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„Tnghlatt-HauS" Nr. 6650-LS.

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Sonntag, 10. Januar 1913.

Der Krieg.

Die Lage im Westen.

Die deutschen Erfolge bei Krras.

Br. Genf, 9. Jan. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Die im Joffreschen Tagesbericht zugestandeue Preis- gebung des Berbonval-Gehölzes bei Arras durch die Verbündeten ist die erste Folge der v o r t e i l- hafte» neuen Aufstellung der deutschen Geschütze. Die Bravour der deutschen Minenwerfer be­währte sich wieder im Argonnerwalde wie im Aisu etal. Hier wie dort erlitten die Franzosen empfindliche Verluste.

Ein englischer Bericht über die Lage im ysergebiet.

Br. Rotterdam, 9. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.Z Der Berichterstatter der „Times" in Nordfrankreich berichtet über die Lage im Dsergebiet: Es zeigt sich immer mehr, daß die an der kanalisierte» Df er hervorgcrufenen Üb e r - schwemmungcn jetzt für die eingeleitete Angriffsbe- wegnng, die durch die seit kurzem eiugetroffenen eng­lischen Verstärkungen möglich ist, sehr hinder­lich sind. Die Überschwemmung kommt jetzt den Deutschen ebenso za statten, wie sie den Belgiern Ende Oktober nützte. Unsere B e r l u st e an Offizieren, Unteroffizieren, Sanitäts­personal sind bei unserem angriffsweisen Borgehen erheb- l i ch g r ö ß e r als früher. Jedenfalls, so schließt der Bericht­erstatter wird auch mit den neueingetroffenen Verstärkungen kaum eine neue Phase dcS Kampfes beginnen, denn jeder Fußbreit Landes wird durch die Deutschen hartnäckig ver­teidigt. Mit dem übergehen unsererseits zum Angriff setzt für die Deutschen keine kritische Zeit ein, wie vielfach angenommen wird, sondern für die Verbündeten wird die Frage des Offizierersatzes weit größere Schwierigkeiten verursachen als beim deutschen Heere.

Deutsche Flugzeuge über Dünkirchen u. veurne.

W.T.-B. London, 9. Jan. (Nichtamtlich.) „Daily Ehronicle" meldet: Deutsche Flugzeuge erschienen

neuerdings über Dünkirchen und warfen mehrere Bomben ab. Es wurde niemand getötet. Zwei deutsche Flugzeuge erschienen über Veurne.

Neue französische Ballonabwehrkanonen.

Br. Genf, 9. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Gegen die Zeppeline und deutschen Flugzeuge, die Calais und die Umgebung überflogen, wurden aus jeiner neuartigen Spezialkanone eine An- izahl Schüsse abgegeben, die jedoch infolge der überaus geschickten Bewegungen der deutschen Piloten ihr Ziel verfehlten.

Die belgischen Kriegskosten.

Sr. Brüffel, 9. Jan. (Eig. Drahtbcricht. Ktr. Bln.) Die 'belgischen Kriegskosten werden bis 31. Dezember auf 10 0 9 Millionen Franken geschäht, wovon 609 Millionen, von England und Frankreich vorgeschossen wurden. Die Kriegs- kontribution von 489 Millionen ist nicht eingerechnet.

Lüttich und Namur vollständig wiederhergestellt.

Das Amsterdamer „Handelsblad" meldet: Bei Namur und Lütich sind die Forts durch die Deutschen vollständig wiederhergestellt worden.

Eine bemerkenswerte italienische Kritik der französischen Kriegsführung.

Berlin, 8. Jan. (Ktr. Bln.) In öer „Nazione" kritisiert ein aktiver General des italienischen .Heeres die französische Kriegführung, die er als Völlig verfehlt bezeichnet. „Die seit drei Mona- ten beständig angekündigte große Offensive", sagt er, „erwies sich als Traum; denn die Verstär­kungen kamen zwar an, aber von der berühmten Offen­sive war darum doch keine Rede, sondern nur von un­bedeutenden Teilvorstößen, dort, wo man hoffte, den Gegner in der Minderheit zu finden." Der Gene- val fragt: „Fehlten vielleicht die Mittel, um die große Offensive auszuführen oder war die Methode verfehlt?" und der General beantwortete beide Fragen mit „Ja." „Die Verstärkungen", meint er, „waren zwar vorhanden, aber niemals da, wo sie sein sollten, um die für schwach gehaltenen wichtigen Punkte der feindlichen Linie zu durchstoßen. Statt dessen stellte die ftanzösische Armeeleitung sich die Aufgabe, den Gegner durch möglichst langes Hinhalten mürbe zu machen. Als ob der Feind zuerst mürbe würde! Nun ist nicht gesagt", fährt der General fort, „ob nicht die Deutschen bei passender Gelegenheit das ver­suchen werden, was die Franzosen unterließen. Schon darum, weil die Deutschen bisher weit größeren Offensivgeist an den Tag gelegt als die Fran­zosen und weil sie im Frühjahr über stärkere Reserven verfügen werden, als der Gegner. Die Deutschen vertrauen zwar stark aus Gott, aber vor allem auf sich sei b st. Wen» man, wie die Franzosen, gegen ein Volk kämpft, das so gewaltig, so d i s z i°

Morgen - Ausgabe.

p li n i,e r t und w o h l g e r ü st e t ist wie die Deut­schen und in fünf Monaten so viele Wundertaten verrichtet hat, so ist es rätlich, sich in acht zu nehmen. Für den Franzosen wäre also die beste Kriegführung gewesen, zur Os f e n s i v o überzugöhen, statt .. ein Kampfsystem .durchzuführen, das ihre Kräfte schwächt und das außerdem nicht im Feindeslande, sondern sin Frankreich geführt wird."

Der französische General Raymond gefallen.

W. T.-B. Bordeaux, 9. Jan. Der General der Kolonial­infanterie Raymond ist gefallen.

Die deutsche Herrschaft in Nordfrankreich.

Ein Kaufmann aus Roubaix, der in der wichtigen nordfrcmzösischen Industriestadt eine hervorragende kommer­zielle Stellung bekleidet, veröffentlich im „Matin", wie wir der „Köln. Volksztg." entnehmen, den folgenden bemerkens­werten Bericht über die Lebensverhältniffe im dortigen Jn- dustriebezirl: „Entgegen den im Pabllikum verbreÄsten Ge­rüchten und gewissen Zeitungsartikeln kann ich versichern, daß sich das wirtschaftliche Bild der Städte Lille, Roubaix und Tonrcoing durchaus nicht so grau in grau darstellt, wie man es im allgemeinen zeichnet. Die Fabriken arbeiten allerdings nicht, und die Handelsverbindungen sind auch arg gestört: trotzdem aber ist das Leben unter der deutschen Ver­waltung, so peinlich es auch sein mag, doch immer noch er. träglich. Die Vorräte sind noch nicht erschöpft; vor allem fehlt es noch nicht an Brot. Nur hat sich das Weizengebäck zum Schwarzbrot gewandelt. Gleichwohl mutz man sich mit dem Gedanken abfinden, daß in nicht zu ferner Zeit Mangel an Mehl er »treten könnte, eine Gefahr, die eine dunkle Wolke am Horizont unseres gegenwärtigen Lebens bildet. Kaffee. Fletsch und Gemüse kommen in genügenden Mengen heran; dom Salz kann man leider nicht dasselbe sagen. Butter wird mit 4,89 bis 8,59 Franken das Kilo bezahlt. Milch ist selten geworden, weil es an Viehfutter fehlt, und Eier werden mit 25 Centimes für das Stück bezahlt, da die Deutschen viele Hühner geschlachtet haben. Was den' Zucker anbetnifft, so existierst er nur noch in Form von Puderzucker. Der Wein ist bei den Bewohnern von den Deutschen mit Beschlag belegt worden. Vor einiger Zeit drohten die Kohlen knapp zu wer­den, so datz man sich ans die Koksfeuerung hätte einrichten müssen. Heute aber erhalten wir von . den Kohlengruben Anzin sowohl wie aus dem Becken von Mons zu Bahn und zu Schiff ausreichende Kohlenzufuhren. Man verfeuert heute auch die Fabrikkohlen als Hausbrandkohle und bezahlt dafür 4 bis 5 Franken für 100 Kilogramm. Die Straßenbahnen, die die Departementsstratzen befahren, verkehren regelmäßig in Zwischenräumen von 20 Minuten. Die Gas- und elektrische Beleuchtung funktioniert nach wie vor, die Kaffeehäuser müssen um 6,30 Uhr abends geschlossen werden, und alle Be­wohner müssen um 8 Uhr abends zu Hause sein. Nach dieser Stunde dürfen sie nur noch, mit einer Laterne versehen, die Straße betreten. Der Verkehr zwischen den drei Städten Lille. Roubaix und Tonrcoing unterliegt heute keiner Beschränkung mehr; auch die Passierscheine, die man im Anfang haben mutzte, sind heute aufgegeben. In Roubaix besteht eine militärische und eine Zivilbehörde, in Lille nur die crsteve, während in Tonrcoing eine Kommandantur im Rathause eingerichtet fft. Die Bevölkerung verhält sich musterhaft und trägt den Verhältnissen mit stoischer Ruhe Rechnung. Unaufhörlich steht man in den drei Städten Truppen und MunMonskolonnrn durchziehen. Die Ge­schütze grollen ununterbrochen Tag und Nacht, und beständig klirren die Fensterscheiben. Wenn einmal ein paar Tage Ruhe geherrscht hat, so ist die Freude beim Wiederbeginn des Kanonendonners um so größer; denn das Geschützfener be­deutet für die Bewohner ja die Hoffnung auf baldige Be- freiung!"

Frankreichs Hilferufe nach Japan.

Berlin, 8. Jan. (Ktr. Bln.) - Der chmnakge fran- zösische Außenminister Stephan P i ch o n setzt in seinem Blatte „Petit Journal" unermüdlich seine Bemühun­gen fort, die französische Diplomatie zu veranlassen, die sich in die Länge ziehenden Verhandlungen mit Japan abzukürzen und jeden geforderten Preis für die japanische Hilfe zu zahlen. Er schreibt in einem viel bemerkten Artikel u. a.: Es ist für uns und unsere Verbündeten selbstverständlich, daß wir den endgülti- gen Sieg erringen. Um uns jedoch die Sieges­möglichkeit zu verschaffen, müssen wir verstehen, den notwendigen Preis zu bezahlen. Der Heroismus unserer Truppen genügt allein ebensowenig wie un­sere Geduld. Wir brauchen numerische Über­legenheit, um den Feind zu besiegen. Mau kann nicht annehmen, daß der Schützengrabenkrieg, wie er augenblicklich geführt wird, unseren Generalen als aus­reichend erscheint, um den. Feind aus dem Lande zu jagen. Man erklärt jetzt vielfach, daß Deutschland den Krieg in ökonomischer Hinsicht nicht mehr lange durchführen kann. Ich hoffe, daß unsere gelehrten Statistiker recht behalten werden, bin jedoch weniger o p t i m i st i s ch als sie. Dank der numerischen Über­legenheit der englischen Flotte blockieren wir augen­blicklich das Deutsche Reich. Es ist dies jedoch eine "Aufgabe, die enorme Schwierigkeiten in sich birgt, ganz abgesehen davon, daß unvorhergesehene schwere Kom-

Nr. 15. - 63. Jahrgang.

Plikationen eintreten können, wie es die Note der Ver­einigten Staaten beweist. Es wäre also sehr unvor­sichtig, mit einer entscheidenden Wirksamkeit dieser Blockade zu rechnen, da sie weder lückenlos noch leicht durchzuführen ist. Man kann nicht mit Sicherheit auf die Aushungerung des Feindes zählen. Wir müssen uns also auf die rein militärische Seite der Frage beschränken. Wir wissen, daß wir uns bald neuen, erheblich verstärkten deutschen Kontingenten gegenüber befinden werden. Er fragt sich nun, ob unsere eigenen Verstärkungen zusammen mit den eng­lischen ausreichen werden, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Selbst in diesem Falle jedoch müssen wir unter allen Umständen versuchen, die Stärkeren zu sein, um eine Änderung der Lage herbeizufühven. Nach dem mir zu Gebote stehenden Tatsachenmaterial muß ich jedoch der Überzeugung Ausdruck geben, daß die Verbündeten französischen, belgischen, englischen, russischen, serbischen, a u st r a- lischen, kanadischen, indischen Truppen nicht ausreichen werden. Wir müssen noch andere haben. Nur mit weitaus überlegenen Kon­tingenten können wir die Deutschen besiegen, die gut geführt und gut durchgebildet sind und Überfluß an Waffen und Munition haben. Pichon kommt zu dem Schluß, daß nurJapan Retter inderNot sein kann. Er zittert zu seiner Unterstützung zahlreiche Auslassungen hervorragender Polittker in anderen französischen Müttern, die auf demselben Standpunkt stehen. Dieses Bekenntnis des angesehenen französi­schen Diplomaten ist, wie die „Tägl. Rundsch." treffend bemerkt, bezeichnend für den tiefen Pessi­mismus, der die französischen leitenden Kreise trotz aller zur Schau getragenen Zuversicht erfüllt.

Lord kjaldane über die militärische Lage.

W. T.-B. London, 9* Jan. Im Oberhaus sagte Lord H a l d a n e bei der Erörterung der militäri­schen Lage, die Aufforderung zum Heereseintrftt wurde mustergültig beantwortet. Es sei kein Grund vor­herzusagen, daß das Prinzip des freiwilligen -Dienstes einen Fehlschlag bedeuten werde. Falls die Notwendigkeit der Dienstpflicht erwiesen sei, füge die Regierung sich der Notwendigkeit. Haldane fuhr fort: Wir kämpfen für unsere nationale Existenz, nur einen Sieg, der die Wiederkehr des früheren Zu­standes ausschließt, kann als beftiedigend gelten. Die dem Lande gestellte Ausgabe ist sehr schwer, über keine Mühe und keine Hilfsquellen sollen gespart werden, um die große Aufgabe zu einem glücklichen Ende p führen.

Ist eine deutsche Invasion möglich?

Kopenhagen, 8. Jan. Der dänische Kontreadmrral a. D. Middelboe erwägt in der „National Tidende" in einem längeren Artikel die Möglichkeiten einer deutschen Invasion in England und schließt: Zur See gibt es fast nichts, das unmöglich wäre. Nebel, Glück, Wagemut und unberechen­bare Konstellationen können möglich machen, was niemand gedacht hat. Zur See gibt es keine absolute Sicherheit, selbst für den überlegenen Gegner nicht, aber gerade deshalb sind die Aussichten g ü n st i g für Kühn e, für denjenigen, der vom Glück begünsttgt ist. Ob die Landung wahrscheinlich ist, glaubt der Admiral n i ch t, da ihm die Chancen in keinem rich­tigen Verhältnis zum Risiko zu'stehen scheinen. Aber, wie gesagt, können Verhältnisse alles in hohem Matze verändern.

32 Fischdampfer aus Grimsbh verloren gegangen.

>V. T.-B. London, 9. Jan. (Nichtamtlich) Amtlich wird gemeldet: Seit Ausbruch des Krieges sind 32 Fischdampfer aus Grimsby verloren gegangen.

Die Verfolgung der Deutschen auf fremden r Schiffen.

W- T.-B. Berlin, 8. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Deutsche auf üälienischen Schiffen. Die französischen Streitkräfte haben T>e uerdings das Vorgehen gegen die auf neutralen Schiffen reisenden Reichsange­hörigen noch verschärft, auch in solchen Fällen, in denen die deutschen Reisenden nicht nach Deutschland heimkehrcn, sondern nach überseeischen Gebieten sich begeben wollen, also für eine militärische Verwendung nicht in Be­tracht kommen. Überdies wurde die Grenze des wehr­pflichtigen Alters von 45 Jahren auf 50 Jahre hin­aufgesetzt. Mit Rücksicht hierauf schließen jetzt die italieni­schen Schiffahrtsgesellschaften alle männlichen Personen unter 50 Jahren von "der Beförderung mit ihren Dampfern - aus.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Ein russischer Nachtangriff nordöstlich Zakliczyn ab­gewiesen. — Russische Maschinengewehre auf einem Kirchturm in Polen.

ZV. T.-B. Wien, 9. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart'. In W e st g a l i z i en, wo sich die Gegner zumeist bis auf die nächsten Distanzen gegen­über sichen, wurde gestern ein Nachtangriff de?.