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Rr. 85« Samstag, 16. Januar 1915 » _Wiesbadener Tagblatt. Erstes Blatt. Sette 5»

Deutscher Reich.

* und Personal-Nachrichten. Der in der evange- kkcheu Gemeinde zu Remscheid wirkende Pfarrer Siebert feierte sein Eäbriges Menstjubiläum.

* Die kirchliche Feier an Kaisers Geburtstag. Der Evan­gelische Oberkirchenrat hat, wie beveits erwähnt, in einem Erlaß angeordnet, daß allen Gemeinden die Anregung ge­geben werde, am 27. Januar an Stelle sonstiger öffentlicher Feste, die den Charakter von Vergnügungen haben, sich zu einer kirchlichen gottesdienstlichen- Feier zu vereinigen. So weit wie möglich soll dieser Festgottesdienst mit Chorgesängen ausgestattet werden.Wir vertrauien", so heißt es in dem Erlaß,daß der vereinte Eifer der Geistlichen, Organisten und Kantoren es möglich machen wird, den vaterländischen, gerade in dieser ernsten Kriegszeit besonders bedeutsamen Festtag tat würdiger und erhebender Weise zn begehen, und daß auch die Gemeindekirchenräte und Presbyterien durch bereitwillige Unterstützung jener, z. B. auch durch Einladung der staatlichen und städtischen Behörden sowie auch der Krieger- Vereine und sonstiger in Betracht kommender Vereine, auf eiine eindrucksvolle Fesffeier hinwbrken werden."

Eiue Kaifersgeburtstagskollekte für Invaliden. Köln,

14. Jan. Der Erzbischof von Köln, Kardinal von Hart» mann, hat bestimmt, daß an Kaisers Geburtstag in den katholischen Kirchen beim Gottesdienst eine Kollekte ab» gehalten werden soll, deren Ertrag dem Kaiser als Geburts­tagsgeschenk zum Besten der durch den Krieg Invalide gewordenen Krieger überreicht werden soll.

* Die Fürsorge für Offizierswaisen. Der Bund deutscher Offiziersfrauen (SW. Hallefche Straße 20) hat mehrere Freistellen zur Ausbildung in hauswirffchastlichen und sozialen wie künstlerischen Berufen zu vergeben. Auch ist ein Überangebot zu verzeichnen von Familien, die Offiziers­kinder, Halbwaisen, Vollwaisen, Geschwister zu adoptieren oder zu erziehen die Absicht haben.

Br. Strafaufschub für Rosa Luxemburg. Berlin,

15. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Blu.) DerVorwärts" teilt mit: Die Genossin Luxemburg ist erkrankt und be­findet sich seit 8. Januar in einem hiesigen Krankenhaus, weshalb ihr ein Strafauffchub bewilligt worden ist. Die Genossin wird ihre Strafe am31. Märzin Frankfurt a. M. antreten.

* Zum 180. Geburtstage Bismarcks (1. April 1015) er­scheint als würdige EhrengabeDas Bismarck-Buch des deutschen Volkes" von Dr. Alfred F u n k e im Berlage von W. Vobach u. Co., Leipzig. Das Wesentliche und Bleibende im Leben und Schaffen Bism-arcks schildert der Verfasser mit Wärme und Begefftermm. Über 808 Bilder trnd etwa 40 farbenprächtige Kumstbeilagen sowie Nachbildungen von Briefen Bismarcks und andern wichtigen Dokumenten sollen das Werk schmücken, darunter viele bisher umbekannt« Bilder und zahlreiche Zeichnungen des genialen Künstlers Alfred Weßner-Collertbeh. Das Gesamtwerk wird etwa 1000 Tert- seiten umfassen mit über 800 Abbildungen urtb etwa 40 Kunst­verlagen.

Heer und Flotte.

Deutschlands und Österreichs Kriegsschiffe. Zu der nach Weyers Taschenbuch der .Kriegsflotten in der vorgestrigen Abendausgabe wiedergegebenen Übersicht der deuffchen See­streitkräfte ist ein Druckfehler zu berichtigen. Me Zahl der deutschen Schlachtschiffe bat rügt 37 und nicht 57.

Einstellung von Uuteroffizierschülern. Das Krieas- ministerium weist darauf hin, daß Einstellungen von 17- bis Msäbrigen, noch nicht selddienstffähigen Freiwilligen in di« be- steihanden Üntevoffizierschnlen in Weißensels und Trop- t o w a. R. auch in letziger Zeit erfolgen, und zwar ohne Fnne- haltung der im Frieden bestehenden Einstellungstermine. An­träge auf Einstellung in die vorbedachten Unteroffizierschulen sind unter Einsendung der nachbezeichneten Unterlagen bei den Bezirkskommandos emzureichen: a) eines von dem Zivil­vorsitzenden der Ersatzkommission des Aushobungsbezivks ans­gestellten Meldescheins (für eine Unteroffizierschule ansgestellt), b) des Konfirmationsscheins oder eines Ausweises über den Empfang der ersten Komnwuniom, c) etwa vorhandene Schul­zeugnisse, <!) einer amtlichen Bescheinigung über die bisherige Beschästigungsweise, über früher übevstcmdene Krankheiten oder etwaige erbliche Belastung.

Post und Elfenbahn.

RPA. Postpakete nach Spanien und den kanarischen Inseln.

Bon jetzt ab sind Postpakete bis 5 kg nach Spanien nebst den Balearen und den kanarischen Inseln zur Beförderung über die Schweiz und Italien wieder zugelassen. Daneben bleibt auch der seit einiger Zeit eingerichtete Postfrachtstück- verkehr nach Spanien Mer die Schweiz (Basel) in Kraft. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten.

Sitzung der Stadtverordneten.

Wiesbaden, 15. Januar.

Den Vorsitz der mittelmäßig besuchten Versammlung führt Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Dr. Alberti.

Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt Oberbürgermeister G l ä s s i n g der Versammlung von dem

Vermächtnis Reisinger

Kenntnis, das unseren Lesern bereits bekannt ist. Kurz wiederholt, handelt es sich um folgendes:

Der in New Uork wohnhaft gewesene, in Wiesbaden ge­borene Geh. Kommerzienrat Hugo Reisinger hat der Stadt Wiesbaden testamentarisch folgende Zuwendungen gemacht:

1. 25 000 Dollar, di« seine Testamentsvollstrecker verwen­den sollen für die Errichtung eines Brunnens in seiner Geburtsstadt Wiesbaden, der nach den Entwürfen deut­scher Bildhauer und Architekten ausgcführt werden soll.

2. Ans dem nach Auszahlung der ausgesetzten Legate ver­bleibenden Rest seines Vermögens sollen seine Testamems- vollstrecker einH ug o°R e i si n g er-K i n der h o sp i t a I" für arme Kinder unter 14 Jahren in der Stadt Wiesbaden er­richten, ausrüsten und unterhalten. Wie hoch der Rest des Vermögens ist, steht noch nicht fest.

Der Oberbürgermeister ersucht die Stadtverordneten, sich mit der Annahme des Vermächtnisses einverstanden zu er­klären, was geschieht.

Zu dem ersten Punkt der Tagesordnung, betreffend Mit­teilung Mer die

Beteiligung der Stadt an der Kriegsgetreide-Gefellschaft,

ergriff ebenfalls Oberbürgermeister G l ä s s i n g das Wort. Schon ausgangs September hat der Magistrat die Beteiligung der Stadt an der Kriegsgetreide-Gesellschaft beschlossen/ ans naheliegenden Gründen indessen die Einholung der Zustim­mung her Stadtverordneten-Versammlung bis jetzt verschoben. Der Zweck der Gesellschaft ist bekannt; der Magistrat hat 100 000 M. gezeichnet. Die nachträglich nachgesuchte Geneh­migung wird erteilt.

Auch zu dem zweiten Punkt der Tagesordnung: Wahl

von 4 Mitgliedern in die Koumtisfion zur Prüfung der Frage, betreffend

die Versorgung der Stadt Wiesbaden mit Lebensmitteln,

sprach Oberbürgermeister G l ä s s i n g. Die Kommffsion soll namentlich die Frage der ausreichenden Fleischversorgung, der ausreichenden Versorgung mit Kolomalwaren und vergleichen prüfen. Der Magistrat hat Bürgermeister Travers sowie die Stadträte. Hees, Kimmel und P h i l i p p i in die Kom­mission gewählt und außerdem beschloffen, daß der Geschäfts­führer Bauer des Konsumvereins als Sachverständiger zu den Beratungen zugezogen wird. Me Versammlung wählt ihrerseits die Stadtverordneten G l a e s e r, S ch w e i s g u t h, D e m m e r und Neuendorss in die Kommission.

Der Beteiligung der Stadt mit 10 000 M. an der

Hindenburgsprnde

wird zugestimmt, ebenso auf Antrag des Finanzausschusses, für den Stadtv. Wolfs berichtet, der Bewilligung von 3000 Mark für den

Roten Halbmond.

Stadtv. Max Müller berschtet über die Stellungnahme des Magistrats und des Finanzausschusses zu dem Gesuch der

Notstandsarbeiter

um Erhöhung der jetzt 3 M. 30 Pf. bis 3 M. 60 Pf. täglich be­tragenden Löhne. Die Arbeiter begründen das Gesuch mit der teurer gewordenen und voraussichtlich noch teurer werden­den ^Lebenshaltung. Der Magistrat hat beschloffen, von einer Erhöhung der Löhne abzusehen, aber das Kri-egsfürsorgeamt anzuweisen, dort besondere Fürforgemaßnahmen zu treffen, wo sich Notstandsarbeiter, sei es durch große Kinderzahl, Krank­heitsfälle oder dergleichen, in mißlichen Verhält- n t j sen befinden. Eine Umfrage bei einer Anzahl anderer Städte hat ergeben, daß, abgesehen von Charlottendurg, keine Stadt ihren Nofftandsarbeitern höhere Löhne zahlt, als Wies­baden. . Der Magistrat hält es nicht für richtig, daß die Not- standsköhne höher sind als der ortsübliche Tagelohn; das In­teresse der Notstandsarbeiter, sich nach lohnenderer Beschäf­tigung nmzusehen, soll auch wacherhalten werden. Der Finanzausschuß hat sich der Auffassung des Magistrats ein­stimmig angeschlofferr. Nach längerer Debatte, an der sich außer dem Oberbürgermeister die Stadtverordneten Philipp Müller, Demmer, Krücke und Fink sowie Bauinspektor Dr. Scheuermann beteiligten und in der gleich ein dieselbe Sache betreffender Antrag des Stadtv. Demmer besprochen wird, gelangt der Ausschutzantrag zur Annahme.

Me Stadtverordnetem Demmer und Philipp Müller haben erneu Antrag auf Errichtung eines

Wietscinigungsamtcs

gestellt, der indessen nicht mehr aus die Tagesordnung gesetzt norden konnte. Oberbürgermeister G l ä s s i n g sprach sich ftir die Vertagung der Sache aus, die auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden könne. Von 800 Fällen seien'von dem mit der Vermittlung zwischen Vermieter und Mtetern beauftragten Kommissar der Siadt 500 erledigt worden. Auch das private Mietseinigungsamt unter dem Vor­sitz des Stadtrats Kalkbrenner habe schon recht segens­reich gewirkt. Ein offizielles Mietseiuigungsamt, wie es von den Stadtverordneten Demmer und Müller angeregt werde, sei insofern nicht ganz uMedenklich, als es unter Umständen außerordentlich große Opfer aus städtischen Mitteln erfordere. In den ersten 5 Kriegsmonaten habe die Stadt bereits 1 043 000 M. Kriegs Unterstützungen ausgewendet. Die Frage, ob ein Mietseinigungsamt eingerichtet werden solle, könne natürlich noch einmal geprüft werden, er gebe Herrn Demmer anheim, seinen Antrag durch eine Mitteilung darüber zu ergänzen, wie er sich die Beteiligung der Stadt, der Haus­besitzer und der Mieter denke.

Ein Antrag Demmer, die Sache heute zu erledigen, wird mit allen gegen 3 Stimmen abgelehnt.

Auf Vorschlag des Vorsitzenden Justizrat Dr. Alberti, dem sich Stadtv. Demmer anschließt, wird beschlossen, die An­frage des Kafferlichen Postamts, betreffend die Behand­lung unbestellbarer Feldpostsendungen, dahin zu beantworten, daß an den gegenwärtigen Zuständen nichts geändert werden möge, d. h. daß gewünscht wird, unbestell­bare Feldpostsendungen möchten den Absendern zurückgegeben werden.

Stadtv. Reichwein berichtet namens des Finanzaus- schusses über den Verkauf einer städtischen Wegefläche an der Bierstadter Straße. Frau Witwe Konsul Aschoff ist die Besitzerin eines Grundstücks an der Alwinenstraße. An dieses Grundstück stößt ein bereits eingezogener, zum Teil schon verkaufter Feldweg, und sie möchte den sie interessieren­den Abschnitt, insgesamt 2 Ar 33 Quadratmeter erwerben. Es ist ein Preis von 600 M. die Rute, oder insgesamt 5778 M., mit ihr vereinbart. Der Verkauf wird, da dieser Preis ein angemeffener fft, gutgeheißen. Auch über den Verkauf einer städtffchen Flutgrabensläche zwffchen Neroberg» und Lanzstraß« berichtet Stadtv. Reichwein. Der Flut- graben ist entbehrlich und zum Teil schon auSgefüllt. Frau Clothilde König und Frau Vinzenz Tublais, die Eigentüme­rinnen der cm einen Teil anstoßenden Grundstücke möchten 15 resp. 18 Quadratmeter zu dem Einheitspreise von 600 M. oder für 360 M. resp. 432 M. insgesamt erwerben. Auch dieser Verkauf wird gebilligt.

Für das

Dernsche Terrain

ist nach einem Bericht des Bauausschuß-Referenten Stadtv. Schwank im Jahre 1910 bereits ein Fluchtlinienplan fest­gesetzt. Die Polizeiverwaltung jedoch hätte aus ästhetischen und Verkehrsrücksichten denselben beanstaniHt. Von der Stadt war ein Prozeß im Verwaltungsstreitverfahren gegen die Be­anstandung angestrengt worden. Zwischenzeitlich nun ist eine Vereinbarung erzielt, wonach u. a. der Zwischenraum zwischen dem Rathaus und dem vorgesehenen Verwaltungsgebäude von 19 auf 24 Meter vergrößert wird. Dieser abgeänderte Plan ündet ohne Widerspruch die Zustimmung der Versammlung. Es ist dadurch erreicht, daß das Dernsche Terrain wieder be­baut werden kann.

Bezüglich des folgenden Gegenstandes der Tagesordnung: Bewilligung von 550 M. für die Errichtung einer Anschlag­säule auf dem Dernschen Terrain erstattet für den Bau- ausschuß Stcchtv. K a l t w a s s e r das Referat. Die Anschlag- äule auf dem Schillerplatz ist in Fortfall gekommen. Der Pächter der Anschlagsäulen hat Anspruch auf einen Ersatz für dieselbe, und der Magistrat hat in Vorschlag gebracht, eine neue Säule mit 550 M. Kostenaufwand an der Ecke des Dern- rhen Terrains zu errichten. Die Sache ist früher abgesetzt vorden, weil ein Fluchtlinienplan für das Gelände noch nicht eststand. Der Betrag von 550 M. wird anstandslos bewilligt.

Auf Antrag des Stadtv. Hartmann wird gewählt in die Einkoutmensteuer-Voreinschätzungskommission Architekt

Karl Roth, Platter Straße 81. Ferner werden bie fünf Kommissionen zur Abschätzung von Kriegsleistun­gen für die Jahre 1915, 1916 und 1917 im garten in ihrer früheren Zusammensetzung bestätigt.

Die Sitzung verwandelt sich sodann in eine geheime. Nach Wiederherstellung der Öffentlichkeit wird der Wahl­ausschuß für das Jahr 1915 gewählt. Der Ausschuß soll bis zur nächsten Sitzung Vorschläge für die Wahl der Mrigen ständigen Ausschüsse machen. Als Stadtverordnetenvorsteher wurde Justizrat Dr. Alberti, als Stellvertreter Jifftizrat Siebert, als erster Schriftführer Sekretär I e k e l und als stellvertretender Schriftführer Sekretär Kaufmann wieder­gewählt. Als Ersatz für den mit Rücksicht auf sein hohes Alter zurückgetretenen Feldgerichtsschöffen Diez werden Ober- amtmann Herz und Heinrich Thon zur Wahl präsentiert.

5lu§ Stadt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

wir wollen stärker sein als unsere Feinde;

Das Krtegsjahr 1795 war für England ein Mißjahr, für dte notwendigsten Lebensmittel wurden DeuerungS-, ja Hungerpveffe gezahlt. Da wurden denn neben den Gesten zur Unterdrückung der Volksaufläufe usw. auch Verord­nungen erlassen über die Ausfuhr und den Bezug der Lebensmittel und das B r o t b a ck e n. Auf die Einfuhr von Lebensmitteln wurden Belohnungen gesetzt und die Kornaus­fuhr gesperrt. England war eben damals noch nicht Alleinbe­herrscherin des Meeres, als welche es sich heute auffpielt. Das Bwtbwken von Mais und Kartoffelmehl wurde be­fohlen, eine andere Mehlverwendung untersagt. Diese Ver­ordnungen fanden einen nachdrücklichen Widerhall in der Be­völkerung. Gesellschaften schafften Vorräte von Korn, ReiS und Kartoffeln zu wohlfeiler Verteilung an, viele tausend wohlhabende Familien verpflichteten sich, nur die geringeren Brotsorten aus ihrem Asche zuzulaffen.

Auf dreie Weise gelang es, der Not und der Aufregung des Volles Herr zu werden.

Bollsaufstäitde gibt es nicht bei uns. Fest und treu steht das Volk zu Kaiser und Reich und trägt bereitwillig «nfc hel­denmütig alles, was der uns aufgezwungene Krieg mit sich bringt. Nun sollen aber auch die wohlhabenden Familien nicht nachstehen und in dieser Beziehung Enthaltsamkeit und Genügsamkeit üben. Darum fort mit dem feinen Brot und sonstigen Backwaren aus Weizenmehl! Befolgen wir das Beispiel, das unser schlimmster Feind unS gegeben hat, ein jeder zu seinem Teil, die Feinde niederzuringeu. Die Losung sei:

Fort mit dem Weißbrot! M.

Die Reichs-woll-lvoche.

Bekanntlich werden in der von kommenden Montag ab lausenden Reichs-Woll-Woche die Pakete durch Mannschaften des Jungdeutschlandbundes in den Behausungen abgeholt. Es fft wünschenswert, daß, um Störungen in der Expedition, welche durch Mitglieder desWiesbadener Automobilklubs,

E. B.", mit ihren Wagen erfolgt, zu vermeiden, die gestifteten Wollsachen möglichst zur Abholung in den Behausungen der Stifter bereit liegen. Es steht zu erwarten, daß auch diesmal, wie bet allen Arbeiten der Abteilung 3 des Roten Kreuzes, ein zufriedenstellendes Resultat hinsichtlich des Er­gebnisses der Sammlung zu verzeichnen sein totift.

Ja der Reichs-Woll-Woche wirken etwa 60Schülerder Mittel- und Volksschulen mit, welche auf Antrag des Krets- vereins dom Roten Kreuz für die ganze Woche von der Teil- itahme am Unterricht entbunden worden sind.

Xriegsfürsorg« her deutschen Techniker.

Bei dem engen Zusammenhang zwffchen Krieg und Volks­wirtschaft und der Bedeutung der Organisationen für das Wirtschaftsleben war eine Anpaffung der Organisationen an die veränderten Verhältniffe notwendig. Der »Deutsche Te chnikerverban d" hat auch während des Krieges seine Tätigkeit in vollem Umfang aufrecht erhalten. Der Be­kämpfung der Arbeitslosigkeit im technischen Berufe wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Es wurde kein Mittel unversucht gelassen, um private und öffentliche Arbeit- \ geber zu veranlassen, bei Besetzung von Stellen unsere Stellen­vermittlung zu benutzen. Auch an der Zentralstelle für Jnge- nieurarbeii fft der Verband beteiligt. Der Erfolg der Be­mühungen war, daß die Stellenlosigkeit unter den Mitgliedern des Verbands zurzeit geringer ist als in normalen Zeiten.

Die Stellenlosen-U n t e r st ü tz u n g fft in beschränktem Umfang aufrecht erhalten. Zur Unterstützung der Familien der im Felde stehenden Mitglieder ist eine Kriegshilfe geschaffen aus freiwilligen Spenden der Mitglieder, die eine Höhe von rund 70 000 M. ausweist. Die Familien erhalten monatliche Raten zwischen 15 und 25 M., je nach BÄürsnis und Familienstand. Weihnachten wurde einer jeden Rate ein WeibnachtSzuschlag von 5 M. beigefügt. Bis heute fiiid schon 35 000 M. zur Auszahlung gelangt. Der Rechtsschutz wird in altem Umfang gewährt und wird stark in Anspruch genom­men. Me Rechtsschutzabteilung ist zu einer Auskunfts­stelle in Fragen des bürgerlichen Lebens erweitert. Im gleichen Sinne arbeiten die Geschäftsstellen draußen im Reiche.

Der Verband ist an dem Kriegsausschuß für Woll­sachen beteiligt und hat eine Sammlung von Wollsachen unter seinen Mitgliedern in die Wege geleitet. In der monat­lich zweimal erscheinendenDeuffchen Technikerzeitung" wer­den die Mitglieder mit den durch den Krieg bedungenen Ver­hältnissen vertraut gemacht. Besondere Aufmerksamkeit ver­wendet der Verband auf die Bekämpfung des Arbeits­wucher S, wie er in unberechtigten Gehaltskürzungen. Ent­lassungen usw. sich äußert. Der Verband ist an dem Kriegs- ausschuß für Konsumenteninteressen angeschloffen. Das Sterbegeld wird in vollem Umfang, auch an die im Felde Gefallenen gewährt. Das Erholungsheim in Sonders­hausen wurde gleich zu Beginn des Krieges dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt und ist mit Verwundeten belegt. Dr. II.

Kriegsabende.^ Den Hauptgegenstand des 14. Kriegs- abends, der nächsten Sonntag stattfinden wird, bildet ein Vor­trag überWiesbaden und der Krieg", der die durch den Krieg geschaffene besondere Lage unserer Weltkurstadt sowie die seitens der Stadtverwaltung getrofferten Maßregeln zugunsten der Kriegsteilnehmer und ihrer Angehörigen er­örtern wird. In dankenswerter Werse hat sich Herr Ober­bürgermeister Geheimrat Glässing bereit erklärt, diese» Gegenstand zu behandeln, und so steht zu erwarten, daß wir aus bester Quelle einen klaren Überblick über diese für «ffere

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