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Samstag, 16. Januar 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 25. - 63. Jahrgang.
Der große Erfolg bei Soiffons!
Oer Tagesbericht vom 15. Januar. Vas nördliche Risne-Ufer von den Franzosen gesäubert. — In den dreitägigen Kämpfen 5200 Franzosen gefangen» 14 Geschütze, sechs Maschinengewehre und mehrere Revolverkanonen erbeutet. Schwere Verluste der Franzosen auch bei St. Mihiel. — Fortschritte in polen. Eroberung eines Stützpunktes nordöstlich Rawa.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 15. Jan., vormittags. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Bor W e st e u d e zeigten sich gestern einig« Torpedoboote und kleinere Fahrzeuge, die sich der Küste bis auf etwa 14 Kilometer näherten.
Französische Angriffe beiderseits Notre Dame de Lorette, nordwestlich A r r a s, wurden von unseren Truppen abgewiesen. Ein vor 8 Tagen bei Ecerie, nördlich Arras, dem Feinde cntrisiener, von Teilen einer Kompagnie besetzter Schützengraben ging uns gestern verloren. Die Kämpfe an dieser Stelle sind heute wieder im Gange.
Nördlich und nordöstlich S o i s s o n s ist das nördliche Aisne-Ufer von den Franzosen endgültig g e - säubert. Die Deutschen eroberten in ununterbrochenen Angriffen die Orte Cuffise, Crouy, Buch-les-Lo« g, Missh und die Gehöfte Bauxrot und Verrerie. Unsere Beute aus den dreitägige» Kämpfen nördlich Soisions belässt sich jetzt rund auf 5208 Gefangene, 14 Geschütze, 6 Maschinengewehre und mehrere Revolver- kauoneu. Die Franzosen erlitten schwere Verluste; 4-bis5000tote Franzosen wurden auf dem Kampffelde gefunden. Der Rückzug südlich der Aisne lag unter dem Feuer unserer schweren Batterien.
Wie sehr sich die Verhältnisse gegen frühere Kriege verschoben haben, zeigt ein Vergleich der hier besprochenen Kämpfe mit Ereignissen von 1870. Wenn auch die Bedeutung der Gefechte nördlich Soisions mit derjenigen der Schlacht vom 18. August 1870 nicht zu vergleichen ist, so entspricht die Breite des Kaurpf- feldes annähernd der vdn Gravelotte und St. Privat. Die französischen Verluste vom 11. bis 14. Januar 1915 übersteigen aller Wahrscheinlichkeit «ach die der Franzosen am 18. August 1870 um ein beträchtliches.
Feindliche Angriffe nördlich Verdun bei Consen- vohe scheiterten. Mehrere Vorstöße gegen unsere Stellungen bei Ailly, südöstlich St. Mihiel, wurden durch Gegenangriffe, nachdem sie stellenweise bis in «nsere vordersten Gräben geführt hatten, unter s ch we r e u Verlusten für den Feind z u r ü ck geschlagen. ^m letzten Nachstoß erobertem unsere Truppen die feindlichen Stellungen, die aber nach Wiederaufbau unserer eigenen Stellungen freiwillig und ohne Kampf während der Nacht wieder aufgegeben wurde».
Ein unbedeutender Angriff bei Mesnil, nördlich St. Dich wurde von unseren Truppen abgewiesen. Im übrigen fanden in den Vogesen nur Artillerie-' kämpfe statt.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Aus Ostpreußen und in N ö r d li ch - P o le n keine Veränderung.
Die Angriffe in Polen westlich der Weichsel machten langsam Fortschritte. Bei Eroberung eines Stützpunktes, nordöstlich Rawa, blieben 598 Russen als Gefangene in unseren Händen; drei Maschinengewehre wurden erobert. Heftige russische Gegenangriffe wurden unter schwersten Verlusten für die Russen zurückgeschlageu.
Oberste Heeresleitung.
Die französische Front von einem Durchbruch bedroht.
Lr. Rotterdam, 15. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die holländischen Zeitungen lassen sich melden, imß bei Reims und östlich von Soissons die französische Schlachtfront e r n st l i ch von einem D u r ch b r u ch der Deutschen bedroht wird. Die deutsche Artilleriestellung bei Reims ist seit wenigen Tagen dicht an die Stadt herangerückt.
Der Sündenbock für die französische Niederlage bei Soissons.
Br. Genf, 15. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Stellung des Generals Monnoury gilt wegen fernes Mißgeschicks bei Soissons als erschüttert. Die ^osfresche Note beurteilt die Niederlage der dortigen EI i t e t r u p p e n überaus milde. Aber die Mrlitärkritiker betrachten den beiden Gegnern gleich hinderlichen Austritt des Aisneflusscs als eine unzureichende Erklärung für die mangelhafte Aufstellung der französischen schweren Geschütze und ewe allgemeine Zersplitterung der Mounoury- schen Strcitkräfte. Ob diese sich in ihrer gestern abend bezogenen N o t st e I l u n g zwischen Croui, und Messt, halten können, bleibt abzuwarten, davon hängt ab, ob das in der Joffreschr Note optimistisch als deutscher Teilerfolg bezeichnete Ergebnis der zweitägigen Kämpfe ernstere Folgen zeitigen könnte.
Die strategische Bedeutung der eroberten (vrte.
8r. Berlin, 15. Jan. (Eig. Doahtbericht. Ktr. Bln.)
Zu dem Kampfe V r e g n h schreibt der militärische Mitarbeiter des „L.-A.": Durch den unter den Augen des Kaisers ausgeführten Sturm auf die Hochfläche von Bregny hat der Vorstoß vom 12. Januar gegen die Höhe bei Cuffise und Crouy an Bedeutung gewonnen, indem die Spitze des Keiles, der hier in die französische Stellung getrieben wurde, auf eine Breite von 9 Kilometer erweit-"^ ist. Die Hochfläche von Vregny liegt nämlich gem... 9 Kilometer östlich der Hochebene von Cuffise. Der kleine Ort selbst ist 3z4 Kilometer nördlich der Aisne. Zwischen ihm und dem östlich-südöstlich an der Aisne gelegenen Ort Cand6-sur-Aisne liegt ein Zwischenfort eingezeichnet, das von der Höhe von Vregny ebenso b e - herrscht wird wie Soissons von der Höhe bei Crouy und Cuffise.
Die deutschen Erfolge in den Argonnen.
Haag, 14. Jan. Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" führt in einer Übersicht über die militärische Lage aus, daß die Deutschen, nachdem sie die Römerstraße in den Argonnen bei St. Mänehould erreicht und die Linie Viennes la Ville-Fours de Paris- Bourrieres besetzt hätten, im ganzen 10 Kilometer fortgeschritten seien. Dem Blatt erscheint dies gegenüber den wechselnden Erfolgen der jüngsten Zeit, wo beide Gegner öfters nicht mehr als 100 Meter Land gewinnen konnten, als ein bedeutsamer Fortschritt.
Hochwasser der Seine.
W.T.-B. Troye' , 15. Jan. (Nichtamtlich) Die Seine steigt schnell und ist bereits an verschiedenen Stellen über die U?sr getreten.
Eine neue Art Fremdenlegion.
Br. Haag, 15. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie die „Daily Mail" berichtet, wurde bei Kriegsausbruch in Fraukreich eine Art Fremdenlegion gebildet, die sich aus bei Kriegsausbruch anwesenden Untertanen fremder Staaten zusammensetzte. Die Meldungen waren zu Anfang so zahlreich eingegangen, daß eine vollständige Brigade geschaffen werden konnte. Die beabsichtigte Bildung einer zweiten Brigade kam aber nicht zustande, da nicht die genügende Anzahl Meldungen einlief.
Pariser Angaben über das belgische Heer.
Kopenhagen, 14. Jan. „National-Tidende" meldet, nach Angabe der Pariser Presse sei die Reorganisation des belgischen Heeres abgeschlossen. Alle bisherigen DivisionS- generäle seien verabschiedet und die Kommandoposten mit jüngeren Kräften besetzt worden. Das belgische Heer zähle jetzt 100 000 (?) Mann, die auf sechs Divisionen verteilt seien. General Bertrand sei aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten.
Heros fordert eine würdige Behandlung der Internierten.
IV. T.-B. Paris, 15. Jan. (Nichtamtlich) Gustave Herve verlangt, daß nach der Frage des Gesundheitsdienstes die dringende Frage der I n t e r n i er te n l a ge r erledigt werde,
welche kein Ruhmesblatt in der französischen Geschichte seien. Anfangs August setzte sich ein Schwarm der Bevölkerung in den Kopf, das Land sei voller Spione. Spione gab es, aber als die deutsche Lawine in Frankreich einbrach, sei es allzu einfach gewesen, die Niederlage durch die ungenügende Vorbereitung, die zahlenmäßige Unterlegenheit und das Fehlen schwerer Artillerie zu erklären. Man mußte einen Sündenbock finden. Diesmal feien Spi 0 ne der Sündenbock gewesen. Die Regierung verlor den Kopf und befahl, alle Deutschen zu internieren. Die unglücklichen Opfer wurden unter dem Gejohle der Bevölkerung in Eisenbahnzüge gebracht und in die Waggons eingepfercht. In den für ihren Aufenthalt bestimmten Städten wurden sie zwischen zwei Reihen von Soldaten und Schutzleuten in Lokale geführt, wo nichts zu ihrem Empfang vorbereitet war, und wo Männer, Frauen und Kinder wochenlang auf Stroh oder nacktem Boden in einem widerlichen Durcheinander Hansen mußten und w i e Sträflinge behandelt wurden. Man werde niemalsdieZahlder armen Kinder kennen lernen, welche in diesen Zuchthäusern infolge des Elends und der Entbehrungen gestorben seien. Dies sei eine „schöne Reklame" für Frankreich im Auslande. Das Parlament wolle Maßnahmen für eine würdige Behandlut^ der Internierten treffen, um den guten Ruf Frankreichs und die Ehre der Republik zu retten.
Der vorstotz der deutschen Unterseeboote auf Dover.
Weitere Einzelheiten.
W. T.-B. London, 15. Jan. (Nichtamtlich.) Die Preffe- assoziation hat von einem Augenzeugen einen Bericht über den Angriff deutscher Unterseeboote auf Dover erhalten, indem es heißt: Kurz nach Mitternacht, nachdem die Scheinwerfer eine besonders lebhafte Tätigkeit ent- wickelten, wurden mit den Fernrohren Gegenstände erspäht, die wie Periskope aussahen. Die Scheinwerfer konzentrierten die Lichtkegel sofort auf die verdächtige Stelle. Bo« dem östlichen Wellenbrecher wurden zwei Schüsse gelöst. Die Zeugen des Vorfalles glauben, daß die Periskope infolge des Feuers verschwanden. Man weiß jedoch nicht, ob sie getroffen wurden oder sich durch freiwilliges Tauchen in Sicherheit gebracht haben. Nach dem Vorfall schwiegen die Kanonen. Im Laufe der Nacht wurde an der Küste eiin zweiterAlarm gegeben. Der Posten 'auf dem Admirali. tätspier schien ein Licht entdeckt zu haben, das sich an verbotener Stelle bewegte. Der Posten feuerte und die Wache wurde herausgsrufen. Die Küste wurde abgesucht, aber nrchts Verdächtiges gefunden. Nach einer anderem Meldung war ein Patrouillenboot auf der Rückfahrt van der Untersuchung eines vorüberfahrenden Schiffes begriffen, als ein feindliches Tauchboot erspäht wurde. D« Batterie an dem Wellenbrecher feuerte zwei Schüsse ab. Nach einem dritten Bericht wurde ein Unterseeboot in der Nähe der Landspitze wahrgemommen.
Vielsagende Clearinghouse-Zahlen.
Für die erste Woche des neuen Jahres betrugen die Umsätze des Clearinghouse 248 000 000 Pfund Sterling, das ist ein Rückgang gegen die entsprechende Woche des Vorjahres von nicht weniger als 112 000 000 Pfund Sterling oder 2 240 000 000 M. In den Cle ari nghou seu ms ätzen spiegelt stch das Bild des gesamten Umsatzes an Waren und Werten, der somit für London um annähernd ein volles Drittel gefallen ist.
Englische Beschlagnahme von Schiffen.
IV. T.-B. London, 14. Jan. (Nichtamtlich) Die Admiralität hat eine Anzahl festgehaltener Schiffe beschlagnahmt, um ste für die Küstenschiffahrt zu benutzen, namentlich um Kohlen nach London zu befördern.
wieder ein deutsches Flugzeug über der Themse.
Br. Amsterdam, 15. Jam (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus London wird gemeldet: Drenstagnacht sahen die Bewohner von Southend bei dem Lichte von SchSmwerfern eine Taube über der Themse. Wie der „Daily Telegraph" mAteiilt, schwebte das Flugzeug einige Minuten über denr Fluß und verschwand dann in nördlicher Richtung.
Die Zeppelinfurcht in England
kennzeichnet ein Londoner Brief des „Genfer Journals". Hat schon die Beschießung der englischen Küste bei Scar- borough eine große Erregung bei der englischen Bevölkerung hervorgerufen — so heißt es darin —, so noch mehr das vor kurzem erfolgte Erscheinen eines deutschen Fliegers in der Themsemündung. In England glaubt man, daß es stch bei dieser Fahrt um einem Aufklärungsflug gehandelt habe, um zu erspähen, wo sich die englischer, Fliegerstationen befinden; die zu erwartenden Zeppeline würden diese Gegenden meiden und sich andere Wege ins Innere des Landes suchen. In dem Brief heißt es dann weiter: Schon im Laufe des Monats November erschien ein Zeppelin neuesten Modells m der Nähe der englischen Knjtej
