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Verlag Langgaffe 21

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Vonnerslag, 7. Januar 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 10. . 63. Jahrgang.

Oer Krieg.

Der Tagesbericht vom 7. Januar.

Erbitterte Kämpfe bei Arras und in den Ar­gonnen. vergebliche neue Angriffe der Franzosen auf die Höhe westlich Sennheim. — Denkbar ungünstigste Witterung in polen.

W-T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Jan., vor. mittags. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Engländer und Franzosen setzten die Zerstörung der belgischen und französischen Ortschaften hinter unserer Front durch Beschießung fort.

Nördlich A r r a s finden z. Z. noch erbitterte Kämpfe um den Besitz der von uns gestern erstürmten Schützen­gräben statt.

Im Westteil des Argonnerwaldes drangen unsere Truppen weiter vor. Der am 5. Januar im Ost- tcil des Argonnerwaldes (Bois Courtel-Chauffee) erfolgte Angriff gelangte bis in unsere Gräben. Der Gegner wurde aber auf der ganzen Linie unter schwer st en Verlusten wieder aus unserer Stellung geworfen. Unsere Verluste sind verhältnismäßig gering.

Westlich Sennheim versuchten die Franzosen gestern abend sich wieder in den Besitz der Höhe 425 zu setzen. Ihre Angriffe brachen in unserem Feuer zusammen. Die Höhe blieb in unserer Hand.

(östlicher Kriegsschauplatz.

Im Osten keine Veränderung. Die Fortführung der Operationen litt unter de» denkbar ungünstigsten Witterung. Trotzdem schritten unsere Angriffe langsam v,r. Oberste Heeresleitung.

Die Lage im westen.

Nur Artillerieduelle an der pser.

Berlin, 7. Jan. (Ktr. Bin.) An der Äser haben sich, wie verschiedenen Blättern aus SluiS gemeldet wird, die Kämpfe während der letzten Tage auf Artillerieduelle be­schränkt.

Erneute Beschießung von Soiffons.

W.T-B. Sturn, 6. Jan. (Nichtamtlich.) „Nouvelliste" meldet aus Soiffons: Die Beschießung von Soiffons hat am 1. Januar wieder begonnen. Das Viertel längs der Aisne hat schwer gelitten, ebenso ein neues Viertel im Nordwesten der Stadt.

Die erbitterten Kämpfe um Steinbach.

Nr. Bafel, 7. Jan. (Eig. Drahtbtticht. Ktr. Bln.) Stach Badenweiler gebrachle Verwundete^ erzählen von den schweren Kämvfen um das. Bogesendorf L-tckubach. Wenn ein französischer Angriff blutig abgeschlagen sei, folge ein zweiter in geringerer Stärke, aber den fortwährend anrückenden Deutschen vermöchten die Franzosen auf die Dauer nicht standzuhalten.

Französische Blätter über die Kriegslage im westen.

Die Fortschritte der Deutschen in den Argonnen und bei Verdun eiugcstanden!

Nr. Gens, 7. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die französischen Blätter, die sich in den letzten Wochen mit ü b e r- aus kurzen Kommentaren zu den Generalstabsberichten begnügten, unterziehen die Kriegslage im Westen jetzt einer eingehenderen Betrachtung. Sie bemerken, daß die in den Argonnen erreichten Erfolge nicht den Erwartnn gen entsprächen. Die Deutschen machten große An strengungen, um sich dor einer Wiederholung der Offen sive gegen St. Mihiel und Chavencourt zu sichern. Man wisse außerdem, daß die Deutschen in den letzten Tagen fast auf der ganzen Front bei dem Gehölze von La Gurrte ange­griffen hätten, um ein Vordringen der Franzosen gegen Varermes zu verhindern. Es sei den Deuffchen teilweise ge­lungen, Fortschritte zu machen. Die"Deuffchen wollen sich vor allem eine Verbindungslinie im Innern der Argonnen sichern. Es nützt n i ch t s, zu leugnen, daß es sich die Deutschen in den Argonnen und allgemein in der Gegend von Verdun zur Ausgabe machen, mit aller Energie jeder kriegerischen Unternehmung des Gegners entgegenzutreten.

Ein neuer Völkerrechtsbruch der Franzosen.

Verurteilung einer gefangenen deuffchen Offizierspatrouillc W. T.-B- Berlin, 7. Jan. Unter der Überschrift „Ein neuer Völkerrechisbvnch der Franzosen" teilt der „L.-A." mit, daß eine deutsche Ofsizters-Kavalleviepatrouille im September mit einem Auftrag gegen Fontainebleau, 80 Kilometer vor die Front, vorgetrieben wurde, Als sie nach Vollziehung ihres Auftrages zurückkehren wollte, sah sie sich hinter der fran­zösischen Armee. In ständigen Zusammenstößen mit dem Feinde verlor sie die gesamten Pferde Drei Wochen lang marschierte sie zu Fuß, um unsere Truppen zu erreichen, und sah sich schließlich gezwungen, sich zu ergeben. Nunmehr wurde sie vor ein Kriegsgericht gestellt wegen Zerstörung feindlicher Hindernisse und Plünderung, deren man fit ohne weiteres anklagte. Sw wurden zu fünf

Jahren Gefängnis verurteilt. Das Blatt hat das sichere Vertrauen, daß die deutsche Regierung in diesem Falle mit genau derselben Energie eingreifen werde, die sie anläßlich der Verurteilung deutscher Sanitäts­offiziere und Mannschaften an den Tag gelegt hat.

Schwere Anklagen über die Behandlung ge­fangener deutscher Dffiziere in Frankreich.

Br. Berlin, 7. Jan. ' (Eig. Drcchtbericht. Ktr. Bln.) Ein deutscher Sanitätsoffizier, der anfangs September in französische Kriegsgefangenschaft geraten war und wieder zurückgekehrt ist, erhebt in der „Kreuz­zeitung" schwere Anklagen wegen der Behandlung ge­fangener deutscher Offiziere in Frankreich. Das Ge­fangenenlager für Offiziere, so schreibt er, bestand aus schmutzigen, mit Ungeziefer bedeckten, offen­bar seit langem nicht benutzten Räumen, ohne Gelegen­heit zum Sitzen, nur mit einem Strohlager. In solchem Raume waren 8 bis 10 Offiziere nntergebracht. Es war streng verboten, sich zu unterhalten oder am Fenster zu zeigen, da sonst geschossen würde. Ern schwererschöpfter deutscher Offizier hatte täg­lich ein Ei als Zulage zur gewöhnlichen Kost erhal­ten. Nach der Beschießung von Reims wurde ihm dies entzogen, da die „Barbaren" die Kathedrale beschossen hätten. Ist solche Behandlung ernes Kran­ken durch einen Arzt schon unverständlich und unwür­dig, so ist folgender Fall geradezu empörend: Zur Zeit der üblichen Mittagsvisite kommt der behandelnde Arzt auf das Bett eines Offiziers zu und gibt ihm eine Ohrfeige mit den Worten: „Das rst für die Be­schießung der Kathedrale in Reims." Der tiefste Abscheu muß jeden anständigen Menschen über erne solche brutale Behandlung eines wehrlosen Kran­ken erfüllen. Ein Leutnant wurde schwerver­letzt gefangen genommen und mit einem Notverband abtransportiert. Zwei Tage darauf, als die Wunde völlig vereitert war, stellte man auf einem Bahn­hofe die Notwendigkeit einer sofortigen Amputa­tion fest. Ms einige Tage darauf deutsche Arzte den Offizier im Gefangenenlager wieder sahen, war die Amputation noch nicht ausgefühtt und nicht emmal ent Verbandswechsel vorgenommen worden. Zwei Tage später wurde der Arme in ein Lazarett überge­führt, wo er bald darauf gestorben ist. Der Sam- tätsoffizier erklärt sich bereit, für die Richtigkeit seiner Angaben unter Nennung von Namen jeder Zeit etn-

zustehen. . .. „

Dre Mtlitarzone von Parts.

W. T.-B- Paris, 6. Jan. (Nichtamtlich.) Laut Blätier- meldungen hat Kmegsminiister Millerand bestimmt, daß der Bezirk des Pariser MWärgouvernements. der aus den Departements Seine und Seine et Oise besteht, die bisher der Armeezone zugeteilt waren, der inneren Zone zugeteilt wird, wist Ausnahme des Arrondissements Pontoise, das weiterhin in der Militärzone verbleibt. Keine Behinderung von Hilfsmitteltransporten in Belgien.

MV. T.-B. Washington, 6. Jan. (Nichtamtlich.) Der amerikanische Boffchafter im Berlin erhielt die Zusicherung, daß Deutschland nie Schiffe behindern würde, auch nicht englische oder französische, die Hilfsmittel von Amerika für den belgischen Unterstützungsfonds nach Holland

bringen. , .

Ein belgisches „Untersnchungsergebnrs"!

Kopenhagen, 5. Jan. (Ktr. Bln.) „Politiken" erfahrt aus Paris: Ein Telegramm aus Havre meldet, daß die

vor einiger Zeit ernannte belgische Kommission zur Unter­suchung der „Grausamkeiten", welche die Deutschen wahrend ihrer Invasion in Belgien verübt haben sollen, bezüglich der Provinz Namur bereits zu einem Ergebnis gekommen sei. Hiernach sollen von 800 000 zivilen Einwohnern 3000 von den Deutschen getötet worden sein. Allein in Dinant seien 700 Zivileinwohner den Deuffchen zum Opfer gefallen, darunter 71 Frauen und 31 Kinder unter fünfzehn Jahren. (Dieses „Untersuchungsergebnis" stellt natürlich eine böswillige Ver­leumdung der Deutschen dar. Schriftl.)

Englische Vorbereitungen auf eine deutsche Invasion.

Berlin, 7. Jan. (Ktr. Bln.) Wie der „Voss. Ztg." bc richtet wird, geben die Londoner Blätter der Bevölkerung neuerdings umfassende Maßregeln für den Fall einer In­vasion, besonders der von Hüll.

Eine weitere Änderung im englischen Kabinett.

Berlin, 7. Jan. (Kir. Bln.) Die Londoner radikale Presse glaubt, so wird dem „B. L.-A." und der „Deutschen Tagesztg." über Kopenhagen gedrahtet, daß eine weitere Veränderung in dem K a b i n e t t bevorsteht. Man erwartet, daß der Staatssekretär für I r l a n d zurücktreten und Herbert Samuel, der an der Ausarbeitung des H o m e - R u l e - Gesekes lebhaften Anteil genommen hat, sein Nachfolger werde.

Das englische Teeausfuhrverbot.

W. T.-B. London, 7. Jan. Das Haudelsamt teilt mit, daß das Ausfuhrverbot auf Tee teilweffe ausgehoben wer- ,den soll. Der Export nach dem Feindesland bleibt jedoch

n-rch wie vor verböte».

Oie Kriegslage.

Im O st en stehen unsere Truppen 3 M ei l e n vor Warschau. Die Städte Pow, Lowicz, Brzeziny (südlich Lowicz), Skiernevice, Tomaszew sinid in un­srem Besitz. Warschau fühlt sich durch unsere Flieger sehr beunruhigt. Die Bzura und Rawka rnd au vielen Stellen überschritten. Weiter südlich ist die Pili ca ebenfalls überschritten, und unsere Trup­pen wie die unserer Verbündeten marschieren auf Kielce zu. In Galizien ist die Situation unver­ändert, seitdem der russische Angriff ans die Höhen von Gorlice blutig abgewiesen worden ist.

Im Westen auf der ganzen Linie von der Küste vis zum Ober-Elsaß andauernde Kämpfe ohne erheb- iches Resultat. Ü b e r a l l jedoch Abweisung der ranzösisch-engüschen Durchbruchsversuche unter schweren Verlusten für unsere Gegner.

Im Kaukasus Vormarsch der Türken auf Kars, nachdem die Russen bei S a r y d a m y s ch, nördlich E r z e r u m, entscheidend geschlagen worden sind. Kars ist der für militärische Operationen w i ch t i g st c Punkt des südlichen Kaukasus. Wer Kars hat, hat den Weg nach Tiflis und den Sieg im Kaukasus.

In der e n g I i schon Pro s s e vollzieht sich von dec früheren Überhebung langsam ein Um­schwung gegenüber dem Ernst der Lage, in die ich England durch seine wahnsinnige Eifersuchtspoliffk gegen Deutschland und den dadurch entfachten Welt­krieg gebracht hat. Die Neusahrsbetvachtungen der englischen Blätter erweisen dies. Indessen ist man noch weit davon cntferllt, sich darüber Lkar zu stin, daß England am Rande des Abgrundes steht und daß sein Sturz in denselben nur eiste Frage der Zeit ist. Die lächerlichen Radomontaden über die 6 neuen Armeen (18 Armeekorps) Kitcheners im Frühjahr und die 300 000 Mann, die Josfre inzwischen in Paris aufbringt, verwirren den Engländern neuer­dings imnier wieder den Sinn. Sie sind und werden sich nicht darüber klar, daß diese Zahlen nur Tropfen sind gegen das M e e r neuer Truppen, die Deutschland im Frühjahr wieder stellt. Was wollen die 18 englischen Armeekorps, die doch erst ge­bildet werden sollen, gegen die rund 10 0 Armeekorps besagen, die Deutschland ausgestellt hat, und was die 300 000 Franzosen im Frühjahr gegen die 214 Millionen neuer ausgebilde­ter Truppen, die Deutschland gleichfalls im Früh­jahr wieder zur Verfügung haben wird. Interessant sind die Urteile der Neutralen über den Weltkrieg, nachdem -der Tunst und Schwindel und das Lügen­gewebe der feindlichen Presse, die bei Beginn des Krieges vorherrschten, gewichen sind. Diese Urteile lauten durchweg dcchin, daß der Krieg sich zwar brn- ziehen kann, daß Deutschland aber siegen muß. Und dies auf Grund von Tatsachen und kühlen Berech­nungen, die angestellt werden. So der Italiener Scar- faglio im Mattino", der der Ansicht ist, daß selbst eine Stellungnahme Italiens zugunsten der En­tente unseren endgültigen Sieg nicht aushalten könne. Und ähnlich ein von uns erwähnter Schweizer Korrespondent in einem amerikanischen Blatt, der kreuz und auer durch Deutschland gefahren ist, und auf Grttnd persönlicher Inaugenscheinnahme berichtet. Sie hat ihm die Überzeugung beigebracht, -daß Deutschland nicht unterliegen kann.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Die Gefechte im karpathifchrn Waldgebirge. — Geschützkampf an der Weichsel.

W. T.-B Wien, 6. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Die nun schon mehrere Monate mit wachsendem Erfolg geführten Gefechte im karpathischen Waldgebirge dauern an; sie charakterisieren sich als Unternehmungen kleineren Stils in oft weit getrennten einsamen Tälern. IN den letzten Tagen durch Eintreffen von Ergänzungen ver­stärkt, versucht der Feind an einzelnen Flußoberläusen Raum zu gewinnen. Westlich des Uzsoker Passes und in den Ost- Beskiden herrscht Ruhe. 2(n der Front nördlich und südlich der Weichsel gestern Geschützkampf.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabcs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.

Line Leonidastat ungarischer Soldaten.

Berlin, 7. Jan. (Ktr. Bln.) Eine Leonidastat vollbrachte, wie dem „B. T." von fernem Korrespondenten be­richtet wird, gelegentlich der erneuten Offensive der Russen in Galizien der ungarische F eldw eb el W id ery dom! 66. Infanterie-Regiment. Er behauptete mit 5 4 Mann einen wichtigen Bahntunnel gegen alle Anstürme der russi­schen Armee, bis der, Abzug der österreichisch-ungarischen Truppen ungehindert durchgesührt war. Durch Verrat siel dann dem tapferen Häuslein ein russisches Detachement von 1000 Mann in den Rücken. Die kleine Schar ver-