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r a-— rilorgen-veilage des Wiesbadener Tagblatts. >- —— - 1

Nr. 7. Samstag, y. Januar. 1915 .

Copyright 1814 by Carl Dunker, Berlin.

ver wagehak.

Nachdruck verboten.

Roman von Fritz Skowrormek.

(18. Fortsetzung.)

14. Kapitel.

Vierzehn Tage vergingen, ohne irgend etwas Be­merkenswertes Hir zeitigen. Die Grünröcke der ganzen Oberförsterei liefen sich die Hacken ab, doch der Wild­dieb tat ihnen nicht den Gefallen, sich im Revier zu zeigen. Eine gewisse Spannung lag über der ganzen Gesellschaft. . . . Die Frage, ob der Forstmeister ernst machen und um Frau Madeline Mazat-anhalten würde, beschäftigte alle Gemüter. Es war sozusagen offenes Geheimnis, daß etwas im Gange war. . . . Aber der alte Herr schien sich Zeit zu lassen. Aus dem Schieß­stand hatte die junge Witwe in einem feschen, fußfreien Lodenkostüm ganz reizend'ausgesehen. Und der Forst­meister hatte öfter an ihrem Tisch gesessen.

Derjenige, auf den es am meisten ankam, war scheinbar am ruhigsten. Er war einmal bei einer Auto­fahrt in Weschkallen angesprochen und hatte dort ge- frühstückt. . . . Für einen, der auf Freiersfüßen geht, benahm er sich reichlich zurückhaltend. ... Er war eben mit sich noch nicht ganz im reinen. . . . Daß er keinen Korb bekommen würde, glaubte er mit oller Bestimmtheit annehmen zu können. Im Notfall konnte er sich ja vorher durch Georginne die Gewißtheit ver­schaffen. Aber gerade das war es, was ihn in seiner Unentschlossenheit bestärkte....

Solange er nicht recht daran glaubte, daß die junge Witwe ihni ihre Hand reichen würde, hatte die Sache ihn gereizt. Jetzt kamen die Bedenken in verstärktem Maße wieder. ... Er war durch die lange Zeit seiner Witwerschaft sehr verwöhnt, am meisten durch den widerspruchslosen Gehorsam seiner Wromeitene. Wenn nun die junge Frau das Regiment im Hause haben wollte . . .? Er war gewohnt, beim leisesten Wider- spvuch mit einem Donnerwetter dreinzufahren. . . . Wenn Madeline sich das nicht gefallen ließ? Da war Streit und Ärger da . . .

An, meisten schreckte ihn der Gedanke an Kinder und Kindergeschrei. . . . Wie in den goldenen Abend-

Himmel hatte er bis jetzt in seine Zukunft geschaut_

Solange wie seine Gesundheit und seine Kräfte es zu- ließen, wollte er im Dienst bleiben und dann nach Las- dehnen ziehen, um die Fühlung mit dem Wald und seinen Grünröcken nicht zu verlieren. . . . Die süße Gewohnheit »vor es, die aus seinen Bedenken sprach. In der letzten Zeit war es wie eine dunkle Ahnung in ihm aufgestiegen, daß die guten Tage für immer vorüber sein könnten. . . . Die Wromeitene hing schon mit ihrem Kalweit im Kasten. . . . Und in der Küche gab es öfter laute Szenen.

Es schien, als wenn die Tante mit ihrer Nichte durchaus nicht zufrieden war. . . . Am Essen und an seiner Bequemlichkeit hatte er noch nichts gemerkt, weil Wromeitene noch immer das Regiment führte. . . . Was ihm am meisten zu denken gab, war die unbe­streitbare Tatsache, daß Kätchen nicht nur den Nante,

sondern auch ihm, ihrem Brotherrn, blaicke Augen machte, wie man so zu sagen pflegt. Und er hotte Bei­spiele, daß es schon mehr als einer jugendlichen Wirtin gelungen war, ihren ältlichen Brotherrn ins Ehejoch zu spannen.

Schließlich riß ihn Abromeitene aus seiner Unent­schlossenheit. . . . Eines Tages, als sie ihm das Vesperbrot brachte, blieb sie am Tisch stehen und nahnr ihre Schürze zur Hand, woraus der alte Herr sofort aus langer Erfahrung schloß, daß er sich auf eine län­gere Auseinandersetzung gefaßt zu machen habe.

„Na, was haben Sie denn auf dem Herzen?"

„Ja, Herr Forstmeister, ich wollte bloß sagen, daß Sie doch heiraten müssen. Das wird mit der Kathinka nichts. Die hat ja nichts anderes als bloß die Männer int Kopf. Gestern abend habe ich sie aus Schnabels Stube holen müssen. Er war ja nicht da, er war wie immer drüben beim Hegemeister, aber er hätte doch da stin können. Sic saß am Tisch und las in seinen Büchern. Ich habe ihr auf den Kopf zugesagt, daß sie auf den Nante wartet. Und heute früh hat sie ihm den Kaffee ans Bett gebracht. Ich Paß ja auf wie ei» Schießhund, aber das können Sie doch nicht."

„Nein, das kann ich allerdings nicht . . ."

,,Na, also . . . Und dann hat das Mensch so gar keinen Trieb, was zu tun. . . . Wenn ich nicht aufpaß, vergißt das sogar die Schweine. Ne, Herr Forstmeister, mit der werden Sie nicht alt toerden. Ne, laden Sie sich die Georginne und die junge Frau zum Kaffes und bringen Sie alles in Ordnung. . . . Ich will! meinetwegen noch so lange hier bleiben, bis Sie Hoch­zeit gemacht haben. Aber zu lange -darf das auch nicht dauern, denn der Kalweit läßt mir schon gar keine Ruhe, und der Mann hat recht."

„Ach Gott, Wromeitene, ich habe mich noch nichk so recht entschlossen."

„Nehmen Sie mir's iricht übel, Herr Forstmeister, das verstehe ich nicht. . . . Wollen. Sie sich lieber mit ’m alten Drachen rum ärgern, anstatt sich eine forsche, hübsche Frau zu nehmen? Ich dacht' so zum nächsten Sonntag. ... Ich hack' schöne Kuchen, na und das weitere findet sich dann schon von selbst . . ."

„Na denn in Gottes Namen. Wer, Wromeitene, das sag' ich Ihnen, Sie haben mich auf dem Gewissen, wenn die Sache schief geht."

Um der Sache ein Mäntelchen umzuhängen, hatte Schräder auch den Hegemeister mit Wera und den Assessor eingeladen. ... Es war ein sehr schöner Tag, so .daß man den Kaffee auf der Veranda trinken konnte. Der Forstmeister war mit sich selbst und mit Madeline, die ihn liebevoll, wie eine Tochter bediente, so sehr be­schäftigt, sonst hätte er bemerken müssen, daß de» Assessor Wera sehr eifrig den Hof machte.

Gleich nach dem Kaffee erklärte Georginne, st« wolle sich mal gründlich die Wirtschaft ansehen. Sie