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Donnerstag, 14. Januar IMS.
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Der Krieg.
Die Lage im westen, abfällige französische Kritik am französischen Sanitätswesen.
W. T.-B. Paris, 13. Jan. (Nichtamtlich) Gustave Hervö greift in der „Guerre sociale" die Regierung an: Der Beschluß Joffres und Millerands, dem Kammerausschuß für das Gesundheitswesen Untersuchungen über den Gesundheitszustand in der Armee uirü das Funktionieren des Gesundheitsdienstes verweigert zu hasten, sei eine Ohrfeige für das Parlament, welches berechtigt sei, eine Kontrolle aus- zuüsten. Gerade der Gesundheitszustand sei sehr schlecht. Der Beschluß Joffres und Millerands, nur den Vorsitzenden des Ausschusses und dem zweiten Ausfchutzmitglied die Besichtigung zu gestatten, bewies, daß die Leitung des Sanitätsdienstes eine Kontrolle fürchte; denn zwei Personen könnten unmöglich ein umfassendes Bild gewinnen. Der Ausschuß würde schon gesehen haben, wenn er gewisse Ambulanzen besichtigt hätte, wo ansteckende Kranke derart gepflegt wurden, daß die Krankenpflegerinnen überall Arzneimittel, Wäsche und das allernotwendigste Material zusammenbetteln muhten, damit die Typhuskrankem nicht wie Hunde verreckten. Frankreich würde e i n w i l l i g c n, daß die Mannschaften der Klasse 1917 ehrlich durch Feindeskugeln fallen, aber es dürfe und werde nicht zulassen, daß 18 Jahre alte Knaben : n den Kasernen an Lungenentzündung zugrunde gehen. Die Kammer dürfe die Ohrfeige, die der Beschluß Joffre und Millerand bedeute, nicht einstecken, täte sie es doch, so sei sie eine nette Kammer. Die Wähler seien jedenfalls anders geartet. Wenn die Deputierten die Minister nicht mit allen Mitteln zwängen, ihre Aufgaben auszuführen, die eben in der Kontrolle des öffentlichen Dienstes bestehen, so werde die Nation die Minister nach dem Kriege zu finden wissen. — Ähnlich äußert sich die „Libre Parole": Wir verlangen nichts, als weniger Zensur über Dinge, die mit dem Kriege nicht zusammenhängen. Bisher haben wir stillgeschwiegen in der Überzeugung, daß der Augenblick nicht für Schwätzereien geschaffen ist. Aber da wir nur die Rednertribüne der Kammer haben, um die Kontrolle fordern zu können, die zuweilen verweigert wird, so darf man sich nicht Wundern, wenn einige das Schweigen, das alle sich auferlsgt 'hlcken, brechen.
Me nervösen Franzosen.
Mel, 10. Jan. Gleich den Briten werden die Franzosen an der Meeresküste von großer Nervosität beherrscht. Der norwegische Dampfer „Fagertun", der in der Neujahrsnacht vor Havre lag, begrüßte nach seines Landes Brauch das neue Jahr durch Abbrennen von Feuerwerkskörpern, sog. Knallbomben. Das Geknalle wurde von den Bewohnern des Hafenviertels für Explosionen von Bomben gehalten, die deutsche Flieger auf die Stadt geworfen hätten. Es enfftand eine Panik, die sich erst legte, als am Neujahrsmorgen die Sache aufgeklärt wurde.
Der Ruf nach Berlustlisten in Frankreich.
Genf, 12. Jan. Die ,.Liga für die Menschenrechte" verlangt in einer Eingabe an die französische Regierung die Veröffentlichung einer Verlustliste der Toten, wie sie in den anderen kriegführenden Ländern ansgegeben werden.
Die Verluste der Garibaldincr.
Nach einer in Rom eingetroffenen Meldung aus dem Argonnerwald verloren die Garibaldiner in den letzten Kämpfen ein Viertel ihres Bestandes und fast alle ihre Offiziere.
Deutsche Gefangene als englischer Küstenschutz.
Nach einer in Dresden eingetroffenen Mitteilung sind, wre das „B. T." meldet, deutsche Kriegsgefangene auf einem Schiff der Cunard-Lime vor dem gerade in der Einfahrt in die Themse liegeriden Ort Southend on Sea untergebracht worden. Wie mttgeteilt, sind jetzt mehrfach die deutschen Kriegsgefangenem aus Ozeandampfern untergebracht worden. So liegen z. B. auch im Hafen von Portsmouth drei Dampfer mit deutschen und österreichrschen Gefangenen. Diese Schiffe sind unmittelbar vor den neuen großen Batterien des Hafens und zwischen die Station für drahtlose Telegraphie und das Pulvermagazin gelegt worden, so daß die Schiffsimsaffen bei einem etwaigen Angriff auf Portsmouth in die größte Gefahr geraten würden. Ähnlich scheinen die Dinge im Southend on Sea zu liegen.
Mit Recht bemerkt die „Köln. Ztg." in einem Berliner Telegramm dazu: Wenn hier, wie man annehmen möchte, eine Art Prinzip auf englischer Seite vorhanden ist, deutsche Gefangene als englischen Küstenschutz zu verwenden, so wäre zu überlegen, ob wir nicht Vergelt ungsmaß regeln ergreifen sollen. Wir haben j,a genug englische Gefangene urü> genug Hafenplätze, die wir auf diese Weise beschützen könnten.
Heimkehr deutscher Zivilgefangener aus England.
„Daily News" erfährt aus Liverpool, daß während der letzten paar Tage vierhundert Kriegsgefangene aus dem Internierungslager von Queensferry nach London geschafft wurden, von wo aus sie die Reise nach Deutschland an- treten werden. Es sind größtenteils Männer über 55 Jahre und ein paar junge Leute.
Morgen - Kusgabe.
Drohender vergarbeiterstreik in England.
Br, Berlin, 13. Jan. (Gig. Drahtbemicht. Ktr. Bln.) Die „B. Z." meldet aus Ancfterdam: Der Ausschuß des Bergarbeiterverbandes von Dorkshire beschloß in siner am Montag zu Darnsleh abgehaltenen Versammlung, einer Meldung des „Daily Telegraph" zufolge, unter den Bergarbeitern von West-Dorkshire eine Abstimmung über einen zu beginnenden Streik vorzunehmen. Der Ausschuß empfahl den Leuten, zugunsten des Streiks zu stimmen, falls die Werkbesitzer nicht bereit sein sollten, den am 21. Juli festgesetzten Minimallohn einschließlich eines 15proz. Zuschlags zu bezahlen.
von den östlichen Kriegsschauplätzen.
wer in Ruhland jetzt alles tauglich ist.
W. T.-B. Kopenhagen, 13. Jan. (Nichtamtlich) Der Chef des russischen San-itätswesons hat angeovdnet, daß folgende körperliche Gebrechen nicht mehr die Befreiung vom Militärdienst nach sich ziehen: Das Fehlen von über zehn Zähnen in einem, von über 14 Zähnen in beiden Kiefern, das Fehlen eines Daumens, des Zeigefingers, das Fehlen von über zwei Fingern, die Steifheit der Finger, und der Zusammenwuchs des Daumens und des Zeigefingers.
2 Millionen Russen in Polen und Galizien.
Br. Amsterdam, 13. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Renterberichterstatter beim russischen Hauptquartier schreibt, daß nach seiner Auffaffnng in Polen und Galizien 2 Millionen Ruffen kämpfen. Die Österreicher kämpfen gut, die Ungarn außerordentlich mutig. Pardon werde selten gegeben. Der Berichterstatter lobt da? Verhalten der Kaukasier in der ersten Schlacht bei Warschau, die sich mit großen Massen in die Flanke der Feinde warfen und den Eindruck unendlicher Mengen von Wilden hervorrifem
Der Vorstand des Deutschen Stiidtetages bei Generalfeldmarschall v. Hiudeubnrg.
Br. Pose«, 13. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die Vorstandsmitglieder des Deutschen Stadtetages, dir Geheimräte Oberbürge rm eist e r Dr. Beutler (Dresden), Dr. WtlmS (Posen) und Stadlrat Dr. Luther, werden beute abend im Hauptquartier des OstheereS von Generalfeld- marfchall v. Hindenburg empfangen werden. Sie werden ihm Mitteilung machen von dem bisherigen Ergebnis der Hindenburg-Spende im Betrage von zwei Millionen Mark zur Beschaffung von Pelzjoppen für etwa 50 000 Mann des Ostheeves. Exzellenz v. Hindenburg soll um die Verteilung der Spende gebetem werden, deren Ergebnis noch nicht abgeschlossen ist.
Lin russisch-rumänischer Grenzzorischenfall.
Berlin, 13. Jan. Das „B. T." meldet: Bei der Verfolgung der aus der Bukowina nach Rumänien geflüchteten Rumänen betraten russifche Truppen rumänisches Gebiet. Da sie sich auf Aufforderung nicht zurückzogen, gab der rumänische Grenzhauptmann Befehl zum Schießen. Zwei Kosaken wurden getötet, zwei schwer verwundet. Die übrigen flohen über die Grenze.
Der Hungertyphus in Czeruowitz.
Br. Wie«, 13. Jan. (Eig. Drcchtbericht. Ktr. Bln.) Nach Mitteilungen von Flüchtlingen haben die Russen Czernowrh nach der zwe-ten Besetzung vollständig geplündert. Es herrscht großer Mangel an Lebensmitteln, weshalb die ruffischen Militärbehörden Brot verteilen lassen. Bei der Verteilung fit die jüdische Bevölkerung ausgeschloffen, so daß Hungertyphus herrscht.
Griechenland verbietet russische Waffendurchfuhr.
Bukarest, 12. Jan. „Dimin" meldet aus Konstantinopel: Die griechische Regierung verständigte das türkische Auswärtige Amt, daß sie die Landung von gestern angekommenen sechs russischen Transportschiffen verboten habe. Auf den Schiffen befinden sich 22 Kanonen, 30 Maschinengewehre und riesige Mengen Munition für Serbien. Die Schiffe muhten infolgedessen in ihren Abfahrtshafen zurückkehren. _
Der Krieg im Grient.
Englands Verletzung der Suezkanalakte.
W. T.-B. London, 13. Jan. (Nichtamtlich) Die „Times" meldet aus Kairo vom 9. Januar: Das Prisengericht in Alexandrien fällte gestern sein erstes lltieil: Es betraf ein Schiff, das in Port Said eingetroffen war und noch nichts vom Kriegsausbruch wußte. Das Schiff wurde gezwungen, Port Said zu verlassen und außerhalb des Hafens wurde es dann von einem britischen Kriegsschiff erbeutet. Die Eigentümer wenden ein, daß man sie gezwungen habe, den Hafen zu verlassen, was eine Verletzung der S u e z k a n a l-K o n v e n t i o n darstelle. Die Richter entschieden, daß die Suezkanal-Konvention nur freie Durchfahrt gewährt und das Schiff recht- m ä h i g erbeutet sei. Aber es sei eine neue Beweisaufnahme darüber nötig, ob dem Kapitän der Kriegsausbruch bekannt war, sowie über die Beziehung der ägyptischen zur britischen Regierung zur Zeit, als das Schiff aus dem Hafen ausgc- wiesen wurde. Die Enffcheidung gilt zugleich für drei andere deutsche Schiffe..
Nr. 21. - 63. Jahrgang.
Der neue „Sultan" in Ägypten und seine Umgebung.
Br. Konstantinopel, 13. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.)' Nach hier eiingetroffenen Meldungen aus Ägypten erhält den neue „Sultan" von Ägypten eine Zivilliste von etwa! vier Millionen Mark. Zum Kriegsminister wurde Ibrahim Fethi-Bei ernannt, welcher versucht, den Engländern sine Landung bei Akaba zu ermöglichen. ZuM ZeremoNienmeister hat Huffein-Kemal die Mitglieder dreier englischfteundlicher Familien erwählt. Alles unbewegliche und bewegliche Gut der geflohenen Türken, Deutschen, Öfters reicher und Ungarn fit mit Beschlag belegt worden.
Der Krieg über See.
..Gnalikff'e Heldentaten" ln Lüderitzbucht.
Rotterdam, 10. Jan. (Ktr. Bln.) Dem „N. Rotterd. Courant" wird von Reuter gemeldet: „Die neueingesetzten
englischen Behörden in Lüderitzbucht haben es als erste und vornehmste Aufgabe betrachtet, die Straßen dort umzutaufen. Die Hauptstraße heißt jetzt King. Georgstraße. Sie hieß ftüher Bismarckstraße. Der Weg, der vom Bahnhof zum ersten Gasthaus der Stadt und zum Rathaus führt, hat jetzt seinen früheren Namen Baiweg für Bothaweg umgetauscht. Es gibt auch eine Queen Marhstraße und eine Smutsstraße; die sich mit dem Bothaweg vereinigt. Eine andere Straße heißt Frenchstraße und eine weitere Joffre st raße. Weiter ist der Befehlshaber der hier befindlichen Streitkräfte in der McKenzieftraße verewigt. Andere Straßennahmen sind Robertstratze, Rhodestraße» Mabelstraße (nach der Gemahlin des Admirals der Kap. station). Hospitalweg, Nautiliusweg und Jettyweg. Bis heute hat der Plan einer Umbenennung der Stadl noch keine feste Gestalt angenommen, doch spricht man schon davon, den alten Namen Angra Pequena wieder eine zuführen oder Botyas Bai zu nennen.
Rus der 3eit der Zährten unseres Kreuzer- gefchroaders im Stillen Gzean.
Kiel, 10. Jan. Die Gefechtseinheiten unseres bei de» Falklandinseln zum größten Teil vernichteten Krenzerge- schwaders unter Vizeadmiral Graf Spee waren zu Beginn des Krieges über den Großen Ozean verteilt. Wie die Schiffe zusammentrafen, schildert ein Angehöriger des Admiralschiffs „S ch a r n b o r st" in den „Kieler N. N." wie folgt: Wir sind seit dem 26. Juni unterwegs und seit
dem 12. Juli dauernd gefahren. Die Tage in Ponape (Karolinen) mutz man auch als Fahrtage rechnen; wir gingen nämlich Seewache durch. Dort haben wir unsere Schiffe mobilisiert: nämlich unsere „Scharnhorst", die „Gneisenau" sowie die „Nürnberg", die sofort von Amerika zurückgerufen worden war. Wie wir durch unseren Zeitungsdienst erfuhren, wuchs die Spannung zwischen Österreich und Serbien ständig. Bei uns wurde schon alles klar gemacht. Am 6. August verließen wir Ponape in Begleitung der „Titania", unseres Hilfskreuzers. Keiner wußte, wohin es ging oder wann und wo wir den Feind treffen würden, Nachmittags hielt unser Admiral, Vizeadmiral Graf von Spee eine kernige Ansprache an unsere Besatzung, die mit einem dreifachen kräftigen Hurra auf Kaiser und Reich endete. Die Stimmung an Bord war tadellos. Unseren Kurs nahmen wir nach Nordost und liefen am 11. August eine Insel an, wo sich am 11. und 12. August unsere Kohlen- uni» Lebensmitteldampfer einfanden. Alles arbeitete so, wie wir es vorausgesehen hatten. Am 13. August fuhren wir mit allem wohl versehen, weiter. Am 19. August erreichten wir die Marschallinseln. Aber schon nach dreitägige« Kohlenübernahme ging es wieder in See. Die „Emde n" verließ uns mit Sonderbefehl am 22. August, ebenso di» '„Nürnberg". Am 6. September trafen wir wieder mit der „Nürnberg" zusammen. Sie brachte uns englische und amerikanische Zeitungen aus Honolulu. Nun bekamen wir einigermaßen Übersicht über den Stand zu Hause. Mes war in fröhlichster Laune. Der Ozean ist so groß und weit: deshalb fahren wir fast mir mit deu
„Gneisenau" zusammen, damit wir sämtliche feindlichen Handelsdampfer kapern können. Auch sind wir ja nicht der großen feindlichen Übermacht gewachsen. In Honolulu hatten sich 37 Kriegsfreiwillige, fast alles Deutsch-Amerikaner, an Bord geschlichen; sie kamen erst auf hoher See zum Vorschein. Am gleichen Abend (6. September), verließ uns die „Nürnberg", um die englische Kabelstation zu zerstören. Wir liefen am 7. September die Inseln an, wo die „Nürnberg" wieder zu uns stieß. Sie hatte die Station in die Luft gesprengt, das Kabel gekappt und in See geschleppt. Ferner erfuhren wir, daß feindliche Streitkräfte iu Apia, der Hauptstadt von Samoa, wären. Sofort fuhren wir mit der „Gneisenau" dorthin, wurden aber bitter enttäuscht. Der Feind hatte bereits am 29. August Apia verlassen und die Stadt mit 800 Mann besetzt. Wir fuhren weiter, ergänzten bei den französischen Gesellschaftsinseln unseren Kohlenvorrat und holten etwas Frischfleisch. Am 22. September erschienen wir vor Pape e t e auf der ftanzösischen Insel Tahiti. Es ist bekannt, daß die Uusrigen dort die drei Forts, das Kanonenboot „Zelee", die Werft und das Kohlenlager vernichteten. Die Forts schossen viel zu kurz. Wir feuerten ganz langsam, jeder Schuß sollte sitzen. Am 2. Oktober dampften wir mit Kurs auf die . . . Inseln ab, wo wir heute, am 12. Oktober, ankamen. Hier stieß auch die „Dresden" zu uns. Vielleicht gibt es noch ein Gefecht mit vier englischen Kren«)
