfeldt ist beschlagnahmt worden.
BeobachSuk gr , vom fra zösischen Roleii-ttreu,- Disnst.
W. T.-B. Bern, 16. Jan. (Nichtamtlich.) Der „Bund" gibt einen Auszug aus dem Kriegstagebuch Georges Ohnets wieder, das er. ohne an der Front gewesen zu sein geschrieben hat. über seinen Besuch in Noffy-le-See und andere llnternehmen, um sich über die Mängel des Sanitätswesens zu orrentieren, schreibt er: In den ersten Kriegslagen f c h l t e Jij ^/' Ärzte, Krankenpfleger, in den Eisenbahnzügen M-edn-imente und Nahrungsmittel ■ für die Verwundeten. Auf den Stationen stiegen dann allzu eifrige Leute ein, die von einem Überfluß an Mitleid beseelt waren und sich vieler Dinge annahmen, die sic nichts angingen, den Soldaten zu essen und zu trinken gaben, kunterbunt durcheinander, ohne zu beachten, ob es nützlich oder schädlich war. Wenn man ihnen Bemerkungen machte, so waren fk- beleidigt als ob ihnen die Armbinde des Roten Kreuzes, die sie schmückte, alle Wissenschaft und Autorität verliehen hätte. Alle Welt ist sich schon einig über die Frivolität, die W i ch t i g t u e r e i und Koketterie vieler Damen vom Roten Kreuz, die nur deshalb eingetreten waren, weil man mit h o ch b c t i t e l t e n Leuten in den Komitees zusammenkam. Man hatte übrigens nie vorausgesetzt, daß der Eintritt irgend weiche Dienste mit sich bringen würde. Man betrachtete die Sache lediglich vom gesellschaftlichen Standpunkt, denn es war schick. Man wachse hübsche Bekanntschaften. Als die Lage sich wendete und ne Wunden verbinden, Blut sehen und Instrumente hei richten mußten, flohen die Damen erschreckt davon. Dann erst kamen die Krankenschwestern, die mit aufopfernder Hingebung jedem dienten, uiid seitdem funktioniert der Spiial- dienst.
Ein französischer vergleich der deutschen und französischen wirtsckastlschen Lage.
W. T.-B. Basel. 17. Jan. Wie die „Nationalztg." meldet, stellt Edgar Milhand in einem Leitartikel der „Humaniie" die außerordentlich glänzende Organisation des wirtschaftlichen Lebens Deutschlands zum Zwecke der Abwehr von Kriegsschäden und die Verteidigung gegen die Blockade dem Stande des französischen Wirtschaftslebens gegenüber. Hier fehle es an einer z i e l b e w u ß t e n ' Kraftaust r e n g u n g. Das Moratori u in habe zu M a r a s m u s geführt, da die Großbanken dem Handel den Kredit entzogen haben und eine große Arbeitslosigkeit in bestimmten Berufsgebieten herrsche und wieder Arbeitsmangel in anderen. Der Eisenbahnverkehr und der Postdienst lassen auch zu wünschen übrig. Wenn hiergegen nichts geschehe, so würde dir P r o d u k t r o n s k r a s t des Landes in ein 'beunruhigendes Mißverhältnis zum Konsumbedarf treten und der Konsum werde zurückgeheu. Zum Siege auch auf wirtschaftlichem Gebiete sei jetzt eine ungeheure Anstrengung unbedingt nötig.
Eine unwahre Darstellung des englischen Nriegsministers.
Die von uns (!) eroberten Schützengräben von Givenchtz.
W. T--B. Berlin, 16. Jan. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier erfahren wir: Der englische Kriegsminister äußerte sich am 6. Januar dem englischen Oberhaus gegenüber folgendermaßen: Einige bedeutende
Kämpfe zwischen den englischen und den deutschen Truppen fanden am 20. Dezember, statt, als die Laufgräben von G i v e n ch y, die von Indern besetzt waren, von den Deutschen heftig angegriffen wurden. Die Inder wurden bis zu einem gewissen Grade überrascht. Einige Schützengräben wurden genommen, jedoch am folgenden Tage durch das erste Armeekorps, das sich in der Reserve befand, unter erheblichen Verlusten für den Feind z u r ü ck g e w o n n e n. Die wiedergewonnene Linie ist seitdem behauptet worden.
Der englische Kriegsininister scheint diese Angaben auf Grund unrichtiger Meldungen, die er von der Front erhielt, gemacht zu haben. Im Interesse unserer tapferen Truppen kann diese falsche Darstellung der damaligen Ereignisse nicht unwidersprochen bleiben. In einem fünftägigen schweren Ringen vom 19. bis zum 24. Dezember gelang es uns, die Stellung der Engländer in ihrer ganzen Ausdehnung zwischen einem Gehöft, 1 Kilometer nördlich von La Quinque-Ru-e und Givenchtz» i n Besitz z u nehmen, an einzelnen Stellen sogar noch dar- iiber hinaus Gelände zu gewinnen. Alle Versuche des Gegners, die verlorene Stellung zurückzunehmen, loaren vergeblich. Noch heute sind wir in ihrem Besitz. Es ist demnach unrichtig, wenn der englische Kriegsminister sagt, die englischen Truppen hätten die verlorenen Schützengräben zurückerobert. Die Beute, die uns in diesen Kämpfen in die Hände fiel, ist am 26. Dezember amtlich bekanntgegeben worden.
(Die um 26. Dezember gemeldete Beute betrug: 19 Offiziere, 819 Farbige und Engländer, 14 Maschinengewehre. 12 Mincnwerfer, Scheinwerfer und sonstiges Kriegsmaterial. Schriftl.)
„Für den Fall einer deutschen Landung!"
IV. T.-B. London, 17. Jan. (Nichtamtlich) „Daily Mail" berichtet: Anweisungen für die Zivilbevölkerung für den Fall einer deutschen Landung werden jetzt in jedem Kirchspiel Norfolks angeschlagen. Alle Pferde, Maultiere, Esel, Automobile, Wagen. Karren, ander«; Gefährte, Geschirre usw. müssen sofort nach einem bestimmten Platze gebracht werden, sobald die Behörden den Notstand in dem Bezirk proklamieren. Wenn sie nicht fortgebracht werden können, müssen sie vernichtet oder unbrauchbar gemacht werden. Das Vieh muß aus die Straßen weggetrieben werden. Vieh, das sich in der Nähe des Feindes bcsindet, muß zusammengetrieben und nach bestimmten Schutzortcn gebracht und im Notfall getötet werden. Unausgedroschenes Getreide braucht nicht ohne Besohl vernichtet zu werden. Der Befehl zur Zerstörung des Eigentums wird, so weit cs die Umstände erfordern, schriftlich gegeben. Wer dem Befehl, das Eigentum zu zerstören und unbrauchbar zu inachcn, nicht nachkommt, verliert allen Anspruch auf Entschädigung. Ohne behördlichen Befehl soll niemand Brücken, Eisenbahnmaterial, elektrische Licht- und Kraftstationen, Telegraphenanlagen, Wasserwerke, Schleusen und Kais zu zerstören versuchen. Die Zivilbevölkerung soll, wenn sie keinen anderen Befehl erhält, ruhig zu Hause bleiben.
E'ne englische Nrieaslist.
Aus Amerika gehen dem „Lokalanz." Nachrichren zu, nach denen in der letzten Zeit von der englischen Admiralität über hundert Vassagrerschiffe aufgekauft worden sind, die in aller Heimlichkeit mit Zement und Sternen beladen werden und zum Teil durch Holzausbauten in Scheinkriegsschiffe umgeivandelt werden. Die Dampker sind wie richtige Kriegsschiffe angesrrichen, haben hölzerne Geschütze und sogar Aufbauten, wie sie sonst nur Kriegsschiffe besitzen. Sie sollen Kriegsschiffe täuschend ähnlich sehen. Einige dieser Scheinkriegsschiffe sind in Belfast hergerichtct worden und schon fertiggestcllt. Der frühere Kapitän der „Olhmpic", H. I. Haddock, hat sich im Aufträge der Admiralität in Belfast mit diesen geheimnisvollen Vorbereitungen beschäftigt. Von bedeutenderen Schiffen sind für diese Zwecke angekauft worden: von der Reed-Star-Line die „Cevic", von der Dominion-Linie die „Mcrion", von der Ryoal Mail-Steam-Pakei-Linie die „Oruba" und die „Orotava" und von der Cunard-Linie die „Campania". Der Zweck dieser Bauten ist natürlich Geheimnis. Die wahrscheinlichste Annahme ist, daß die Schiffe den Engländern — > wie das tm spanisch-amerikanischen Kriege Leutnant Hop- son mit dem Hafen von Santiago de Cuba tat — dazu dienen sollen, für uns wichtige Häfen und Seewegv zu b I o ck i e r e n. Es wird behauptet, daß die Schisse an der belgischen Küste verwendet werden und weiter durch die dänischen Gewässer gegen Kiel Vorgehen sollen. Vermutlich aber ist mindestens in gleichem Maße ihr Zweck, die Angriffe von Unterseebooten und deutschen Kriegsschiffen auf sich zu ziehen und dadurch von den echten Kriegsschiffen abzulenken. Bei der außerordentlichen Gefährdung, der diese durch nichts verteidigten und vom erstell Volltreffer in Splitter geschossenen Scheinkriegsschiffe ausgesetzt sind, ist es etwas unwahrscheinlich, daß die Freiwilligen zu ihrer Besetzung so stark herbeiströmen, wie das in England unter d«r Hand versichert wird.
