Sötte 4. Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.
triftiger Grund vor, aus seiner Neutralität herauszutreten. Auch sei kein italienisches Interesse direkt oder indirekt Verletzt worden, was die Italiener selbst am besten beurteilen Hinnen. Wenn Ssasonow ferner auf die Notwendigkeit kriegerischer Revanche Italiens gegenüber Ä st e r - reich Hinweise, so müsse ein Land, wie Italien, das den Ruhm seiner Freiheits- und Einheitskriege und sein Risorgimento hinter sich habe, cs ablehnen, Revanche rein der Revanche wegen zu treiben. Keine große Nation handle lediglich unter dem Impuls der „Revanche", wie denn heute Rußland der Verbündete Japans sei. Ssasonow müsse also schon den Italienern das Recht zugestehen, seine ferneren Entscheidungen lediglich nach feinen eigenen Interessen zu treffen. Auf die Anspielungen Ssasonows wegen der Länder der A d r i a k ü st e einzugehen, sei heute zu delikat. Übrigens werde es Sache der Slawen sein, Italien entgegenzukommen, das ihnen gegenüber stets großmütig war. Doch das sei alles ja nur Zukunftsmusik.
Das Leichenbegängnis Bruno Garibaldis.
Rom. 7. Jan. Hier fand gestern das Leichenbegängnis Bruno Garibaldis statt, der bekanntlich ebenso wie ein zweiter von den sechs Brüdern Garibaldi in den Argonnen als Freiwilliger für Frankreich gefallen ist. Infolge der Aufrufe einiger Zeitungen sowie vieler republikanischer und kirchen- scindlicher Vereine waren viele Tausende zusammcngeströmt, um der Leichenfeier beizuwohnen. Fürst Colonna hakte als Bürgermeister von Rom den Leichenwagen l. Klasse und eine ausgezeichnete Grabstelle zur Verfügung gestellt sowie ange- ordnet, daß Abteilungen der städtischen Garde und Feuerwehr sowie der Stadtkapelle in Paradeuniform dem Leichenzuge vorangingen. Der Leichenwagen war mit französischen und italienischen Farben ubd Ornamenten geschmückt. Es folgten ihm Veteranen aller garibaldinischün Unternehmungen in ihren roten Jacken, Mitglieder republikanischer und kirchen- feindlichsr Vereine und Abordnungen der französischen Fremdenlegion, alle mit entfalteten Fahnen. Außerdem nahmen an dem Zuge teil der Botschafter Barröre mit seinem Militärattache in Paradeuniform und nebst anderen Diplomaten des Dreiverbandes der englische Botschafter. Als unter den Klängen garibaldinischer Hymnen der Leichenzug in Sicht kam, begrüßte ihn die Menge durch lebhaftes Händeklatschen. Andere Kundgebungen, insbesondere Hochrufe auf Frankreich, wurden erst laut, als der Botschafter Barrerr mit Gefolge nach etwa 200 Schritten den Leichenzug verließ und ihm zahlreiche junge Leute, fai es aus Neugierde, sei es aus dankbarer Erinnerung an seine Verdienste um die Dynastie der Garibaldis und ihrer revolutionären Bestrebungen, ein Stück Weges nachliefen. (B. T.)
Opferfreudigkeit des schwedischen Volkes.
Das schwedische Kriegsministerium gestattet eine Sammlung unter den Frauen Schwedens, deren Ertrag zur Beschaffung weiterer Militärflugzeuge dienen soll. Diese neue freiwillige Kollekte, der eine Nationalspende für Panzerkreuzer und Maschinengewehre vorausgingen, legt Zeugnis ab für die große Opferwilligkeit des schwedischen Volkes.
Etwas mehr Logik, bitte!
Die in Bilbao (Nordspanien) erscheinende „Gaceta del Norte", die sich seit Beginn des Krieges durch Bloßstellung der französisch-englischen Schwindelnachrichten sehr um die Aufklärung der öffentlichen Meinung Spaniens verdient gemacht hat, veröffentlicht unter obiger Überschrift einen kleinen Aufsatz, der Zeugnis davon ablegt, daß man selbst in Ländern, die zum Dreiverband neigen, der englisch-französischen Stimmungsmache überdrüssig wird. Wir geben die Meinungsäußerung des spanischen Blattes nach der „Rhein.-Westf. Zig." im folgenden wieder:
„Als eine Folge der Beschießung der englischen Küste wimmelt die englische und französische Presse wieder von Aufsätzen, in denen die Deutschen wegen der ihnen vorgewor- fencn Beschießung offener Plätze als Barbaren hingestellt werden. Man sollte endlich anfhören, uns diese Märchen vor- zusehen. Seit Anfang des Krieges haben wir nur immer die gleiche Grammophonplatte zu hören bekommen. Nachdem nunmehr das Lied von den zerstörtem Kathedralen, Denkmälern, Statuen und Museen beendigt ist, kommt jetzt die Melodie vom den offenen Plätzen an die Reihe.
Ausgerechnet wird dieses neue Lied angestimmt, nachdem wenige Tage vorher die französische Presse sich in den Ausdrücken des höchsten Jubels über den Angriff ihrer Flieger auf die offene und ungeschützte deutsche Stadt Frei bürg erging. Wenn es ein Unrecht ist, offene Plätze zu beschießen stund eirn Unrecht ist es ganz gewiß), so sollte in den Kommentaren darüber wenigstens eirüge Logik obwalten. Es kommt hinzu, daß Hartlepool einige ganz ausgezeichnete Befestigungen besitzt, daß Scarborough durch die in seinen Burgmauern ausgestellte vorzügliche Artillerie beschützt wird, und daß schließlich' wie ums die englische Presse anläßlich ihrer Lobsprüche auf das sich bildende Heer verraten hat, die Truppen schon dreiviertel Stunden vor Beginn der Beschießung ihre Stellungen in den Schützengräben einge- nommen hatten. Was ist denn das für eine neue Art von ungeschützten Plätzen, in denen die Artillerie aus die Beschießung antwortet, in denen es Befestigungen und Schützsn- gräben gibt und Truppen, die bereit sind, eine Landung ab- zuwehren??
Die Art und Weise, wie diese Dinge entstellt werden, bringt auf die Dauer in neutralen Ländern, in denen man in der Lage ist, die Vorgänge leidenschaftsloser zu beurteilen, eine Wirkung hervor, die der Sache der Verbündeten nur schädlich sein kann. Unsere Sympathien haben ihnen von Anfang an gehört. Aber die Gerechtigkeit muß höher stehen als unsere persönlichen Neigungen; und sie nötigt uns anzuerkennen, daß der Angriff des deutschen Geschwaders Zeugnis ablegt von einer Kühnheit, einer Taten- freudigkeit und eimer Todesverachtung, die alle Begriffe übersteigen. Wir bedauern wirklich sehr die unschuldigen Opfer, aber wir müssen zugeben, daß solche Opfer auch in"Freiburg, in Zeebrugge, in Ostende und in Brügge gefallen sind. Es sind das die Wunden, die der Krieg schlägt, und die kein Ende nehmen werden, so lange es Völker gibt, deren Bestreben darauf gerichtet ist, diese Hekatombe jahrelang dauern zu lassen."
Deutschlands Sache — die Sache der Menschheit.
Aus Rumänien ist dem Berliner Magistrat folgendes schreiben zugegangen: „Die auf der angehängten Beilage sorzüichneten Jünglinge, die im Frieden die Arbeitsamkeit und den schöpferischen Gei st der deutschen Nation bewundert haben, huldiMn jetzt den heldenmütigen Taten
Wssbadener TirgblatL«
ihrer Söhne, die zwar für das Vaterland und für das deutsche Volk, mehr aber noch für die ganze Kultur und Menschheit selbst gegen die despotischen und asiatischen Moskowiter kämpfen. Durch diesen bescheidenen Beistand, den wir Ihnen beiliegend senden, hoffen wir wenigstens teilweise die Leiden der tapferen Kämpfer zu lindern, die in diesem grausamen Kriege ihr Leben aufopfcrn, der von einem despotischen Barbaren einerseits und von dem Egoismus und der Untreue einer ganzen Nation andererseits der Zivilisation aufcrlegt wurde. Wir wünschen aus ganzem Herzen die baldige Beendigung dieses Blutbades mit dem vollkommenen Siege der deutschen Armee, weil der Sieg derselben auch der Sieg der Kultur und der höchsten Ethik sein wird." — Die beigefügte Geldanweisung ist dem Roten Kreuz zugestcllt worden. Die Spende rührte von 20 Rumänen her, denen um so mehr Dank gebührt, da man weiß, wie eifrig in Rumänien eine moskowiterhörige Partei an der Arbeit ist, um Rumänien in ein verhängnisvolles Abenteuer gegen Deutschland zu hetzen.
Jur Haltung der valkanstaaten.
Br. Zürich, 11. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus französischer Quelle wurde berichtet, daß zwischen Italien, Rumänien und Bulgarien sowie Griechenland eine Verständigung stattgefunden habe, so daß wiederum ein Balkanbund unter Italiens Führung entstehen solle. Die „Agencia Stefani" erklärt diese Nachricht als unbegründet. — „Petit Puristen" meldet, in Rumänien werde nächstens die Mobilmachung angeordnet werden. 86 000 Mann seien jetzt unter den Waffen; 330 000 würden bis Ende des Monats einberufen werden. — „Daily Telegraph" berichtet ans Athen, die Beziehungen zwischen Griechenland urid der Türkei würden immer gespannter.
5tus der 121. Verlustliste.
(Abkürzungen: verw. — verwundet, leichtv. — leicht verwundet. schwerv. — schwer verwundet, verm — vermißt, gef. — gefangen. I
Kaiser-Alcrander-Garde-Grrnadier-Neqimcnt Nr. 1. Berlin. Berichtigung früherer Angaben.
Gren. Hefner (Geisenheim) bisher verw.. in Gefangenschaft.
Reserve-Fnflurteriic-Regiment M. 80, Oberlahnstein, Wiest baden. Höchst.
(Gefecht am 22. 12. 14.)
2. Komv.: Wehrm. Berger (Hi lg St) tot.
4. Komv.: Wehrm. Bibo (Kiedrich) tot.
Infanterie-Regiment Nr. 81. Frankfurt a. M. (Pillers-les-Roye vom 23. 11. bis 8. 12. unv Gefechte am 13., 19. und 26. 12. 14.)
Kriegsfreiw. Crecelius (Miehlen) leichtv.
Infanterie-Regiment Nr. 87, Mainz.
Berichtigung früherer Angaben.
Kriegsfreiw. Lauster (Biebrich) bisher schwerv., ge- ftofbcn in Carrävuis 11. 12. 14.
Rescrve-Jnfanterre-Regiment Nr. 87. Frankfurt a. M., Limburg. Mainz.
(Ville-sur-Tourbe am 8. und andere Gefechte am 15. und vom 19. bis 21. 12. 14.)
Leutn. d. R. Fritz (Hochheim) leichtv. Leibgarde-Jnfanterie-Regiment Nr. 115, Darmstadt. (Gefecht am 27. 12. 14.)
Wehrm Schäfer (Hammelbach) leichtv.; Ers.-Res. Jerochnick (Höchst) tot: Ldstm. Erich Fischer (Wiesbaden) schwerv.
Pionier-Regiment Nr. 25, Mainz.
(Gefecht am 21. 12. 14.)
Picm. Karl Alpheis (Wiesbaden) leichtv., bei der Truvpe; Res. Fey (Heftrich) vermißt seit 10. 11 . 14.
5Xus Ser 14. Verlustliste der KmferX. Marine.
Ob.-Matr.-Artl. Eliasmann (Kamp) tot; Dees. Stüher (Nastätten) leichtv.
Deutsches Reich.
* Der Wiederaufbau Ostpreußens. Für Äen Wie- deraufbau der zerstörten Ortschaften wird eine Z e n- tralstelle in Königsberg i. Pr. geschaffen, die der Kriegshilfskommission unmittelbar unterstellt ist. Zur Verbilligung der Bauaribeiten soll auch die Materialbeschaffung zentralisiert werden. Zum Leiter der Zentralstelle ist gutem Vernehmen nach Geheimer Bäumt Fischer, der frühere hautechnische Dezernent der Ansiedlungskommission in Posen, in Aussicht genommen. Geheimrat Fischer hat in einem 'der Kriegs- Hilfskommission erstatteten Bericht bereits die Grundzüge für einen wirtschaftlichen und zugleich schönheit- lichen Wiederaufbau der zerstörten Ortschaften Ostpreußens entwickelt. Er unterscheidet nach dem Umfang der Zerstörungen Einzelschaden, Gruppenschäden und Blockschäden. Durch die Absonderung der Einzel- schäden würden di« Maßnahmen für den Wiederausdau im wesentlichen verringert werden. Im Regierungsbezirk Königsberg sind insgesamt 2140 Gebäude in etwa 200 verschiedenen Ortschaften als zerstört angemeldet worden. 1016 Fälle in 170 Ortschaften können als E i n- zelschaden bezeichnet werden. Bei den Gruppenoder Reihenschäden ist die gleichzeitige Wiederherstellung einer ganzen Anzahl von Gebäuden verschiedener Eigentümer nach einheitlichen Gesichtspunkten zu ordnen. Im Regierungsbezirk Königsberg fallen unter diese Gruppe etwa 600 Gebäude in 25 Orten. Am meisten für die Allgemeinheit kommen die Blockschäden in den Städten in Frage. Hier gilt es, nicht nur unhygienische Verhältnisse zu beseitigen, sondern auch hier und da die Einmündungen der Straßen zu verbessern und das Stadtbild mehr in Einklang mit der Landschaft zu bringen. Als solche Wock- schäden sind im Regierungsbezirk Königsberg 534 Gebäude anzusehen, die sich auf Domnau, Allenburg, Ger- dauen und Tapiau verteilen. °Für einige dieser Ortschaften hat Geheimrat Fischer bereits vorläufige Wiederaufbauskizzen hergestellt.
* Nur X-Brot am sächsischen Hofe. Der König von Sachsen hat verfügt, daß vom Dresdener Hof ausschließlich ,X"-Brot gebraucht wird.
L. C. Eine bemerkenswerte nationakkiberale Antwort.
Konservativen Wünschen, wie sie kürzlich der Landtagsabge- ordneie v. De wi tz ausgesprochen hatte und die dahingingen, daß unter Schaffung eines neuen Parteinamens eine Vereinigung der Konservativen und Rationalliberalen nach dem Kriege staufinde, tritt die „N a t I. Kor r." in bemerkenswerter Weife entgegen. Sie weift hierbei be-
Dienstag, 12. Januar 1915Nr. 17.
sonders auf die Männer hin, die jetzt im Felde stehen und die
einen Hauptfaktor bei der Bildung des politischen Willens der Zukunft stellen würden. Es wird mit Recht die Frage aufgeworfen, ob sich die Millionen Kämpfer für Deutschlands Zukunft, wenn sie zurückkehren, im neuen Deutschen Reichs mit einer Rolle als Objekt der Gesetzgebung begnügen würden, wie das ja wohl im Sinue der rechtsstehenden Freunde des Herrn v. Dewitz wäre.
* Der 2000. Zwcigvcrcin des Vaterländischen Frauen- Vereins. Seit dem 1. August v. I. sind im Vaterländischen Fvauen-Verein 260 neue Zweigvereine gegründet worden, so daß ihre Zahl nunmehr die Höhe von 2000 erreicht hat. Der Hauptvorstand hat der Kaiserin, der Protektorin des Vereins, von der Begründung des 2000 Vereins Meldung erstattet, ebenso der Grohberzogin Luise von Baden und dem Kaiserlichen Kommissar und Militär-Inspekteur der Freiwilligen Krankenpflege, dem Fürsten Solms-Baruch. Dem Haupt- vorstande sind darauf Glückwunschtelegramme zugegangen.
Heer und Flotte.
Dienstauszeichnungen für Feldwebclleutnants. Zur Behebung von Zweifeln wird darauf hingewiesen, daß Feldwebelleutnants, die eine Gesanitdienstzeit von 15 Jahren zurückgelegt haben, die Dienstauszeichnung 1. Klasse nicht zuerkannt werden kann, weil sie zu den Offizieren rechnen.
Ruslanö.
klmerika.
Der Zwischenfall in Kanada. New D o r k, 9. Jan. (Nichtamtlich.) „Tribuna" schreibt: Die Vereinigten Staaten werden verlangen, daß die kanadischen Soldaten, welche auf einen Amerikaner, der aus der Entenjagd war« geschossen haben, bestraft und dessen Familie von der Regierung entschädigt werde. Eine Note dieses Inhalts wird der britischen Botschaft übermittelt werden. — W. T.-B. London, 10. Jan. (Nichtamtlich.) „Times" meldet aus Toronto vom 8. Januar: Die kanadische Regierung verständigte die Regierung der Vereinigten Staaten davon« daß sie beabsichtige, als Akt der Freundschaft der Familie des Amerikaners, der aus der Entenjagd die kanadische Grenze überschritten hatte und erschossen worden ist, sowie seinem Begleiter, der verwundet wurde, eine Entschädigung zu bezahlen. Die kanadische Regierung hat wegen des Vorfalls ihr Bedauern ausgedrückt. Die Patrouille, die die Schüsse abseuerte, befindet sich in Untersuchung.
äu$ Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Oie Grganisation der Zeldpoft.
über die Organisation der Feldpost herrscht noch große Unklarheit. In Wiesbaden zählt die Abteilung des Postamts, welche sich ausschließlich mit der Bearbeitung der Feldpostsendungen befaßt, zurzeit acht Beamte. Mit zwei Beamten hat sie angesangen, und sobald sich das Bedürfnis für eine Vermehrung herausstellte, ist ihm entsprochen worden. Die Ansicht, daß die Feldpost bezüglich ihres Geschäftsumfangs den Höhepunkt hinter sich habe, ist falsch. Entsprechend dem Anwachsen der Zahl der vor dem Feinde stehenden Soldaten nimmt auch die Zahl der Feldpostsachen zu, und ein weiteres Anwachsen der Beamtenzahl steht zu erwarten. Von Wiesbaden werden direkt ins Feld befördert alle Posffachen für un- sere 80er und 27er sowie für unseren Landsturm, während Sendungen für alle anderen Truppenteile unseres Armeekorps den Umweg über Frankfurt zu machen haben. In diesem Umstand liegt allein die Erklärung für das vielfach schon festge- stellte ffühere Eintreffen der Sendungen nach und von diesen Truppenteilen im Vergleich zu den für andere Truppenteile bestimmten. Verzögerungen in der Bestellung von Feldpost- fachen sind, worauf wir wiederholt hinwiesen, vor allem durch unvollständige Adressen bedingt. Wenn jemand die Brigade sowie das Armeekorps anzugeben unterläßt, so läßt sich das ja zur Not auf der Post nachholen, vergißt er aber die Bezeichnung des Regiments, des Bataillons usw., so müssen die Sachen unbestellbar bleiben. Auch die Anführung eines Standortes ist nicht nur nicht nützlich, sondern bisweilen sogar schädlich, weil der Standort ja leicht gewechselt werden kann. Im Felde befinden sich Sammelstellen für die Feldpost bei den einzelnen Kompagnien. Von dort gehen sie direkt durch die Vermittlung von Schaffnern an die Feldpostämter. Das ganze Personal der Feldpost besteht, so weit wie eben möglich, aus dem Postdienst entnommenen Personen. Auch nach dieser Richtung ist geschehen, was nur geschehen konnte. Es muß anerkannt werden, daß die Feldpost in der letzten Zeit eine ganz bedeutende Verbesserung in der Bestellung erreicht hat.
— „Der Weltkrieg und Jesus" tvar das Thema, das Professor D. D u n k m a n n aus Greifswald in seinem zweiten Vortrag am Freitag in dem von aufmerksamen Zuhörern stark gefüllten Luthersaal behandelte. Man berichtet uns darüber: Nach einer kurzen Darlegung der Methode der Untersuchung führte der Vortragende etwa folgende Gedanken aus: Der Kernpunkt in der Verkündigung Jesu ist nach allen neutesta- mentlichen Berichten die Verkündigung des kommenden Reiches Gottes. Die Botschaft Jesu: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen", stellt sich den jüdischen Erwartungen und ebenso denen seiner Jünger entgegen. Ihm ist das Reich Gottes nicht nur weltweit allen nationalen Beschränkungen zwn Trotz, sondern — auch rein innerlich — „Mein Reich ist nicht von dieser Welt". Den an der Unscheinbarkeit feines stillen Wirkens Anstoß nehinenden Täufer weist er darauf hin, wie in dieser stillen Arbeit sich eine neue Schäpsertat Gottes erweist, die inwendig den Menschen erfaßt und umgestaltet, ohne den äußeren Bestand der Dinge anzutasten, und die doch wirksam in den Gang der Geschehnisse eingreift. So steht er in keinem politischen Gegensatz gegen ein Weltreich, aber im unerbittlichen Kampfe gegen „die Welt", gegen die ffnstere Macht der Sünde, die mit ihren trüben Fluten alle Menschen erfaßt und verschlingt. Darum stellt er seine Gemeinde nicht in klösterliche Abgeschiedenheit, sondern in die Welt mit der Gabe und dem Auftrag der Weltüberwindung, als eine verborgene und doch wirksame Weltmacht. Ihre Arbeitszeit ist die Zeit der Weltgeschichte, ihr Ziel aber, die Vollendung des Reiches GoitcS, erreicht sie erst, wenn er durch seine Wiederkunft den Abschluß der Weltgeschichte herbeiführen wirb. Der in jedem wirksamen Macht der Sünde gilt der Kampf des Reiches Gottes, während die Verschiedenheiten der Rassen, Völker, Geschlechter und Individuen als Gottes Ordnung be-
