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Verlag Langgaffe 21

„Tagblntt-Hnss".

Kchalter-Hülls gröffnel von 8 Uhr morgen» bis 8 Uhr abends.

wöchentlich

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marckrurg gabestellen und in den den«,

12 Ausgaben.

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„Tagblatt -Haus" Nr. 6650-58.

Von 8 Uhr morgen» bis 8 Uhr abends, außer Sonntag».

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Montag» 11. Januar» morgens.

Sonder-Ausgabe.

1915.

Oer ttrieg.

Oer Tagesbericht vcm 10. Januar. Französische Angriffe überall verlustreich abgewiesen. Rund 5V0 Franzosen gefangen. Unveränderte Lage in polen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 10. Jan., vormittags. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Das schlechte Wetter hielt auch gestern an. Die L h s ist an einzelnen Stellen bis zur Breite von 800 Meter über das Ufer getreten. Feindliche Versuche, uns ans unseren Stellungen in den Dünen bei Nie u- p v r t zurückzudränge», schlugen fehl.

Nordöstl.ch S o i s s o n s wiederholten die Fran- zose» ihre Angriffe, die gestern sämtlich unter großen Verlusten für sie abgewiesen wurden. Über 100 Gefangene blieben in unserer Hand. Die Kämpfe dortsclbst sind heute wieder im Gange.

Westlich und östlich Perthes (nordöstlich des Lagers von Chalons) griffen die Franzosen erneut kräftig on. Die Angriffe brachen unter sehr schweren Verlusten sür die Franzosen zusammen. Wir machten 150 Gefangene.

In den Argonuen gewannen wir weiter Ge. lande. Hier wie in der Gegend Apremont, nördlich Toul, dauern die Kümpfe noch au.

Am 8. Januar, abends, versuchten die Franzosen erneut das Dorf Oberburnhaupt im Nachtangriff zu nehmen. Der Angriff scheiterte gänzlich und un­sere Truppen machten weitere 230 Franzosen zu Ge- faugencn und erbeuteten ein Maschinengewehr, so daß die Beute von Oberburnhaupt auf 3 Offiziere, 430 Mann Gefangene und ein Maschinengewehr sich erhöht. Die Franzosen hatten auch hier augeusche.nlich schwere Verluste. Eine große Menge von Toten und Verwun­deten liegen vor der Front und in den angrenzenden Wäldern. Gestern fanden nur kleinere Gefechte im Obcretsaß statt. Gegen Mitternacht wiesen unsere Truppen bei N i e d e r a s p a ch einen französischen An­griff ab.

(östlicher Kriegsschauplatz.

Die Witterung hat sich noch nicht gebeffert. Auf der ganze» Front blieb die Lage unverändert. Kleinere russische Vorstöße südlich Mlawa wurden abgcwiesen. Oberste Heeresleitung.

Die veurtellung der militärischen Lage im „Berner Bund".

W.T.-B. Bern, 10. Jan. (Nichtamtlich.) Der nBund" schreibt zur Kriegslage: Nach miö nach sind oter Trotz st ellen an der deutschen Front sichtbar geworden: Lonlbartzyde-Bpern, Lens-

Albert, Perthes -Lemeserl und Flirey- C i r e y. Aber stärker als die Kämpfe an diesen Punk­ten, wo ein Durchbruch geplant oder gewissermaßen vo «gruppiert schien, spielt sich der exzentrische Kampf um S t e i n b a ch ab, welcher vermehrte Auimerksam- keit fordert.

Zu dem Vorstoß der Deutschen am Sucha-Ab- schnitt schreibt das Blatt, daß dieser Kairlps die Entscheidung der Schlacht vorbereite. Jeder Streifen, welcher hier von den Russen abgeschält werde, entblöße und schwäche ihren rechten Flügel und mache das dahinterliegende Warschau sichtbarer und ver- wundbarer. Der „Bund" hält daher die strategi- s ch e Lage der Deutschen und Österreicher im Osten für g e s u n d und v i e l v e r s p r e ch e n d, die der Rüsten für weniger günstig, ohne daß schon eine Ent- scheidung nach irgendwelcher Seite gefallen wäre.

Oie Lage im westen.

Deutsche Flieger beschießen Rrment eres.

Br. Kopenhagen, 10. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die deutschen Flieger bombardierten neuerlich Armentiöres, wo der Bahnhof und die Umgegend schwer litten. Einige Stunden später wurde Armen- tiäres von deutscher Artillerie beschossen und eine Anzahl Häuser schwer beschädigt. Über Hazebrouck ist abermals ein deutscher Flieger erschienen, der aus der Richtung von Strazeene kam. Er schleuderte drei Bomben, die jedoch nur Materialschaden anrichteten. Trotz heftigen Bombardements und trotz Verfolgung durch englische Flieger gelang es der Taube zu «nt- kommen.

Feindliche Flieger über Sluis.

W. T.-B. Amsterdam, 10. Jan. (Nichtamtlich.) Das „Mg. Handelsblaad" meldet aus Sluis: Heute vor­mittag um Vzll Uhr erschienen vier Flugzeuge aus südlicher Richtung in ansehnlicher Hohe über der 'holländischen Grenze. Daß es Flugzeuge der Ver- bündeten waren, erhellt aus den Batteriesalven, welche die Deutschen abgaben. Die Flammen der Granaten und Kartätschenschüsse waren hier deutlich sichtbar. Treffer wurden nicht wahrgenommen. Die Flieger verschwanden in der Richtung nach Heyst. Der Typ und die Qualität der Flugzeuge war nicht er­kennbar.

Der „Temps" über die Entwicklung des Krieges.

\V. T.-B. Paris, 10. Jan. (Nichtamtlich.) In einsm Artikel über die Entwicklung des Krieges schreibt der „Temps": Der Krieg hat einen Charakter angenom­men, den man nicht erwartet hat. Man müsse jetzt mit einem Ab Nutzung skr rege rechnen und deshalb die gefährliche Ungeduld vermeiden. Deutsch­land könne trotz großer Mcnschenverlufte noch viele Reserven anfstellen. Die Verbündeten könnten den Sieg nur um den Preis härte st erOpfer erringen. Deutschland sei noch nicht am Ende. Die großen Schwierigkeiten würden im Frühjahr be- ginnen, namentlich wenn die Neutralen hart blieben. Der Krieg, welchen Frankreich augenblicklich führe, sei eine harte Prüfung. Die Ungeduld wünsche eine Be- Maunigung der Operationen, aber eS sei Geduld nötig.

Ern französischer SanitätSauSschuß.

W.T.-B. Paris, 9. Jan. (Nichtamtlich.) Wie der „Denrps" meldet, hat der Kriegsmmister einen Aus­schuß eingesetzt, welcher die notwendig erscheinenden V e r b e s s e r u n g e n und Vervollkommnngen des Sanitätsdienstes der Armee einer genauen Prüfung unterziehen und ihre Einführung überwachen soll. Den Vorsitz des aus 18 Mitgl-edern bestehenden Ausschustes führt Frey ei net: m Vizepräsidenten wurden Leon Bourgeois und Louis Bart hon ernannt.

Die französische Rekrutierung und die besetzten Landesteile.

W'. T.-B. Paris, 9. Jan. (Nichtamtlich.) Nach dem „Temps" hat der Kriogsminffter angeordnet, daß die Gestellungspflichtigen des Jahrgangs 1915, welche in den besetzten Gebieten ansässig sind und sich infolge­dessen bisher N'cht haben stellen können, sich den Rekrn- tiernngsansschüssen der Jahresklasse 1916 stellen müssen.

Eine französische Anleihe in England.

W.T.-B. London, 9. Jan. (Nichtamtlich.) Die Bank von England fordert mit Zustimmung der eng- lischen Regierung zur Zeichnung einer französischen Anleihe im Betrage von 10 Millionen Pfund Ster- lmg auf.

Die Debatte im enalikch-n Oberhaus.

Eine österreichische Beurteilung.

_W. T. -B. Wien, 9. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Neue Freie Pveffe schreibt bei Besprechung der in der gestrigen Sitzung des englischen Oberhauses abgegebenen Erklärungen: Crewe hat die geradezu groteske Behauptung ausgestellt, daß es noch keinen Seekrieg gegeben habe, in dem die Überlegenheit zur See mit g e r i » g e r e n K o st e n gewonnen worden wäre Wir glauben nicht, dag es viele Dcefiege gegeben hat, die mit so hohen Kosten erfochten worden sind. Ein Überdread­nought.zweiDreadnoughts und sechsKreuzer sind zugrunde gegangen. Nirgends hat die englische Flotte ernen wirklichen Erfolg errungen, nirgends hat sic ihre tech­nische und militärische Überlegenheit beweisen können. Der Sieg bei den Falklandsinseln und die Zerstörung der „Emden" sind, wie Crewe selbst zugestehen mutz, nurinittzilfeder australischen, ftanzösischen und japanischen Flotte gelungen. Dabei konnien diese Schiffe nicht einmal alle deutschen Kreuzer zerstören. Hingegen wird die Geschichte der glänzenden Leistungen der deutschen Flotte, der Unterseeboote und Kreuzer, die 609 Kilometer von ihrem Hafen bis an Englands Küste herangekomen sind und Städte beschossen haben, als ein Denkmal höchster militärischer und technischer Fähigkeiten be­trachten. K (t ch e n e r spricht ein paar knappe Sätze vor sich hin, aber diese genügen, um seine Enttäuschungen zu kenn­zeichnen. Er gesteht ein. daß Engländer und Franzosen in der -Schlacht bei Rieuport nichts, aber auch g a r n i ch t s er­reicht haben. Jede Andeutung dafür fehlt, daß der Kriegs- Minister die Lage als hoffnungsvoll betrachte oder daß er nicht an einen Widerstand des 6', ners glaube. Das Allerscltsamste ist, daß die M i l l i o n e n , von denen Kitchener am £). Novem-- ber dröhnend gesprochen hat, anscheinend in Siaub zerfallen. Statt dessen erscheinen 210 099 Personen. Die neue Armee soll, wie Crewe aus der Schule schwätzend mitteilte, di« furchtbar schweren Verluste ersetzen. Sie ist also keine Erweiterung des HeereS, sondern ein« Ausfüllung von Lücken und ein« verlegene Rechtfertigung vor den Derbün- beten, denen vor Augen geführt wird, was aller von der eng­lischen Flotte geleistet werde. Demgegenüber ist das Resultat

der deutschen Kriegführung noch niemals so offen wie von Lord Curzon anerkannt worden, dessen Rede voller Vorwürfe gegen die Regierung war.

Das Invastonsgespenst im Gberhause.

W. T.-B. London, 9. Jan. (Nichtamtlich.) In der gestriges Sitzung des Oberhauses führte Earl of C r e w e über di« Vor­bereitungen gegen eine Jnvaston aus, daß bereits Mitt' Oktober die Lordleutnants der verschiedenen Grafschaften entsprechende Weisungen erhalten haben. Diese seien Ende Oktober und im Laufe des November abgeändert worden. Die Vorbereitungen seien als eine Art Versicherung gegen mögliche Gefahren zu betrachten. Unter der Aufsicht der Lord­leutnants seien lokale Notausschüsse gebildet worden, die die Einzelheiten ausarbeiteten. Es wurde nicht für wünschenswert erachtet, für die Bildung der Ausschüsse allge­mein Anweisungen zu geben. Lord Curzon (Opposition) bemerkte hierzu, di« Streitkräfte, die in den einzelnen Graf­schaften gebildet würden, seien, selbst wenn sie eine Million Mann zählten, nutzlos, wenn der Notfall eintrete, falls sie nicht unter d i r e kt c militärische Kontrolle gestellt wür­den; ja sie würden sogar eine große Gefahr darstellen, da sie vom Feinde vielleicht nicht als Kombattanten anerkannt wer­den. Er hoffe deshalb, daß die Organisationen für die Ver­teidigung des Landes unter entsprechende militärische Kon­trolle gestellt würden. Lord S « l b o r n e tadelte, daß die Admiralität keinen Vertreter im Oberhaus besitze. Er sprach die Ansicht aus, daß e§ verfehlt gewesen sei, ein« Marine- brigade nach Antwerpen zu senden. Die Flotte unter Admiral Jellicoe solle nicht nur zu Patrouillengwecken verwendet werden; ihre Hauptaufgabe bestehe darin, die deutsche Flotte zu vernichten, wenn diese sich . herauswage.

Lord Roseberq über den Krieg.

W. T.-B. London, 10. Jan. (Nichtamtlich, Reuter.) Lord Rosebery führt« in einer Rede in Dalkeith u. a. aus: Wir stehen zwei Tatsachen von größter Bedeutung gegenüber. Erstens, daß die britische Nation auf immer unter­worfen wäre, u>enn sie nicht bis zum letzten Schilling und bis zum letzten Mann kämpft«, zweitens, daß das deutsche Volk als die größte Militärnation der Welt sich ni« wieder erhebe^ würde, wenn es geschlagen würde.

Der Prinz von Wales an der Spitze eines Regiments nach dem Schützengraben,

Br, Kopenhagen. 10. Jan. (Eig. Drahtbericht, Ktr. Mn.) Tie Londoner Blätter verzeichnen mit Stolz, daß der Prinz von Wales am zweiten Weihnachtsfeiertage das Kommando eines der besten englischen Territorialregimenter übernommen und es persönlich nach den Schützengräben geführt habe. Das Regiment zählte 3000 Mann und marschierte zwanzig englisch« Merlen, um di« in der Feuerline stehenden in­dischen Truppen abzulösen.

Englische Kommandovcränderungen.

W. T.-B. London, 10. Jan. (Nichtamtlich.) Feldmarschall Lord M e t h u e n wurde für General Sir Leslei-Rundle. der das Koimnando der 5 Armer übernimmt, zum stellvertreten­den Gouverneur und Oberstkommandanten von Malta er­nannt.

Fortgesetzte Steigerung der Ledensmittslpreise in England.

W. T.-B. London, 10. Jan. (Nichtamtlich.) Die amtlich« Tabellen der Lebensmittel zeigen eine allgemeine Preissteige­rung um 2 0 P r o z. gegen den Januar vorigen Jahres.

W. T.-B. London, 9. Jan. (Nichtamtlich.) Infolge des Krieges und des stürmischen Wetters erreichten die Fischpreis« eine außerordentliche Höhe. Sie betragen in vielen Fällen das Drei- und Vierfache des normalen Preises.

Noch ein deutscher Dampfer beschlagnahmt.

W■ T--B- London, 10. Jan. (Nichtamtlich.) Das Reuter- sche Bureau meldet aus Alexandria vom 6. Januar:. Der deutsche Dampfer „G o d e n f e t s" ist als Prise erklärt worden.

Neuerliche Gewaltmotznahmen gegen Deutsche ln England.

Die Erbitterung über die deutsche Beschießung der englischen O stk liste.

Nr. Kopenhagen, 10. Jan. ;Eig. Drahtbericht, Ktr. Bln.) Aus London wird hierher gemeldet: Die Erbitterung über die deutsche Beschießung der englischen Ostküste sinnt ununter­brochen auf Rache. Das Blatt „Globe" fordert die englische Regierung auf, alle Deutschen in England zu verhaften, soweit sie eS noch nicht sind. Die Regierung hat aber noch eine Anzahl anderer strenger Maßregeln getroffen. Sie for­dert, daß alle Deutschen, die in englischen Küsten st ädten wohnen, 30 englische Meilen landeinwärts ziehen. Auch die Deutschen, die die englische Nationalität angenommen haben, werden von der Maßnahme betroffen, welche die Regie­rung damit begründet, Beweise erhalten zu haben, daß die Deutschen vom Lande aus den deutschen Kreuzern Signale gegeben haben. Die Deuffchen werden von der neuerlichen Gewaltmaßnahme schwer betroffen und erleiden in wirtschaft­licher Beziehung große Verluste.

Keir Hardir erkrankt.

W. T--B. London, 10. Jan. (Nichtamtlich.) Nach ebtet Meldung der „Times" ist der sozialistische Abgeordnete Keir Hardie ernstlich erkrankt. Er soll einen SchlaLanfall erlitten haben.