Nr. S1.
Donnerstag, 14. Januar ISIS.
Wiesbadener Tagmalt.
Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.
Sette 8.
Neues aus aller well.
Hochwasser. Dresden, 13. Jan. Hochwasser ist jetzt auch im Glbegebiet eingetreten. Der Fluß Lat in Dresden einen Psgelstand von 1.85 überschritten. Auch rm Geriete seiner Nebenflüsse sowie in der Lausitz ist insolg« der Schnee- schmelze starkes Hochwasser eingetreten. An manchen Stellen sind die Müsse weit über ihre Ufer getreten. — Osnabrück, 13. Jan. Ausgedehnte Überschwemmungen werden aus dem Gebiete der Ems und deren Nebenflüsse gemeldet. Die Niederschläge dauern an.
Ein Eisenbahnunglück infolge Erdrutsches. Paris, 13. Jan. ..Matin" meldet aus Bordeaux: Infolge eines Erdrutsches ereignete sich zwischen St. Jean und Bahonne ein EisenbahnunMck. bei welchem drei Personen getötet und drei schwer verletzt wurden.
Brand großer Ölfabrilen in Holland. Br. Amsterdam . 18. Jan. (Eig. Drahtbericht, Ktr. Bln.) Wie das ..Handelsblad" meldet sind gestern abend die grossen, Ll- fabüken der Firma Vangorv u. Co. und die der Firma Martens u Co. in Merxem total niedergebrannt. Auch wurden 12 Wohnhäuser vom Feuer erfasst und gleichfalls eiuge- äschert._ _
Letzte vrahtberichte.
Rücktritt des Grafen Verchtold.
W. T-B. Wien, 13. Jan. (Nichtamtlich.) Das „Fremden- blatt" veröffentlicht in seiner heutigen Abendausgabe folgende Mitteilung: Der Minister des k. k. Hauses und des Äußern, Graf Berchtold, welcher Se. Majestät schon vor längerer Zeit gebeten hatte, ihn in Gnaden seines Amtes zu entheben, hat die Bitte nunmehr an allerhöchster Stelle erneuert. Der Kaiser hat die gewichtigen persönlichen Gründe, welche den Minister des Äußern zu seinem Rücktritt bewogen haben, gewürdigt und allergnädigst geruht, seiner Mite zu willfahren. Zum Nachfolger des Graf.en Berchtold wird der ungarische Minister beim allerhöchsten Hoflager, Baron Stefan Burian, zum Minister des k. k. Hauses des Äußern ernannt werden.
Die Reichstagsersatzwahlen.
Br. Hamburg, 13. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Reichs tag sers atzwahl in Elmshorn- Prnneberg für den verstorbenen Abgeordneten Dr. Braband ist ans den 27. Februar festgesetzt worden.
Br. München, 13. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Für die Reichstagsersatzwahl in Eichstädt wurde an Stelle des zum Regierungsdirektor beförderten Abgeordneten Karl Speck (Zentrum) der Reichsrat Freiherr von und zu F r a n ck e n st e i n als Reichstagskandidat ausgestellt.
Zwölf Millionen einenr Kammerdiener vermacht.
Berlin, 13. Jan. Das „B. T." meldet aus Wien: Der vor mehreren Wochen in Budapest verstorbene Baron Franz Revah, ein Sonderling, hat sein 12 Millionen betragendes Vermögen und alle Besitzungen seinem Kammerdiener Johann Reichel vermacht. Falls dieser die Erbschaft ausschlägt, ist die Bistritzer Diözese als Erbin bezeichnet. Die Verwandten wollen das Testament ansechten.
Briefkasten.
8 dir Schrtstlritona de» Wiesbadener tnaMattS beantwortet nur scheMIche ntragcn im Briefkasten, und zwar ohne ReMtSoerbindlichkeir Bclbrechunge, können nicht gewährt werden '
L. B. 100. Gesuche um die Erlaubnis zu Besuchen im Operations- oder Etappengebiet werden nicht erteilt. Wenn es sich um einen Besuch in einem Lazarett handelt, müssen Sie sich wegen eines Erlaubnisscheins an die Polizeidirektion wenden.
B St. Wenden Sie sich an die Frankfurter Allgemeine Versicherungsgesellschaft in Frankfurt a. M. oder die Generalstelle für deutsche Interessen im Ausland. Berlin NW. 7, Unter den Linden 68.
A 100. Die Landgemeindeordnung enthält darüber kerne Vorschrift. Es ist anzunehmen, dass vorübergehend zum Militärdienst Einberufene wäblbar sind.
I. F. Eine Listennummer, die mst dem Ergebnis der Untersuchung nichts zu tun hat.
= Reklamen. =
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Maschinenbau, Elektrotechnik,
Automobllbau, Brückenbau.
Dir Aktion Professor Hoepke.
Chauffo urkurse.
Handelsteil.
Stärke und Schwäche Englands.
In seinerri. an anderer Stelle unseres Blattes gebrachten lehrreichen Aufsatz über die Zusammenhänge zwischen Gold- prodtuktion und Weltwirtschaft weist Daniels (ln den „Preußischen Jahrbüchern“) darauf hin, daß die Blüte des internationalen Kreditwesens davon ahhängt, dlaß die Goldprodük- tion in Südafrika in ununterbrochenem Fluß bleibt. Wenn die Arbeit auf den südafrikanischen Goldfeldern wieder wie im Burenkriege zum SMistand kommen sollte, würde sich die Wirtschaftskrise, die die gegenwärtige politische Erschütterung mit sich bringt, vervielfachen. Die Verluste Infolge der allgemeinen Eflektenentwertung und des Sinkens sämtlicher Preise würden aber in erster Reihe auf England fallen, in weiter auf Frankreich, das auch soviel Kapital in unreifen und unsicheren Ländern angelegt hat. Wie steht es nun aber mit dieser südafrikanischen Goldprodukt ion? Vermutlich ist sie durch den Aufstand nur geringfügig gestört worden, nur daß ihre Ertrage nicht mehr so glatt und leicht wie früher nach England gerangen. Tatsache ist es, die britische Regierung, die schon vor Ausbruch des Krieges an der absoluten Sicherheit der britischen Handelsstraßen zweifelte, wagt jetzt nicht, eingedenk des wiederholten Schicksals der spanischen Silberflotte in der Geschichte, das in Transvaal gegrabene Gold verschiffen zu lassen; ebensowenig in den Vereinigten Staaten angekauftes; beide Geldmassen figurieren unter den Beständen der Bank von England, lagen in Wahrheit aber bis auf weitere Order in Südafrika bezw. Kanada. Allerdings,' als es galt, 75 Müll. Rubel Gold von Archangelsk nach London zu überführen, durch deren Deponierung in der englischen Bank Rußland die Erlaubnis erwarb, in England Kriegsmaterial au kaufen, ist britischerseits das Risiko des Transports bereitwillig gelaufen worden,
Selbstverständlich sorgt England dafür, daß für die Summen, die es im Auslande zahlen soll, Deckung da ist. Die betreffenden Maßnahmen werden jedenfalls (und auch das kann man den Herren an der Themse nicht verdenken) rücksichtslos genug verwirklicht. Schon vor einer Reihe von Jahren ist unter dem wirkungslos verhallenden Protest der Inder der Geldvorrat Indiens nach London übergeführt woidten. Mit den tief verschuldeten Japanern ist auch nicht viel anders verfahren worden wie mit den Hindus. Von der japanischen Goldreserve, die Ende 1913 die Summe von 371 Millionen Yen (ein Yen = 2 Mark.) betrug, befanden sich 204 Milhonen in England, nur 167 i» der Heimat
Wir möchten aus dem Aufsatz in den „Preußischen Jahrbüchern“ noch einiges von besonderem Interesse herverheben, und zwar um es zu verdeutlichen, daß wir bei Mer berechtigten Genugtuung über unsere eigene wirtschaftlich- finanzielle Kraft und Macht doch keinen Grund haben, die entsprechenden Verhältnisse in Großbritannien zu unten schätzen. Daniels betont die Tatsache, daß in England das Moratorium nach mehrmonatigem Bestände aufgehoben worden ist, ohne daß bis jetzt eine zermalmende Kreditkrisis eingetreten wäre. Man hat sogar die Kraft gezeigt, 310 Mill. M. Kriegssteuer aussohreiben zu können, 250 MM. Mark Einkommensteuerzusdhlag, 60 Mül. Zuschläge auf die Bier- und Teesteuem. Mitten im Kriege ist das Immerhin eine Leistung. Wir müssen zurückblicken, um vorwärts blicken zu können. In Sämtlichen kriegführenden Ländern waren die Kaufieute bei Ausbruch des Krieges zunächst fassungslos; aber ebenso plötzlich, ohne daß unter den englischen Kaufleuten viele und große Fallissements eingetreten wären, wurde die Krisis beschworen. Vorderhand steht England, obwohl schwere dunkle Wolken auf sein Wirtschaftsleben herahhängen, uns als der Wirtschaft! ich gewaltigste unserer Feinde gegenüber. Auch Geheim rat Professor Dr. R i e ß e r verkennt in seiner ausgezeichneten Schrift „England und wir“ keineswegs, daß die wirtschaftliche Weltstellung Englands noch immer beinahe den Eindruck, der Hnerschütterlichkeit macht. Er bemerkt über die Schwierigkeiten, auf die wir stoßen werden, wenn wir das englische Vermittlungsmonopol brechen wollen: „Bei diesen an sich ohne Zweifel berechtigten und notwendigen Bestrebungen wird nicht außer acht gelassen werden dürfen, daß die sehr bedeutenden Provisionen, welche England für seine Vermittlung gezogen hat, vielfach mehr als ausgeglichen worden sind durch den in der Regel gegenüber dem deutschen erheblich niedrigeren englischen Bankdiskont; daß ferner unser Kapital, dessen Überschüsse wir stets wieder in festen Anlagen investieren mußten, bisher meist bed
weitem nicht ausreichte, um den englischen Akzept- und
Diskontokredit entbehrest zu können, dem in London allein etwa 150 Limited Companies und etwa 125 Privatfirmen dienen, daß weiter, wenn wir jenen Kredit in Zukunft in größerem Umfange werden entbehren können, doch die Verdrängung dies Pfundwechsels durch den Maikwechsel nur sehr langsam und etappenweise, in manchen Ländern aber vielleicht überhaupt nicht möglich sein wird.“
Berliner Börse.
$ Berlin, 13. Jan. (Eig. Drahtbericht) Die bedeutenden Umsätze in heimischen Rentenwerten zeugen von der großen Anlagekraft des Publikums, wozu auch der unverändert sehr flüssige Geldstand mitwirkt. Zwischen der Kriegsanleihe und den Schatzanweisungen hat sieh die Kursspannung infolge weiterer Steigerung der letzteren auf 0.40 Froz. vermindert. Die Umsätze darin sind, wie in 3proz. Reiohsanlei'he und Konsols nach wie vor erheblich. Für russische Renten, Japaner und amerikanische Bonds besteht anhaltend durch Atbitragekäufe Interesse. Türkenlose waren anziehend infolge der bevorstehenden Ziehung. In den bekannten Spezialwerten des Industrie-Ultimomarktes waren die Umsätze stiller. Infolge von Gewinnrealisationen traten Rückgänge und anschließend daran Schwankungen, namentlich in den letzthin gesteigerten Werten, ein.
Banken und Geldmarkt.
A Das wenig befriedigende Zeichnnngseigebnis auf die italienische Milliardenanleihe. Rom, 13. Jan. (Eig. Brafat- bericht) Obwohl die neue 4%proz. innere Anleihe, auf deren Gesamtbetrag von einer Milliarde Lire (einschließlich 200 Mill. Lire Zeichnungen des italienischen Garantiesyndikats) insgesamt 1300 Millionen Lire Anmeldungen ein- liefen, stellt der „Corriera d’Iialia“ fest, daß der Erfolg tm Vergleich zu der OpferwLUigkeit mancher kriegführenden Staaten gering gewesen ist Die Schuld trügen die Kriegshetzer, welche nicht nur ein gefährliches Spiel, sondern dem Staate auch materiellen und moralischen Schaden zufügten.
Industrie und Handel.
* Die Gründung eines Verbandes der westdeutschen Ziegelverkaufsvereine befindet sich in Vorbereitung. Für den Lauf dieses Monats sind Versammlungen einberufen, um zu ver- suchen, sich über Gebietsabgrenzungen zu einigen.
* Die Mehlpreis-Erhöhung. Infolge der bekannten Umstände (vergl. gestriges Abendblatt) sieht sich die Süddeutsche Mühlenvereinigung veranlaßt, vom 13. d. M. ab den Mmäimalpreis für „Weizenbrotmehl' um 1 M. auf 39 M. zu erhöhen.
* Die Schwabingerb rauer ei, A.-G. in München, verzeichnet nach Abzug der Abschreibungen von 110 269 M. (im Vorjahr 114 106 M.) einen Verlust von 65 703 M., der aus der Spezialreserve gedeckt wird. 0- V. 4 Proz. Dividende.)
» Die wirtschaftliche Krisis in Japan. Die Betriebsreduktion in der japanischen Baumwollindustrie beträgt jetzt 30 Proz.
Weinbau und Weinhandel.
. Kl einverkauf spreis für 1814er in Luxemburg. Der Vorstand des Luxemburger Weinhändlerveibandes teilt mit; In- foke weiteren Sinkens der Wmzerwempreise setzt der Vorstand des Luxemburger Weinhandlerverbandes folgende neuen ftetadverkaufspreise für den 1914er Wein fest: 62.50 Fr das Hektoliter in Fässern über 100 Later; 65 Fr. das Hektoliter m Fässern unter 100 Liter. Andererseits aber wurde es bjr an- gezeigt erachtet, bei den äußerst niedrigen Preisen mvt früher Sem Skonto zu verkaufen. Es bläht jedoch jedem Verruf er anheirogestel.lt, auf Ziel oder gegen^r^u^verkaufm.
Oie Morgen-Ausgabe umfaßt 10 Seiten
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K 129
