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Nr. 13.

Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblattr.

Samstag» 1b. Ianuar.

1913 .

Copyright 1914 by Carl Dunker, Berlin. (24. Fortsetzung.)

ver Wagehals.

Roman von Fritz Skowronnrk.

Nachdruck verboten.

18. Kapitel.

Der Forstmeister war ein glücklicher und sehr auf­merksamer Bräutigam. An jedem Nachmittag fuhr er «ach Weschkallen. Seine Braut gefiel ihm mit jedem Lage mehr. Sie war so weich, so schmiegsam und so zärtlich. Jeden Augenblick des Alleinseins nahm sie wahr, sich auf sein Knie zu sehen und ihn abzuküssen. . . . Dem alten Herrn gefiel das sehr gut.

Einmal gleich zu Anfang hatte er ihr gesagt: „Aber Madelinchcn, wir sind doch ein paar vernünftige alte Leute! Wenn Dante Georginne uns so überrascht! Was soll sie von uns denken?"

„Daß ich dich von Herzen liebe, du alter Brumm­bär . . ." Dann knutschte sie ein Dränchen ab und fuhr fort: „Hast du denn so wenig Selbstbewußtsein? Meine ganzen Empfindungen fliegen dir entgegen.... Mein erster Mann hat mir auch ganz gut gefallen, aber auch weiter nichts. Ich habe ihn aus klugen Erwägun­gen genommen. Aber was sollte mich jetzt bestim­men . . .? Möchtest du mir das mal sagen? Ich habe reichlich genug zum Leben, auch ohne Dante Georginne zu beerben . . ."

„Ich wage noch immer nicht, an das große be­rauschende Glück zu glauben, Madelinchen."

„Ach, daran sind bloß die dummen Romanschreiber schuld. Wenn bei denen ein Mann vierzig Jahre alt ist, dann ist er ein alter Herr, der eine große Dumm­heit begeht, wenn er sich ein junges Weib nimmt_

Ich meine, jeder Mensch ist so alt. wie er sich fühlt."

Der Forstmeister nickte lebhaft. „Das Wort unter- schreibe ich. ... Du hast mir aus der Seele gesprochen, -Kind. Ich muß in fröhlicher Gesellschaft manchmal an mich halten, um nicht aus tiefster Brust einen alten Studentenkantus anzustimmen."

„Ich singe mit", rief Madeline und warf sich an seine Brust. . .

Schräder hatte sofort an seinen Freund, den Forst­rat geschrieben und ihm mitgeteilt, daß er sich wieder zu verheiraten gedenke. Er hatte wegen eines längeren urlauvS zur Hochzeitsreise ungefragt und gebeten, sein Gesiich, das nach Feststellung des Hochzeitstermins ab- gehen würde, zu befürworten. . . . Umgehend erhielt er ein herzliches Glückwunschschreiben . . .

Weshalb sollte er noch länger mit der Hochzeit war­ten .. .? Der Dermin wurde festgesetzt und drei Tage später hing er mit Madeline vor seinem eigenen Haus rm Kasten. Nie hatte er dem alten, schwarzen, mit Draht vergitterten Kasten einen Blick geschenkt. Jetzt ging er selbst hinaus vor die Tür und las den Text des Schriftstückes. . . . Von der Kanzel sollte er in Wgekürztem Verfahren nur einmal für dreimal fallen. Er wollte nur eine stille Hochzeit mit einem Frühstück für die Trauzeugen. Aber darauf ging Georginne nicht ein. Das wäre ihre Sache und sie wolle auch ihre Freude daran haben. . . .

Eines Tages, als der Forstnreifter eben den Wagen befohlen hatte, um nach Weschkallen zu fahren, fuhr

ein Wagen vor. . . . Eine Minute später erschien Abro- meitene und brachte in ihrem Schürzenzipfel eine große Visitenkarte. Er las: „Roman von Zaleski, K. K. Ritt- meister der Garde-Landtvehr-Kavallerie."

„Lass' den Herrn ointreten."

„Was verschafft mir die Ehre?"

Herr von Zaleski war eingetreten und hatte eins tadellose Verbeugung gemacht. „Ich wollte dem Herrn Forstmeister nieine gehorsamste Aufwartung machen. . . . Bei der engen Freundschaft, die jetzt unsere Herr­scher und Heere verbindet, habe ich es für meine Pflicht gehalten, weil ich gerade in Ihren, Machtbereich weile, ^hnen meine Verehrung zu Füßen zu legen. Bitt' schön zil, entschuldigen. Ich bin auch ein leidenschaftlicher Jäger und liebe die grüne Farbe."

Mit einer Handbewegung wies Schräder auf einen Sessel und nahm dem Gast gegenüber Platz. „Sehr verbunden, Herr Rittmeister. Wenn ich fragen darf, was hat Sie in unsere Gegend geführt?"

„Oh, das tut nichts zur Sache, aber ini Vertrauen ... . bitt' schön, Herr Forstmeister . . . eine sehr wich­tige Mission, die sich gegen unseren genreinsamen Geg­ner Rußland richtet. . ."

Der Forstmeister neigte das Haupt, als wenn ihn diese Erklärung befriedigte. „Und Sie sind, wie Sie sagen, leidenschaftlicher Jäger?"

„Schr passioniert, Herr Forstmeister."

„Dann werden Sie wohl nicht auf Ihre Rechnung kommen, Herr Rittmeister. Ich lege mir selbst, obwohl ich auch sehr passioniert bin, im Abschuß Beschränkun­gen auf, um den Forstbeamten, die ihre Haut bei der Beschübung des Wildes zu Markte tragen, das Ver- gnügen nicht zu verkümmern."

„Das bedaure ich, Herr Forstmeister, sonst hätte ich mir die Bitte erlaubt . . ."

„Ganz ausgeschlossen, Herr Rittmeister . . Schräder erhob sich. . . . „Ich bedaure sehr, daß Sie sich vergeblich bemüht haben, aber ich kann wirklich keine Ausnahme niachen."

Herr von Zaleski hatte sich auch erhoben. „Bitte vielnials um Entschuldigung. Habe die Ehre, Herr Forstmeister. . ."

Mit einer stummen Verbeugung geleitete ihn der alte Herr zur Tür. . . .

Am anderen Tage, kurz vor Mittag, erschien der Assessor in der Oberförsterei. „Wissen Sie, Herr Forstmeister, wer mich gestern besucht hat? Der Ritt- meister von Zaleski. . . . Ein ganz famoser Kerl. . . . Wir haben in Erinnerungen geschwelgt. Wir haben ein Schock gemeinsame Bekannte, über deren Befinden er mir genaue Auskunft geben konnte . . ."

„Sie haben ihn schon vorher persönlich gekannt?"

„Nein, Herr Forstmeister . . . das nicht . . . aber er ist bei mir hinreichend legitimiert durch einen Gruß, den er mir überbrachte . . . und ich entsinne mich auch, seinen Nanien öfter in Wien gehört zu haben. Ein glänzender Reiter und ein passionierter Jäger, . . .