Wiksbckemr Tsgblstt.
WSckentlick 12 Ausgaben. •-«.
Sch-Ner-H«-- «eäff»rt 8 US?mot 3 «* b» 8 M- tiMMl WOB|ei«Ua| ^ ö «°° » Uhr morgen» bi, 8 Uhr *** aafet E»n«°^
Sezngs.PreiL für beide Ausgobeu: 70 Pfg. monatlich, W. 2.- vierteljährlich durch den Verlag
ßUgMxmA_ r _ ... .
gadestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagdlatt"- Träger.
„Tngbintl -Hans" Nr. 6650-53 San 8 Uhr morgen* bi* 8 Uhr abends, anher Smmt-S».
Aureiaeu-Brei* für die geile: 15 Big. für örtlich- Anzeigen im „Arbeiizmarkt- und ,,Kleiner Adriger» in einheitlicher Sotzsorm: ^Pig. in davon abweichendm S-tzauSführun«, sowie füralle ubr-gen »cllchen Anzeigen: SS Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen: l Bit, für vriliche Reklamen: ‘ »:■ für auswärtige Reklamen, Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlanfend. nach besonderer B-rechnnna, — Bei wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender R-chl-h.
mW^di?M?egL'«u^^,^u^ümittA Berliner Schriftlkituug des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Gimtzrlstr. 66, F-nispr.: Amt Uhl-ad 450 u. 451. Z^en und N"en w,"W?«ewä"^b^^
Zreitagg 8, Ianuar 1915.
Abend-Ausgabe.
Nr. 12. . 63. Jahrgang.
Oer Urieg. ^
Der Tagesbericht vom 8, Januar.
Französische Angriffe bei Reims und in den Vogesen abgeschlagen. — weitere Fortschritte in den Argonnen. — fortschreitende Angriffe östlich der Rawka.
In Polen 1600 Russen gefangen.
W-T-B. Großes Hauptquartier, 8. Jan., vormittags. (Amtlich.)
Westlicher Rriegsschauplatz.
Der audauernde Regen sumpft das Gelände in Flandern mehr und mehr au, so daß die Operationen arg behindert werden.
Östlich Reims versuchten die Franzosen heute nacht ,ms einen Borgraben zu entreißen. Durch einen sofort eingesetzten Gegenangriff wurden sie in ihre Stellungen zurückgeworfen und verloren 50 Gefangene an uns.
In der Mitte und im Ostteil der Argonnrn machten unsere Truppen wieder Fortschritte.
Ein nächtlicher französischer Angriff gegen unsere Stellungen am Buchenkopf südlich Diedolshausen (Vogesen) wurde abgewiesen.
Wiederholte Angriffe der Franzosen auf die Höhe westlich Srnnheim brachen in unserem Artilleriefeuer zusammen. Wir machten zwei Offiziere und 100 Mann z» Gefangenen.
Um die Ortschaft Oberburnhaupt südlich Senn- Heim wird zurzeit «och gekämpft.
östlicher Rriegsschauplatz.
Auch im Osten herrschte ungünstige Witterung. An der ostpreuhischen Grenze und im nördlichen Polen änderte sich nichts, ö st l i ch der Rawka schritten unsere Angriffe fort. 1600 Russen wurden gefangen genomoren und 5 Maschinengewehre von uns erbeutet.
Auf dem östlichen Pilicaufer fanden nur Artillcriekämpfe statt.
Oberste Heeresleftnng.
von den östlichen Kriegsschauplätzen. Ein ruffischer Bericht über die Rümpfe in Nordpolen.
Kr. Petersburg, 8. Jan. (Eia. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Im amtlichen russi-schen Bericht wird erklärt: Ein äußerst heftiger Artilleriekampf findet augenblicklich auf der ganzen Front der linksseitigen Weichsel statt. Die -Offensive der Deutschen an der Bzura hält an. In dieser Gegend haben die deutschen Truppen den Fluß bei Ko slow und Diskopi überschritten, doch handelt es sich nur um einige Reginienter. Die Deutschen richteten verschiedene Bajonettangriffe gegen unsere Stellung nordöstlich von Bovgimof mit wechselndem Erfolg.
Dos schlechte Wetter in Südpolen, Galizien und in den Rarpathen.
Berlin, 8. Jan. (Ktr. Blu.) Bon der galizrschen Front heitzt es in einem Drahtbericht des Kriegsberichterstatters der „Bossischen Zeitung": In Südpolen, Galizien und in den Karpathen läßt das gegenwärtige schlechte Nebel- und Regen- Wetter Operationen nicht zu. Bor Przemhsl herrscht völlige Ruhe.
10 russische Aeroplane bei Lodz vernichtet.
W. T.-B. Basel, 8. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Baseler Nachrichten" berichten: Nach der „Rußkoje
Slowo" sind bei den Kämpfen bei Lodz und Lowicz 10 russische Aeroplane verloren gegangen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W- T-B. Wien, 7. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich wird berlautvort: 7. Januar, nachinittags. An der ungarisch- galizischen Front herrscht Ruhe. In den höher gelegenen Gebieten ist leichter Frost und Schnecfall eingetreten. Am D u n a j e c und in Russisch-Polen stellenweise Geschützkampf. Die im Karpathenvorlande der südlichen Bukowina vorgeschobenen Sicherungstruppcn wurden vor überlegenen feindlichen Kräften näher an die Hauptpässe zurückgenommen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höfcr, Feldmarschalleutnant.
Die Rümpfe in westgaiizien und den Rarpathen.
Br. Berlin, 8. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus dem österreichischen Kriegspressequartier wird der „B. Z." gemeldet, daß die russischen Angriffsversuche 1 gegen die österreichisch-ungarischen Stellungen in West- § galizien bisher vergeblich waren. Mit um so stärkerer Wucht suchen sie die Karpathen zu bedrohen. Ihr Ziel ist dabei wohl weniger ein umfassendes Vordringen nach den Karpathen, das ihnen nach den bisherigen Erfahrungen gegenwärtig wenig rät-'
l i ch erscheinen dürste, als eine Bindung der in den Waldgebirgen stehenden ö st e r r e i ch i s ch ° u n- garrschen Kräfte, die verhindert werden sollen, entscheidend in die Operationen in Galizien einzugreifen. Aus dem Raume von Przemysl- Lemberg wurden beträchtliche neue Verstärkungen gegen die verschneiten Pässe vorgeschoben, um die Übergänge zu forcieren.
Die Rriegskosten für Rutzland.
St. Petersburg, 4. Jan. Von fachmännischer Seite wird in der „Rußkija Wjedomostt" berechnet, daß Rutzland fiir das erste Jahr der Kriegführung nicht weniger als 9500 Millionen Rubel anfzubringen habe. (Köln. Volksztg.)
Die Zustände in Gdessa feit Neiegsausbruch.
Rechtswidrige Gewaltherrschaft gegen die Österreicher nnd Deutschen. — Die Stimmung gegen den Krieg.
W- T-B. Wien, 7. Jan. (Nichtamtlich.) Die »Neue Freie Presse" veröffentlicht die Schilderung eines auf Umwegen aus Odessa nach Wien gelangten Großhändlers. Über die Vorgänge in Odessa während des Kriegsausbruches berichtet dieser Großhändler: Der Kriegsausbruch war das Signal zur fanatischen Verfolgung aller Österreicher und Deutschen, von denen es in- Odessa und Umgebung etwa 10 060 gab, insbesondere aber der letzteren. Etwa 560 Österreicher und Deutsche wurden deportiert. .Der großartige Handel der Stadt stockt vollkommen. Von den etwa 600 000 Einwohnern ist ein Drittel arbeitslos und der Not preisgegeben. Das gesellschaftliche Leben ist vollkommen ins Stocken geraten. Was den Deutschen angetan worden ist und noch angetan wird, ist buchstäblich furchtbar. Nur dar Beispiel aus der endlosen Reihe der Kabalen sei erwähnt. In Odessa besteht ein deutscher Flortenvevein, ebenso wie ein österreichisch-ungarischer. Der Konsul veranstaltete gelegentlich zugunsten der Zwecke des Vereins Sammlungen. Als der Krieg ausbrach, fand man auf dem Tisch des Konsuls die Liste von Spendern, über 80 Namen von Deutschen, sämtliche Personen, hochangesehene reiche Kaufleute, waren verzeichnet. In Rußland existiert nun die Verordnung, daß keinerlei Sammlungen ohne Zustimmung des Gouverneurs veranstaltet werden dürfen. Möglicherweise hatte nun der deutsche Konsul bergeffen, die Sammlungen zugunsten des Flottenvereins anzuzeigen. Die Folge dieser Unterlassung war, daß 83 Deutsche nach Aufsinden der Liste verhaftet und eingekerkert wurden, um unter der Anklage des Hochverrats demnächst vor das Gericht gestellt zu werden. Kein russischer Advokat will die Verteidigung der Deutschen übernehmen. Alte Herren des Konsulats wurden eingekerkert und besinden sich auch jetzt noch in Haft. Wie verlautet, sollen diese Beamten nach Kriegsausbruch drahtlose Verständigung mit Deutschland ge- fiihrt haben. In allen öffentlichen Lokalen besinden sich Anschläge, in denen das Deutschsprechen unter Androhung einer Strafe von 3000 Rubel für den ersten Fall verboten wird. Sänitliche Lokale, deren Besitzer Deutsche sind, wurden gesperrt. Korrespondieren in deutscher Sprache ist verboten. Hunderte von Spionen umlauern die Deutschen, um Übertretungen dieser Bestimmungen zur Anzeige zu bringen. Eine neue furchtbare Maßregel betrifft die in Südrußland angesirdelten deutschen Kolonien. Gegen sie ist kurzerhand ein Gesetz erlaffen worden, demzufolge ihre Güter verkauft toerden müssen. Man beraubt sie so des Bodens, den sie durch Generationen hindurch besaßen. Die Banken sind beauftragt, ihnen: jeden Kredit zu entziehen. Sie müssen ihre Schulden augenblicklich liauidieren und sollen so in dev Ruin getrieben werden. Da dieses Gesetz unter den zahlreichen in der Armee dienenden Soldaten deutscher Nationalität ungeheure Erbitterung erweckte, so ist cs kürzlich dahin gemildert worden, daß nur die Ruffen deutscher Nationalität, die nach dem Jahre 1885 Boden erworben haben, von diesem Gesetz betroffen werden sollen. Noch drakonischer sind die Maßregeln gegen die Juden. .Selbst hier, wo man von der Wahrheit vollständig abgesperrt ist, fand man instinktiv heraus, daß England die Schuld an dem Weltbrand zufalle, und der H a ß gegen die Engländer ist allgemein. In schrecklichem Zustand von der Front zurückgekehrte Soldaten erzählen die haarsträubendsten Sachen nnd fachen die allgemeine Wut gegen den Krieg noch mehr an. In ruflischen Kreisen herrscht Verbitterung, Kleinmut und wahre Hochachtung vor den deutschen Leistungen.
Die Lage im westen.
Schnee und Regenfälle in Flandern.
Berlin, 8. Jan. (Ktr. Bln.) Von der belgischen Grenze meldet die „Bossische Zeitung", nach der' „Times": Fortwährende Schnee- und Regen
fälle haben den Kanrpf zwischen den Schützengräben seit einigen Tagen so gut wie u n m ö g l i ch gemacht. Aus beiden Seiten mußte man sich darauf beschränket, die Laufgräben wasserdicht zu halten. Nur die Artillerie blieb den ganzen Tag über bei der Arbeit.
Die Kämpfe an der Dser.
AuS La Panne meldet der .,B. Z. a. M." zufolge das ..Algcmecn Handclsblad" über die Kämpfe an der Dscr: Ich habe heute' auch einige kanadische Abteilungen gesehen.
sie haben ihre VerpflegungZkolonnen bei sich. Es- sind alles noch sehr junge bartlose Leute. Der Kampf cm der Äser dauert fort. Am Neujahrstag begann der Kampf von neuem in der Gegend von Bixschoote. Van dort aus beschaffen die Deutschen Pervis und den Weg, der nach dem gänzlich verwüsteten Ramskapellen führt; denn diesmal galt es weniger den Orten selbst, als den Verbindungswegen. Der Weg nach Ramskapellen, der von Veurn« und Dünkirchen über Pervis führt, geht durch überschwemmtes Gebiet. Das umliegende Gelände selbst kann nicht betreten werden. Auf dem lehmigen Boden ist das Waffer so trübe, daß selbst einen Fuß tief nichts mehr zu erkennen ist, wie auch die Beschaff-em- heit des Bodens ein Durchwaten unmöglich macht. Die englischen und französischen Berichte, die von stürmenden Reitern sprechen, sind alle grundfalsch.
Die neue eifrige Tätigkeit der deutschen Flugzeuge in Nordfrankreich.
W. T.-B. London, 7. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Times" meldet: Deutsche Flieger erschienen heute wiederholt über Dünkirchen. Die Flieger kamen fünfmal im Sicht, flogen aber nicht jedesmal über die Stadt. Eine Granate einer in FirntiMy ausgestellten Kanone explizierte in 50 Meter Abstand von einem deutschen Flugzeug und störte dessen Gleichgetvickt, indem der Prlot sich durch schnelles Herabgehen in Sicherheit bringen mußte. Zweimal stiegen FKeger der Verbündeten aus; erst ein Franzose, dann der englische Kapitän Sanipson, und vertrieben die deutschen Flieger. Einer der deutschen Flieger warf zwei Boniben über Dünkirchen ab, die aber keinen Schaden verursachten. Der Kommandant der Stadt hatte mit Rücksicht auf den schweren Verlust an Menschenleben, den der letzte deutsche Fliegerangriff verursacht hatte, durch Proklamation den Einwohnern empfohlen, sich beim Erscheinen eines feindlichen Luftschiffes oder Flugzeuges in Sicherheit zu bringen. Zum Zeichen, daß Gefahr aus der Lieft drohe, wurde auf dem Kirchturm eine blau-weiße Flagge gehißt. Bald waren daher die Straßen verlassen.
Die „Times" meldet aus Flandern, daß gestern vormittag Zeppelinluft schiff« über Calais und Graveli- nen gesehen worden sind. Deutsche Flieger seien zu gleicher Zeit über Dünkirchen erschienen, mit Ausnahme eines einzigen Fliegers hätten keine Bomben herabgeworfen. Sie hätten lediglich dem Aufklärnngsdieust gedient, um die Rückkehr der Lufffchiffe abzuwarten und eventuell deren Erfolg melden zu können.
Betlin, 8. Jan. (Ktr. Bln.) Zu dem Erscheinen deutscher Flieger an der K ü st e und über Verdun meldet die „Stcnnpa" aus Paris: Deutsche Flieger zeigten sich über Strazeele, das sie bombardierten, und über Haze. brouk, wo sie von englischen Fliegern verfolgt wurden, jedoch glücklich entkamen. Ein anderer Flieger schleudert« Bomben über Armentieres, die am Bahnhof explodiertem Wenige Stunden später wurde Armentieres von Artilleriegeschossen heimgesucht. Mehrere Häuser find stark beschädigt worden. Bei Verdun wurden die Forts von BM- Bourru von deutschen Fliegern bombardiert.
Sr. Berlin» 8. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mm) Über die innerliche Tätigkeit der deutschen Flugzeuge wird der ,.B. Z." aus Genf noch berichtet: Wie französische Blätter berichten, werden die an der Nordfront gelegenen Städte for t- >o ährend durch Besuche deutscher Flieger heimgesuchi. Gestern morgen warf eine deutsche Taube drei Bomben aus Ha z c b r o u ck. Englische Flieger machten sich sofort zur Verfolgung auf, doch, konnte das deuffche Flugzeug entkommen. An demselben Morgen überflog ein zweites deutsches Flugzeug Armentieres, in umnittelbamr N^e des Bahnhofs krepierten drei aus dem deutschen Flugzeug ab- getoorfene Bomben. Die Flieger verschwanden daraus, unterzogen aber einige Stunden später den Ort abermals einem Bombardement. Etwa 16 Bomben fielen mit furchtbarem Getöse und richteten großen Schaden an den Häusern an. Endlich wird auch aus Abbe bi Ile das Erscheinen von zwei deutschen Fliegern gemeldet. Der erste überflog die Stadt gegen 8 Uhr morgens und schlug dann die Richtung des Eisenbahngeleises Paris-Calais ein. Der zweite Flieger wurde gegen 11 Uhr vormittags gesichtet.
Die Kriegssteuer der Stadt Lille.
Kopenhagen, 6. Jan. Der „Temps" meldet aus Lille, alle örtlichen Zeitungen seien verboten worden. Alle 14 Tage erscheine ein einziges Blatt unter der Prüfung der deutschen Militärbehörden. Die Stadt soll ferner 6 Millionen Franken Kriogssteuer zahlen. Der Bürgermeister bat bisher wiederholt mn emsn Aufschub der Zahlungsfrist. Das Gesuch ist aber vom deutschen Gouverneur.abgelehnt worden. Die privaten Bankdepots von Lille sind unberührt geblieben, die Lsbensnnttelpreise sind nicht übertrieben hoch.
Generalissimus Zoffre als Verleumder.
Berlin, 8. Jan. (Ktr. Bln.) Zu der Meldung des „Wolffschen Tclegraphenbureaus", daß aus einem bei einem gefangenen französischen Soldaten gefundenen Briefe nnd nach unverdächtigen Anssagen gefangener Offiziere hervorgehe, wie General Joffre dienstlich bekannt gegeben haben soll, er habe Beweise, daß die Deutschen alle Gefangene erschießen ließen, sagt die „Krcuzz-e itung": Diese Mitteilung wird
