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Verlag Langgasse 21

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Montag, 11. 3onu©r 1915. Abend - Ausgabe. Nr. 16. . 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 1t. Januar.

Die französischen Angriffe wieder überall abgewresen.

Langsames vorwärtsschreiten in Polen.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 11. Jan., vor­mittags. (Amtlich)

westlicher Kriegsschauplatz.

In der Gegend von Nieuport, Ipern und südlich fan­den nur Artillerickämpse statt.

Ein französischer Angriff bei L a Bassec, nordöstlich Albert, scheiterte gänzlich.

Nördlich Soissons griffen die Franzosen, die sich nur in einem kleinen Stück unserer vordersten Gräben festgesetzt hatten, erneut an, erzielten aber bisher keine Erfolge; die Kämpfe dauern noch an.

I» der Nähe von S o u p i r fanden in den letzten Tagen keine Kämpfe statt.

östlich Perthes nahmen unsere Truppen das ihnen entrissene Grabenstück zurück. Der Feind hatt» schwere Berluste.

In den Brgonnen schritten unsere Angriffe weite» fort.

Im Overelsaß herrscht im allgemeinen Ruhe.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Lage in Ostpreußen und Nordpolen unverändert. Bei der ungünstigen Witterung kommen auch unsere Angriffe in Polen westlich der Weichsel nur langsam vorwärts.

Oberste Heeresleitung.

Die Lage im westen.

Neue deutsche Zlugzeugbeschietzung Dünkirchens.

W. T.-B. Dünkirchen, 11. Jan. (Nichtamtlich.) „Agence Hadas" meldet: Deutsche Flugzeuge überflogen ani Sonntag Dünkirchen und die benachbarten Gelände und warfen etwa 30 Bomben ab. Infolge der ge­troffenen Vorkehrungen sind aber keine Menschenopfer zu beklagen.

Das Standquartier Ioffres.

Berlin, 11. Jan. (Ktr. Bin.) Über das Stand­quartier Ioffres wird in der „Zürcher Zeitung" ge- schrieben: General Joffrc hat seinen Standort nicht weit von dem Punkte des st u m p f e n Winkels ge- wählt, den die Linie der deutschen Armeen in Frank­reich bezeichnet. Von hier kann er gleichzeitig den Nor­den und den Osten überwachen und den Angriffspunkt für den Durchbruch wählen, sowie sich leicht dorthin be­geben.

Ioffres grotzer verbrauch an Generalen.

Br. Zürich, 11. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung" be­spricht die Persönlichkeiten des französischen Haupt- qnartiers und führt über den General Jo sfr e u. a. folgendes aus: Seitdenr Josfre den Oberbefehl inne­hat, verabschiedete oder versetzte er nicht weniger als 77 Generale. Diese Zahl soll inzwischen noch zu- genommen Huben. Von allen politischen Generalen und Armeekorpskommandanten, d. b. solchen die ihre Stellung durch Vermittlung politischer Machthaber inne hatten, ist ein einziger übrig geblieben, Gene­ral Sarail, der hohe strategische Fähigkeiten gezeigt hat. Man beziffert die Gesamtzahl der gemaßregelten hohen Offiziere auf 50. General Josfre hat nicht nur das Kommando der französischen Armee verjüngt, sondern hat auch fortwährend die körperlich und geistig Unfähigen stisteniatisch ausgemerzt und den mili­tärischen Geist gehoben. Die Hekatomten der politschen Generale vollzogen sich nicht ohne Wider­stand, aber Josfre blieb hartnäckig und als eines Tages eine hochgestellte Persönlichkeit in ihn drang, gewisse Beschlüsse rückgängig zu machen, erklärte er ent- schieden, falls man diese Bemühungen fortsetze, werde er seinen Degen auf den Tisch legen.

Zum Erscheinen feindlicher Flieger über Zeebrugge.

Berlin, 11. Jan. (Ktr. Bin.) Zu dem Erscheinen einer feindlichen Fliegerflottille über Zeebrugge wird der „Deutschen Tageszeitung" aus Rotterdam gemeldet: Eine feindliche FliegKslottille erschien am

9. Januar um 10 Uhr vormittags über Zeebrugge, die aber keine Bomben abwarf. Die deutschen Linien eröffneten ein heftiges Feuer aus die feindlichen Flieger, worauf diese verschwanden. Man hielt die Flieger für die Vorhut einer englischen Flotte, die aber nicht erschien.

Der gestrige französische Tagesbericht.

W. T.-B. Paris, 11. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet, 11 Uhr <wends: In vergangener Nacht wurden in der Champagne zwei deutsche Gegen­angriffe, der eine nördlich Perthes und der andere nördlich Beau Sdjour abgewiesen. In den Ar- gonnen brachen zwei kleine feindliche Angriffe bei Fontaine Madame und St. Hubert zusammen. Heftiges Gewchrseuer bei der Höhe 273 westlich Boureuilles lArrond. Verdun-sur-Meuse. Schriftl.) und Maurisson- bach, jedoch kein Angriff. Ruhige Nacht auf der übrB gen Front.

Der französische Mannschaftsersatz.

W. T.-B. Paris, 10. Jan. (Nichtamtlich.) Meldung der „Agence Havas". Der Heeresausschutz der Kammer hat be­schlossen, mehrere Unterausschüsse zu bilden, welche die Frage bezüglich des Rckrutierungspersonals, der Bewaff­nung, der Munition, der Bekleidung, der Verprovian­tierung und des Gesundheitsdienstes prüfen sollen. Der Ausschuss hat ferner beschlossen, die Aufmerksam­keit des Kriegsministers auf die Mannschaften der Territo­rialreserve in der inneren Zone und der Armeezone zu lenken.

IV- T.-B. Paris, 10. Jan. (Nichtamtlich.) „Lyon Republicain" meldet: Der Kriegsminister erklärt in einem Rundschreiben an die Presse, die Nachricht über die e n d. gültige Autzerdienststellung der Jahresklasse 1 887/88 der Territorialreserve sei nur teilweise richtig. Bisher seien Mannschaften der Territorialreserve von 1887/88 nur aus der inneren Zone entlassen worden; sie würden bei Bedarf wieder einberufen. Die Mannschaften, die als Handwerker und Bäcker verwendet werden, werden auch in der inneren Zone nicht entlassen.

Ein neutrales Urteil über einen amtlichen französischen Bericht.

Bon der holländischrn Grenze, 10. Jan., meldet die «Köln. Ztg.": In einer Beschreibung der Kriegslage sagt das Utrcchter Blatt „De Stich tsch.e Courant", dessen un­voreingenommene Haltung uns Deutschen gegenüber wir schon kürzlich anerkennend besprachen, in der Nummer vom Freitag: Am Schluss des amtlichen ftanzösischen Berichts wird wieder einmal eine G e h ä s s i g k e i t an die Adresse des Gegners gerichtet. Das Krankenhaus in Thann soll den gan­zen Tag von den Deutschen beschossen worden sein. Dass dergleichen Verdächtigungen in der englischen Presse Vorkom­men, ist man schon gewöhnt. Daß man nun auch in den amt­lichen ftanzösischen Kriegsberichten diesem traurigen Beispiel folgt, gefällt uns gar nicht. Es ist einfach unsinnig, ohne weiteres anzunehmen, daß die deutsche Artillerie ein Krankenhaus beschießen sollte. Es wird sich wohl erweisen, daß hier wieder einmal eine der schändlichenLügcn nieder- geschrieben ist, womit schon während der ganzen Dauer des Krieges di« Bevölkerung der neutralen Staaten gegen Deutschland aufgehetzt wird. Wir haben uns schon oft mit Ent­rüstung gefragt, ob denn in der neutralen Presse gegen Deutschland alles erlaubt ist, und diese Frage auch mehrfach in unserem Blatte öffentlich gestellt. Indes glauben wir, daß in dem vorliegenden Fall die beißende Gehässigkeit psychologisch erklärt werden muß. Die Versuche der Franzosen, die deutschen Linien zu durchbrechen, sind aber- m a I s mißglückt, das erklärt den Haß.

Der „Martertod" eines Garibaldianers.

Berlitt, 10. Jan. (Ktr. Bln.) Die Pariser Korrespon­denten hatten, dem „Berl. Tagebl." zufolge, mit allen Ein­zelheiten den Marteriod eines Garibaldianers namens Secule geschildert, der im A r g o n n c r w a ld schwer verwundet wor­den sei. Als die Deutschen den Verwundeten aufgefordert hätten, sich zu ergeben, habe er stolz geantwortet, „ich ergebe mich nicht, ich bin Italiener. Hoch Italien, hoch Frankreich!" Daraus hätten die Deutschen, wie das bei ihnen so üblich sei den Verwundeten niedergemacht. Heute kommt nun von dem so schmählich Hingemordeten, dessen Martyrium durch alle Zeitungen ging, ein Telegramm, in dem er seiner Familie mitteilt, daß er ganz Wohl und munter sei.

Die Freude der deutschen Gefangenen über den Zeppclin- besuch über Nancy.

Br. Rom, 11. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Bln.) Bei der letzten Zeppeirnfahrt nach Nancy brach nach Pariser Mel­dungen im Militärhospital in Nancy, wo zahlreiche deutsche Gefangene sind, ein Tumult aus, als plötzlich ein Zeppclin über der Stadt erschien und Bomben herabwarf, gerieten die Gefangenen in einen Freudentaumel, sprangen aus den Betten, tanzten und jubelten. Die Krankenwärter hatten Mühe, die Aufgeregten zn beruhigen und in ihre Betten zn- rückzuschafscn.

Die amerikanischen Lebensmittel für Belgien.

Berlin, 11. Jan. (Ktr. Bln.) Nach einer Mitteilung des amerikanischen Hilfskomitees für Belgien sollen laut „B. T." bis zum 12. April noch 44 Schiffe mit Lebensmitteln für Belgien aus Amerika abgehen.

Lin Zeugnis für dis Deutschen in Belgien aus feindlichem Munde.

Br. Amsterdam, 11. Jan. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. 'tUn., Der Vorsitzende der Uitterjtützungskommissivn für Belgien Herbert Hoover ist von seiner Reise durch Belgien nach

London zurückgekehrt. „Vaderland" zitiert ans dem von

ihm beröffenüichten Bericht folgende Stellen: Das deutsche Besatzungsheer gewährt den notleidenden Belgiern viel mehr Hilfe, als man von einem Heer in Kriegszeiten billigerwcise erwarten dürfe. Der größte Test des belgischen Gebietes ist durch Landsturm besetzt, dessen Offiziere und Mannschaften, tue selbst aus ihrer Häuslichkeit herausgcrissen sind- mehr Mitgefühl bekunden, als jeder Berufssoldat. An der Verteilung der Lebensmittel und anderer Gaben haben sich viele Offiziere eifrig beteiligt. Zölle irgend welcher Art sind auf die in Belgien eingeführten Lebensmittel nie erhoben worden. Das Besatznngsheer hält alle Vereinbarungen aus das sorgsamste inne.

„wir Barbaren!"

„Der Landsturm" in Vouziers schreibt: Eineir Beitrag zur deutschen „barbarischen" Kricgssührung liefert der Bür­germeister von Mouzon' an der Maas, der dem Etappen- Kommandcmrten und dessen Adjutanten beim Abschied nach sechswöchiger „Knutenherrschast" je seine Photographie mit folgender Nachschrift überreichte: „Mit einem herzlichster» Tank für die der Bevölkerung von Monzon bewiesene Wohl- wollMhett." Der Bürgermeister, der mit seinem Stellver­treter zur Verabschiedung erschienen, ist ein wohlhabender Fabrikbesitzer, Mitglied des Generalrats des Ardennen-Depar- tements und hat den Feldzug von 1870 mitgemacht. Sein einziger Sohn ist zurzeit in der ftanzösischen Armee. Wenn man berücksichttgt, daß die Bevölkerung zu allen möglicher» Arbeiten herangezogen und dauernd unter schärfster Be­wachung stehen mutzte, so ist dieses freiwillig geleistete Aner­kenntnis ein ausgezeichneter Beitrag zn der haltlosen Be­hauptung unserer Gegner, daß wir liberall „wie Barbarei» Hausen".

Der englische Aushungerungskrieg.

Ausfuhrverbot für Kakao.

W- T.-B. London, 10. Jan. (Nichtamtlich.) „London Gazette" veröffentlicht das Ausfuhrverbot für Kakao für alle Häfen Europas, des Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres mit Ausnahme der russischen, ftanzösischen, bel­gischen, spanischen und portugiesischen. Das Ausfuhrverbot fiir Tee wird aufgehoben.

W ■ T--B. London, 9. Jan. (Nichtamtlich.) Das Kakao­ausfuhrverbot in England hat im allgemeinen geteilte Meinungen geweckt. Westindische Kauflente meinen, daß das Verbot England absolut verhindere, Führer auf dem Kakao­markt zu bleiben, den Hamburg bereits in den letzten Jahren vollständig erobert habe. Es wird allgemein angenommen, daß das Verbot England viel größere Verluste zusügen werde- als man im Augenblick übersehen könne.

slus dem englischen Dberhaus.

Die Erkenntnis der „grötzten England je ge­stellten Aufgabe".

W. T.-B. London, 10. Jan. (Nichtamtlich.) Lord L u c a s erklärte namens der R e g i e r u u g, daß es streng vermieden werden müsse, bei Besprechungen von militärischen Vorberei­tungen Zahlen zu erwähnen. Wenn England wüßte, wie viel Mann in Deutschland ausgestellt und ausgebildet Ivcrden, so wäre das für die Verbündeten von der größten Bedeutung. Ebenso könnte schon die Angabe einer ein­zigen Zahl fiir Deutschland Wert besitzen. Alles, was gesagt werden könne, sei, daß das Kriegsamt trachte, die Ausrüstung mit der Rekrutierung im Einklang zu erhalten. Das ge­schehe gegenwärtig, und um mit der beschleunigten Rekru­tierung Schritt zu halten, mache das Kriegscmtt enorme An­strengungen, um für Ausrüstnngsgegenstände zu sorgen. Die hierfiir geschaffene Organisation gewinne schnell an Umfang. Der Einwand, daß Churchill Zahlen angegeben habe, sei nicht ganz zutreffend: Churchill habe nur in seinen Rekruüerungs- reden gesagt, daß, wenn die nötige Zahl von Menschen auf­gebracht werden könnte, 25 Armeekorps aufgestellt wer­den sollten; er habe damit einen Wunsch ausgedrückt.

Lord Selborne sagte:

Deutschland hat gezeigt, daß eö die wunderbarste Kampf­maschine besitzt, über die jemals eine Nation verfügt hat. Die Aufgabe, die den Verbündeten obliegt, ist außer­ordentlich ernst und schwierig; das sollten die Eng. länder voll eiinsehen. Deutschland hat den Vorteil der zentralen Lage und des einheitlichen Kom­mandos. Deshalb ist es nötig, daß wir für eine voll­ständige und dauernde Zusamme narbest zwischen uns und den Verbündeten Sorge tragen, sowohl auf politischem als auch auf militänischen Gebiete. Wenn das freiwillige Rekrutierungssystem Nicht genug Menschen liefert, müssen wir zur allgemeinen Wehrpflicht schreiten. Dieser Fall muß entsprechend früh vorbereitet werden, da­mit nicht sin nationales Chaos einiriü.

Der Lordkanzler sagte, die Aufgabe Englands in diesem Kriege decke sich nicht ganz mit der der Verbündeten.

England müsse vor allem für die Herrschaft zur See sorgen.

Es sei mit verhältnismäßig geringen Verlusten im- ftand gewesen, seine Vorherrschaft zu erhalten. Der Armee» bedarf lverde mit einer Geschwindigkeit hergestellt, die noch vor kurzem unerreichbar gewesen sei. Das gelte sowohl von den Explosivstoffen wie von den Geschossen und Gewehren. Tie größte Wohltat des Krieges sei, daß er England seine Mängel cinsehen gelehrt habe. Eine enge Fühlungnahme zwischen den Oberkommandienenden der verbündeten Länder