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Donnerstag, 7. Januar 1915.
Ludwig III., König v. Bayern.
1845 — 7. Januar — 1915.
Von Paul Pasig.
Mitten in die Lage schweren Ringens und Kämp jen§ des Vaterlandes um seine nationale Existenz, die «hm nsid- und haßerfüllte Gegner in rnaßloser Überholung und unerhörter Selbstsucht streitig zu machen suchen, Mt der siebzigste Geburtstag eines deutschen Fürsten, der, an die Spitze des zweitgrößten Bundesstaates gestellt, selbstlose Hingabe an, die Interessen des großen deutschen Vaterlandes mit treuester Fürsorge für das mit dessen Wohl auf das innigste verknüpfte Gedeihen des engern Heimatlandes stets aut das glücklichste zu vereinen gewußt hat: Es ist
König Ludwig Hl. von Bayern. Der Ernst der Zeit verbietet rauschende Feste und glänzende Fest lichkeiten. Aber mit dem allezeit getreuen Bayern Volke weilen an diesem wichtigen Gedenktage alle Deut schen mit herzlichster, teilnehmender Freude und innigsten Segenswünschen im Geiste am Throne des erlauchten Wittelsbacher Fürsten, der, wenn auch erst in höheren Jahren zur Regierung berufen, es doch in vorbildlicher Weise verstanden hat, sich die Herzen seiner Untertanen inr Sturme zu erobern und stch dre ungeteilte, aufrichtige Zuneigung und Liebe aller Deutschen zu erobern.
König Ludwig HI., mit seinem vollen Namen Lud wig Leopold Joseph Maria Alois Alfred, geboren am 7. Januar 1845 in München als ältester Sohn des damaligen Prinzen, späteren (seit 1886) P r i nz- regentenLuitpold von Bayern, war nach menschlicher Voraussicht ursprünglich ebenso wenig zur Re- gierung berufen wie sein erlauchter Vater, und erst die Königskatastrophe im Starnberger See, wo der^ einst mit so stolzen Hofsmmgen begrüßte, gerstesum- nachtete Ludwig II. ein selbftgewähltes Ende fand, hatte die bekannte Änderung zur Folge. Denn da Ludwig II. unvermählt und kinderlos verstorben war — seine Verlobung mit der geistvollen Herzogin Sophie von Bayern im Jahre 1867 wurde später gelöst —. so wäre nun sein jüngerer Bruder Otto der Thronerbe gewesen. Allein da dieser als geistesgestört nicht in Betracht kam, so übernahm nun als nächster thronberechtigter Prinz der Oheim beider, Luitpold, die ' Regierung, die er bis zu seinem am 12. Dezember 1912 im Alter von 91 Jahren erfolgten Tode in segensreichster Weise führte. Seit dieser Zeit steht Ludwig III-, der also damals bereits 67 Jahre zählte, an der Spitze der Regierung, und zwar führte er zunächst den Titel „Prinzregent." , ,
Wenn er auch, wie das in fürstlichen Hausern Brauch ist, eine militärische Erziehung erhielt, so trat doch bei ihm wie bei seinem Vater, dem Prrnzvegenten Luitpold, die Vorliebe für das rauhe Kriegshandwerk nicht in dem Grade hervor, wie es im Hohenzollern- Hause traditionell ist. Doch trat Prinz Ludwig ins Heer ein und nahm bereits als jünger 21jährrg-er Offizier an dem deutschen Kriege im Jahre 18 66 teil, in dem sein Vater eine Division gegen Preußen befehligte. In dem Gefecht bei Helenstadt am 25. Juli 1866 schwer verwundet, gab Prinz Ludwig später den aktiven Dienst ganz auf, avancierte jedoch, als nach dem französischen Kriege die einzelnen Bundesstaaten im machtvollen Deutschen Reiche inniger miteinander verknüpft waren, nn deutschen Heere bis zum hohen Range eines Generalobersten und G e n e r a l f e l d m a r s ch a l l s. Eine ausgesprochene Vorliebe zeigte /Ludwig III. schon frühzeitig für die Landwirtschaft, wozu ihn seine Eigenschaft als Besitzer einer Anzahl vorzüglich bewirtschafteter Guter angespornt haben mag. Eng damit hängt seine Wirk- samkeit für das bayerische Kanalsystem zusammen. Denn die Landwirtschast bedarf vor alleni zum Vertriebe ihrer Erzeugnisse günstiger und zahlreicher Ver kehrsweg-e, unter denen die Kanäle schon wegen der geringeren Beförderungskosten obenan stehen. Überhaupt nahm Ludwig III., namentlich solange er noch als unverantwortlicher Prinz sich freier bewegen konnte, gern-zu den öffentlichen Angelegenheiten Stellung und zeigte dabei ungewöhnliche Begabung, indem er rn i fliehender Rede seinen Gegenstand überraschend b-e- he-rM und geschickt verfocht, wobei er übrigens, wie man zu sagen pflegt, aus seinem Herzen durchaus keine Mördergrube machte. Manche charakteristische Anekdote geht darüber im Volke um. Über seine treu deutsche Gesinnung ließ er bei all seiner Be- tonung des bayerischen Standpunktes jedoch Nieinais einen Zweifel aufkommen. Übrigens wurde er wegen seiner" Verdienste um die Landwirtschaft zum Or «<-eov. publ. der Universität München ernannt, und auch die dortige Technische Hochschule ehrte ihn durch Promotion zum Dr.-Jng. Jil der Regel stnd Kronprinzen oder überhaupt Prinzen, ehe sie zur Regie mmg geLangeit, tote der herkömmliche Ausdruck lautet,
Morgen - Ausgabe.
„ein unbeschriebenes Blatt", d. h. inan weiß wegen der ihnen mehr oder weniger durch Gesetz und Herkommen auferlegten Zurückhaltung noch nicht, wessen man sich von ihnen als Regenten zu versehen hat. Anders bei Ludwig III. Als dieser nach dem Hinscheiden seines verdienstvollen greisen Vaters am 12. Dezember 1912 die Zügel der Regierung ergriff, wußte alle Welt und vor allem jeder Bayer und jeder Deutsche, daß mit dem nunmehrigen „Prinzregenten" Ludwig III. em Herrscher den ehrwürdigen Thron der, Wittelsbacher bestieg, der willens und befähigt war, die rnhmvollen Traditionen dieses erlauchten Fürstenhauses nicht nur zu pflegen, sondern auch kraftvoll und zielbewußt weiter zu entwickeln und zu fördern. Und dazu gehört bekanntlich vor allem auch die Pflege der Kunst, die ja von jeher im Bayernlande eine vielbeneidete Heim statte gefunden hat.
Bekanntlich ging das Bestreben aller nationalen Kreise Bayerns dahin, gleich nach der Thronbesteigung Ludwigs III. dem unhaltbaren Zustande, daß ein für unheilbar geisteskrank erklärter Herrscher, wenn auch nur nominell, die Regierung des Landes ausübte, ein Ende zu machen und die Königswürde ans den, der sie tatsächlich besaß, zu übertragen. Wer Per fassungsbedenken, die namentich von fetten der machn gen ultramontanen Partei dagegen geltend gemacht wurden, ließen es vorerst nicht dazu kommen, und Lud wig III. zeigte sich auch hier als durchaus konstitutro ncller Herrscher und ließ es zunächst berm alten bewenden. Erst als es zu einer entsprechenden Verfassungsänderung gekommen und diese van allen dazu berufenen Instanzen gebilligt worden war, , erklärte sich Ludwig III. zur Annahme des Königstitels ^bereit (5. November 1913). Seitdem ist dem längst als un- haltbar erkannten Zustande der Prinzre-g-entenschast in Bayern ein Ende gemacht, und der tatsächliche Herrscher führt auch den ihm zukommenden Titel. , ,
Jeder Deutsche weiß, wie Ludwig III. seit seiner Thronbesteigung keine Gelegenheit vorübergchen ließ, uicht nur seine persönliche treue Hingabe an Kaiser und Reich zu betoneii und zu bestati- gen, sondern auch bei aller Wahrung der berechtigten Sonderstellung seines Landes bestrebt war, seine Re- gierung in echt nationalem Geiste zu führen. Das geht u. a. nicht nur aus den Veröffentlichungen der auf seine Veranlassung ins Leben gerufenen „Bayerischen Staatszeitung" hervor, sondern auch au s den verschiedensten Veranstaltungen, die er teils selbst getroffen hat oder an denen er teilnahm. In aller Gedächtnis ist noch das lebhafte Interesse, das Ludwig III. der hundertjährigen Jubelfeier der Befreiungskriege im Jahre 1913 ent- gegenbrachte. Er selbst lud zu einer prunkvollen Feier in' der von seinem Großvater Ludwig I. errichteten Be- freiungshalle in Kelheim (25. August) die deutschen Fürsten, an ihrer Spitze den Kaiser, zu sich und betonte in gehaltvoller Ansprache seine aufrichtige, echt deutsch- nationale Gesinnung und als Deutschlands Fürsten un Verein mit Vertretern auswärtiger Regierungen sich am 13. Oktober -desselben Jahres auf Leipzigs blntgedüngten Fluren einfan-den, um das großartige Völkerschlachtdenkmal zu weihen, da fehlte auch Ludwig HI nicht. Und seitdem Deutschlands wackere Söyne in dem heißen Ringen u-m des Vaterlandes Ehre und Sein wider dessen erbitterte, haß- und neiderfüllte Gegner Sieg um Sieg an ihre ruhmreichen Fahnen heften, hat Ludwig III. zu wiederholten Malen, nicht nur -sein tiefes Verständnis für die hohe nationale Aufgabe bekundet, sondern auch keine Gelegenheit vor- übergehen lassen, seinen wackeren Bayern, - die unter seinem Sohne, dem Kronprinzen Rupp- r e ch t so hervorragenden Anteil an dem jüngsten Ruhmestaten der deutschen Armeen haben, seine Anerkennung auszusprechen und sie zu neuen Heldcn- taten anzufeuern. Darum wurde ihm vom, Kaiser bereits die höchste Kriegsauszeichnung, das Eiserne reuz erster und zweiter Klasse, zuteil.
So steht König Ludwig III., der seit dem 20. Fe- bruar 1868 mit seiner hohen Gem-ahlm, geb. Erz- Herzogin Maria Theresia von Modena (geb 2. Juli 1849), ein überaus glückliches Familienleben führt, als vorbildlicher, treudeutscher Bundessürst -da eine der festesten Säulen des deutschen Reichsbaues, ein Fürst, in. -dem gewissermaßen Bayern- tum und Deutschtum sich zu einer höheren Einheit in herrlichster Weise verschmolzen haben. Ihm gellen aller Deutschen aufrichtigste Glück- und Segenswünsche! »
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Der Glückwunsch des „Reichsanzeigers".
W. T.-B. Berlin, 6. Jan. Der „Reichsan'zeiger" schreibt: König Ludwig von Bayern vollendet am 7. Januar sein 70. Lebensjahr. Überall in Deutschland werden dieser Königsgeburtstagsfeier die Empfindungen herzlicher Verehrung und Dankbarkeit entgegengebracht. Sie gelten einem Herrscher, der in dieser ernsten Schicksalszeit für unser Volk seine
Nr. 9. * 63. Jahrgang.
kerndeutsche Gesinnung herrlich bewährt hat. Als England ohne Bündnispslicht, in dem Wahn eines raschen Ver- ni-chtungskampfes gegen das Deutsche Reich, uns den Krieg erklärte, sprach König Ludwig die denkwürdigen Worte: „Ern Feind mehr, ein Grund mehr, uns zusammen- z u s ch l i e ß e n !" Endgültig waren gewisse Hoffnungen der Gegner zerstört, die geglaubt hatten, in dem großen Ringen um die deutsche Zukunft werde sich eine Spaltung zwischen Norden und Süden herbeiführen lassen. Für die eherne Geschlossenheit, in der Deutschlands Fürsten mit ihren Völkern den Feinden gegenüberstehen, if± bicfe Haltung König Ludwigs vorbi ldlich gewesen. Sein Herz gehört dem Sieg der deutschen Sache. Wiederholt hat er die bayerischen Truppen, an deren Spitze sein Sohn. Kronprinz Rupprecht, der Sieger in der großen Schlacht bei Metz, steht, im Felde besucht und sich überzeugen können, daß Bayerns tapfere Söhne der Schrecken der Feinde und der Stolz des deuffchen Heeres sind. Alle seine Kundgebungen atmen die unerschütterliche Zuversicht auf einen für Deutschland ehrenvollen Ausgang des gewaltigen Krieges. So ist der würdige König im Silberhaar hochgesinnt dem Kaiser in schwerer Zeit an die Seite getreten. Dafür danken, ihm an seinem Ehrentage -alle Deutschen mit herzlichen Wünschen für eine I-anggesegnete Führung seines Königtums.
Oer Krieg.
Die Kriegslage auf der österreichischungarischen Sront,
W. T.-B. Berlin, 6. Jan. (Nichtamtlich.) Über die Lage ans dem österreichisch-ungarischen Kriegsschauplatz erfahren wir: Ter Südflügel in Polen wirb gebildet durch die Linie Nida-Dunajec. Aus beiden Seiten wird in stark befestigten Stellungen ge- kämpft. Die Kämpfe haben einen mehr stetigen Charakter angenommen. Sämtliche Angriffe der Russen sind an den stark ausgebaut-en Erddeckungen der Gegner im Feuer zusammcngebrochen, wobei die Russen erhebliche Verluste erlitten. Aber auch -die russischen Linien sind sehr stark befestigt. Die Stellungen liegen in mehreren Reihen hintereinander, so daß Frontalangriffe, die von österreichischer Seite ausgehen, sehr schwierig sind.
Die Linie Nida-Dunajec zieht sich längs des Biallaflusses über Gorlice riach' Sübosten bis aus die Höhe der Karpathen fort. Die Haupt- anstrengiungen der Russen waren gegen die nach Gorlice führenden Wege gerichtet, wo ein erfolgloser Durchbruch versucht wurde, der den Russen schwere Verluste einbrachte. Die nächsten Anstrengungen der Russen waren gegen den Dukla- Paß gerichtet, der in seiner Breite den einzigen Über- gangsweg durch starke Kolonnen und Artillerie bildet. Es gelang aber die Russen sowohl vom Dukla-Paß wie vom Lu k o w e r - P -aß bis auf -die Noridabhänge der Karpathen abzudrängen..
Einzelne versprengte Wteilungen gelangten in dre Komitate Ung und Gerek. Hier wie im Komitat Mar- moros verhindern das unübersichtliche Gelände und, die ungünstigen WitterungsverHÄtnisse eine energische Verfolgung des Feindes. Man darf wohl annehmen, daß solange es den Russen nicht gelingt, den, Dnkla- Paß zu gewinnen, ein wiederholter Einsall in Ungarn ausgeschlossen erscheint.
In Serbien stehen neue Operationen bevor, aus die nian von seiten Österreich-Ungarns mit voller Zuversicht sieht.
Die Kamvflaqe an der Mda.
Aus dem österreichischen Kriegspresseguartier, 5. Januar 1915, wird dem „B. T." gemeldet: Während auf dem rechten Weichselufrr der neue starke Vorstoß der Russen m der Rich-- tnn-g Neu-Sandec bei Gorlize gescheitert ist, ist andererseits links der Weichsel auch die österreichisch-ungarische Offensive in Ruffisck-Polen zum Stehen gekommen. Jedoch war hier weniger die Waffengewalt als die Macht der örtlichen Umstände ausschlaggebend. Der österreichische Vor- marsch setzte aus dem Raume von Krakau ein und drängte den zurückweickienden Russen bis in das Talgebiet der Rida nach, wo die österreichisch-ungarischen Truppen sich anschickten, den Übergang zu forcieren. Die Rüsten hatten sich mittlerweile auch am linken, östlichen Nidaufer. besten stellenweise nicht unbeträchtlichen Uferwände und Höheneinschnitte ihnen einen starken natürlichen Schutz boten und das Eingraben in seldmäßige Deckungen sowie die Aufitellung ihrer Batterien begünstigten, festgesetzt. Dazu kam, daß der Frost in ein verspätetes Regenwetter Umschlag, das die an sich schon sumpfigen Ufer und darüber hinaus das ganze Land mit allen Zufahrtstratzen in einen einzigen meerhast ausgedehnten Morast verwandelte. Dadurch wurden Fußmärsche, Nachschub und schnelle Beförderung der schweren Artillerie fast bis zur Unmöglichkeit und so die Forcierung des FlnßübergangeS ausgeschlossen. Die österreichisch - ungarischen Truppen mußten sich also darein finden, sich längs der von Süden nach Norden verlaufenden Nidalinie und weiter im Bogen nach Nordwesten aus den P-ilicafluß zu einzugraben, zumal gleichzeitig auch das Vorrücken der sich zunächst auschlwhew
