Seite 56. Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.
Der russische Generalstabsbericht der Üaukasusarmee.
W. T.-B. Petersburg, 11. Jan. (Nichtamtlich) Der Generalstab der Kaukasusarmee stellt fest: Der Kampf in der Gegend van Kasa-Urgan dauert mit groher Hartnäckigkeit an. Auf den anderen Kriegsschauplätzen keine Veränderung.
Der amtliche türkische Bericht.
Eine erhebliche Schlappe der Engländer gegen Araber- stämmc. — Falsche ruffische Meldungen. — Die Verfolgung der Russen in Aserbeidschan.
Br. Konstantinopel, 11. Jan. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Das türkische Hauptquartier teilt mit: Die Engländer haben auf ihrem Vormarsch längs des Tigris am Samstag im Irak eine e r h e bliche Schlappe erlitten Zwei Bataillone englischer Infanterie versuchten einen Überraschungsangriff auf ein Lager arabischer Stämme aus der Gegend Kurma. Die Engländer mußten jedoch nach zweistündigem Kampfe unter Zurücklllssung von 126 Toten und Ver- wundsten fliehen. Die Araber hatten nur 15 Ver- wundete.
Im Gebiet von Aserbeidschan dauert die Verfolgung an.
Die Petersburger Meldung, die Russen hätten Divisionsgenerale eines türkischen Armeekorps gefangen genommen, wird offiziell dementiert. Dagegen haben sich die Russen eines schwerverwundeten Divisionskommandeurs dadurch bemächtigt, daß sie einen türkischen Verwundetentransport in einer ruffifchen Stadt angriffen und die übrigen verwundeten Soldaten töteten.
Dic ersten ausgezeichneten türkischen Offiziere.
Br. Konstantinopel, 11. Jan. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) 20 türkische Offiziere erhielten als Erste die türkische Kriegs- berdienstmedcrille. Darunter befinden sich fünf deutsche Offiziere der Militärmission, und zwar General B r o n s a r t, Oberst Feldmann und die Oberstleutnants. Stange, Gusse und K i r st e n.
Ein Geschenk Kaiser Wilhelms an das türkische Militärmuseum.
Br. Konstantinopel, 11. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Kaiser hat dem türkischen Militärmuseum Films über Darstellungen aus den Kämpfen der deutschen Truppen überweisen lassen. Sie sollen in einigen Tagen in der Türkei öffentlich vorgeführt werden.
Ein türkischer ttriegskredit.
W. T.-B. Konstantionpel, 11. Jan. (Nichtamtlich.) Die Regierung legte der Kammer «inen Gesetzentwurf vor, der zur Bestreitung der Kriegsansgaben einem außerordentlichen Kredit von zehn Millionen Pfund verlangt. Der Gesetzentwurf wurde einer Kommission überwiesen. Die Kammer begann hierauf die Besprechung deS Staats- Haushalts. Der Berichterstatter teilte mit, daß mit den oben erwähnten außerordentlichen Krediten sowie mit den außerordentlichen Ausgaben von annähernd drei Millionen Pfund, die bereits gemacht wurden, und mit dem Defizit des gewöhnlichen Staatshaushalts das Defizit des nächst- jährigen Staatshaushalts etwa zwanzig Millionen Pfund beträgt. —
Oie amerikanischen Lieferungen.
Wir Deutschen spielen mit offenen Karten. Wir verbergen es vor der Welt nicht, baß für uns die Not- Wendigkeit besteht, mit unseren Lebensmittelvorräten' sorgfältig hauszuhaltien, und -das Ausland kann ebensogut wissen wie wir, welche Vorkehrungen nötig sind, nin die niederträchtige engli- sche Aushungerungspolitik zuschanden zu machen. Wir können über diese Lebensfragen unseres Volkes darum so offen sprechen und tun es auch, weil wir die Gewißheit haben, daß das Ziel, unsere Er- nährung zu sichern, dank unserer Orgamsafions- fähigkeit erreicht werden wird. Wenn die Feinde, wie man es ihnen ja nicht verübeln kann, als wachsame Betrachter unserer vermeintlichen wirtschaftlichen Not- lä-ge ausspähen, wo wir vielleicht doch empfindlich zu treffen wären, dann müssen sie nun aber eine für sie gewiß überraschende Wahrnehmung machen. Die einzige Sorge (um es einmal so zu nennen), die uns auf dem wirtschaftlichen Gebiete nahe tritt, ist nämlich die der Volksernährung, und mit ihr werden wir, wie gesagt, fertig werden, sogar mühe-
Der vorletzte Mann mußte sich immer von Zeit zu Zeit um« sehen, ob der letzte noch heil war. So ging es auf Dixmuiden zu, bis wir uns in der Nähe deS zerstörten Bahnhofes für einen Augenblick sammelten, da uns nun der letzte und gefährlichste Teil der Wanderung bevorstand.
Der Bahnübergang befindet sich nämlich auf dreihundert Meter völlig ungedeckt im rechten Winkel des feindlichen Schützengrabens. Die Franzosen haben eine Anzahl genau eingerichteter festgestellter Gewehre vorbereitet, welche sie in der Richtung der kerzengraden Bahngeleise losdrücken, so» bald sich auf diesen etwas Lebendiges regt.
Das sollten wir sogleich selbst erfahren. Jeder sah zu, baß er so schnell wie möglich durch dieses unheimliche Schutzgebiet hindurch kam. Wie die Eichhörnchen hüpfte einer nach dem anderen über den Bahndamm mehr auf Eile, als auf Wahrung der Haltung bedacht. Und hinter jedem pfiffen die Kugeln her. Aber wir kamen glücklich hinüber und konnten, da wir uns gleich darauf zwischen den Trümmern der Häuser befanden, den Eindruck haben, nunmehr in Deckung zu sein, wenn auch die Flintenschüsse aus den feindlichen Stellungen ununterbrochen weiter knackten. In Wirklichkeit war das, wie wir bald erfahren sollten, eine Täuschung. Bald näher, bald ferner klatschten mit ganz eigenem Laut dic Geschosse in die Mauerstümpfe der Trümmer. Peng! — Peng! so hallte das Echo durch die wie Stadt, und zuweilen belehrte uns eine Handvoll Mörtel und Kalkstaub, die plötzlich auf uns niederregnete, daß der Treffer über unseren Häupten ungeschlagen war.
Dixmuiden bietet einen Anblick der Zerstörung, wie ich ihn trotz allem, was ich in diesem Kriege bisher gesehen habe, nicht für möglich gehalten hätte. ■ Hier ist kein Haus verschont geblieben und manche Stadtviertel sind Schutthaufen, in denen um« uicht mehr erkennen kann, wo die Straßen ae«
Wiesbadener Tayblatt.
l o s, indem wir unsere Einrichtungen dem vorhandenen Zustande anvassen werden. Sonst aber wird sich die Schar der Feinde vergeblich bemühen, bei uns gleichwertige Schwierigkeiten zu entdecken. .
Was das bedeutet, wird auch uns völlig klar, wenn wir aus den amerikanischen Blättern erfahren, welche ungeheuren Warenmengen der verschiedensten Art England und Frankreich von drüben seit dem Kriegsausbruch beziehen. Wir wollen hier die Frage, wie die Vereinigten Staaten diese Lieferungen mit ihrer Nentralitätspflicht vereinigen können, auf sich beruhen lassen. Es ist das ein besonderes Kapitel, über das das Erforderliche wiederholt schon gesagt worden ist, jedoch eigentlich nicht oft genug gesagt werden kann. Indessen für diesmal möge das Neutralitätschema ausscheiden, wir wollen uns nur mit der Bedeutung der amerikanischen Sendungen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten beschäftigen und ihnen das Bild unserer eigenen Zustände entgegenhalten. Dabei ist aber noch zu berücksichtigen, daß die aus New Aork gemeldeten Zahlen- werte nur bis Ende Oktober reichen. Die amerikanische Ausfuhr ist seitdem wahrscheinlich noch ganz außerordentlich gestiegen. Wir erfahren denn also, daß an Patronen viermal, an Gewehren das Doppelte soviel wie im Oktober 1913 nach England ging. Das will sagen: England ist außerstande, seinen
Bedarf an diesen Kriegsmitteln aus Eigenem zu decken; wir aber können es, wir brauchen keinen ausländischen Ersatz, wir brauchen auch keine Pferde von auswärts, deren England im Oktober allein 7226 aus Amerika bezog. Wir kommen mit unseren Leder- beständen ganz gut aus, Frankreich aber erhielt im Oktober viermal soviel Leder als im Oktober 1913 aus den Bereinigten Staaten. Wir ernähren unsere Truppen mit einheimischen Lebensmitteln, Frankreich erhielt im Oktober 200mal soviel Fleischkonserven und 400mal so viel Speck von drüben wie im -Oktober des Vorjahrs. Die Ausfuhr van Kleiderstoffen aus Amerika nach England stieg von 140 000 aus 1604 000 Meter. Ungeheure Zunahmen wiesen ferner die Lieferungen in Wollwaren, Hufeisen, Nägeln und Draht auf. Wir wollen die Liste, die wir unten nach den Angaben der „New Aorker Staatszeitung" wiedergeben, hier nicht verlängern, wir scheiden selbstverständlich auch die amerikanischen Zufuhren an Brotstoffen aus, wir haben es hier nur mit der Tatsache zu tun, -daß England und Frankreich die gewaltigsten Lieferungen an Waren nötig haben, von denen so gut wie nichts vom Auslande zu uns kommt, ohne daß uns die A b s ch n e i d u n g dieser Zufuhr irgendwelche Schwierigkeiten zu bereiten vermöchte. Daraus folgt, daß wir nicht nur reicher an den Hilfsmitteln sind, die zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftsbetriebes unseres Volkes gehören, sondern daß w i r diese Hilfsmittel auch in der e i n> heimischen Erzeugung gebrauchsfertig herzustellen vermögen. Mit anderen Worten: unsere Industrie arbeitet auf jedem Gebiet weiter für unseren Bedarf, die englische und die französische aber sind -dazu nicht mehr i m st a n d e. Entweder fehlt ihnen die organisatorische Anpassungsfähigkeit, oder es ist sonst etwas bei unseren Feinden nicht in,Ordnung. Warum, so darf man bei uns fragen, brauchen die Engländer amerikanische Kleiderstoffe oder amerikanische Patronen und Gewehre? Warum können sie diese Dinge nicht in ihrem Lande Herstellen? Schläft die englische Industrie oder -was sonst wirkt da entscheidend mit? Es gibt Beurteiler, die es für möglich halten, daß die englische Regierung die großen Aufträge nach Amerika hauptsächlich deshalb gibt, damit für -die A r b e i t e r m a s s e n der Anreiz wächst, als beschäftigungslose Freiwillige Handgeld im Söldnerheere zu nehmen. Das wäre diabo° lisch gemein, aber man ist bei den Engländern neuerdings an so vieles bisher für unmöglich Gehaltene ge- wohnt worden, daß auch dies Ungeheuerliche möglich sein könnte. Und dann noch ein Moment: Was für die Lieferung nach den westlichen Mächten an Geld nach Amerika geht, das ist für die einheimische Wirt- schaft Englands und Frankreichs verloren; was wir für dieselben Zwecke ausgeben, das bleibt i m Lande und kommt dem gesamten Volkskörper zugute.
wesen sind. Der große Marktplatz ist mit Granaten besät, und zwischen Löchern, die schwere Geschosse in das Pflaster geschlagen haben, muß man sich einen Pfad nach der Stelle suchen, wo ehedem das schöne gotische Rathaus und die Pfarrkirche St. Nikolaus mit ihren Kunstschätzen gestanden hat. Die Kirche ist noch an einem Mauerbogen und an einem Stück der Apsis kenntlich. Innen liegt das Steingetrümmer mannshoch. Was mag darunter begraben sein? Die Reste eines auS dunklem Marmor und schimmerndem Alabaster gemeißelten Hochaltares lassen es vermuten. Ob von dem berühmten Lettner, von den Gemäldeschätzen etwas gerettet sein mag? Das Trümmerfeld gibt keine Antwort, und eintönig klingt das Peng! — Peng! der gegen die noch stehenden Wände klatschenden Flintenkugcln über den toten Ort.
Dixmuiden ist tot, ist ein Grab alter Kultur, rührender als eine nach Jahrtausenden aus der Erde gegrabene Stätte der antiken Welt. Denn hier fühlt und sieht man noch überall das Andenken an lebende Menschen, deren Hausrat über den Weg gestreut ist, deren liebster Besitz halbverkohlt im Regen verkommt, ohne daß jemand ein Stück zu retten vermag.
Eine Ahnung von dem Verlust gab mir die Untersuchung des Archives, welches ich halbverschüttet in den Ruinen des Rathauses auffand. Tief in das Mittelalter hineinreichcnde Handschriften auf Büttenpapier und Pergament lagen da. von platzenden Granaten versengt, zerrissen, durcheinandergewühlt, im Regen ausweichend. Da war ein Briefwechsel, den im Beginne des 15. Jahrhunderts ein Kaufmann in Calais in deutscher Sprache mit dem Rate der Stadt Dix- muideu geführt hatte. Da lagen Magiftratsakteu aus der Blütezeit der Hansa, Rechnungsbüchcr bis in das 14. Jahrhundert zurück, Abschriften humanistischer Gelehrsamkeit, wissenschaftliche Juwelen bedeutender und fesselnder Art. Aber, so aern man Zeit und Stunde vergessen hätte, cs war
Dienstag, 156. Januar iwid. _ «t» 1?«
Dic Angaben der „New Yorker Staatszettung."
Berlin, 9. Jan. (Ktr. Bln.) Ein Washingtoner Telegramm der „N. A. Staatszeitung" vom 14. Dezember gibt folgenden interessanten Bericht: „Seien wir offen: ohne
Amerikas Hilfe wäre der Krieg seit Wochen entschie- d e n." Die Zeitung nenüt dann die Ziffern des amerikanischen Außenhandels im Monat Oktober (wie werden erst die von November-Dezember aussehen. Anm. der Schriftl.) und kommt zu folgendem Ergebnis:
„An Patronen wurden viermal so viel exportiert wie im gleichen Zeitrum des Vorjahres; an Gewehren nahe doppelt so viel. Im Oktober 1913 bezog England 62 Pferde von uns, Heuer 7226. Der Export von Leder nach Frankreich hat sich im Okwber vervierfacht, der von Fleischlonserven für seine Truppen ist um nahe das Zweihundertfache gestiegen. Frankreich, das im Oktober 1913 34 000 Pfund Speck von Amerika bezog, hat im gleichen Monat 1914 nahezu 18,4 Millionen Pfund gekauft. Eirglands Kupferimport aus den Vereinigten Staaten ist von 9 auf 22 Millionen Pfund, seine Einfuhr von Kleiderstoffen auf 1 604 000 Dards von 140 000 gestiegen. An Autos lieferte Amerika den Alliierten beinahe achtmal so viel wie im Vorjahr, an Brotstoffen England den zwanzigfachen Betrag. Schmatz wurde nach Frankreich über sechsmal so viel, Gasolin dreimal so viel exportiert. Die Zuckerausfuhr ist von 6% auf 13814 Millionen Pfund, jene von Zinkplatten und Blechen von 171 000 auf 20Hz Millionen Pfund, jene von Hufeisen auf 2 027 548 Pfund von 163 000 Pfund gestiegen.
An Nägeln und Draht, in Rindsleder, Stahlstäben, Hül- senfrüchten und Rum (!) hat der Export sich verdoppelt, in frischen Fischen, Kartoffeln, Stearin und telegraphischen Apparaten verdreifacht. Gummistiefel sandten wir achtmal so viel als im gleichen Monat des Vorjahres, Eier eine Million- mehr, während bei uns die Preise von Woche zu Woche steigen. Unser Strickwarenexport (Socken Pulswärmer usw. für die Soldaten im Feld) wuchs von 171674 $ auf 878 431 $, der unserer Wollfabrikate um das Viereinhalbfache. Von Mehl gingen 191/2 Millionen Bufhels, statt 7(4; von Roggen 1612 000 statt 12 000; von Hafer 9 324 471 statt 31 000; von Weizen 1 051 000 statt 400 000; von Gerste 2 854 000 statt 590 000 Bufhels hinaus; von Hafermehl 3(4 Millionen Pfund statt 500 000 Pfund; von Reis 7 200 000 statt 1 200 000 Pfund und dank der englischen Herrschaft zur See — erhielten den größten Teil hiervon die Allterten.
Welch ein Segen für unser Land, diese gesteigerte Ausfuhr, wird mancher denken, aber auf der anderen Seite des Hauptbuches unseres Handels stehen die großen Abnahmen im Export von Baumwolle (87 000 000$ in einem Monat), Baumwollstoffen (22 Millionen Dards), Kupferartikeln (ca. 4(4 Millionen Dollars), essigsauren Kal! (ca. 6 Millionen Pfund), landwirtschaftlichen Instrumenten (76 Percent), Eisenerzen (85 Pcrcent), Glukose (55 Percent), Wandelbilderfilms (über 99(4, Percent), Pelzen (93 Percent), getrockneten Pflaumen (70 Percent), Schreibmaschinen (95 Percen), Hopfen (69 Percent), stehen alle die Waren, die E n g» land im gegenwärtigen Kriege anscheinend nicht gebraucht und die, wie Baumwolle und Kupfer, seine Herrschaft zur See uns an andere Länder zu liefern verbieten. Unser Handel lebt von der Gnade und Not Groß- b r i t a n n i e n s. Was seinem Kampfe gegen Deutschland nützt, müssen wir senden, was uns in dieser Zeit einen England bedrohenden Vorsprung gewährte, müssen wir bei uns behalten. Hundert Fabriken arbeiten hier für britische Orders TagundNacht, Tausende stehen still auf Order von London.
Und während unsere Waffen, Pferde, Lebensmittel und Kleider auf britischer Seite den Kampf verlängern, der uns bereits 342(4 Millionen Dollars gekostet, während Hunderttausende unserer Bürger hier „ad majerem Gloriam Britanniae" arbeitslos langsam verhungern, rinnt ein st e t i g wachsender Strom unseres Goldes über die Grenze nach Kanada, um Großbritannien in seinem Krieg zur Vernichtung des Deutschen Reiches zu helfen und die Not der Zeit bei uns hier noch zu vermehren. Im Jahre 1910 betrug unser Goldexport in zwölf Monaten 58 Millionen Dollar, im Jahre 1911 37 000 000 tz, im Jahre 1912 47 000 000 $, im Jahre 1914 in einem einzigen Monat (Oktober) 60 301 972 $ und in den ersten zehn Monaten dieses Jahres 207 958 750 $.
Hundert Fabriken arbeiten drüben für das Heer unserer Gegner Tag und Nacht —, Tausende aber stehen still, auf englischen Befehl! Diese Fesfftellung des amerikanischen Blattes macht uns den jetzt reichlich spät ergangenen amerikanischen Protest verständlich.
Die enylNkbe Antwortnote an Amerika.
W. T.-B. Washington, 11. Jan. (Nichtamtlich. Reuter) Der Antworttext der englischen Regierung auf die Note der Vereinigten Staaten ist gestern veröffentlicht worden. Er versichert (wie bereits in der gestrigen Abend-Ausgabe kurz er-
nicht der Augenblick, sich in ihnen zu vertiefen. Denn ununterbrochen war das Feuer des Feindes gerade auf den Marktplatz und das ehemalige Rathaus gerichtet, und jede Sekunde konnten die wankenden Mauern einbrechen.
Kein Wesen war zuerst in den Trümmerstraßen zu sehen. Und doch hatte die Stadt ein starkes unterirdisches Leben. Hunderte von Augen waren, während wir scheinbar- einsam durch die von Geschossen durchschwirrten Straßen wanderten, auf uns gerichtet. Und zuweilen trat aus einem ganz übereinander geworfenen Haufen von Balken und Steinen plötzlich ein Posten, warnte uns und zeigte uns, welchen Weg wir gehen mußten. Denn es gibt in dieser wüsten Trümmerstadt Striche, wo die feindlichen Gewehrgeschosse unausgesetzt so hageldicht schwirren, daß jeder ein Kind des Todes ist, der sich nicht Vorsicht.
Wiederum an solch einem unentwirrbaren Trümmerhaufen hielten wir. Hier war die Wohnung des Kommandanten. So entsetzlich der Schutthügel von außen dreinsah, so behaglich war es in den Höhlenkammern in seinem Inneren. Bis zu dreiviertel Höhe waren einige Zimmer des Erdgeschosses eines reichen Hauses stehen geblieben. Der Schuttkegel darüber ergab durch Aufhäufung von Sandsäcken und Aufschüttung von Erde einige Sicherheit gegen platzende Granaten. Lichter und Lampen verbreiteten in allen Räumen und Kammern ein mild und friedlich schimmerndes Licht, in welchem die auS den zerstörten Häusern zusammengetragenen kostbaren Möbel noch einmal ihre Jahrhunderte alte Pracht entfalteten. Eingelegte flämische Barockschränke, hier als Deckenstütze verwendet, Empire-Mahagonitischchen r.nt vergoldeten Bronzegußzicratcn. Die Kaffeemaschine summt. Eine uralte Spieluhr schlug alle Stunden denselben Choral: „Wer nur den lieben Gott läßt walten". Aden
wenn einmal die Türe geöffnet wurde und das araue Tages«
