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Telle 4« Morgen-Aus gabe. Erstes Matt.

fügt worden, daß dies nur dann der Fall sei, wenn das ganze deutsche Volk mit den vorhandenen Lebensmitteln äußerst sparsam umgehe, insbesondere den Verbrauch von Brot und anderen Backwaren aus das nötigste einschränke. Wie steht es nun aber mit der Erfüllung dieser Bedingung unseres Sieges? Der größte Teil der Bevölkerung lebt so, als ob wir uns des tiefsten Friedens erfreuten; das gilt auch von der Arbeiter­bevölkerung, zumal die Arbeiterlöhne vielfach eine ungewöhn­liche, ja zum Teil noch nicht dagewesene Höhe erreicht haben. Vielfach ist sogar eine Verschwendung festzustellen, die den Mangel jeglichen Verständnisses für den Ernst der Lage be­weist. So kann und darf es nicht weitergehen. Der Getreide­vorrat- der unserem Volk in diesem Jahre zur Verfügung steht, ist beträchtlich geringer als in normalen Friedenszeiten. In­folgedessen ist es unbedingt notwendig, daß sich die Bevölke­rung beträchtlich einschränkt. Und in welchem Geist soll die Einschränkung erfolgen? Vor einiger Zeit las .ich im Briefe eines in Rußland kämpfenden Offiziers:Ich bin glücklich, ich bin stolz, daß ich für mein Vaterland hungern und dürsten darf!" Das ist der richtige Geist!Es muß" so hat mit Recht Bürgermeister Dr. Jockusch in Lüdenscheid in einem be­achtenswerten Vortrag überdie Pflichten der Daheim- gebliebenen" gesagteine Sache des persönlichen Stolzes werden, daß man seinem Volk in der Lebensfüh­rung die Opfer bringt, die heute vor jedem gefordert werden." Und wie gering sind diese Opfer! Verschwindend gegenüber denen unserer Soldaten! Nicht hungern soll die Bevölkerung; nur sparsam sein soll sie, damit sie nicht später Not leidet. Fort mit dem Kuchen! Her mit dem Kriegsbrot! Auch ich esse kein Weißbrot mehr und glaube nicht, dadurch irgend welchen Schaden zu nehmen. Mit allem Ernst und Nachdruck möchte ich Dortmunds Bevölkerung aufrütteln und ihr ans Herz legen, dem Haterland durch weise Sparsamkeit einen Dienst zu leisten, der die Vorbedingung der von uns erhofften Früchte der unvergleichlichen Heldentaten unserer herrlichen Truppen zu Lande und zu Wasser ist. Auch für die Daheimgebliebenen heißt es: Durchhalten! Durchhalten mit den Nah­rungsmitteln !

Die Müllverwertung

beschäftigt unsere Stadtverwaltung zurzeit wieder einmal recht intensiv. Diese geht dabei von der Überzeugung aus, daß allerdings die idealste Art der Verwertung darin bestände, daß man die einzelnen Bestandteile auseinanderhielte, und diese nach dem ihnen tatsächlich innewohnenden Materialwert ver­äußerte. Einschlägige Versuche sind in anderen Städten bereits gemacht, doch haben sie durchweg ein negatives Resultat er­geben. Zunächst brachte man den Kehricht, wie er abgefahren wurde, in Siebe, rüttelte ihn dort gründlich durch und ließ durch Arbeiter die festen Bestandteile sortieren. Das war ja ztoeifelloS ein Schritt nach vorwärts, wäre es wenigstens ge- .wefen, wenn nicht die Kosten des Siebens und Sortierens grö­ßer gewesen wären wie der Erlös aus dem Verkauf der ge­wonnenen Materialien. Ein anderer Versuch, wenn wir nicht irren, der in Charlottenburg gemacht wurde, mißlang nicht minder. Auch er beruhte auf der Trennung der einzel­nen Bestandteile des Mülls, wenigstens so weit, wie Küchen­abfälle dabei in Frage kamen. Man sammelte diese Küchen­abfälle separat und verwandte sie zur Schweinemast. Natürkich war das nicht ein erstklassiges Futter, auch Seuchen gefähr­deten die Schweine in hohem Maße, und heute kann auch diese Art der Müllverwertung als abgetan gelten. Ein Unterneh­mer hier am Platze, wenn wir recht belehrt sind, hat gerade nach dieser Richtung der Stadt einmal Vorschläge gemacht. Es wird heute schwerlich auf dieselben zurückgekommen. Eine loeitere Möglichkeit wäre die Kompostierung der als Viehfutter verwendbaren Stoffe resp. der Verkauf derselben in diesem Zustande, etwa in der Form von Briketts. Ob irgendwo jemand Versuche nach dieser Richtung bereits gemacht hat, und welche Resultate sie ergeben haben, ist uns nicht bekannt. Die Wahrscheinlichkeit jedoch spricht dafür, daß auch hier keine Möglichkeit besteht, auch nur die durch die Kompostierung ent­stehenden Kosten zu decken. Weitere Möglichkeiten der Ver­wertung der Küchenabfallstoffe gibt es kaum, nur vielleicht noch eine. Das scheint sich auch die städtische Verwaltung zu sagen, welche in letzter Zeit nach einer anderen Richtung Er­hebungen macht. Sie sagt sich dabei, daß Ofenschlacken sicher­lich als Wegematerial allerwärts leicht Abnehmer finden wür­den, daß es sich nur darum handeln könne, die Küchenabfall­stoffe aus ihnen nicht etwa auszuscheiden, sondern bei der Bürgerschaft es durchzusetzen, daß sie im Haushalt selbst nicht vermischt werden. Bei diesem Plane wird man bestimmt auf große Schwierigkeiten stoßen. Unsere Hausfrauen sowie das weibliche Personal, welches in unseren Küchen die Herrschaft hat, ist theoretisch ja ganz zweifellos bereit, der Stadt bei der Lösung der Müllverwertnngsfrage zu helfen, in der Praxis aber wird sich die Sache recht schwierig gestalten. Immerhin ist hier und da eine Trennung der einzelnen Kehrichtbestand. teile zum Vorteil für die Beteiligten selbst bereits durchge­führt, nämlich bei unseren Hotels. Was an Nahrungsstoffen in der Küche abfällt, das wird in besonderen Behältnissen ge­sammelt, dem Milchmann überantwortet, und- dieser bezahlt dafür einen fest vereinbarten Betrag, der sich in größeren Hotels auf mehr als 100 M. für das Jahr belaufen soll. Auf dieser Tatsache basiert die Stadtverwaltung ihren neuesten Plan. Sie hat nämlich zwei Herren mit Erhebungen nach der verschiedensten Richtung beauftragt. Der eine derselben, Stadtrat Kraft, sollte auf dem Wochemnarkt zunächst Versuche machen, ldie als Vrehfutter verwertbaren Gemüseabfälle, kranke Kartoffeln usw., von dem eigentlichen Kehricht getrennt zu halten. Es ist ihm das auch gelungen, die Gemüseanfuhr aber ist, zurzeit wenigstens, auf dem Wochenmarkt eine derart ge­ringe, daß wenig bei der Sache heraussprang. Der zweite, Stadtrat KaWrenner, hat den Auftrag, zu verhandeln, ein­mal mit den Hausbesitzern darüber, ob sie bei dem Plan ihre Hilfe leihen wollen, zum a n d e r e n mit dem Landrat unseres Landkreises, Kammerherrn v. Heimburg, darüber, ob die Land­wirte der benachbarten Ortschaften wohl gewillt wären, Ab­nehmer für die Küchcnabfälle zu werden. Zurzeit sind die Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gebracht. Wenn man denselben auch im allgemeinen Ingresse nur den besten Er­folg wünschen kann, so braucht man sich der Überzeugung, daß man dabei kaum zu bewältigenden Schwierigkeiten begegnen wird, doch nicht zu verschließen. Es ist ja schade, wenn man Nährstoffe, deren Wert man gerade in der heutigen Kriegszeit besonders zu schätzen befähigt ist, unbenutzt lassen und oben­drein ganz erhebliche Kosten aufwenden muß, um sie aus dem Wege zu schaffen. Wir befürchten aber, daß der Stadt zum Schluß doch nichts anderes übrig bleiben wird, und daß die einzige noch zur Erörterung zu stellende Frage die sein wird, wie ist der HauÄehricht mit möglichst geringen Kosten zu ver­nichten?^ *"

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»Der Weltkrieg und das Alte Testament", lautete das Thema des Vortrags von Professor D. Dunkmann aus Greifswald, dem eine große Zuhörerschaft der Luthersaal war voll besetzt mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte. In überaus lebendiger plastischer Darstellung führte der Vor­tragende etwa folgende Hauptgedanken aus: Die Bibel als das weltgeschichtliche Buch der Menschheit tritt in dieser Kriegsze.it aufs neue hervor und zeigt im Licht der Kriegsfackel viele neue, bis dahin wenig beachtete Seiten. Sie beginnt zwar im Unterschied mit allen heidnischen Kosmogomen nicht mit dem Kampfe, sondern mit dem Frieden des einträchtigen allmäch­tigen Gotteswillens, der Leben und Frieden schasst, wie sie auch wieder mit dem Frieden schließt. Den Krieg läßt sie erst mit der Sünde der Menschen beginnen, die schon im Anfang den Brudermord erzeugt uud dann das ganze Alte Testament fast durchweg zu einer Kriegsgeschichte gestaltet. So sehr es sich dabei auch auf das Volk der Juden beschränkt, so bilden doch seine ersten 11 Kapitel einen großen Prolog zur Mensch­heitsgeschichte. Ja, der Gedanke der einen Menschheit mit ihrem einheitlichen Ziel, das ihre Entwicklung zur Weltge­schichte macht, ist ein rein biblischer, den sonst kein Volk her- vorgebracht hat. Aber die Kriege, die Gott sein Volk führen heißt, sind nicht Selbstzweck, zielen auch nicht aus raubgierige Eroberungen ab, sondern sind Kriege zur Befreiung und Sicherung der nationalen Existenz. Darum deckt sich auch im Alten Testament der Wille Gottes durchaus nicht immer mit dem natitmalen Willen des jüdischen Volkes, dessenReal­politiker"« daher stets wie bei allen anderen Völkern zur An­nahme anderer Götter geneigt sind, während die Propheten als religiöse Politiker das Volk immer wieder zur Umkehr zu seinem Gott aufrufen. Diese Auflehnung des nationalen Willens gegen den Willen des lebendigen Gottes bringt das Volk ins Unglück, am stärksten in der Zeit der Weltreiche und Weltkriege des Altertums. Anstatt aber aus dieser Führung Gottes zu lernen, eignet sich das national nicht mehr selbstän­dige Häuflein der aus dem Exil zurückgekehrten Juden die Weltmachtsmrsprüche anderer Völker selber an und erwartet von dem derheißenen Messias seine Weltherrschaft. Das führt den zweiten Zusammenbruch herbei, der die Zerstreuung der Juden in alle Länder zur Folge hat. So zeigt das Alte Testa­ment in seinen gewaltigen Bildern das tragische Geschick eines Volkes, das daran zugrunde geht, daß es seinen nationalen Willen dem Willen des allmächtigen Gottes nicht unterzuord­nen vermag und anstatt dessen Ewigkeitszielen lieber den eige­nen Weltmachtzielen nachjagt.

Der 13. Kriegsabend. Der nächste Kriegsabend, der 13., wird am 10. Januar zur gewohnten Zeit, abends 8 Uhr, i.n dem Saal derTurngesellschafi" in alter Weise an langen Tischen abgehalten. Die Leitung hat nach einem Beschluß des Ausschusses die Aufgabe, an jedem Kriegsabend einen Rückblick über die vergangene Kriegswoche, eine Beleuchtung besonderer Kriegsereignisse zu geben. DerSängerchor des Turnvereins" hat seine Mitwirkung unter Leitung des Herrn Organisten Schautz zugesagt. U. a. wird der Chor einige neue Kompositionen von Herrn Schantz Vorträgen, so eine Komposition des Gedichtes unseres einheimischen Dichters Pfarrer Philippi:Die Landwehr kommt!" Besonders wertvoll wird der Abend durch den Vortrag des Herrn Direktor Höfer. Er war mit einem Liebesgaberitransport etwa 14 Tage an der Desffront und wird von seinen Erlebnissen dieser Zeit erzählen. Da der Andrang zu diesen Abenden immer noch steigt, empfiehlt es sich, sich im Vorverkauf einen Platz zu sichern.

Ernste Feiern zu Kaisers Geburtstag. Bon

dem Borstand des Kriegerverbands des Regierungsbezirks Wiesbaden erhalten wir nachstehende Mitteilung: Der Vor­stand des Preußischen Landeskriegerverbands hat auf Grund einer Notiz des König!. Preuß. Staatsministeriums durch Erlaß vom 30. Dezember 1914 bestimmt, daß bei dem Ernst der Zeit zu ldem bevorstehenden Geburtstag Seiner Maje­stät des Kaisers und Königs größere Feste, die den Charakter von Vergnügungen haben, wie z. B. Festessen, Theatervor­stellungen oder Tanzbelustigungen, durchweg unterbleiben sollen; dagegen sind der Bedeutung des Tages entspvechend kirchlicheF eiern in Aussicht zu nehmen und darauf hin- znwirken, daß sie für alle Konfessionen in weitestem Umfang veranstaltet werden.

Aus der städtischen Statistik. In dem eben abgeschlosse­nen Jahre verzeichnet das Totenregister der Stadt 1700 Ge­storbene, das ist etwa 100 mehr als im Jahre vorher. Eine erhebliche Zunahme haben die Eheschließungen in dem ersten Monat nach Ausbruch des Krieges zu verzeichnen. Wäh­rend sich im Juli 1913 die Zahl der Eheschließungen in Wies­baden noch auf 74 belief, erreichte sie im Juli des Jahres 1914 nur noch die von 66, rm Monat August des vergangenen Jah­res indes nmrden 180 Eheschließungen beurkundet gegen nur 76 im August 1913. Im Monat Dezember des letzten Jahres sank di« Zahl der Trauungen wieder auf 38, während si« im Jahve 1913 ungeachtet des damals im Höhepunkt stehenden wirtschaftlichen Niedergang«? noch 86 betragen hatte. Es be­darf wohl nicht der besonderen Erwähnung, daß das im August 1914 ergiekte Mehr lediglich auf das Konto des Krieges zu bringen ist, daß es durchweg Kriegstrauungen sind.

Allgemeine Ortskrankenkaffe. Infolge Rücktritts des bisherigen kommissarischen Vorsitzenden der Allgemeinen Orts­krankenkasse, Herrn Assessors Dr. Frankenbach, in den Staats­dienst war der Vorstand der Kasse auf Mittwochabend zur Wahl der Vorsitzenden berufen. Bei der Kandidaten­frage für den 1. Vorsitzenden traten sofort die alten Gegen­sätze wieder auf und die Wahl verlief resultatlos. Als 2. Vor­sitzender wurde Herr Redakteur Lieser mit Stimmenmehr­heit wiedergcwählt. Eine wiederholte Wahl des 1. Vorsitzen­den wird in acht Tagen stattfinden. Wenn, was zu erwarten ist, wiederum keine Einigung zustande kommt, müßte das Ver­sicherungsamt nochmals einen kommissarischen Vovsitzenden er­nennen.

Lehrstcllcnvermittlung. Nachdem die Berufsberatungs- abende vorbei und an den Feiertagen der endgültige Entschluß gefaßt sein dürfte, was der Junge oder das zur Schulent­lassung kommende Mädchen werden soll, setzt nunmehr die eigentliche Bermittlungstätigkeit ein. Es wird erneut darauf hingew'Lsen, daß die Vermittlung unter fachkundiger Beihilfe ür die Meister und Prinzipale sowie für die Lehrlinge durch das Arbeitsamt völlig kostenlos geschieht. Es wer­den deshalb alle Beteiligten gebeten, möglichst baldigst ihre Aufträge und Anmeldungen bewirken zu wollen, damit den: Lehrherrn der geeignete Lehrling und umgekehrt dem Lehr­ling die geeignete Lehrstelle überwiesen werden kann. Es dürfte sich erübrigen, heute näher auf den hohen Wert der Er­lernung eines Berufes einzugehen; dies ist zur Genüge ge­schehen. Gerade die Jetztzeit lehrt, daß der gelernte Arbeiter l«t durchgängig gutb^ahlle Arbeit faket lyHrMd die Un-

Freitag, 8. Januar 1915.Nr. V£*

terbringung ungelernter Arbeiter immer noch Schwierigkeiten begegnet. Darum, ihr Eltern, im Interesse eurer Kinder l«cht sie einen Berufs erlernen, und Meister und Prinzipale meldet die offenen Lehrstellen an.

Feuerbestattung. Im Mainzer Krematorium haben im letzten Vierteljahr 1914 81 Einäscherungen stattge» sunden. Von diesen waren 1 6 aus Mainz, 20 aus Wies­baden, 8 aus Köln, je 4 aus Düsseldorf und Kreuznach, je 3 aus Bonn und Godesberg, 2 aus Saarbrücken, je .1 ans Alzey, Barmen, Berlin, Koblenz, Creseld, Dillingen, Essen, Erbenheim, Eichberg, Ehrenbreitstern, Flörsheim a. M., Gras- Heim, Gonsenheim, Höchst a. M., Neuwied, Oberingelheim, Stargard, Stratzburg i. Elf., Wiesdorf, Wörrstadt und Wons­heim. Unter den Eingeäscherten waren 44 männliche und 37 weibliche Personen. Der Religion nach waren 59 evange­lisch, 14 katholisch, 1 >altkatholisch, 1 fveichvistlich, 3 israelitisch und 3 Dissident. Die Gesamtzahl der Einäscherungen im Jahre 1914 betrug 3 3 8 gegen 419 des Vorjahres. Zurückzuführen ist dieser Rückgang auf die Krematorien iu Wiesbaden und Frankfurt a. M.

Die Auskunstsstellc für Feldpostsendungeu. Aus dem imWiesbadener Tagblatt" veröffentlichten AuffatzDie Schule im Dienst der Feldpost" könnte der falsche Schluß ge­zogen werden, daß die bei Beginn des Krieges «röffnele A u s- k u n f t s ft e l l e für Feldpostsendungeu, Hellmund­straße 43, nicht mehr bestände. Dies ist durchaus nicht der Fall, die Ausknnftsstelle erfreut sich, wie uns geschrieben wird, nach wie vor der ganz besonderen Inanspruchnahme der ärme­ren Bevölkerung und erteilt vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 7 Uhr unentgeltlich Rat und Hilfe. Der Andrang zu der Auskunftsstelle war beispielsweise vor den Feiertagen ein ganz gewaltiger, so daß die vorhandenen Kräfte kaum ausreichten, alle Wünsche zu befriedigen. Der Satz in dem oben angeführten Aufsatz:Die bisherigen Bemühungen, zum Adreffenschreiben besondere Schreibstuben zu errichten, sind meist aus Mangel an geeigneten Kräften gescheitert", ist daher durchaus nicht den Tatsachen entsprechend; die in der Hellmundstraße 43 anyeftellten Kräfte sind so vorzüglich ein­gearbeitet, daß Fehler, die nur selten Vorkommen, niemals durch deren Schuld entstanden sind.

Aus dem Barackrnlazarett am Bahnhof gehen unS von einem Krieger folgende Zeilen zu:Als wir am 22. v. SK., nachts, in dem schönen Wiesbaden eintrafen, bemächtigte sich unser eine etwas gedrückte Stimmung, die dadurch erzeugt wurde, daß das Schicksal unsere Unterbringung in Baracken" bestimmte. Schon der Gedanke an das Wort Baracke löst wohl bei jedem zweifelhafte Vorstellungen über irgend einen damit gemeinten Unterbringungsort ans, und so kam es auch, daß demzufolge uns pessimistische Anwandlungen überfielen. Doch es dauerte nur wenige Stunden, und unser Pessimismus war gebannt. Der nächste Morgen schon ließ uns erkennen, daß wir im Barackenlazarett (Baracke 2) einen sehr guten Hort gefunden hatten, und mancher Kamerad, dessen Gedanken vorher die Sehnsucht nach der Heimat lenk­ten, fühlte sich nun wie daheim. Die Behandlung irrid Ver­pflegung der Verwundeten sowie Kranken ist geradezu mustergültig und sämtliche Insassen des Baracken­lazaretts können nur Gutes aus demselben berichten. Deshalb soll auch der Zweck dieser Zeilen sein, nicht nur unsere Zu­friedenheit ans diesem Wege zu dokumentieren, sondern auch unseren wärmsten Dank allen denen abzustatten, die sich un­serer so fürsorglich annehmen. Besonderen Dank müssen wir jedoch der verehrten Leiterin unseres-Heims, der Frau Land» gerichtSrat Schwarz entgegenbringen, weiche um das Wohl der ihr unterstellten Pfleglinge wie eine Mutter um ihr« Kinder bedacht ist. Deshalb werden auch die in Wiesb ad en verlebten Tage uns eine angeirehme Erinnerung bis zum letz­ten Atemzuge bleiben."

Wiesbadener Lazarette. Aus der VerwundetenWe der Auskunftsstelle über im Felde stehende nassauische Soldaten in der Loge Plato: Reserve-Jnfanterie-Regiment 80: Reseovrst Becker (Schierstein) im Hospital zum Heiligen Geist; Unter­offizier A. Herr (Jffertzheim) und Reservist I. Stern (Meudt) im städt. Krankenhaus.Infanterie-Regiment 121: Musketier Kern (Steeden) in der Augenheilanstalt. Infanterie-Regi­ment 87: Gefreiter Ackermann (Wiesbaden) in der Aug e nhe il - anstalt. Landwehr-Jnsanterie-Regiment 80: Ersatzreservist Bried (Wissinghausen), Wehrmann A. Glöckler (Oberling), Er­satzreservist F. Milberg (Stuttgart) und Gefreiter K. Wies (Spielberg) im städt. Krankenhaus. Landsturm-J u f ente t a e» Regiment 60: Ersatzreservist G. Bern (Arzbach) im städt. Krankenhaus. Füsilier-Regiment 80: Füsilier P. Müller (Wambach) im städt. Krankenhaus; Füsilier Rosenkranz (Attenkirchen) in der Augenheilanstalt; Füsilier E. Schmitt (Fischbach) im städt. Krankenhaus. Pionier-Regiment 25: W. Schmidt (Wiesbaden) in den BahnhofSbarackerr Die Auskuuftsftelle ist heute (Freitag)nachmittag geschlossen.

Der Dank der österreichische« Mörserbatteriea fSr die Wiesbadener Liebesgaben. Die von der Sektion Wies­baden hes deuffch-österreichischen Alpenvereins gesam­melten Weihnachtsgaben für die österreichischen Mörser­batterien sind an ihre Adresse gelangt und von Offizieren und Mannschaften mit lebhaftem Dank empfangen worden. Der Oberst des K. u. K. österreichischen Festungsbataillons Nr. 8 hat den Vorstand der Sektton beauftragt, allen hochherzigen Spendern der so zahlreich und so sinnig zusamnmngestrWen Liebesgaben den Dank seiner Batterien zu übermitteln, und schreibt:Das im Frieden und nun besonders im Kriege so tatkräftig und allerorts betätigte treue Zusammenhatten der beiden Kaiserreiche berechtigt bei mutigem Dnrchhalten zu den schönsten Hoffnungen auf weitere herrliche Erfolge und eine glückliche Zukunft unserer Völker und ihrer schönen, opfer­freudigen Heimat." Der Vorstand der Sektion schließt sich diesen Worten aus vollem Herzen an und dankt seinen Mit­gliedern für ihre tatkräftige Hilfe.

Das Linoleum als Bazillentöter. Linoleum hat nach den Untersuchungen Bitters, über die derPrometheus" be­richtet, eine beachtenswerte, keimtötende Wirkung, die im Ge­brauch mehrere Jahre cmhält. Auf Linoleum aufgebrachte Staphylokokken, Thphusbazillen und andere als besonders widerstandsfähig bekannte Krankheitserreger wurden in einem Zeitraum von 24 Stunden vollständig abgetvtet, und tark begangene, mit Linoleum bedeckte Fußböden erwiesen sich um anderen Tage vor der erneuten Benutzung keimfrei» Feuchtes Abwischcn des Linoleumbelages erhöht diese beson­ders für Krankenhäuser, Schulen, SchlaWimmer usw. wichtige Eigenschaft des bekannten, schon wegen seiner Fugenlosigkeit hygienisch wertvollen Bodenbekleidungsstoffes. Ob die keim­tötende Wirkung des Linoleums auf das Linoxhn, die Verbin­dung des im Linoleum enthaltenen Leinöls mit dem Luft- jauerstoff oder aut die dem Leinölfirnis zur BÄLlurmglmg