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Mittwoch» 6. Ianuar 1915.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 8. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Tagesbericht vom 6. Januar.

Verschiedene französische Schützengräben erobert.

— Fortgesetzte hartnäckige Kämpfe bei Senn- Heim. — In Polen westlich der Weichsel mehrere Stützpunkte genommen» 1400 Russen gefangen genommen.

W.T.-B. Großes Hauptquartier» 6. Jan.»

vormittags. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Die Franzosen setzten gestern die planmäßige Beschießung der Orte hinter unserer Front fort. Ob sie damit ihre eigenen Landsleute ob­dachlos machen oder töten, scheint ihnen gleich­gültig zu sein. Uns schadet die Beschießung wenig.

Bei Sonain und im Argonnerwalde be­mächtigten wir uns verschiedener feindlicher Schützen­gräben, schlugen feindliche Angriffe zurück und machte» zwei französische Offiziere und über 200 Mann zu Gefangenen.

Auf der viel umstrittenen Höhe westlich Seunheim faßten die Franzosen gestern früh er­neut Fuß, wurden mit kräftigem Bazonett- angriff wieder von der Höhe geworfen und wagten keine neuen Vorstöße, 50 Alpenfägcr wur­den von uns gefangen genommen.

(östlicher Kriegsschauplatz.

An der Ostgrenze und im nördlichen Polen auch gestern keine Veränderungen.

I» Polen westlich der Weichsel stießen unsere Truppen nach Fortnahme mehrere feindlicher Stütz punkte bis zum Souchaabschnitt durch. 1400 Ge­fangene und neun Maschinengewehre blieben in un­serer Hand.

Aus dem östlichen P i l i c a u f e r ist die Lage un­verändert. Ober st c Heeresleitung.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Aus der „Schlacht der vier Flüsse".

(Nach russisch-holländischen Berichten.)

Sr. Amsterdam, 6. Jan. (Eig. Drahtbericht. Mr. Bln.) Die Russen haben Dampfboote armiert» die auf der Weichsel gute Arbeit verrichten und dir Deutschen daran hindern sollen» sich auf der Insel in der Mündung der Bzura festzusetzen. Die Deutschen versuchen erfolglos, diese Boote aus der Luft zu bombardieren. An der Rawka zeigen die Deutschen grohe Tätigkeit. Über den flachen, 30 bis 38 Meier breiten Strom findet ein fortwährendes Duell aller Geschützarten statt. Große Granaten sind in die russischen Schützengräben gefallen» so daß man annahm, man habe die berühmten 42-Zentimöter-Kauonen vor sich. Auch . eine neue Art von Geschossen feuern die Deutschen aus ihren Laufgräben. Die russischen Offiziere haben diese neuen Projektile Lufttorpedos genannt. Es lind Bomben mit einer 8-Zünderschnur, die durch einen unbe­kannten Mechanismus in einer Entfernung von' nur wenigen hundert Meter abgefeuert werden. Die Russen gebrauchen Handgranaten

Russische Truppenverstärkunyen für Warschau.

Zurückziehung des Gardekorps.

W. T.-B. Basel, 5. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Baseler Nachrichten" melden: Das russische Gavdekorps hat sich von der Bzura und Rawka zurückgezogen, um über Weihnachten zu ruhen. Aus ganz Ruß­land werden neue Regimenter nach der Gegend von Warschau gebracht. Die Aushebung der Jahres klasse 1915 vollzieht sich regelinäßig.

Rußlands Aufgebot der Kirgisen» Sarthcn, Burjaten und Tunguscn.

Dem „Lok.-Anz." wird aus Wien berichtet: Nach einer Petersburger Meldung hat die russische Regierung die sieben Millionen K irgi se n» Sar ih c n, Burjaten und Tun- g u s e n, die sämtlich nicht nur völlig milttärfrei sind, sondern auch ihre Pferde nicht zur Berfügung der russischen Armee zu halten brauchen, aufgefordert, sich der G e st e lI u n g^z u un­terziehen. Rußland hofft, dadurch eine neue Streit­macht von einer halben Million Streitern zu erhal­ten. Außerdem soll in jenen Gebieten eine Kriegs st euer eingeführt werden.

Russische Betteidungssorge».

Petersburg, 4. Jan. Das Zentralkomitee des Bundes der russischen Städte richtet einen Aufruf an die russischen Städte, in.dem es heißt: „Die Not im Heere an warmer Wasche ist ungeheuer." Die russische Militärverwaltung konnte also nicht einmal mit Hilfe der französischen Milliarden die russische Armee mit den notwendigsicn Sachen versorgen. Der Ver­lust des polnischen Indu stricbezirks läßt aber baS Versäumte nicht mehr nachholen. Nicht besser steht die

Sache auch mit den berühmten russischen Schafspelzen. .Utro Rassist" beklagt sich, daß die ungeschickte Requisition der Schaffelle, die von der Regierung durchgeführt wurde, den Fabriken gar nicht geholfen habe, die notwendigen Schafspelze herzustellcn, die im Preis ungeheuer gestiegen sind.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 5. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8.. Januar 1018 mittags. Am nördlichen und

südlichen Kriegsschauplatz hat sich nichts Wesentliches ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höfcr, Feldmarschalleutnant.

Tine österreichisch-ungarische Übersicht über den Stand der Rümpfe.

W. T.-B. Budapest, 6. Jan. (Nichtamtlich) Der Kriegs­berichterstatter des „Az Est", Franz Mo ln er, schildert den jetzigen Stand auf dem Kriegsschauplatz. Die Lage wird dort, ivo sich unsere Stellungen gegen Norden in unmittelbarer Nähe der Deutschen erstrecken, durch Unbeweglichkeit gekennzeichnet. Es finden dort nur kleinere und grö­ßere Kämpfe statt, wie auf den weniger exponierten Punkten des französischen Kriegsschauplatzes. Jede Partei ist be­strebt, von den einzelnen kleineren günstiger gelegenen Ort­schaften oder Anhöhen Besitz zu ergreifen, um sich dadurch eine gute Stellung zu sichern. Abgesehen von diesen einzelnen Kämpfen finden größere Zusammenstöße in Mittel­galizien zwischen den österreichisch-ungarischen und rmst- schen Truppen statt. Was die Stellungen an der Nida be­trifft, so wird hier unsere Front von der russischen durch den Fluß und dessen sumpfige Usergegend getrennt. Die Ntdasümpfe sind gefährlich. Ihr Übergang kann mir an sehr wenigen Stellen versucht werden. Diese Punkte wer­den beiderseits mit größter Sorgfalt bewacht. Ein eigent­licher Kampf findet auch hier nicht statt. Ein drittes Moment der Lage bildet der Versuch der Russen, von B o ch n i e aus gegen Krakau vorzudringen. Dieser Versuch ist zu- rückge sch lagen worden. Hierauf stellten die Russen den Kampf cin und gruben sich ein, nachdem sie sehr empfindliche V e r l n st e erlitten hatten. Unsere Amts­berichte erwähnen in den seltensten Fällen die Ziffer der ge­fallenen Rllssen, aber unter der Ansdrncksweise schwere „Verluste" verbergen sich Ziffern, die in die Tausende gehen. Der erfolgreiche Angriff bei G o r I i c e ist bereits er­wähnt worden; um D ukla herrscht Ruhe. Die Russen bleiben hier stehen. Das geringfügige Zurückgehen unserer Truppen bei Uzack hat nur geringe Bedeutung und gar keinen Einfluß auf unsere Karpathenstcllung.

Zurückdrängung der in ungarische Romilate eingedrungenen Rüsten.

W. T.-B. Budapest, 6. Jan. (Nichtamtlich) „Az Est" mel­det: Ein Teil der im Komitat Ung eingedrungenen russischen Truppen ist durch das Linytatal in das Komitat B e r e g cm- gedrungen. . Die Rüsten waren wohl numerisch im Überge­wicht, unsere Truppen stellten sich ihnen jedoch in neugruppier­ten günstigen Positionen entgegen, und es gelang ihnen, den Gegner wieder in Kürze zu r ü ck z u d r ä n g c n. Die Lage i,i nicht beunruhigend, was daraus hervorgeht, daß dre Acetonfabrik Peressiny ihren Betrieb fort setzt.

Eine patriotische Kundgebung ungarischer Serben.

W T -B Budapest, 5. Jan. (Nichtamtlich) Aus Nagy- becskerek wind gemeldet: Eine Deputation von Serben au» Nagybecskcrek erschien beim Regierung», kommissar des Komitats Torontal im Ob-rgessmn Delimanics und ersuchte ihn, der Regierung geg^uber ihre Gefühle des Patriotismus und der Anhänglichkeit für ta™ngarische Vaterland und das Herrscherhaus Aus­druck zu verleihen, sowie die Versicherung auszudrucken dav die seMschen Brüder Ungarns jederzeit m tJ^rtotiTc&er Be­geisterung ihre Pflichten gegenüber dem Vaterland und dem König nachgekommen seien und auch m Zukunst Nach­kommen würden. Der Regierungskomminar druckte seine Freude über die patviotischc Kundgebung aus.

Die Bedeutung der Festung przemysl.

Im Moskauer „Rutzkoje Slowo" schreibt Oberst Michailowski über die Bedeuluug der Festung Przemysl, „die sich leider immer noch im Besitze der Österreicher be­finde": „Viel hängt von Przemysl ab. Die Garnison dieser

Festuna hat neuerdings Ausfälle versucht, die zurückgewlesen wurden. Wir dürfen nicht fortwährend die Versuche der Festunasbesayung, die Blockade zu brechen, und ihre Tatigteit damit zu erkläreu suchen, daß die Lage der Festung verzwei­felt sei, so wie wir mehr mit dem Mute unseres Heeres al-, mit den Fehlern uiid Mängeln unserer Gegner rechnen müssen." Die Einnahme von Przemysl wäre jetzt i n s e der Hinsicht notwendig. Überhaupt solle man doch nicht glauben, daß die Österreicher und Ungarn _ vollständig _ ge­schlagen (darüber aber berichten gewisse russische Blätter schon seit Anfang des Krieges) und nicht mehr in der Lage seren, die Karpatüenpässe zu verteidigen. Der Optimismus ge- wiffer Schriftsteller sei übel angebracht. Die Österreicher und Ungarn verteidigten sich mutig und mit großer Be- barrlichkeit, und in den russischen Offizierskreisen werde der Gegner keineswegs unterschätzt. Die Kämpfe in den Karpathen seien keineswegs zu Ende."

Lin neuer russischer Pump in England und Frankreich.

Br. Brüssel, 6. Jan. (Erg. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Rußland hat mit der Bank von England und der Bank von Frankreich eine Kreditoperation abge­

schlossen, wonach jede dieser Banken dem russischen Finanzminister zur Einlösung seiner 2 o nd o n e r und Pariser Januarfälligkeiten, 250 Millionen Franken gegen bprozentige Schatzwechsel vorschreßt.

Eine weitere Abteilung des englischen Roten Kreuzes für Serbien.

W. T.-B. Saloniki, 6. Jan. (Nichtamtlich) Eine weitere Abteilung des englischen 9toten Kreuzes^ die aus 2 Ärzten und 34 Pflegern besteht, ist gestern nach Serbien äbgegangen.

Oie Lage im Westen.

Die »»Schützengrabenfreundschaft" verboten.

Br. Berlin, 6. Jan. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Durch Armeebefehl der obersten Heeresleitung vom 29. Dezember ist das Fraternisieren und überhaupt ,edc freundschaftliche Annäherung an den Feind im Schützen­graben verbaten worden. Jede Zuwiderhandlung wird in Zukunft als Landesverrat bestraft.

Raum noch 30 000 belgische Truppen.

Berlin, 0. Jan. (Ktr. Bln.) . Der Pariser Mit­arbeiter der „Neuen Zürcher Zeitung" bestätigt, nach einer Meldung der „Kölnischen Zeitung', daß dre bel­gische Armee furchtbar gelitten habe, so daß sie als vernichtet gelten kann. Die Reste der aus Ant­werpen gekommenen belgischen Armee kämpften auf einem kleinen L a n d st r e r f e « am Meer, der von den Deutschen nicht besetzt werden konnte. Der wirk­liche Bestand der belgischen Armee werde sorgfaltig g^ heim gehalten. Es können kaum noch 30000 Manu vorhanden sein.

Der französische Bericht vom Dienstagabend.

W. T.-B- Paris, 6. Jan. (Nichtamtlich.) Amtliche Mel. düng von Dienstagabend 11 Uhr. In der vergangenen Nach bemächtigten sich unsere Truppen eines Stenibruchs an der Strahenverzweigung Rouvrois-St. Mihiel, ebenso der benachbarten Schützengräben. Andere Operationen wurden nicht gemeldet. Das Wetter ,st andanerud sehr schlecht, der Regen fällt unaufhörlich.

Der französische amtliche Bericht vom Montagabend.

W T.-B- Paris, B. Jan. (Nichtamtlich.) Das (in der Moraenausaabe schon erwähnte) amtliche Communique von 11 Uhr abends lautet wörtlich wie folgt: Die einzigen

bisher eingelanfenen NachriLten betreffen Oberelsaß.. wo die Kämpfe in der Gegen? von Sennheim mit großer Heftigkeit fortdauern. In der vergangenen Nacht v er - loren unsere Truppen einen Teil und dic Krrche

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Bemerkenswerte Orte sind unterstrichen

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von Steinbach, die sie später wieder eroberten. DtorgenS eroberten sie das ganze Dorf. Die deutsche« Schanzen westlich Stembach auf der Höhe 428 wurden gestern von uns erobert. In der vergangenen Nacht ginge« sie einen Augenblick infolge eines sehn heftigen Gegen­angriffes wieder verloren, aber die Deutschen konnten sich dort nicht behaupten. Die Stellung blieb in unseren Händen.

Die erbitterten Kämpfe um Sternbach.

Berlin, 6. Jan.' (Ktr. Bln.) Über die Kämpfe bei Steinbach heißt es in einem Genfer Telegramm des „23. L.-A.": Die Gefechte auf den Höhen von Sennheim und um den Besitz des Dorfes Stcinboch gehören nach den französi­schen Darstellungen zu den blutigsten des Feldzuges. Am erbittertsten wurde in der Nacht auf Montag um die Steinbacher Kirchenplatzhäuser gerungen. Hier erlitten die Franzosen die allerschwersten Verluste. Von einer endgültigen Entscheidung kann, da beiderseits Vers stärknngen erwartet wurden, keine Rede sein.

Die Verwendung der französischen Kavallerie- Offiziere.

W.T.-B. Zürich, 5. Jan. (Nichtamtlich) Der „Neuen Zürcher Zeitung" zufolge werden die französt- schen Kavallerieoffiziere jetzt, da der Stellungs-.