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ii Mrgen-Seilage des Wiesbadener Tagblatts.

Dj

Nr. 9.

Dienstag, 12• Januar.

1915.

Copyright 1914 by Carl Dunker, Berlin.

(20. Fortsetzung.)

Etwas zögernd griff der Forstaufseher zum Glase und tat Bescheid. Herr von Zaleski mochte wohl das Zögern bemerkt haben, denn er lächelte, ,Sie brau­chen sich nicht an meiner Beschäftigung zu stoßen. Ich stehe und arbeite im Dienst einer großen, völkerbe­freienden Idee. Jawohl, ich treibe, wie Ihnen allen hier wohl kein Geheimnis mehr sein wird, Schmuggel, aber nicht um kleinlichen Krämergewinn . . ."

„Was Sie hier tun und treiben, geht mich nichts an", erwiderte Bauschus gleichmütig, „solange Sie nicht mit unseren Gesetzen in Konflikt kommen."

„Davor werde ich mich sehr hüten", lachte der Baron. „Aber ich will Ihnen offen gestehen, daß ich gern Ge­legenheit hätte, etwas auf die Jagd zu gehen. Man läßt doch seine Fähigkeiten nicht gern einrosten. . . . Sie haben viel Wild hier, wie ich gehört und teilweise selbst auch gesehen habe."

„O ja . . . aber ob der Herr Forstmeister Ihnen Jagderlaubnis geben wird, möchte ich doch bezweifeln. Was er nicht selbst schießt, überläßt er seinen Revier» beamten, die das Wild hegen und beschützen:"

„Das Beschützen scheint nicht immer ganz leicht zu sein", tvarf der Baron in spöttischem Ton ein, „ich .habe wenigstens gehört, daß Ihnen ein Wilddieb aus dem best bewachten Revier schon mehrere Rehe geholt hat."

„Das läßt sich nicht immer verhüten und soll an­derswo auch Vorkommen", erwiderte der Forstaufscher, bedächtig jedes Wort wägend; „denn wir Beamten haben noch eine Nebenbeschäftigung, die uns stark in Anspruch nimmt. Aber über kurz oder lange er­wischen tvir doch jeden Wilddieb, namentlich, wenn wir uns etwas Mühe geben."

„Sie sind also jetzt wohl sehr eifrig auf dem Posten?"

„Ach, das geht an. Aber eins will ich Ihnen sagen, Herr Baron. Der Wilddieb, den wir erwischen, geht nicht mehr auf seinen Füßen nach Hause. Seitdem ein Schuft unseren Kollegen Schnabel angeschossen hat, gibt cs keinen Pardon. Ob von vorn oder hinten, das ist ganz egal, die Kugel bekommt er aufs Blatt."

„Das hört sich ja ganz schrecklich an, lieber Herr Förster." Er hob sein Glas und stieß mit dem Grün­kock an. Bauschus mußte sich innerlich Gewalt antun, um zu trinken. Er fuhr ruhiger fort: „Wenn ein

Wilddieb sich in der Not zur Wehr setzt, kann man das verstehen, aber wenn einer aus dem Dickicht wie ein Meuchelmörder auf Len ahnungslos gehenden Beamten schießt, dann ist das ein feiger Meuchelmörder, Herr von Zaleski."

Er hatte lauter gesprochen, als nötig gewesen wäre, und den Baron dabei scharf angesehen.

In seinem Gesicht zuckte keine Muskel. Er nickte zu- Kimmeud. „Da gebe ich Ihnen völlig recht . . ." Er betonte scharf: „Das ist ein feiger, gemeiner Meuchel­mord. Aber kann der Wilddieb Ihren Kollegen nicht Mit einem Stück Wild verwechselt haben?"

ver Wagehals.

Roman von Fritz Skowronnek,

Nachdruck Verboken.

„Nein, das ist völlig ausgeschlossen. Ein sechs Fuß langer Mann, der durch lichtes Holz schreitet, kann nicht mit einem Stück Wild verwechselt werden. Uns kann das jedenfalls nicht passieren."

Das Stübchen hatte sich inzwischen mit Bauern gefüllt. . . . Sie kamen, um mit Lenr Baron die Fuhren für die nächste Woche abzuschließen. Er wandte sich zu ihnen und verhandelte mit ihnen. . . . Als das Geschäft abgeschlossen war, verabschiedete er sich sehr höflich von dem Grünrock und ging.

Bauschus sah ihm mit gemischten Gefühlen nach. Er war aus dem Baron nicht klug geworden. Die freimütige energische Stellungnahme gegen den Wil­derer, der Schnabel angeschossen hatte, machte ihn in seinem Verdacht irre. . . . Die Bauern lobten ihn über den grünen Klee. Er zahlte ihnen nicht nur einen un­gewöhnlich hohen Fuhrlohn, sondern bowirtete sie auch mit Wein und Zigarren. . . . Sie wünschten bloß, daß der schöne Verdienst nicht sobald ein Ende nehmen möchte. ...

Wie es möglich war, die Menge schwerer Kisten übel, die Grenze und durch die dichte Linie der russischen Grenzwächter zu bringen, war ihnen freilich ein Rätsel. . . . Wenn die Pascher sich einzeln mit ihren Traglasten in finsterer Nacht durch die Postenlinie schlichen, so war das zu verstehen. Wer ein ganzer Wagenzug. . . . Da mußte wohl sehr energisch geschmiert werden. . . . Aber was ging das sie an, wohin die Kisten weiter be­fördert wurden?

Roman von Zaleski Ivar langsam nach Hause ge« gangen. Er klopfte au die Tür des kleinen Zimmers, das seine Freundin bewohnte. Fedora lag in einem weichen Schlafrvck auf dcnr Diwan und las. . . . Der Boden war mit abgebrannten Zigaretten, Aschenrcsten und Streichhölzern bedeckt. . . . Dichter Rauch erfüllte das Zimmer. Roman ging zum,Fenster und stieß es auf. . . . „Wie kannst du es bloß in solcher Luft aus- halten?"

.Fedora ließ das Buch sinken und sah zu ihm auf. „Ich habe es gar nicht gemerkt. . . Das Buch ist sq interessant. . . ."

„Ist was Neues in meiner Abwesenheit gekommen?"

„Ja, der Leiser sitzt drüben in der Wohnstube und wartet auf dich . . ."

„Der Leiser? Was will der am Sonntag?"

Er ging über den Flur in die andere Stube. Ein alter Mann in schwarzseidenem Kaftan saß am Tisch. Wie ein biblischer Patriarch sah er aus; der Kopf von einem schwarzen Käppchen bedeckt, unter dem an jeder Schläfe sich drei kurze Locken hervorringelten ....

„Nun, Leiser, was gibt's Neues?"

„Besser schon, wenn es gar nichts möchte geben Neues, Herr Baron, denn was Neues ist nichts Gutes."

,,Es wind doch nichts Schlimmes sein?"

„Schlimm? Das ist gar kein Wort, Herr Barons Schrecklich, entsetzlich. In Wilna haben sie das groß?