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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatir.

Nr. ,4.

Sonntag» 17. Januar.

1915 .

Copyright 1914 by C«.rl Dunksr, Berlin, {25. Kortsetzung.'

Oec wagehak.

Roman von Fritz Skowrormek,

Nachdruck verboten.

Die junge Frau war vsc Schröck Livor Schritte zurückgctveten, bis ihr Rücken an dir Wand fttefj. Beide Hände hatte sie an da? Herz gepreßt.

„Kind, Wera was ist dir?"

„Gar nichts, Großvater . .. . das kam bloß ein bißchen plötzlich,"

„Na ja . . . das begreife ich vollkommen, aber rum lass' mal die Braterei und zieh' dich schnell an. wenn du rücht in dieseni Kleid rrinkommen willst. Du mutzt doch dem Assessor alles ausführlich und streng wahr­heitsgemäß erzählen. ... Ich möchte es bei dieser Ge­legenheit auch hören . . ."

Die junge Frau hatte ihre Erregung ziemlich be- meistert. „Ach Gott, Großvater . . . daS eilt doch nicht so. . . . Heute kann ich das nicht. . . . Das würde mich zu fcchr aufregen. Sag' dsm Herrn Assessor meinen herzlichsten Dank. ... In den nächsten Tagen. ... Ich muß mir das alles auch erst im Gedächtnis zurecht- Irgen."

Der alte Herr ärgerte sich sichtlich über diese Ant­wort. . . . „Ach was, nim-m dich zusammen. ... Du bist doch keine Marzipanpuppe. . . . Der Mann will seinen Einfluß für dich ausbieten und Lu hältst es nicht einmal für nötig, ihm dafür zu danken."

„Oh doch Großvater. . . . Ich kann bloß im Augen­blick nicht. . .

„Merkwürdig! Die ganze Zeit hast du dein Schick­sal geduldig und gefaßt getragen und nun mit einem- mal, wo sich der erste Hoffnungsschimmer zeigt, gerätst Lu außer Rand und Band/'

Er trat näher zu ihr heran und dämpfte seine Stimme. „Mir ist fast so, als wenn dir das gar nicht recht ist, Latz der Assessor dir über das Schicksal deines Mannes Gewißheit verschaffen will."

„Großvater, quäle mich Loch nicht so . . Sie warf sich an seine Brust und barg auftchluchzend ihven Kopf an seiner Schulter. . . .

„Die verdammten Weibertränen, daß die so locker sitzen. . . . Na, nun rünim dich nial zusammen, mein Kind. ... Ich wußte ja nicht, daß es dich so aufregt.

. . . Nun sei doch bloß vernünftig, ... Ich werde dem Herrn Asiessor sagen, daß wir in den nächsten Tagen darauf zurückkommen werden." ... Er führte.sie zur Bank, schöpfte aus dem Eimer ein Glas Wasser unL reichte es ihr. „Ich muß jetzt reingehen. was wird der Mann sich denken?" . . .

„Ich bitte sehr um Entschuldigung, Herr Asiessor. Aber meine Enkeltochter hat sich bei der freudigen Nachricht so sehr aufgeregt, daß sie mir beinahe umge­fallen wäre. Ich habe gar nicht geahnt, daß sie ihren Mann so lrcch hat. . . . Sie läßt Ihnen vielmals dan­ken und wird in den nächsten Lagen Ihne« nähere Mitteilung machen . .

„Na, dann will ich nicht toeiter stören, Herr Hege­meister."

„Nochmals vielen Dank, Herr Assessor. . . . Wovon die Weiber bloß die Nerven kriegen? ... Ich wcrd» daraus nicht klug. . . ."

Der Assessor war, als er seinem Feenpalast zuging, in der Stimmung, mit Gott und aller Welt zu i,adern. Er hatte so viele kluge und schöne Frauen in seinem Leben kennen gelernt und nie Feuer gefangen. Manch- mal hatte eS jn seinem Herzen ein kleines Strobfeuer gegeben, das nach kurzer Zeit verflackerte. . . . Nun mußte ihn ausgerechnet in der litauischen Heide ein junges Weib aus dem Gleichgewicht bringen. Er be­fahl das Auto, aß schnell nnd ohne Appetit Abendbrot und fuhr nach Wartenburg. Dort würde er sicherlich ein paar Sumpfhühner finden, mit denen er sich bis zur Bewußtlosigkeit betrinken konnte. . . .

19. Kapitel.

Täglich hatte Krummhaar seine Enkelin gedrängt, ihm alles Hon ihrem Manne zu erzählen oder wenigstens Stauten und Datum seiner Verhaftung aufzuschreiben. Damals vor zweieinhalb Jahren, als Wera bleich, verhärmt und verstört mit dem kleinen Jungen aus Rußland zu ihm gekommen war, hatte er sich mit der nackten Tatsache begnügt, daß ihr Mann bei dem Aus- stand in Livland von einer Baude Aufrührer ermordet worden sei. Ganz kurz hatte sie ihm nur mitgeteilt, wie und wo sie ihn kennen gelernt habe. Sie behairp- tete auch, es seinerzeit ihm geschrieben zu haben. Der Brief mochte wohl verloren gegangen sein. . . .

Um sic nicht zu quälen, hatte er sie mit Fragen verschont. Dann war das stille Werben Mooslehners immer deutlicher geworden. Und eines Tages hatte Wera ihren Großvater durch die Mitteilung überrascht, daß sie nicht Witwe sei, sondern daß ihr Mann in einem russischen Gefängnis stecke. . . . Sie hatte hinzugefügt, er könne es Mooslebner Mitteilen, damit er sich nicht weiter bemühe. . . .

Jedenfalls wurde der alte Hegemeister aus seiner Enkelin nicht klug. . . . Weshalb ergriff sie nicht mit Freuden die Gelegenheit, wenigstens Nachricht über den Aufenthalt und das Befinden ihres Mannds zu be­kommen? War er ihr gleichgültig geworden oder fürchtete sie sich vor der Gewißheit? Das war ihm ein Rätsel. Brummend ging er umher. Es fei doch zum mindestens unhöflich gegen den Mann, der sich ihretwegen bemühen wolle. Er wollte einen Druck auf sie ausüben nnd brachte deshalb die Sache mittags in Mooslehners Gegenwart zur Sprache. Do stand Wera «nt Tränen in den Augen auf und ging hinaus.

„Verstehen Sie das? Ich nicht." \

„O ja, Herr Hegemeister, das verstehe ich. Sie fürchtet sich vor der Entscheidung ihres Schicksals, die ihrem Leben eine ganz andere Wendung geben könnte. .. . Sie müssen ihr langsam Mut einsprechen."

Krummhaar zuckte mit einer komischen Grimasse dt« Schultern: „Wie macht man daß? Sie werden das