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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts.

Nr. 4.

Mittwoch, 6. Ianuar.

1915.

Copyright 1914 by Carl Dunker, Berlin,

ver Wagehals.

Nachdruck verboten.

Roman von Fritz Lkowroiinek.

(18. Fortsetzung.)

Walter hatte den mit halber Kraft laufenden Motor wieder angedreht, der Propeller begann schärfer zu surren. Wie ein Auto mit Flügeln kam die Maschine Über den Flugplatz angebraust. Jetzt hielt sie. Walter sprang hinab und stürmte auf den Gutsherrn zu. .^Lieber Onkel . . ."

Na ja, schon gut. . . . Wir wissen schon alles. Wir haben die Knutschkomödie deutlich genug gesehen . .

Jetzt kmn auch Erna heran und warf sich ihrem Vater an die Brust. . . .Wir können ja beide nichts dafür . . . das kam so ganz von selbst."

Ohne unser Gebet", fiigte der Forstmeister lachend hinzu.

Degenfeld hatte den einen Arm um sein Kind ge­legt. . . . den anderen streckte er Walter entgegen.Du Lorbatz ... na einer mutzte es ja schlietzlich sein. . . . Aber datz du mir das Gissel wegholen wollst . . ."

Ein schönes Gissel von achtzehn Jahren", rief Erna unter Tränen lachend, liefe ihren Vater los und warf sich ihrer Mutter an die Brust. . .Mutter, ich habe ihn ja so furchtbar lieb . . ."

Das brauchst du mir nicht mehr zu sagen, das habe ich schon gemerkt. Ich wutzte schon, waS von dem Fliegen rauskommen wird."

Ein Wagen kam in schnellem Trab angefahren. Die Starrijchker waren gekommen . . . gerade in dem Aitgenblick, als Erna die Mutter loslietz und sich Walter an die Brust warf. . . .Na, das hat aber schnell ge­gangen", rief der Starrijchker, der die Szene vom Vordersitz beobachtet hatte und sich bereits einen Vers daraus niachen konnte. . . .Guten Morgen, Herr von Reiche nbach."

Guten Morgen, Herr von Grumkow. ... Würden Sie wohl gestatten, datz ich mit Ihrem Fräulein Tochter «ine Fahrt unternehme?" Der Schalk lachte dem flot­ten jungen Mann aus den Augen. . . .Ich muh leider danken", erwiderte Lisbeth scharf.Wenn das etwa ein Scherz sein sollte. . . ."

Bitte sehr, gnädiges Fräulein. . . . Jchhabe Ihnen bereits gestern den Vorschlag gemacht. . ."

Nein, nein, lassen Sie das nur", rief der Starrisch- ker dazwischen.Die Tauben sind für junge Mädchen zu gefährlich. . ."

12. Kapitel.

Ernas Brautstand begann damit, datz ihr der Bräutigam wegflog. Noch am Abend desselben Tages flog Walter nach Königsberg, kehrte aber in der Stacht nach Dietrichswald zurück. Er hatte das Gefühl, als dvenn ihm alle weiblichen Mitglieder der Familie nicht sehr freundlich gegenüberstanden, sowohl seine zukünf­tige Schwiegermutter wie ihre Schwester, Frau von Grumkow, und selbst Lisbeth. Ernas Mutter hatte ihm nach der ersten Überraschung gleich gesagt, sie er­warte von ihm, datz er nun das Fliegen aufgeben würde, und war sehr ungel-alten, datz er fein Flugzeug nicht durch Herrn von Reichenbach wegschaffen lieh.

Erna und Vater Dietrich hatten sich auf seine Seite gestellt, aber die böse Meinungsverschiedenheit war doch nun einmal da. Deshalb hatte Walter mit Erna besprochen, datz er nur noch einen Tag in Dietrichs­walde bleiben und dann mit ihr zu seinen Eltern fahren wollte. Der Vater wollte sie begleiten. . . . Die Abreise verzögerte sich jedoch um einen Tag. weil Weschkalene -das Brautpaar für den nächsten Abend einlud. Dadurch genossen sie noch das Vergnügen, in der Königsberger Zeitung zu lesen, datz derkühne Flieger" infolge seines Unfalls nicht nur einen alten Freund seines Vaters wiedergefunden, sondern sich auch mit einer demfliegenden Zeitalter" entsprechen­den Schnelligkeit eine, junge schöne Braut erobert hätte. Ernas und des Forstmeisters Aufstieg waren ausführlich mit viel Phantasie beschrieben.

Lisbeth, die sich gegen ihre Cousine und deren Ver­lobten auffällig kühl benommen hatte, bemerkte, als sie den Bericht ihrer Mutter vorlas:Weiht du, Mutter? Der erste Bericht in der Zeitung hat alles verschuldet. . . . Der ist der Erna zu Kopf gestiegen. . . . Sie er­blickte plötzlich in dem simplen Leutnant einen berühm­ten Helden. Und der Uveite Bericht wind wohl von ihr selbst stammen."

Du solltest dich was schämen, Lisbeth. . . . Der Daumlehner ist ein prächtiger Mensch, und wenn der Onkel Dietrich vernünftiger wäre, dann hätte er wohl sofort auf das Fliegen verzichtet. . . . Was braucht er jetzt noch zu fliegen? Er nimmt seinen Abschied, lernt noch ein Jahr die Wirtschaft, dann kauft ihnen der Alte eine Klitsche, auf der er Erfahrung sammelt, bis sie nial Dietrichswalde bekommen. . . . Ich wollte, dir käme auch so ein Freier durch die Luft geflogen. . . . Ja, Kind, sag' nial, was hast du eigentlich mit dem Reichenbach vorgehabt?"

Ach, Mutter, das ist ein ganz gräßlicher Mensch. Furchtbar von sich eingenommen, und einen Ton hat er an sich wie ein Schulmeister."

So, so? Ich dachte schon, du interessierst dich für ihn."

Nicht im geringsten, Mutter. . . . Das ist schon ganz ausgeschlossen, weil er auch fliegt. . ."

Das Brautpaar war mit dem Vater abgereist, die Welt ging ihren schiefen Gang weiter. Der Forst­meister hielt ihn für sehr schief, denn cs war wieder ein Reh gewildert worden. Narrte hatte das Gescheide ge­funden. Niemand hatte den Schutz gehört, er war also wohl an dem Tage gefallen, als alle Grünröcke in Dietrichswald versammelt waren.

In Makunischken war Käte Abromeit, die zukünf­tige Mamsell, eingerückt, um sich unter der Anleitung ihrer Tante für ihr Amt vorzubereiten. Der Hege- meister hatte schon am ersten Tage sein Urteil über sie in das Wortluchtern" zufammengesatzt. Es bezog sich in der Hauptsache auf die hellen, lustigen Augen der Jungfrau, die jeden Menschen freundlich anlachten.