Sette 6. Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.
Wiesbadener Tagblall. Sonntag, IV. Januar 1913.Nr. 27.
fich sowohl prachtvolle, direkt künstlerische Aufnahmen und auch einfache und einfachste Bilder befanden, wurden von den Anwesenden mit großem Interesse betrachtet. Sie sind zu einer Sammlung zusammengestellt worden und sollen in dem Archiv des »Vereins zur Förderung der Amateurphotographie" als dauerndes Andenken an die große Zeit aufbewahrt werden.
— Unsere Feldgraue» als Sprachrcinigcr. Dieser Tage lief beim Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz eine Gabe mit folgendem Begleitschreiben ein: Aus der äußersten Ecke Belgiens, aus den Kämpfen von Upern, senden mit gleicher Post als Anweisung die aus 2 Unteroffizieren und 13 Mann bestehende Korporalschaft der Feld-Luftschifferabtei, lung aus Strafgeldern für Benutzung von fremdsprachlichen Ausdrücken die gesammelten 15 M. mit der Bitte, dieselben für Kinder gefallener Kame- roden nützlich verwenden zu wollen. Solche Strafgelder lasten fich sehr leicht auch in der Heimat zugunsten des Roten Kreuzes cinziehen!
— Wiesbadener Lazarette. Aus der Verwundetenliste der Auskunftsstelle über im Felde stehende nassauische Soldaten in der Loge Plato: Pionierbataillon 21: Baas (Rheindürkheim) im Hotel Schützenhof. — Infanterie-Regiment 87: Ernst (9. Komp.) im städt. Krankenhaus. — Infanterie-Regiment 81: Thiessen (Frankfurt) tut Hotel Viktoria. — Rekrutendepot deS Reserve-Regiments 80: G. Baum im Kath. GesellenhauS; H. E. Leichtfuß (Erbenheim) im Garnisonlazarett; F. Linde (Erbenheim) im Kath. GesellenhauS. — Rekrutendepot des Infanterie-Regiments 80: K. Beck (Gäuheim) im Garnison- lazarett; N. Dister (Flörsheim) im Kath. Gesellenhaus; W. von der Halle (Lüdenscheid) im Garnisonlazarett; Hausmann (Berleburg) im Kath. Gesellenhaus; H. Kremer (Schwelml, Ricken (Miebach) und A. Mehner (Münnerstad) im Garnisonlazarett; A. Menniges (Mannigen) im Kath. Gesellenhaus. - - Landsturm-Ersatzbataillon 1: H. Bein (Frankfurt) im Garni- sonlazarett; K. Krömpke (Wallau) im Paulmenstift; Mohr (Laufenselden) im Garnisonlazarett; Schmitzer (Nöllendorf) im Kath. Gesellenhaus. — Landwehr-Jnfanterie-Regiment 118 (Rekrutendepot): E. Dungerkuß (Frankfurt) im Garnisonlazarett. — Landwehr-Jnfanterie-Regiment 118: A. May (Mühlheim) im Kath. Gesellenhaus; H. Reitz (Oppenheim) im Garnrsonlazarett. — Infanterie-Regiment 80: A. Eckhardt (Kiedrich) und B. Fritz (Biebrich) im Garnisonlazarett; F. Harrach (Elzheim) im Paulinenstift; Gefreiter d. L. I. Mößler (Niederlahnstein) im Kath. Gesellenhaus; L. Vallieur (Kloppenbeim) im Paulinenstift. — Reserve-In fanteri e-Regi- ment 80: E. Elz (Wiesbaden) im Kath. Gesellenhaus; H. Haase (Kohlstädt) im Garnisonlazarett; H. Kleist im Kath. Ge- sellerchaus; P. Meffert (Allendorf), G. Ramspolt (Wiesbaden) und I. Seltner (Brückenau) im Kath. Gesellenhaus; K. Schneider (Altendiez) und L. Schneider (Wiesbaden) im Garnis-on- lazarett; . I. Weyer (Thalheim) im Kath. Gesellenhaus. — Rekrutendepot des Landwehr-Jnfanterie-Regiments 80: Kleudgen (Höhr) im Kath. Gesellenhaus; I. Metzer (Weiler) im Garnisonlazarett; I. Schulde (Oefentrop) im Kath. Gesellenhaus. — Landwehr-Jnfanterie-Regiment 80: K. Koppay (Wiesbaden) im Kath. Gesellenhaus. — Reserve-Jnfcmteri e- Regiment 223: F. Ostermann (Menden), I. Ott (Frankfurt) und L. Piatyszeck (Frankfurt) im Paulinenstift. — Reserve-
Lazarett-Ersatzbataillon 11: Sanitätsgesteiter A. Schmidt
(Mackenheim) im Garnisonlazarett. — Reserve-Infanterie. Regiment 215: A. Wcstenberger (Wiesbaden) im Hospital zum Heiligen Geist.
— Ein Neffe Hindcnburgs, Oberleutnant v. M a n st e i n, ist schwer verwundet hier eingetrosfen.
— Ein Kriegssprüchlein des alten Stillger. Daß doS Ehrenvorstandsmitglied des „Männergesang-Vereins" und Ehrenmitglied des Gesangvereins „Concordia", der kürzlich verstorbene Matthias Stillger, auch eine starke poetische Ader hatte, war vielleicht nur einem engen Kreis seiner Angehörigen uird Freunden bekannt. Noch kurz vor seinem Tode verfaßte der 83jährige das folgende kräftige Kriegssprüchlem, das gewiß mancher mit Vergnügen lesen wird:
..Ihr Friedensstörer Po in care.
Wward Grey und Delcassee . Ihr werdet an der Front begehrt.
Dort wo ihr Helden hingehört.
Doch laßt zu Haus den schwarzen Frack Und auch die Schuh' mit gelbem Lack:
Ihr werdet, wie cs euch gebührt..
Dort prompt auf deutsche Art lackiert."
— Staats- und Gemeindesteuer. Die Zahlung der 4. Rate hat zu erfolgen am 18., 19. und 20. Januar von den Steuerpflichtigen der Straßen mit den Anfangsbuchstaben A und B. Die aus dem Steuerzettel angegebene Straße ist maßgebend.
— Kleine Notizen. Die Firma Walter S. Siegel. Weinbau und Weinhandel. Friedrichstratze 7 hier, wurde auf dar Baltischen Ausstellung in Malmö, wo auch ihre Weine zum Ausschank gelangten, mit der Königlich Schwedischen Medaille ausgezeichnet.
vorberichte über Kunft, Vorträge und verwandtes.
* Galerie Banger. Neu ausgestellt: Ausstellung Deutscher Graphik. 1000 Radierungen, Lithographien und HÄzsckpntte von Braband. Caspar. Corinth, Christian,. Fehr, Fckentscher, Frank Frey. Geiger, Genin, Hecker. Jahn Kallmorgen. Kamvmann. Klemm, Klinger, Lederer. Leiber, Liebermann. Luntz Meid Wenzel. Oesterle. Oppenheimer. Pellegrun. Otto. Sanin Schaoff Steinhaufen. Steppes. Thiemann, Thoma, Ubbelohde Vogels Volkmann. Walze. Wolff-Malm u. a. m. Fenier Sondevausstellung Kurt Hoppe (Wiesbaden). Inneneinrichtung des großen Gartenpavillons aus der Deutschen Werkbund-Ausstellu-ng Köln 1914. nebst vielen Abbildungen des von dem Künstler dafür entworfenen und ausgeführten Sondergarrens
Aus dem vereinslebsn.
vorberichte. vereinsnerkammlnngen.
* „W iesbadener Lokal-Sterbe-Versiche- rungs fasse". Die satzun^gemäße diesjähvige Hauptversammlung der „Wiesbadener Lokal Sterbe-Versicherungskaste" findet am nächsten Sonntag, den 24 Januar, nachmittags 2% Uhr. im oberen Saale des Tnrnerheims, Hellmund- straße. statt. Die Wichtigkeit der Tagesordnung, (Satzungsänderung ufw.) bedingt allseitiges und vollzähliges Erscheinen dar Mitglieder.
* Der erst jung ins Leben getretene Mannergesangverein Rheingold" hat seinen 32 Mitgliedern, welche rm Feilde
stehen, eine schöne Weihnachtsfrsude bereitet. Durch einstimmigen Beschluß der zurückgebliebenen Mitglieder wurde der Betvag von 160 M. bewilligt und die Sangesbrüder mit einen, großen Weibnachtspaket überrascht Die Fronde hierüber war eine große, was die DanksagaingSkarten und -briefe aus dem Felde beweisen.
Provinz Hessen-Nassau.
Regierungsbezirk Wiesbaden.
Eine Dynamitervloston.
W. T. -B. Dilleuburg. 16. Jan. Heute morgen gegen 11 Uhr erfolgte in der Dynamitfabrik Würgendorf eure Dynamitexplofion, durch welche ein Gebäude in die Luft gesprengt wurde: zwei Arbeiter wurden getöter.
*
= RiideSheim. 15. Jan. Eine bedeutungsvolle Veranstaltung war der gestrige Vortragsabend des Gemeinnützigen Ausschusses zu Rüdesherur. Die künstlerischen Darbietungen bewegten sich durchweg auf der Höhe, auf welche die gedankenreiche und formvollendete Ansprache Leo Sternbergs die Veranstaltung stellte. Von den musikalischen Darbietungen ernteten die Viol-insoli des als Geigenvirtuosen rühmlichst bekannten Konzertmeisters Franz Nowak aus Wiesbaden reichen Beifall, ebenso dte Vorträge der Pianistin Fräulein Lamby aus Bingen und die GeiangS- vorbäge dx.s Fräuleins Wuppermann aus Rudesheim. Schauspieler Jensen vom Würzburger Stadttheater trug KriegStieder schlicht und eindrucksvoll Vor. wäh.end Leo Sternberg selbst einige Stücke aus seinen beiden Flugblättern „Mit bekränzten Kanonen" und „Von dem Volk der Ulanen" oortrug. Auch sein Melodrama „Beda" mit der Musik des talenwollen jungen Komponisten Otto R e p p e r t aus Wiesbaden, der kürzlich auf dem Feld der Ehre gefallen rsk, bewegte die Hörer stark.
§port und Luftfahrt.
* Der Kapitän der „Emden" über den Futzballsporr.
über den Wert des Fuhballsports spricht sich auch Kapitän v Müller, -der hervorragende Füh er des unvergeßlicherr deutschen Heldenschiffes „Emden", in sehr anerkennenswerten Worten aus. Nach seiner Ansicht ist das Fußballspiel etn cianz vorzügliches Mittel gegen eine Abspannung der.Nerven und des Köpers. Die Niannschast seines Schtffes spielte rn freien Stunden mit Vorliebe Fußball, und selbst wahrend der Kriegszeit gab einmal nach mehrwöchigem Kreuzen im Bengalischen Meerbusen ein Offizier der Emden" den an Bord befindlichen kriegszefangenen Engländern bekannt, daß die Mannschaft am Nachmittag an Land gel>en we de um ein Fußl«llspiel auszutragen, überhaupt e-freut sich das Fußballspiel in der ivüarine seit seiner Einführung durch den Prinzen Heinrich von Preußen und den Großadmiral v. Köster im Iah e 1902 einer besonderen Pflege und Beliebtheit bei den Mannschaften. Alliahrlich wird eine Fußball-Meisterschaft der Hochseeflotte ausgekämpft. wozu Prinz Heinrich einen wertvollen Schild für den jeweiligen Sieger gestiftet hat.
Üjjfjgl = Reklamen, s |fj
Sanatorium Hofheim a. Taunus
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Kurhaus für Nervenkranke und Erholungsbedürftige
" und eignet sich
besonders F136
laus iur nerY«u»r»imü um
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für Hrrkst- n. Wintor- Hii'rn.
Handelsteil.
Zum Parikurs der 5proz. Krie sanleihe.
Kriegsanleihe 100 Proz.l Diese Kursbewegung, die eine Steigerung seil der Emission um 2 Yi Proz. bedeutet, wurde, w»e in der gestrigen Morgen-Ausgabe gemeldet, an der Berliner Börse mH lebhaften Hurrarufen begrüßt. Auch an der gestrigen Börse konnte sich der Kurs behaupten. Mit großer Genugtuung verzeichnete man die Tatsache, daß die öproz. Kriegsanleihen im Zeitcauan von knappen vier Monaten den Nennwert erreichten; ja, es fehlte nicht an Stämmen, welche angesichts dieser Preissteigerung von 2% Proz., die wegen des Milliardenbetrages als gewaltig bezeichnet werden darf, behaupteten, daß dieser Anleiheerfolg im gewiesen Säme einer gewonnenen Schlacht gleichkomme. In der Tat war man schon gelegentlich der Zeichnung berechtigt, von einer großartig gelungenen gelid- Mehen Mobilmachung und deutschen Kraftprobe zu sprechen, die mit ffilfe der Darlehnskassen erfolgt war und auf das uns feindlich gesinnte Ausland den stärksten Eindruck machen mußte. Seitdem war die Bankwelt auf die allmähliche Klassierung der Riesensumme bedacht, wobei ihr nicht nur die hohe Verzinsung und der Siegeszug unserer herrlichen Truppen, sondern auch der Umstand zustatten kam, daß die Börsenbehörde dem freien Verkehr von vornherein eine Konzession dahin gemacht hatte, daß der Handel in heimischen Staatsr papieren gestattet sein sollte. Daraufhin entfaltete sich täglich auf diesem Gebiete ein regeres Geschäft, bei dem man sich zunächst mit bescheidenem Gewinn begnügen mußte, das sich aber lebhafter gestaltete, als dtie großen russischen Niederlagen bekannt wurden und es keinem Zweifel mehr unterlag, daß das Zarenreich seine Bedrohungen der deutschen Grenzen schwer zu büßen haben werde. Hatte man anfangs wochenlang zum Auagabekurse gehandelt, so trat bald eine mäßige Preishebung ein. Es folgte ein Stand von 98, dann von 99 und in den letzten Tagen bis heute bei sehr lebhaften Umsätzen eine Steigerung auf 100, der sich schließlich noch ein Viertelprozent zugesellte. Die Börse ha« alle Ursache, mit Stolz auf diese Aufwärtsbewegung zu blicken, die sie weitblickend eingeleitet und nunmehr vorläufig zu einem Höhepunkt geführt hat, der wohl geeignet ist, auch die Zeichner vollauf zu befriedigen, insbesondere aber die gesunde deutsche Kapitalwelt, welche jahrelang Verluste an inländischen Anleihen erlitten und mit Rücksicht hierauf dem Industrdemarkt' sich zugewendet hatte. — An der Börse will man — so schreibt der „B.-C." — weitere Preisbesserungen nicht nur für öproz. Papiere, sondern auch für andere festverzinsliche Werte erwarten. Dabei rechnet man bereits mit der bevorstehenden Begebung der zweiten Kriegsanleihe, über deren Kurs und Unkümdbarkett jedoch noch nichts bekannt ist Ob der Fünfprozent-Zinsfuß den Anleihemarkt auf die Dauer stark beeinflussen wird-, bleibt abzuwarten. Bei der ersten Kriegsanleihe ist zu berücksichtigen, daß diese Anleihe — die größte, die Deutschland jemals herausgegeben hat — unter ganz besonderen Verhältnissen angeboten wurde und daß sie daher nicht ohne weiteres, wie dies schon der Fall wäre, als Maßstab für Rentabilitäis- ar Sprüche an festverzinsliche Papiere und Aktienwerte gellen kann. Die jetzige Verzinsung der Kriegsanleihe als Bewertungsmaßstab für den Effektenmarkt zu wählen, würde um deswillen zu falschen Schlußfolgerungen führen, weil man einen Grund zu der Annahme hat, daß, falls Deutschland der Vielzahl seiner Feinde die Friedensbedingungen diktieren kann, der Kurs noch eine beträchtliche Verscliiabung naon oben erfahren dürfte, gleichgültig, ob am offenen Geldmärkte die 7.iiv<«stfzft etwas höher oder niedriger sein werden.
Berliner Börse.
$ Berka, 16. Jan. (Eig. Drahtbewcht) Unter dem Einfluß der günstigen Berichte aus dem deutschen Hauptquartier setzte die Aufwärtsbewegung namentlich ir. Industrie werten fort Die Umsätze scheinen entgegen der sonst bei Wochenschluß herrschenden Stille den Umsätzen der Vortage nichts nachzugeben. Der Wechsel in der Leitung des Reichs- schatzamtes wurde wegen der Person des Nachfolgers lebhaft erörtert. Man begrüßte die bevorstehende Ernennung Helfferichs als eines Mannes der Praxis und Theorie mit großen Hoffnungen und zugleich mit Genugtuung und meinte, daß in ihm der rechte Mann für diesen schwierigen Posten gefunden sei. Kriegsanleihe, Schatzanweisungen, 3proz. Reichsanleihe, inländische und ausländische Rentenwerte behaupteten gut die gestrigen Kurse. Von Industriewerten waren Bergwerke lebhaft gehandelt. Infolge günstiger Situataonsbericbte vom Eisen- und Kohlenmarkt (vergl. Artikel) und gebesserter Aussicht auf eine Erneuerung des Kohlensyndikats zogen die bekannten Spezialwerte einschließlich Beiigm-ann-Iileitrizitätis- werke weiter prozentweise an. Geldsätze unverändert
Dis Lage des Kohbn- und Eisenmarktes.
Die Zeitschrift „Stahl und Eisen" schreibt: Die allgemeine Lage hat sich seit Anlang Oktober v. J. nach und r.aoh gebessert Der Bedarf trat in größerem Umfange hervor. Viele Werte waren und sind für Heerestiefenmgen stark beschäftigt, man konnte aber nicht allen Ansprüchen gerecht werden, weiß großer Mangel an Arbeitern, namentlich an Facharbeitern, herrschte. Infolge der Einstellung vieler ungeübter Arbeiter blieb die Durchschnittsleistung teilweise erheblich unter dem Ergebnis in Friedenszeiten, wodurch naturgemäß die Erzeugengsikosten wifSentkich verteuert wurden. Nach den Dauererfolgen unserer Waffen wuchs nach und nach das Vertrauen, und daß hier keine Täuschung vorhegt beweist der Stand der Ausführungsauf träge. Dieser genügte zwar teilweise immer noch nicht selbst für die eingeschränkten Betriebe, aber zuzüglich der efhgen Kriegs- aufträge war er in Anbetracht der Zeitlage nacht unbefriedigend. Die erfreuliche Anpassungsfähigkeit unserer Industrie an die durch den Krieg gänzlich veränderten Verhältnisse hatte das selbst im feindlichen Ausland Bewunderung erregende Ergebnis zur Folge, daß die Beschäftigung unserer Welkt bis 60 und 70 Proz. der Friedenserzeugung erreichte.
Nachdem vom Oktober an die Wagenzu- und -abfuhr seitens der Eisenbahnern sich von Tag zu Tag gebessert hatte, war es dem Kohlenbargbau möglich, seine gesamte Gewinnung zum Versand zu bringen, nebenbei auch die an- gesammelten Lagerbestände abzustoßen, ohne damit dem Bedürfe voll genügen zu können. Es scheint vielmehr schon festzustehem, daß die Kohlenförderung, die ungelähr zwei Dritteln der Förderung vor dem Kriege entspricht und wegen der fortgesetzten Einziehung von Mannschaften eher niedriger als höher werden dürfte, nicht ausreichen wird, die lebhafte Nachfrage zu befriedigen. Doch wird eins Not ( in Heizmaterial nicht ein treten, wenn die Verbraucher dazu übergehen, Überall da, wo es möglich ist, für Kohlen Koks einzuschieben.
Die Koks Herstellung wird bekanntlich nicht voll verbraucht, sondern in größeren Mengen gelagert; sie muß aber auf der größtmöglichen Höhe im Interesse der Lieferung von Ammoniak, Taluol und Benzol für unsere Landwirtschaft und Heeresverwaltung gehalten werden. Es liegt also unmittelbar im vaterländischen Interesse, den Verbrauch von Koks in jeder Weise zu steigern, wie das auch seitens der staatlichen Behörden schon geschieht. Eine wertere Lagerung.
in größerem Umfange wird wegen Platzmangels und wegen Zer dadurch bedingten weiteren Festlegung größerer Betriebsmittel kaum noch möglich sein. — Die Herstellung ln Ammoniak und den übrigen Nebenerzeugnissen fand nebst Zen vorhandenen Lagerbeständen glatte Aufnanme.
Die Roheisen abrule der Verbraucher waren in der Berichtszeit sehr lebhaft, so daß die Herstellung des eingeschränkten Betriebes nicht nur abgesetzt wurde, sondern vom Lager erhebliche Mengen zum Versand kamen. Das Geschäft in Stab eisen lag, soweit nicht Kriegsaufträge vorhanden waren, im allgemeinen still. Im Draht geselläft wird sehr über Mangel an neuen Aufträgen geklagt In Grobblech ist das Arbeitstoedürfrßs verhältnismäßig am größten. Die Beschäftigung im Eisenhoch- und Brückenbau war im ganzen ausreichend, da die Heeresverwaltung eine Reihe Lieferungen vergab. Bei den Eisenkonstruktionswerkstätten herrschte dagegen Mangel an Arbeit. In den Maschinenbauanstalten war für durchweg fehlende Auftiäge ein teil weiser Ersatz in den Lieferungen der Drehereien für die Landesverteidigung vorhanden. Dagegen waren die Werkzeuig- maschinenbauanstalten durchweg sehr gut beschäftigt. In gußeisernen Röhren waren Nachfrage und Abruf nach wie vor ungenügend, dafür trat aber die Heeresverwaltung mit ihren Bestellungen ein, so daß neben den Eingängen von der sonstigen Kundschaft den Eisengießereien Arbeit gesichert wurde.
Industrie und Handel.
$ Neue Preisfestsetzung der Spirituszentrale. Berlin,
16. Jan. (Eig. Drahtbericht) Die Spirituszeirtrale teilt mit: Seit der letzten im Oktober 1914 vorgenommenen Preisfestsetzung hat sich die Geschäftslage insofern geändert, als die Einnahmen erheblich hinter dem Voranschlag zurückgeblieben sind. Hieraus entspringt die Notwendigkeit, die Brennerelr betriebe stärker anzuregen. Zu diesem Zwecke hat der Ge- samtausschuß gestern beschlossen, den Abschlagspreis, der sich bisher auf 50 M. belief, ab 18. Januar auf 54 M. zu erhöhen. Die Verkaufspreise wurden für unvergällten Branntwein uro 5, für vergällten um 4 U. WeTaufgeseffzt. Die Preise für BrennspiflittuB in Flaschen sind unverändert geblieben.
* Preiserhöhungen auf dem Braunkohlenmarkt. Nach dem Vorgang der Weihe des Mitteldeutschen Braunkohlenreviers haben jetzt auch die Grube Conconcfla in Nachter- stedt sowie die Werke des Hehnstedter Reviers die Brikettpreise mit Wirkung vom 1. April ab um JL M. für die Tonne erhöht
* Vom Stabeisen- and Blechmarkt. Nach der „Breslauer
Zeitung“ fordern die führenden deutschen Stahlwerke höhere Preise für Stabeisen und Bandeisen. Der Eingang von Spezifikationen übersteigt seit einigen Tagen den Versand, was in der Bemessung der Lieferfristen seinen Ausdruck rindet. Der Blechmarkt ist auch belebter, namentlich in Grobblechen. Die Beschäftigung beträgt fast 60 Proz. «er normalen
Leistungsfähigkeit.
Die Morgen-Ausgabe umfaßt 16 Seiten sowie die Berlagsbeilagen „Der Roman" und „Illustrierte '_ Kinder-Zeitung" Nr. 2. _
Hauvtlchristleinr: A. HegerHorsl.
Strauti»»ttlii6 für den politischen Teil: Dr. phll. «. Schellender!: Br den UMeihalwnoSteil ® ». Nauendorf: für Nachrichten au! Wiesbaden und de» Nachbarbeztrken- I.B.: H. Diefenbach: für d Diefenbach;
für .Spor: und Auftkabrt": I. 8.: C. Loiacker: für .,8ermichteS" und de» Brietlasten": E. Lobacker. für den Handelsteil: W Sb: für die Anzeige» und Reklamen: H Dornauf; sämtlich in Wiesbaden.
Druck und Bering der L. Schelle»berg schen Hos-Buchdruckeret in Wiesbaden.
Sprechstunde der Schristleitun«: 1Z ti» 1 Uhr.
