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Verlag Langgasse 21

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„Tagblait-HanS" Nr. 6650-53.

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Freitag. 15. Januar 1915.

Lebend-Ausgabe.

Nr. 24. - 63. Jahrgang.

Oer ttrieg.

Oie Lage im westen.

Die hohe Bedeutung des Erfolges bei Soissons.

Berlin, 15. Jan. (Ktr. Bin.) Zu den deutsche« Er­folgen bei Soissons wird dem „Berliner Lokalanzeiger" über Kopenhagen aus Paris gemeldet: Nördlich

Soissons wogt seit Anfang Januar ein heftiger Kamps um den 32-Meter-Hügrl, der sich aus dem Josienne-Tal erhebt. Anfänglich war es den Franzosen gelungen, die Deutschen von dem Hügel zu verdrängen. Gestern unternahmen die Deutschen einen Gegenangriff, ver­trieben die Franzosen und setzten sich in den Besitz des strategisch wichtigen Hügels. Die Deutschen find somit Herren über das Josienne-Tal mit seinen grossen wichtigen Eisenbahnlinien und den beiden wichtigen Chausseen zwischen C h a u n z und Laon.

In der Champagne wurden gleichfalls eine Reihe erb tterter Kämpfe ausgefochten. In der Richtung auf Perthes und Beausejour unternahmen die Deutschen mit Aussicht auf guten Erfolg ununterbrochen Vorstöße. Bei Beausejour wurden die Franzosen unter großen Verlusten Schritt für Schritt zum Rückzüge ge­zwungen.

Der französische Taaesbericht.

Die deutschen Erfolge bei Soissons nicht zu verheimliche«.

W. T.-B. Paris, 15. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich wird von nachmittags 3 Uhr berichtet: In Belgien behinderte

Dunst das Artilleriefeuer. Die Kanonade war darum um Nteuport und Dpern nicht weniger heftig. Belgische Abtei­lungen sprengten südöstlich Stuhvenskerke eine Farm, welche dem Feinde als Munitionslager diente. Zwischen der Lhs, Oise und dem Lensgebiet zer­streute unsere Artillerie die bei Angres arbeitenden Feinde und beschoß wirksam die Unterstände und die- Schützengräben südöstlich der Kapelle von Notre Dcnne de Lorette. — Nördlich Soissons heftige Kämpfe. Den gan­zen Tag über war die Aktion auf ein Gelände lokalisiert, welches zwei nördlich und nordöstlich Grouh gelegene Hügel umfaßt, wovon wir nur die ersten Hänge besetzten. Auf der Linken kam ein Gegenangriff ein wenig vor, ohne jedoch einen merklichen Fortschritt verzeichnen zu können. Im Zentrum behaupteten wir trotz der wiederholten An­strengungen des Feindes unsere Stellungen und das Dorf Crouh. Im Osten von Bregnh mußten wir zu­rück gehen. Das Hochwaffer der Aisne hat bereits mehrere Brücken und Stege weggeschwcmmt, welche wir geschlagen hatten, wodurch die Verbindungen unsorcr Truppen gefährdet sind. Unter diesen Umständen haben wir auf der Strecke zwischen Grouy und Missy auf dem Süd­ufer des Flusses mit den Brückenköpfen auf das Nordufer uns festgesetzt. Auf der linken Front, a>n dem rechten und linken ltfer der Aisne,' einfache Kanonade. — In der Champagne war das Gebiet von Perthes fortgesetzt der Schauplatz örtlicher Kämpfe um den Besitz der deutschen Schützengräben der zweiten und dritten Linie. Nördlich von Beau-Sejour sprengten wir Minenherde, um die Arbeiten des Feindes zu behindern. Dieser glaubte, er sei angegriffen und besetzte seine Schützengräben, gegen welche wir ein heftiges Artillerie- und Infanteriefeuer eröfftwten. Von der übrigen Front ist nichts zu melden.

Zeppelinfurcht auch in Paris.

Berlin, 14. Jan. Der Mailänder „Corriere della Sera" berichtet laut „Voffifcher Zeitung" aus Paris, daß man nächtliche Besuche deutscher Zeppeline be­fürchtet und «deshalb einen Bewachungsdienst eingeführt hat, um im Falle der Gefahr die Bevölkerung durch Signale aufmerksam zu machen. Paris war einige Nächte ohne L'cht und erschien wie eine tote Stadt.

Die schweren Mängel des französischen Sanitätsdienstes.

Berlin, 15. Jan. (Ktr. Bin.) Aus dem Bericht, den der bekannte Chirurg Dopen den Mitgliedern des französischen Parlaments gesandt hat, in dem die schwerem Mängel des Sanitätsdienstes nachgewiesen werden, wird in dem „Eclair" eim Teil veröffentlicht. Die „Guerre Sociale" be­zeichnet Doyens Bericht als wichtige Enthüllungen. Dieses Blatt führt eine Stelle aus der Denkschrift an, wonach die große Sterblichkeit unter den französischen Verwundeten in den ersten Kriegsmonaten aus einen Irrtum zurückzuführen sei, der sich in einem Rundschreiben an die ftanzösischen Ärzte im August 1914 befunden habe. Das Unterlassen rechtzeitiger Reinigung der Wunden habe viele Todes­fälle verursacht.

Für Eröffnung der französischen Kammer.

Eine überschwengliche und verblendete Eröftnungsrede des Präsidenten Deschastel.

W- T.-B. Paris, 15. Jan. (Nichtamtlich.) Deschanel be­stieg die Präsidententribüne und führte in seiner Ansprache aus: Frankreich sei seit dem Ausbruch des Krieges eines Herzens un!d einer Seele. Die Klugheit der Deputierten werde diese moralische Einigkeit mit der Pflicht de: Kontrolle in Einklang zu bringen verstehen, die in Zukunft energischer als jemals ausgeübt werden müsse. Hätte das

Parlament getagt und mehr gewußt, daun würde Frankreich heute besser daran sein. Die vornehmste Aufgabe der Kammer sei, die im Felde Stehenden und deren Familien zu unterstützen, Maßnahmen zur Wiederherstellung der ver­wüsteten Gebiete zu treffen, gemeinsam mit der Nation und der Regierung daran zu arbeiten, den Feind zu vertreiben, Belgien zu befreien, die Ein v.e r leibng Elsaß- Lothringens (!) vorzubereiten, gleichzeitig das Jriedens- und das wirtschaftliche Regime des nationalen Wiederaufbaues wieder vorzuoereiten und die Grundlage für ein neues brü­derliches, blühenderes Frankreich zu schaffen und die Aufgaben zu einem guten Ende zu führen. Wollen wir uns an der Ruhe und Kaltblütigkeit des Landes und der Armee ein Beispiel nehmen. Deschauel betonte die Notwendigkeit des A u s- Harrens und der Geduld. Die Zeit in dieser langen Prüfung sei ein wertvoller Helfer. Die beiden Kaiserreiche hätten alle Kräfte aufgewendet.

Dem Dreiverband hat die Stunde des Sieges noch nicht geschlagen.

Deschmoel hob dien Mut der Helden hervor, brachte die Leiden der Gefangenen und Toten in Erinnerung und verherr­lichte das französische Volk, welches dank seiner großen Tugen­den die höchsten Gefahren überstehe. Wir müssen, erklärte Deschanel, Vollstrecker seinesGedankenS, Diener seiner Tapfer­keit bleiben. Suchen wir, bis ans Ende ohne Übermut seine getreuen Sendboten zu bleiben und mit ihm die heiligste Pflicht zu erfüllen, welche jemals an eine menschliche Familie herangetreten ist. Er stellte schließlich fest, welche neue Sympathien jenseits der Grenze kund wurden, be­grüßte die beiden aus dem Felde der Ehre gefallenen Garibaldis und drückte wieder einmal seine tiefe Dank­barkeit für den General Garibaldi aus. Wieder einmal sei italienisches Blut mit dem französischen ans den Schlachtfeldern geflossen.

Beifallklatschende Minister.

W. T-B. Paris, 15. Jan. (Nichtamtlich.) Die Rede Teschanels wurde beifällig ausgenommen. Bei den Worten über Italien und Garibaldi erhoben sich die Minister und klatschten begeistert Beifall. Die Tagesord­nung wurde durch Handerheben einstimmig angenommen. Die Sitzung ivurde aufgehoben. Die nächste Sitzung findet Dienstag statt.

Die Nichtigkeitserklärung der Naturalisierungen.

Lyon, 14. Jan. (Nichtamtlich.) Dem „Nouvelliste" wird aus Paris gemeldet, daß das Dekret über die Nichtigkeits­erklärung der Naturalisierungen, das der Kammer unter­breitet werden wird, bestimmt, daß die Naturalisation durch Beschluß des Staatsrates aberkannt werden kauu, iuann 1. der Naturalisierte die fremde Staatsaugehöckgkeit beibehält, während er die neue «erwarb: 2. gegen Frankreich Waffen­dienste tat; 3. anläßlich eines Krieges mit Frankreich dem ftenideu Lande Dienste leistete; 4. im Kriegsfälle Frankreich verließ, um sich seiner Militärpflicht zu entziehen. Die Nich­tigkeitserklärung der Naturalisation, die persönlich ist, kann gegebenenfalls auch auf die Frau und Kinder ausgedehnt werden.

Einspruch gegen die Zensur.,

W. T.-B- Lyon, 14. Jan. (Nichtamtlich.) Dem „Pro­pres" wird aus Paris belichtet: Die Kammergrupve der Sozialisten hat pivnen Beschlußantrag angenommen, in welchem sie gegen die administrative Zensur politischer Nachrichten Stellung nimmt und die Regierung auffordcrt, der Presse möglichst viele amtliche Nachrichten über Ereignisse und Fragen zu übermitteln, die die Presse und das Publikum lebhaft interessierten. Die interparlamentarische Journa­listengruppe des Senats und der Kammer hat einstimmig eine Erklärung angenommen, durch welche die Regierung aufge­fordert wird, die ungesetzliche a d m i n i st r a t i v e politische Zen für abzuschaffen. Die Gruppe ernannte eine Abordnung, die mit dem Ministerpräsidenten Biviani Ai Unterhandlungen treten soll.

Die Deckung der französischen Krtegsfcoffett.

W- T--B. Paris, 15. Jan. (Nichtamtlich.) Der Minister­rat beschloß, dem Parlament eine Gesetzesvorlage zu unter­breiten, .nach der der Betrag für Ausgaben von nationalen Berteidigungsgutscheiuen sowie gewöhnlichen Staatsschatz­gutscheinen sich auf drei Milliardeu erhöht.

Oie französische Regierung leugnet den Unter­gang des Dreadnoughts „Courbet."

Br. Rotterdam, 15. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die französische Regierung widerspricht durch eine offiziöse Havasmeldung der Behauptung, daß der Dreadnought „C o u r b e t" torpediert und in den Grund gebohrt worden sei. Kein französisches Schiff, so sagt die halbamt­liche Erklärung, fit von einem österreichischem Tauchboot v e r-. senkt worden. Das Schiff, das von dem „U. 12" torpediert wurde, ist nur leicht beschädigt. Der „Courbet" war bei jenen Operationen nicht beteiligt und ist unversehrt nach seinem Küstenvunkt zurückgekehrt.

Die deutschen Bemühungen um die belgischen Runstdenkmäler.

über die Ausbesserung der durch die Kriegsvorgänge zu Schaden gekommenen historischen Baudenkmäler in Belgien bat der Vorsitzende des Dcnkmälerratcs der Rheinprovinz, Geheimer Regiere:ngsrat Dr. C l e m c n, folgciwcn weiteren

Bericht erstattet: „Ich habe bei meiner letzten Anwesenheit irr Belgien zu meiner großen Befriedigung feststellen können» daß die kirchlichen und kominunalen Verwaltungen sich mit Eifer der vorläufigen Sicherung der beschä­digten Baudenkmäler angenommen haben und daß dabei auch die von Herrn Geheimrat Falke und von mir ge­gebenen Anregungen und Anweisungen durchweg befolgt wer­den. In Löwen ist das sehr solid projektierte Notdach über der ganzen Kirche bereits vollendet und man geht an die provisorische Verschalung der bei der Fcuersbrunst zer­sprungenen Fenster an der Süd- und. Westseite heran. Das Innere ist im wesentlichen aufgeräumt. Eine Wioderbenutzung der Kirche ist in kurzer Zeit möglich. In Mschein ist man damit beschönigt, tu ganz sachgemäßer Weise im Innern der Kathedrale durch Verschalung eine provisorische Absperrung zu schaffen. Das Langhaus ist gegen das südliche Seitenschiff und das Querschiff durch Holzeinbauten bis zur Scheitelhöhe der Bügen abgetrennt. Die Sichcrungsarbeiren am Maucr- werk an der Südseite werden hinter dieser Abtrennung später in aller Ruhe erfolgen können. Aus der Nordseite sind die gesprungenen Fenster schm: provisorisch durch neue Glasfenfter ersetzt. Ebenso ist man an der Kirche Notre Dame dabei, dis dusch die eingsdrungenen Granaten verursachten Lücken provi­sorisch zu verschalen und die Fenster zu schließen. In Li er ist an der Gommariuskirche das Dach bereits restauriert. Bei den durch die Granaten verursachten Beschädigungen am Chor sind provisorisch zur Stütze des Mauerwerks Backfteinsäulchen aufgemauart. Die kostbaren Glasgemälde im südlichen Seitenschiff wie im Hochchor werden ganz sachgemäß vor­läufig mit Papier verklebt und von außen verschalt, so daß ihre Wiederherstellung in einer günstigeren Zeit möglich er­scheint. In D i n a n t ist ebenso das Dach über dejr Pfarr­kirche provisorisch wieder hergestellt und man trügt sich mkk der Absicht, den großen und sür das Stadtbild wie die ganz« Erscheinung des Tales so charakteristischen bairoeren Zwiebel­turm über der Westfront uneder zu konstruieren. Alle diese Arbeiten sind technisch einwandfrei durchgesühkst. Ich habe an einzelnen Stellen noch westere Ratschläge erteilen können. ES ist zu hoffen, daß die beschädigten Gebäude unter diesen Notdächern den Winter und die Regenzeit gut ¥ über st ehe n werden und daß dann in einer friedlicheren Periode der Ausbau und die Wiederherstellung möglich sei» wird. — Im Frühjahr wird es sich empfehlen, diese und die übrigen Bauwerke noch einmal einer Besichtigung zu unter­ziehen, um sestzustellen, ob rm Lause des Winters irgend welche schädlichen Erscheinungen sich gezeigt ha'ben."

Fum Angriff deutscher Unterseeboote auf Dover.

Br. Amsterdam, 15. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Über den Angriff deutscher Unterseeboote aus Dover in der Nackt zum Mittwoch liegt jetzt eine Darstellung mis eng­lischer Quelle vor, wonach es sich nur um ein einziges Boot gehandelt haben soll. Der Bericht sagt: Gegen Mitter­nacht wurde von der Brache ein Unterseeboot bemerkt, das in den Hafen zu gelangen versuchte. Sofort wurde von der Ostfront das Feuer eröffnet. Im ganzen wurden ungefähr 10 oder 20 Schüsse ab gefeuert. Die Beschießung rief unter der Bevölkerung beträchtliche Erregung hervor und große Menschenmassen stürzten ans User. Aber nichts als das blendende Licht der Scheinwerfer war zu sehen. Ein paar Stunden vorher feuerte die Batterie von der Ostmole zwei Schüsse ab, woraus der Bericht entnimmt, daß ein Unter­seeboot in der Nähe des Hafenieingangs gesehen wurde. Nach dem zweiten Schutz verschwand das Fahrzeug und man nimmt an, daß dies dasselbe Schiff war, welches zurückkehrte.

Blinder Eifer auf einem englischen Fort,

Ein hervorragendes Schießergebnis.

W. T.-B. London, 14. Jan. (Nichtamtlich.) Zwe? Schüsse, die vorgestern abend von einem Fort am Firth of Clhde auf ein Schiff abgefeuert wurden, welches das Halte­signal nicht befolgte, trafck die gegenüberliegende Stadt G o u r o ck (Schottland). Ein Geschoß schlug ein Loch in eine Hausmauer. Verletzt wurde niemand.

Englands werbeforgen.

Lord Kitcheners fünf Gewiffensfragen.

Lord Kitchener wendet sich mit fünf „Fragen auf Ehre und Gewissen" an die Söhne seines Landes und beschloört sie, sich sofort in des Königs Rock zu Wersen. Da seine bisherigen Geldversprechungeii offenbar nicht viel genützt haben, ver­sucht er es diesmal mit einem Appell an die Männlichkeit:

1. Wenn Du körperlich gesund und ztvischen 19 und 38 Jahre alt bist, bist Du wirklich befriedigst von« dem, was Du heute tust?

2. Bist Du glücklich, wenn Du die Straßen entlang gehst und andere Männer des Königs Uniform tragen siehst?

3. Was willst Du in künftigen Jahren sagen, wenn Dich die Leute fragen: „Wo dientest Du im großen Krieg?"

4. Was will st Du sagen, wenn Deine Kinder groß werden und fragen: „Bäder, warum warst Du nicht auch Soldat?"

5. Waswürdemitdem Reich geschehen, wenn jeder so zu Hause bliebe wie Du?

Dein König und Dein Land brauchen Dich. MeldS Dich heute! Auf jedem Postamt kannst Du die Adresse des nächsten Rekrutierungsburemis erfahren. Gott schütze den König'!

Das paßt doch eigentlich recht schlecht zu den fortwähren­den halbamtlichen Versicherungen, das Ergebnis der Rekru­tierung sc: sehr zufriedenstellend.