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Nr. 8.

Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblattr. n

Sonntag» 10. Januar.

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1915.

Copyright 1914 by Carl Bunker. Berlin. WÜgehaK. ök-chdruck v«L°km.

(19. Fortsetzung.! üon »«* Sk-wroan-l.

Eine Weile schritt der Forstmeister schweigend an Madelinens Seite. Er fühlte sich so verlegen und un- beholfen wie ein schüchterner Jüngling . . . und ste sah auch so sonderbar aus . . .

„Darf ich Ihnen nicht den Arm anbieten, Frau lMadeline?" Ohne aufzublicken, legte sie ihre Hand in seinen Arm. . m ,, , r , r

„Madeline", sagte er nach einer Weile halblaut, „wir sind beide über das Alter hinaus, wo wir solch einen Schritt in stürmischer Begeisterung tun. Ich will Ihnen nicht verhehlen, baß ich lange und schwer mit rnir gerungen habe. . . . Das werden Sie bei meinem Alter begreiflich finden. Ich muß Ihnen aber auch sagen, daß ich Ihnen sehr gut bin." Er faßte nach ihrer Hand, die er wie eine Kahle auf seinem Ärmel brennen fühlte. „Madeline", fichr er wieder fort, „Ihre Tante hat mir verraten, baß Sie mir em wärmeres Gefühl entgegenbringen. Ist bas wahr?"

Sie hatte den Kopf gesenkt und nickte, ohne zu ihm aufzusehen. Er blieb stehen ilnd ließ sie los. „Nun sehen Sie mich alten Knaben noch einmal genau an . . . und dann sagen Sie mir, ob Sie es mit mir wagen wollen." ^ ,

Jetzt hob sie den Kopf und aus ihren Augen leuch­tete ihm ein so warmer Strahl entgegen, daß er un­willkürlich die Hände nach ihr ausstreckte. . . . Und dann barg sie ihr heißes Gesicht an seiner Brust.

Der Forstmeister hatte seine fröhliche Sicherheit wiodergewonnen. . . . „Na und wie ist es mit dem Verlobungskuß? So alt sind wir doch noch nicht, daß wir darauf verzichten müssen." Er hob ihr Kinn auf und suchte ihren Mund, der sich willig finden ließ....

„Nun seht doch bloß einer an", rief Georginne hinter ihnen. „Was tut sich hier? Forschmeistris, Sie wollen mir doch nicht meine Nichte abspenstig machen?"

Schräder lachte laut auf. „Sie, Georginne, wir er- zürnen uns, wenn Sie so schamlos heucheln . . . nicht wahr. Madeline?"

„Ja. Herr Forstmeister." . r

„Ottomar heiße ich mit Vornamen, meine liebe Braut. Forstmeister ist bloß mein Titel. . . . Und nun bitte ich um Ihren Glückwunsch, verehrte Schmie- gertante, denn für eine Schwiegermutter sind Sie mir noch viel zu sung." ....

Der einzige, der von der Tatsache überrascht wurde, war der Assessor. Er hatte wirklich noch nichts gewußt. ... Er machte zwar ein verdutztes Gesicht, als der Forstmeister ihm Madeline als seine Braut vorstellte, aber er faßte sich sehr schnell und gratulierte äußerst herzlich. ... ,

In demselben Augenblick, als das Brautpaar auf der Veranda erschien, kam Abromeitene mit einer Flasche Sekt aus der Küche an. Die Kelche standen schon auf dem Tisch und der Sekt war schon so kalt, daß er sofort eingegossen werden konnte, was der

Assessor mit viel Geschick besorgte. Inzwischen war Abromeitene verschwunden und kam mit einem großen, prächtigen Strauß an, den sie der Braut überreichte. .... Dann mußte sie ihre Schürze zu Hilfe nehmen. Aber soviel vermochte sie doch noch zu sagen: „Ich habe den Jons nach Starrischken und Dietrichswalde ge­schickt und mich mit dem Abendbrot darauf einge­richtet."

„Nun können Sie nicht mehr zurück, alter Freund", rief der Hegemeister, „wenn Sie auch woll­ten; aber ich denke, Sie wollen nicht." ... Da kamen airch Mooslehner und Nante, die in der Amtsstube saßen, und gratulierten und bekäme^ ein Mas Sekt. Verdächtig schnell kamen die beiden Wagen aus Dietrichswalde und Starrischken. ... Es war rein wie auf dem Theater, wo ein geschickter Regisseur die

Vorstellung leitet.Das war aber in diesem Fall

nicht die Weschkalene, sondern die Abromeitene. . . . Den Champagner hatte sie schon vor Kaffee aufs Eis gelegt . . . und den Jons hatte sie abgeschickt, als der Forstmeister nach Lein Garten ging.

Der „junge Bräutigam", wie der Starrischker ih» konseguent nannte, war in übermütiger Stimmung... Er hatte die beiden Frauen seiner Freunde unter vier Augen gefragt, was sie zu der Verlobung sagten. Und beide hatten ihm mit herzlichen Worten versichert, Last sie sich darüber freuten und seinen Entschluß nur billi­gen könnten. . . . Das verscheuchte seine letzten Be­denken.

15. Kapitel.

Da, wo die Scheschupp, nachdem sie meilenweit dis Grenze zwischen Rußland und Preußen gebildet hat, ganz auf deutsches Gebiet tritt, um nach kurzem Lauf in die Memel zil münden, liegt das große, weitge­streckte Dorf Serbenten. . . . Die Scheschupp ist im Sommer ein zahmes, seichtes Flüßchen, das kaum sein Bett ausfüllt. . . . Aber im Frühjahr muß man sie sehen! Dann ist das weite Dal eine strudelnde, kochende Wassermasse, die bis zuni Rand der hohen Ufevbevge anschwillt. . . . Deshalb liegt das Dorf nicht unten am Fluß, sondern auf der Höhe. . . . Wis Schwalbennester kleben die kleinen strohgedeckten , Schaluppen am Berge. ... .

Gleich hinter dem Dorf beginnt die Königliche Forst, die sich meilenlmit auf dem linken Ufer der Scheschupp bis zur Rominter Heide hinzieht. . . . Dicht am Fluß und Wald lag einsam ein Banerngehöst ... in greulicher Verwahrlosung. Die Strohdächer hatte der Sturm zerzaust... die Sdalltüren hingen schief in den Angeln. Der letzte Besitzer hatte abge­wirtschaftet. Mit dem weißen Stab war er in das Elend gezogen. Monatelang hatte es unbewacht leer- gestanden und niemand wollte es kaufen, obwohl es für ein Butterbrot feilgeboten wurde.

Eines Tages tvar ein Mann gekommen, battestch das verlodderte Anwesen angesehen, und einige Doge;